Oberst Georg Klein zum Brigadegeneral befördert

Das Verteidigungsministerium hat die Nachricht gut versteckt, aber aufgefallen ist sie dennoch: Der Kommandeur des umstrittenen Luftschlags bei Kundus im September 2009, Georg Klein (Foto oben rechts), ist am Mittwoch vergangener Woche zum Brigadegeneral befördert worden. Die Nachricht steckte in einer unauffälligen Meldung auf der dritten Seite der Bundeswehr-Zeitung aktuell, Ausgabe Nr. 12 vom heutigen Dienstag. Unter der Überschrift Befördert durch den Staatssekretär heißt es im letzten Satz: Die Oberste Georg Klein, Wolfgang Renner, Stefan Perschke und Stefan Fix wurden zu Brigadegeneralen ernannt.

Dass Klein zur Beförderung zum General ansteht, war bereits seit dem vergangenen Jahr klar. Im August hatte das Ministerium mitgeteilt, dass der Oberst zum Abteilungsleiter im Amt für Personalmanagement der Bundeswehr ernannt wurde; diese Stelle war für einen Brigadegeneral vorgesehen.

Klein hatte als Kommandeur des Provincial Reconstruction Teams (PRT) Kundus den Luftschlag angefordert, mit dem zwei von Taliban entführte Tanklaster auf einer Sandbank im Kundus-Fluss zerstört werden sollten. Dabei kamen zahlreiche Menschen ums Leben, unter ihnen auch Zivilisten – die genaue Zahl wird vermutlich nie feststehen. Strafrechtliche Ermittlungen gegen Klein, die wegen es möglichen Verstoßes gegen das humanitäre Völkerrecht von der Bundesanwaltschaft geführt wurden, wurden eingestellt, ebenso ein Disziplinarverfahren gegen ihn. Die juristische Aufarbeitung des Luftangriffs ist allerdings noch nicht abgeschlossen: Vor dem Landgericht Bonn klagen Hinterbliebene der Getöteten auf Schadenersatz.

(Foto: Oberst Georg Klein (r.) mit Generalarzt Stephan Schoeps im Mai 2012 bei der 54. Internationalen Soldatenwallfahrt nach Lourdes (Foto via flickr mit freundlicher Genehmigung von Lourdes 2012)

210 Gedanken zu „Oberst Georg Klein zum Brigadegeneral befördert

  1. Meinen herzlichen Glückwunsch an den neuen Brigadegeneral Klein !

    Vor allem wegen seiner untadeligen Haltung wie er im nachhinein zu seiner Handlung stand. Ich vermute, die hat auch einigen Abgeordneten des Verteidigungsausschusses Respekt gezollt.

    Des weiteren ist es ihm zu verdanken, dass die deutschen Politiker aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wurden und die Realitätsverweigerung eines Kriegseinsatz der Bundeswehr nicht mehr retouchieren konnten.

    Aufgrund der daraufhin erfolgten Strategieänderung, Erklärung zum nichtinternationalen bewaffneten Konflikt, Einsatz der PzHaubitze 2000, Änderung der ROE usw., dürfte sich das Blatt in der Region Kunduz geändert haben.

  2. @Andreas Moser:
    BrigGen Klein ist ein „Personaler“.
    Seine Zeit als ChdSt 13. PzGrenDiv (und dabei auch COM PRT Kunduz) war eher eine Zwischenstation zu seiner jetzigen Verwendung. Also alles andere als eine Strafversetzung.
    Aber darum geht es ihnen ja eigentlich nicht, sondern um die nochmalige Grundsatzdiskussion um den 04.09.09. Oder?

  3. @Georg:
    Die ROE-Änderung erfolgte bereits im Juli 2009. Bremser waren hier auch nicht – wie auch von Ihnen unterstellt – Abgeordnete, sondern Minister Jung, Staatssekretäre, GI, Befh EinsFüKdo, Inspekteure, Rechtsabteilung.
    Der 04.09.09 befördert weiterhin Legenden auf allen Seiten.

  4. @TheDude

    Häh?

    (Die Auswahl der verfügbaren Bilder von Klein ist etwas begrenzt.)

