Abzug aus Kundus: Letztes Gedenken am Ehrenhain

Dirk NIEBEL

Der für diesen Monat geplante Abzug aus Kundus in Nordafghanistan und die Übergabe des deutschen Camps an die Afghanen rückt in greifbare Nähe: Am (heutigen) Donnerstag haben die Soldaten zum letzten Mal in diesem Feldlager der gefallenen Kameraden gedacht, wie dpa berichtet:

Vor dem Abzug der Bundeswehr aus dem nordafghanischen Kundus haben die deutschen Soldaten dort letztmalig im Kreis ihrer Kameraden der Gefallenen gedacht. Hunderte versammelten sich am Donnerstagabend schweigend mit Kerzen am Ehrenhain im Feldlager. Der Kommandeur des letzten Infanteriebataillons in Kundus, Oberstleutnant Heiko Diehl, verlas am Tag der Deutschen Einheit die Namen von 24 getöteten Bundeswehr-Soldaten.

Bis zum letzten Konvoi Richtung Masar-i-Scharif wird es nicht mehr lange dauern.

(Archivbild:  Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel und der Kommandeur des PRT Kundus, Oberst Reinhardt Zudrop, legen zu Ehren der gefallenen Soldaten am Ehrenhain im PRT Kundus / Afghanistan einen Kranz nieder . 01.06.2010 ©Thomas Imo/ photothek.net)

 

‚Unser Land ist keine Insel‘ – Bundespräsident plädiert für mehr internationales Engagement Deutschlands

Bei der zentralen Feier zum Tag der deutschen Einheit am heutigen 3. Oktober in Stuttgart hat Bundespräsident Joachim Gauck sich (auch) zur deutschen Rolle in der Außen- und Sicherheitspolitik geäußert. Das dürfte noch interessante Debatten geben; hier zur Dokumentation aus der veröffentlichten Rede die Passage dazu:

Was ist nun die Aufgabe Deutschlands in Europa und in der Welt? Manche Nachbarländer fürchten eine starke Rolle Deutschlands, andere wünschen sie. Auch wir selbst schwanken: Weniger Verantwortung geht nicht länger, an mehr Verantwortung müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Fünf Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schrieb die politische Denkerin Hannah Arendt: „Es sieht so aus, als ob sich die Deutschen nun, nachdem man ihnen die Weltherrschaft verwehrt hat, in die Ohnmacht verliebt hätten.“ Deutschland hatte Europa in Trümmer gelegt und Millionen Menschenleben vernichtet. Was Arendt als Ohnmacht beschrieb, hatte eine politische Ratio. Das besiegte Deutschland musste sich erst neues Vertrauen erwerben und seine Souveränität wiedererlangen.

Vor wenigen Wochen, bei meinem Besuch in Frankreich, wurde ich allerdings mit der Frage konfrontiert: Erinnern wir Deutsche auch deshalb so intensiv an unsere Vergangenheit, weil wir eine Entschuldigung dafür suchen, den heutigen Problemen und Konflikten in der Welt auszuweichen? Lassen wir andere unsere Versicherungspolice zahlen?

Es gibt natürlich Gründe, dieser Auffassung zu widersprechen. Die Bundeswehr hilft, in Afghanistan und im Kosovo den Frieden zu sichern. weiterlesen