Wg. Ukraine – Angriff auf NATO-Webseite?

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Jetzt wird’s doch interessant: Eine anonyme Gruppe, die sich CyberBerkut (nach der ukrainischen Polizeieinheit Berkut) nennt, nimmt für sich in Anspruch, die Webseite der NATO (und noch ein paar andere) lahmgelegt zu haben:

Ukrainian hacker group CyberBerkut launched a DDoS-attack on NATO main web server (www.nato.int), NATO Parliamentary Assembly (www.nato-pa.int) and NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (www.ccdcoe.org). The above mentioned web servers are not responding.
Actions of CyberBerkut were carried out as a protest against NATO involvement in the Ukrainian crisis.
Hackers made a statement on their website www.cyber-berkut.org

In der Tat ist nato.int derzeit nicht erreichbar, die Webseite des NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence in Tallinn, Estland, dagegen schon – wenn auch recht langsam. Das sieht also zumindest zum Teil nach einer massiven Distributed Denial of Service (DDoS)-Attacke aus. (Merkwürdigerweise sind NATO-Subdomains wie isaf.nato.int erreichbar.)

Die Gruppe hat, ihrer Webseite zufolge, schon etliche ukrainische Webseiten angegriffen und verfolgt einen offensichtlich pro-russischen Kurs, und natürlich einen gezielt gegen die NATO. Die Gugel-Übersetzung gibt eine grobe Idee, ist allerdings so extrem holperig, dass man sich schon sehr mühen muss (das einzustellen, macht hier wenig Sinn).

Nachtrag: Die NATO hat den Angriff bestätigt.

Lagebeobachtung Ukraine: 15. März

In Moskau demonstrieren Zehntausende gegen einen Krieg Russlands in der Ukraine. Im Schwarzen Meer ist zwar ein US-Kriegsschiff unterwegs (Foto oben), aber eigentlich nur zum Manöver mit NATO-Verbündeten. Von der angeblich über der Krim vom Himmel geholten US-Drohne ist nichts mehr zu hören oder zu lesen. im Osten der Ukraine bleibt die Lage explosiv. Und sonst warten alle darauf, wie das Referendum auf der Krim am (morgigen) Sonntag zu einem Anschluss an Russland ausgeht – obwohl das Ergebnis eigentlich schon erwartbar ist.

Als Lesestoff dazu eine Betrachtung von US-Professor John Schindler vom US Naval War College:

The Kremlin is either about to start a major war, or wants the world to think it is: there is no third choice now. Given the scheduled referendum in the Crimea this Sunday, smart money has it that Putin, if he really launches an all-out push for Ukraine – which, as I’ve already explained, could be a disastrous move on his part – it will come early next week. Needless to add, this scenario brings chills to me and to anyone who understands the stakes in what would immediately be the biggest European war since 1945. (…)

Nachtrag: Reuters meldet unter Berufung auf das ukrainische Verteidigungsministerium, es habe einen Versuch russischer Kräfte gegeben, in ein Gebiet außerhab der Krim einzudringen; die Details bleiben unklar: weiterlesen

Karzai will ausländische Truppen schnell nach Hause schicken

In seiner letzten Rede als Präsident Afghanistans vor dem afghanischen Parlament hat Hami Karzai noch mal richtig ausgeholt: Der zwölfjährige Krieg in seinem Land sei Afghanistan aufgezwungen worden – und die ausländischen Truppen könnten das Land ruhig bis zum Jahresende verlassen; die afghanischen Sicherheitskräfte würden schon mit der Situation fertig.

Eine Meldung  dazu habe ich bislang nur von Associated Press gefunden:

Afghan President Hamid Karzai says the last 12 years of war were “imposed” on Afghans, a reference to the U.S.-led invasion that ousted the Taliban. In a last address to Parliament on Saturday, Karzai also said his armed forces, now responsible for 93 percent of the country, were ready to take over entirely after the final withdrawal of U.S. and NATO troops later this year. (…)
He reiterated his stance that he wouldn’t sign a security pact with Washington to allow a residual force to remain behind in Afghanistan, unless the U.S first brings peace.

Nun sind diese Aussagen sicherlich vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahl am Hindukusch zu sehen – und des bevorstehenden Abschieds des Präsidenten. Ob sie größere Resonanz im Land finden, wird sich vermutlich erst nach der Wahl Anfang April zeigen.

(Archivbild: Karzai im Trainingszentrum der afghanischen Polizei in Kabul, Dezember 2009 – ISAFmedia via Flickr unter CC-BY-Lizenz)