    Ansonsten wäre ich auch in diesem Thread dankbar, wenn es nicht zu Entgleisungen kommt…

  5. @ Memoria

    „Politiker“ hatte ich meinen Kommentar als Oberbegrifff gewählt.
    Minister Jung, GI Schneiderhan und StsSekr Wichert sind ja zumindestens indirekt als Folge des Luftangriffes zurückgetreten oder pensioniert worden.
    Insofern sind zwar die ROE im Juli 2009 geändert worden, aber die Realität des Einsatzes in AFG kam erst durch die Ereignisse des 04.09.2009 in das Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit.

  6. @Georg:
    D’accord.
    Die viel zu späten ROE-Änderungen sind für mich jedoch weiter das beste Beispiel für das Versagen der Generalität. Gerade rund um Klein entsteht immer mehr ein Mythos von den aufrichtigen Offizieren und den unfähigen Politikern. Das ist schlichtweg falsch.

  7. Mit Erstaunen sehe ich, daß General Klein von manchen Kommentatoren mit soviel Lob überhäuft wird, wie wenn er zu den Offizieren des 20. Juli 1944 gehört hätte.

  8. es wurde gegen general klein, nach sorgfältiger prüfung des vorfalls durch staatsanwaltschaft, keine anklage erhoben.
    ich verstehe nicht warum so manche person mit unverständnis reagiert, dass die beförderung ausgesprochen wurde.

  9. Irgendwie muss ich da an den Artikel „A new accountability“ denken (2009):
    „That being said, it’s time that leadership downrange hear the bell clearly; no more losing ground and coming back holding your place on the promotion list.“

  10. Nunja, das man seitens PrÖA mit dieser Meldung nicht hausieren geht, war ja wohl auch zu erwarten. Genauso wie die morgen folgenden Kommentare in den üblichen verdächtigen Medien (nachdem die entsprechenden Journalisten die Meldung mal wieder zuerst bei augengeradeaus.net entdeckt haben!).
    Die Art der Veröffentlichung ist insofern meines Erachtens nach konsequent, ist sie doch in der Form, in der seit geraumer Zeit diese Nachrichten publiziert werden.
    „Dramatischer“ hätte ich es gefunden, hätte man diese Beförderung tatsächlich einfach gar nicht veröffentlicht.
    Also meiner Meinung nach alles richtig gemacht im PrÖA-Stab. (passiert nicht allzu oft, dass ich das behaupten kann)

  11. Die Diskussion ist so was von zu wieder er hat sich für seine Leute Eingesetzt
    Und Erntet dafür nur Steine
    Keiner hat je gesagt wie viele seiner Leute wegen ihn noch leben , Davor gab es Anschläge nach dem anderen danach war eine weil Still

  12. “ […] mit dem zwei von Taliban zerstörte Tanklaster auf einer Sandbank im Kundus-Fluss zerstört werden sollten.“

    Wie jetzt? Doppelte Zerstörung? Wohl doch eher vorher Entführung, oder? ;-)

  13. @TheDude

    „Was für schneidige ‚Pflaumen‘ auf dem Bild.“

    Wortwahl sicherlich zweifelhaft.

    Aber daß der Bundeswehrgeneral Klein rein phy­si­o­g­no­misch nicht unbedingt dem entspricht, was man sich unter einem Truppenführer vorstellt, dürfte nachvollziehbar sein.

  14. @Zeitzeuge
    Aber daß der Bundeswehrgeneral Klein rein phy­si­o­g­no­misch nicht unbedingt dem entspricht, was man sich unter einem Truppenführer vorstellt, dürfte nachvollziehbar sein.

    Würd ich so nicht unterschreiben, und das ist nichtmal negativ gemeint. (Das Bild ist halt einfach etwas unglücklich. Und wenn ich mir so Generale anschau, dann sehen die seltenst aus wie G.I. Joe.)

    Ist aber auch absolut wurscht.

  15. @mick

    „ich verstehe nicht warum so manche person mit unverständnis reagiert, dass die beförderung ausgesprochen wurde.“

    Fehlverhalten und Anklage durch die Saatsanwaltschaft sind zwei verschiedene Vorgänge!

