Hoffnungsvolle Töne von Lawrow?

Steinmeier in New York

Vor allem fürs Archiv: Zum Verhältnis zwischen Russland und dem Westen, insbesondere den USA, dominiert in Deutschland derzeit eine Formulierung aus einem Interview des russischen Außenministers Sergej Lawrow im russischen Kanal 5 die Berichterstattung, zum  Beispiel bei der Deutschen Welle:

Beim ersten Mal ist es misslungen, nun soll ein zweiter Versuch glücken: Russlands Außenminister will den „Sanktionskrieg“ mit dem Westen beenden und die Beziehungen zu den USA neu starten.
„Es ist jetzt das nötig, was die Amerikaner wohl ‚Reset‘ nennen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow im russischen Fernsehsender Kanal 5. Russland sei für eine Normalisierung des Verhältnisses sowie für eine Neuauflage der früheren Politik von US-Präsident Barack Obama. Vielleicht könne es einen „Neustart 2.0“ geben, sagte Lawrow.

Ein anderes Interview mit Lawrow findet dagegen weniger Beachtung: Es wurde geführt vom russischen Auslandskanal Russia Today und einer Zeitungsgruppe. Darin sind ein paar Aussagen, die härter klingen:

I very much hope that the US will finally see the light and realize that they can no longer act as the prosecutor, the judge, and the executioner in every part of the world and that they need to cooperate to resolve issues. As you can see, they began fighting terrorists only when their own citizens were beheaded and that footage was made public. We had warned them long ago that the US should not support those forces only because they are fighting Assad in Syria. So they declared this war on terror and their plans to defeat ISIS. And they had to build a broad coalition – they realize the mission required a political and military alliance. The proper way to do it would have been to put the issue up at the UN Security Council and to cooperate with the Syrian government which had long declared they were ready to cooperate with the international community in fighting terrorism. But the US picked a different path. This is wrong, and doesn’t add legitimacy to the process. weiterlesen

Kaufen oder Leasen? Die Flugzeug-Debatte

Über die grundsätzliche Situation beim Großgerät der Bundeswehr hinaus, jenseits der Aussage von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Bundeswehr könne derzeit ihre NATO-Verpflichtungen nicht erfüllen, beschäftigt die Flugzeug-Afficionados hier eine Äußerung der Ministerin besonders:

Aber bis wir über eine voll einsatzfähige A400M-Flotte verfügen, wird es noch Jahre dauern. So lange muss die bewährte, alte Transall fliegen. Aber wir müssen sie entlasten. Deshalb prüfen wir, parallel zusätzliche Transportflugzeuge zu mieten. Die kann man für humanitäre Einsätze nutzen, während die gegen Beschuss geschützten Transall vor allem in gefährliche Krisenregionen fliegen sollen.

zitiert die heutige Bild am Sonntag aus ihrem Interview (Link aus bekannten Gründen nicht).

Allerdings: Die Probleme der vergangenen Tage ereigneten sich ja gerade mit den gegen Beschuss geschützten Transall, der so genannten ESS-Version (von denen die Luftwaffe 24 im Buchbestand hat). In den Nordirak flogen die Instruktoren mit einer solchen geschützten Version, und es klappte erst im dritten Anlauf. In Afghanistan werden nur die geschützten Versionen eingesetzt, und bei ihrem jüngsten Besuch in Kabul flog die Ministerin mit CH53-Hubschraubern von Masar-i-Scharif ein, weil es für die Transall zu hoch/zu heiß war. In Mali, so lange die Luftwaffe noch im MINUSMA-Auftrag flog, waren es geschützte Versionen. Und so ziemlich jede militärisch kritische Mission – also die, für die man ohnehin keine zivilen Flieger nehmen/kaufen/leasen will – wird auf die ESS-Transall angewiesen sein…

Ehe die Debatte, ob und wenn ja welches Flugzeugmuster geleast werden soll, in ihrer Detailtiefe die Diskussion über grundlegende Probleme überschattet – hier lieber ein neuer Thread für alle Fans des fliegenden Geräts.

(Bereits aufgelaufene Kommentare zu dem Thema verschiebe ich hierher.)

(Foto: Eine Antonov AN-2 der estnischen Streitkräfte, der größte einmotorige Doppeldecker der Welt, auf der Luftwaffenbasis Ämari in Estland)

Train, Advise, Assist: Auch der künftige Einsatz in Afghanistan ist nicht risikolos

Voraussichtlich am Donnerstag kommender Woche, so meldete es jedenfalls der persische Dienst der BBC, wird Afghanistan nach Monaten der Unklarheit das Bilaterale Sicherheitsabkommen (BSA) mit den USA unterzeichnen – Voraussetzung für weitere Abkommen mit anderen Staaten (wie Deutschland) und damit die Möglichkeit für ein weiteres internationales Militärengagement im kommenden Jahr, wenn die ISAF-Mission ausläuft. Die Rolle der dann deutlich geschrumpften internationalen Truppen in der Resolute Support Mission wird Beratung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte. Im Militärjargon: Train, Advise, Assist. Und eben kein Kampfauftrag mehr.

Dass das dennoch nicht risikolos ist und auch schiefgehen kann, zeigt ein Video der US-Soldatenzeitung Stars&Stripes: US troops sent to advise Afghan forces drawn into firefight

(Direktlink: http://youtu.be/lrmbc0LwDBY) weiterlesen