Unklare Meldungslage: US-Drohne über der Krim abgefangen? (Update)

Es ist ein weiteres Mosaiksteinchen in diesem Informationskrieg um die Ukraine und die Krim: Seit einigen Stunden gibt es Meldungen, über der Krim sei eine US-Aufklärungsdrohne vom Typ Hunter MQ-5B abgefangen worden (im Foto oben diese Drohne bei einem Trainingsflug in Bayern). Das Fluggerät soll bereits am (gestrigen) Donnerstag abgeschossen mit elektronischen Mitteln abgefangen worden sein und der 66th Intelligence Brigade gehören, die in Deutschland stationiert ist, meldet unter anderem eine russischsprachige Webseite (Gugel-Übersetzung hier). Quelle dafür ist offensichtlich ein Unternehmen, der russische Staatskonzern Rostec (auf dessen Website ich die Meldung allerdings nicht finden kann).

Es soll bereits das zweite Unmanned Aerial Vehicle der USA sein, das über der Krim verloren geht. Bei dem Hunter handelt es sich um eine unbewaffnete Aufklärungsdrohne.

Eine Bestätigung dafür gibt es bislang nicht; das Pentagon hat die Meldung laut US-Sender ABC dementiert. Auch gibt es bisher keine Fotos von einer abgeschossenen Drohne. Und ohne Beleg ist es vorerst wirklich nur Informationskrieg.

Update: Rostec weist inzwischen zurück, dass das Unternehmen gemeldet habe, mit ihrem System sei eine US-Drohne abgefangen worden, und weist die Verantwortung für die Meldung der (oben genannten) russischen Webseite zu.

(Foto: A U.S. Army Hunter MQ-5B Unmanned Aerial System (UAS) takes off for a training flight at the Hohenfels Training Area, Hohenfels, Germany, July 22, 2013 – U.S. Army photo by Staff Sgt. Caleb Barrieau, 7th Army Joint Multinational Training Command)

For pros: Ukraine NOTAM

ukraine_east_airspace_20140314

Apologies to my readers: This entry serves to make available the current NOTAM (notices to airmen) for Ukrainian airspace, as the server where I found it (http://ibs.rlp.cz/notam.do?id=notam_UKXX&anode=notam_UKXX) seems not easily available. Hopefully, flight & air traffic pros can draw some conclusions from this latest information about regions in Ukraine (besides Crimea) where regular air traffic is restricted…

As my Dutch colleague Hans de Vreij noted, the airspace over Eastern Ukraine seemed pretty empty today. So maybe someone can correlate this to the NOTAMs?

Update: According to Swedish milblogger Wiseman’s Wisdoms there’s a buffer zone in place.

So here’s the copy of above mentioned website as of 18:15 UTC today:

Valid: 2014-03-14 18:15:22 UTC – 2014-03-15 18:15:22 UTC weiterlesen

Deutscher Russland-Koordinator: An Wirtschaftsbeziehungen hängen 300.000 deutsche Arbeitsplätze

maidan_putin

Zur weiteren Lagebeobachtung Ukraine: Während das für kommenden Sonntag geplante Referendum auf der Krim zu einem Anschluss an Russland näher rückt, sucht der Westen weiter nach Wegen, auf die russische Führung einzuwirken. Das Spitzengespräch zwischen US-Außenminister John Kerry und seinem Moskauer Kollegen Sergej Lawrow am (heutigen) Freitag in London blieb allerdings ergebnislos; und auch sonst scheint sich diplomatisch nicht viel zu bewegen. Estlands Verteidigungsminister warnte öffentlich vor einer russischen Invasion in der Ost-Ukraine. Und die NATO redet offiziell vom so genannten Referendum auf der Krim…

Unterdessen hat der Russland-Koordinator der Bundesregierung, der SPD-Politiker Gernot Erler,  das Problem von Sanktionen gegen Russland für die deutsche Wirtschaft beschrieben: 6.200 deutsche Firmen sind in Russland aktiv. Wir haben 20 Milliarden Euro Direktinvestitionen in Russland, das Handelsvolumen betrug im Jahr 2013 76 Milliarden Euro. Von all diesen Zahlen hängen mindestens 300.000 Arbeitsplätze ab, sagte Erler in einem vorab veröffentlichten Interview der Bundestags-Wochenzeitung Das Parlament. Dennoch sei jede Spekulation, dass die EU sich nicht auf Sanktionen wegen des russischen Vorgehens gegen die Ukraine verständigen könne, naiv, betonte Erler: Es wird eine Antwort geben, sollte Russland seinen Kurs fortsetzen.

Der deutsche Russland beauftragte machte zugleich deutlich, dass eine Annexion der Krim durch Russland vermutlich nicht mehr zu verhindern sei: Diese Frage ist in der russischen Führung wohl längst entschieden. Aus russischer Sicht werde damit der Fehler der Übergabe der Krim an die Ukraine 1954 korrigiert. Er hoffe aber, dass die russische Führung einsehe, dass der Preis für eine russische Übernahme weiterer Teile der Ukraine zu hoch wäre, sagte Erler – obwohl er es auch für möglich halte, dass die Krim erst der Anfang ist. Wie schon am Vortag die Bundeskanzlerin schloss auch er militärische Schritte aus: Eine kriegerische Auseinandersetzung kommt nicht in Frage.

Das Interview Erlers im Wortlaut: weiterlesen