    Es wurden Uffz schon für weniger nicht zum BS, nach einem Diszi, übernommen!

    Es gibt eben verschiedene Ansichten und Bewertungen zum Fall Kunduz!

    – politisch
    – militärisch
    – moralisch
    – ethisch
    – rechtlich/juristisch
    – menschlich
    . situationsbezogen uvm

  16. Ganz allgemein: Ich gratuliere zur Beförderung und wünsche viel Soldatenglück im neuen Dienstgrad und auf dem Dienstposten.

    Der Kommandeur des umstrittenen Luftschlags bei Kundus…
    Ich akzeptiere diese Wortwahl nicht- womit ich Ihnen die Verwendung nicht in Abrede stellen will, was ich auch nicht wollte/dürfte/ könnte.

    Wer das HVR und dessen nach Frau Harms`Einschätzung korrekte Anwendung „umstritten“ nennt, der solle bitte bennen, was umstritten sei.

    @Elahan | 02. April 2013 – 22:43
    Es wurden Uffz schon für weniger nicht zum BS, nach einem Diszi, übernommen!
    Jemand mit einem Diszi bekam ein Fehlverhalten sanktioniert. Hier in diesem konkreten Einzelfall, war das offensichtlich nicht der Fall. Dem Vernehmen nach wurde das Disziplinarverfahren gegen den seinerzeitigen Oberst Klein eingestellt. Was lässt Sie also zu solch einer Aussage hinreißen?

    Es gibt eben verschiedene Ansichten und Bewertungen zum Fall Kunduz!
    Das ist so, weil man meint, dass es so sein müsse. Aber es gab/ gibt nur zwei relevante! 1. die juristische Bewertung und 2. die dienstliche Beurteilung der soldatischen Leistung des Obersten.

    Eignung, Leistung und Befähigung. Das sind die Kriterien. Haben Sie persönlich stichhaltige Beweise, dass beim BG Klein die Beförderung nicht nach diesen Kriterien vonstatten ging?

    @ Andreas Moser | 02. April 2013 – 18:11
    Ein stinklangweiliger Posten ist anscheinend die Höchststrafe für übertriebene Bombardements in Staaten, mit denen wir verbündet sind.

    Es scheint viele Dinge zu geben, die Sie ganz offensichtlich nicht (so schnell) zu begreifen in der Lage scheinen-das ist nicht schlimm, das geht vielen mit ganz unterschiedlichen Dingen so. Schade nur, dass Demokratie und demokratischer Diskurs bei Ihnen mit zu diesen Dingen zu zählen scheinen.

  17. Ich denke, man sollte sich mal die Situation des Oberst Klein damals vor Augen führen: Seit seinem Dienstantritt als Befehlshaber des Provincial Reconstruction Teams Kunduz im April 2009 fielen 4 Junge Männer in Kunduz. Keiner von ihnen war älter als 23 Jahre. Als Befehlshaber ist man für den Schutz seiner Soldaten verantwortlich und wenn man die Chance hat, einem „unsichtbaren“ Feind, wie die Taliban ja häufig beschrieben werden, zu treffen, dann kann ich seine Reaktion verstehen. Ich kann auch verstehen, wenn es aus Rache geschehen ist, wenn man mal davon absieht, das es eine ganz normale kriegerische Handlung ist, Tanklastwagen von Feinden zu zerstören. Das hat nichts damit zu tun, dass ich nicht Mitgefühl für die zivilen Opfer habe… Man sollte aber mit einer Verurteilungen der Persönlichkeit Georg Klein vorsichtig sein und nicht nur auf die Fast-Print-Medien Deutschlands verlassen. Wer sich in diesem Bezug nichts vorzuwerfen hat, muss sich nicht angesprochen fühlen. ^^

  18. Jawoll endlich mal den Richtigen befördert. Einer der wenigen Offizier die nicht nur an das eigene Fortkommen danken, sondern erst an den Auftrag und dann an die Konsequenzen für die Karriere. Respekt!

  19. @Sachlicher

    Der Kommandeur des umstrittenen Luftschlags bei Kundus…
    Ich akzeptiere diese Wortwahl nicht- womit ich Ihnen die Verwendung nicht in Abrede stellen will, was ich auch nicht wollte/dürfte/ könnte.

    Wer das HVR und dessen nach Frau Harms`Einschätzung korrekte Anwendung “umstritten” nennt, der solle bitte bennen, was umstritten sei.

    Natürlich ist der Luftschlag umstritten. Und die juristische Bewertung hat damit nichts zu tun. Die Bundesanwaltschaft ist zu dem Ergebnis gekommen, dass keine Straftat nach dem HVR vorliegt – aber das heißt doch nicht, dass es keine unterschiedliche Ansicht geben darf? Und die gibt es reichlich…

    (Jetzt sagen Sie mir nicht, dass eine juristische Bewertung für Sie das einzig maßgebliche in allen Lebenslagen ist, das glaube ich nämlich nicht.)

  20. @J.R und @Th. Wiegold: Nein, das sage ich nicht. Ich ziehe meinen Einwurf „umstritten“ zurück. Sie haben mich beide überzeugt, dass ich daneben liege mit meinen diesbezüglichen Ausführungen.

  21. @ Sachlicher
    Lohnt eigentlich auch nicht drüber zu streiten – da wurde vor Jahren eigentlich alles gesagt.

    Wie gesagt, persönlich halte ich den Luftschlag für falsch. Aber da ist vorher soviel mehr schief gelaufen, dass man das gar nicht einer einzelnen Person anlasten kann. Genau das haben aber BMvg und Bundeswehr-Führung medienwirksam getan, nur dann ebenso medienwirksam den Sündenbock vor „den Medien“ in Schutz zu nehmen.

    Da ist auf deutscher Seite soviel vermurkst worden, und es wurde die davor und danach immer nur beschönigt und abgewiegelt, nie Konsequenzen gezogen. Und die beiden US-Piloten, die wirklich am wenigsten dafür konnten, wurden wegen Verstoß gegen die ROE abgezogen und strafversetzt…

  22. Gratulation Herr General. Weniges des Guten und Wahren hat sich doch noch durchgesetzt und das freut mich für Sie und die Bundeswehr! Vergessen Sie das Geplänkel der Kritiker, verfolgen Sie bitte weiter erfolgreich Ihre Gradlinigkeit und Ihre pflichtengerechten Bemühungen um messbare Ergebnisse der Schadensminimierung.

  23. Ich bin erstaunt wie gut man den General Klein kennt das man ihn derart detailliert beurteilt. Dabei gehe ich davon aus das es sich eher um nachvollziehbare Sympathiebekundungen handelt, welche in Zeiten von formatlosen Vorgesetzten mehr als nachvollziehbar ist.
    Das der Generalstab viel zu fett und aufgebläht ist, kann ich da für einen kurzen Moment ausblenden.

  24. @Ted: Ich darf Ihren Kommentar darauf reduzieren, dass für O Klein in der komkreten Situation es die Frage war, tauchen die entführten Tankwagen vor irgendeinem Posten oder Camp wieder auf und es gibt den den großen Knall mit zig toten Soldaten? Der Mann hat richtig gehandelt, wenn auch unglücklich und Augen geöffnet.

  25. Was ist eigentlich aus dem Oberfeldwebel der Luftwaffe geworden, der doch wohl damals der wesentliche Ratgeber für Klein war? Hauptfeldwebel oder entlassen?

  26. @ J.R.
    @Ted
    Sehr gut gesagt!

    Dazu muss man aber hinzufuegen, dass man von einem Oberst und PRT Kommandeur verlangen muss, wenn er denn schon keine Ahnung von den Grundsaetzen von asymmetrischer Kriegsfuehrung hat (sonst haette er diesen strategischen Fehler nie zugelassen), dass er zumindest die gültigen SOPs kennt und einhalten laesst (und die für mögliche Feuerunterstützung, sowie für „battle damage assessment“ unmittelbar nach durchführung sind hier nicht unwesentlich)!… Wenn er mit zweifelhafter Intel und unter Vortaeuschung falscher Tatsachen (angeblicher „TIC“) die allierten täuscht um die Feuerunterstützung zu bekommen, und dann noch dabei solch ein umstritener taktischer, aber zweifelsfrei katastrophaler strategischer Effelt ensteht, dann fragt man sich wer in der Bw die Legende vom guten TrFhr und entscheider Klein aufrechterhält…

    @ Memoria
    Memoria hat da schon ganz recht, dass da einige im militärischen Establishment die Stimmung im Volk genutzt haben, um eine vollständige Aufarbeitung (Lessons Identified) dessen was da schiefgelaufen ist zu vermeiden. Denn da müssten wirals Konsequenz systemisch einiges ändern, wenn wir erkennen würden, was dort einige für einen Mist am am 04.09.2009 gebaut haben.

    @Georg
    Es ist somit auch besonders die Haltung des Herrn Klein im nachhinein besonders ärgerlich! Ja, im Einsatz und unter a) unmittelbarer Lebensbedrohung und b) extremen Zeitdruck kann man leider mist bauen, und dabei können auch tragische Fehler passieren (deshalb war es auch gut und richtig dass man zunächst erstmal solidarität mit der Truppe gezeigt hat!).
    Aber:
    1. Ging es am 04.09.2009 nicht um sekunden oder Minuten…in den Stunden die zu diesem Abwurf führten hätte Herr Klein sich mal lieber etwas genauer mit den SOPs zum CAS beschäftigen sollen (wenn er es traurigerweise schon vorher versäumt hatte…).
    Auch die Art der Nachrichten und deren Quelle die zu dem Lagebild dort geführt haben hätte andere TrFhr stuig gemacht!!! Eigentlich ein unding mit einem solchen Nachrichten aufkommen, so zu handeln. Nach dem motto: „150 personnen um den tanklaster, alles terroristen! Garantiert!“ Sagt die quelle eines afghanischen informanten über telefon und sprachmittler…(dass in der erntezeit im september, in der glühenden september hitze, dazu noch damals ramadan wo nur nachts gegessen und gearbeitet wird, die felder um den kdz/bgl fluss 24/7 wimmeln vor menschen die auf den feldern arbeiten, und dass nach ein paar stunden, und klugem taktieren der talibs dort schaaren von lokalen männern benzin an den beiden dingern abschöpfen ist KAUM in erwägung zu ziehen…nein, wo kämen wir denn hin, wenn wir mal die lage richtig erkennen?!?!…)

    2. Kann man kaum behaupten dass dort irgendwelche kräfte UNMITTELBAR bedroht waren. Ja, ja die FESTGEFAHRENEN und bei Lala Maydan im kdz fluss ABGESOFFENEN lkws waren bestimmt so unmittelbar gefährlich, dass man keine andere möglichkeiten des handelns hatte, und man unbedingt auf schlechte intel, verstösse von SOPs, täuschung von unterstützenden allierten, und strategisch/operative fiaskos setzen musste.

    Somit lieber @Georg (kommentator hier, nicht Herr Klein), ist es eine schande für unseren berufsstand, dass Herr Klein nicht von sich aus die Hosen runter gelassen hat, und seinen vollen bockmist zugegeben/eingesehen hat, sondern dass er sein unglückliches handeln auf mystifizierte „äussere zwangslage“ geschoben hat, nach dem motto: ich habe ja alles in meinen händen liegenden gemacht um richtig zu handeln. Ganz abgesehen von der frage nach der ethischen richtigkeit: für die folgegeneration von offizieren, und für unsere organisation wäre es besser gewesen wenn man das volle systemische versagen (wovon Herr Klein ein bedeutender Baustein ist) aufdeckt, und somit in zukunft strukturen, oder einsatz und ausbildungsverfahren, sowie beförderungs und dienstpostenauswahlkriterien effektiver gestaltet (wer darf eigentlich in solch asymmetrischen Kampagnen PRT kdr werden, wie muss der ausgebildet sein!?!? … ach so: GenSt’ler mit Kompetenzbereich „Personalwesen“ reicht ja scheinbar völlig aus…).

    Weiterhin ist es traurig, dass einige Kommandeure vor und nach ihm offensiv, aber mit augenmass dort erfolgreich geführt haben, aber weder so ein mythos um sie gestrikt wird, und sie teilweise nicht zum B6 befördert werden, dann kann man nur noch den kopf über unsere systemische selbstleugnung schütteln. Man bedenke z.B., dass der Kommandeur vor ihm ebenfalls schon genauso gefallene hatte und dennoch sehr offensiv und mit allen kräften im raum koordiniert hat vorgehen lassen! Von der sogenannten „winterpause“ der Talibs war im milden winter 2008/2009 nicht viel zu spüren – die gefecht waren dort zwar nicht so publiziert wie die unter oberst klein (man hat ja da noch im ministerium versucht die lage schön zu reden), aber dennoch nicht nur sehr intensiv, sondern oft offensivgefechte verschiedener deutscher kräfte. Nur da hat man sich keine patzer wie am 4. september 2009 erlaubt. Die freigaben zum abwurf von CAS sind auch vorher schon erteilt worden (und teilweise durchgeführt worden), nur hat man damals (und auch danach) keine solche sauerei angerichtet. Vor Klein sind gute grundlagen geschaffen worden die mit der aktion mit den tanklastern wieder völlig untergraben wurden (wer sich auskennt weiss zB, dass nach der tanklaster aktion zum aller ersten mal, eine von geistlichen in der gesamten Region unterstützten Intifada gegen deutsche in der provinz kdz ausgerufen worden ist).

    Zuletzt, um die Leser nicht zu sehr zu langweilen, stellt sich noch die Frage, warum die BMVg Führung dem VtgAusschuss weiss gemacht hat, dass damals „alle Aufklärungsmittel die der Bw zur verfügung stehen“ ausgeschöpft wurden um ein lagebild zu erstellen?
    Das ist schlichtweg faslch!
    Nicht nur dass ein näheres ranfliegen der CAS flieger (da sie aus der höhe überhauptnicht differenzieren konnten was da unten los war/ ob die leute bewaffnet waren) von den deutschen unter vorwänden verhindert wurde, sondern dass deutsche sonderaufklärungskräfte (fernspäher) vor und nach oberst klein in diesen räumen wiederholt unerkannt infiltriert sind!!! (Unter anderem auch genau diese gegend um lala maydan und dem kunduz fluss!!!)
    Leider hat man sich jedoch von seiten der taktisch, operativen führung wiederholt dazu entschlossen sonderaufklärungskräfte wie die fernspäher oder leke immer wieder aus dem einsatz abzuziehen um stattdessen logistik oder sicherungskräfte hinzuschicken ( nach dem motto: aufklären der ied durch drauf fahren!), so dass diese am 04.09.2009 zwar in Deutschland, aber nicht im Einsatz zur Verfügung standen…

    Aber wie @J.R. Bereits sagte: lohnt sich kaum darüber zu streiten – es sei denn man recherchiert ein bisschen genauer!
    check the facts for yourselves – und dann können wir gerne über UMSETZUNG von systemisch/organisatorischen konsequenzen (Lessons Learned) reden…

  27. Wie es kommuniziert wurde, war er es der zum Luftschlag riet und er stand ja auch in Kontakt mit den airborne Kameraden. Was er „konkret“ gesagt hat, kann ich Ihnen nicht sagen, ich war nicht dabei.

  28. „general“ klein hat die piloten , auf deren doppelte nachfrage, schlicht belogen.
    und auf diese lüge hin waren dann 80 tot.
    damit zu leben,
    als offizier ?
    (napoleon: es gibt keine schlechten soldaten, nur schlechte offiziere…)
    als mensch ?
    das ist die tragik!
    semper fo

  29. Der FAC ist normal zum HFw befördert worden ;-)

    Und ja man kann darüber streiten was und wie es gelaufen ist.

    Aber meine Herren worüber man nicht streiten kann ist die Tatsache das dieses Land schlicht nicht erwachsen ist, das es die geschichtliche, gesellschaftliche und moralische Entwicklung eigentlich verbieten deutsche Soldaten an irgend etwas anderes zu Verwenden als zum Heimatschutz.

  30. Was mit dem FAC passiert ist weiß ich nicht. Aber die Zwischenvorgesetzten, die Klein seinerzeit allein im Shitstorm gelassen haben, sind mittlerweile weiter aufgestiegen.
    Der neue Brigadegeneral Klein ist nicht wegen sondern trotz „der Sache“ befördert worden. Er war auch schon vorher auf der Karriereleiter.
    Also: wir sollten diesmal Personalführung und Militärischer Führung und Politischer Leitung Respekt zollen für eine richtige, wenn vielleicht auch umstrittene Entscheidung.

  31. 1+ und Daumen hoch. Wer so gut lügt und so viele Leute um die Ecke bringen kann UND dabei meint sich an die Einsatzregeln und die Verfassung zu halten, hat eine Beförderung ehrlich verdient! Hut ab vor so viel Schneid. Wie sagte Tucholsky noch: „Soldaten sind …“

  32. @ElDuderinho:
    Vielen Dank für ihren Beitrag – sehe ich genauso.
    Ein systemisches Versagen, das mit schlechten Argumenten verdeckt wurde.
    Gelernt hat man daraus gar nichts.

  33. Ich bin schon ein bisschen fasziniert davon, wie bei Frühstücksbrot und Kaffeetasse mal eben ein Fall besprochen wird, der Staatsanwaltschaften und andere Volljuristen monatelang beschäftigt hat. Respekt vor soviel Auffasungsgabe, da haben scheinbar einige Leute hier die Akten angefordert, um sich selbst einen tiefgehenden und differenzierten Einblick zu verschaffen. Respekt! Alle anderen lagen einfach falsch, die Einstellung des Verfahrens ist nicht nachvollziehbar, evtl. möchte jemand der anwesenden Mitleser das Verfahren bei dieser erdrückenden Beweislage wieder aufmachen? Ich bin sehr gespannt!

  34. Das jemand zum General befördert wird, entscheidet nicht ihre Majestät mit Zigarre und Cognac am Billardtisch. Zwischen Einstellung und Beförderung liegen da gerne mal 30 Jahre zwischen. Aber das dürften die meisten hier ohnehin wissen. Nachdem das juristische Verfahren nun mal abgeschlossen ist, fällt mir so gar kein Grund für eine Nichtbeförderung ein. Zumal ich BrigGeneral Klein gar nicht kenne. Aber andere und eben wechselnde Vorgesetzte, haben ihn über einen langen Zeitraum beurteilt und sind zu der Entscheidung gelangt, dass diese Beförderung auszusprechen ist. Sind das alles Dummköpfe? Der Minister selbst wird sehr wahrscheinlich die Beförderung ausgesprochen haben. So ist es zumindestens üblich. Mir persönlich ist ein General lieb, der Kriegserfahren ist. Er weiß sehr genau wovon er redet und wie schwer es ist Entscheidungen zu treffen. Das was häufig Flaggoffizieren bemängelt wird hat BrigGeneral Klein gezeigt. Rückgrat!

  35. @Voodoo

    Hm, es gibt einen grundlegenden Irrtum, der auch hier verbreitet ist: Die strafrechtliche Würdigung hat mit der militärischen/internen Würdigung nichts zu tun. Die Einstellung des Verfahrens beim GBA bedeutet, dass er sich nicht strafbar gemacht hat. Die andere Beurteilung ist ausgeblieben – sicherlich auch, weil das Heer/die Bundeswehr/das Ministerium fürchteten, es sei politisch nicht zu vermitteln, dass war die Staatsanwälte ihr Verfahren einstellen, aber disziplinarrechtlich dennoch ein Verfahren läuft.

    Mit anderen Worten: die (straf)rechtliche Seite ist geklärt worden. Die andere wurde von offizieller Seite nie zum Thema. Und über die kann man durchaus was sagen, siehe ElDuderinho oben.

  36. Chapeau, Herr Wiegold – wir sollten dann aber bitte auch sauber trennen, wenn wir über disziplinarrechtliche und über strafrechtliche Konsequenzen reden.
    Ich habe bei vielen Kommentatoren allerdings bisher das Gefühl gehabt, man hätte General Klein am liebsten hängen gesehen und hat dann enttäuscht auf die harte disziplinare Kelle gewartet, um nachträglich doch noch mit gutem Gefühl mit dem Finger auf ihn zeigen zu können.
    Dabei nehme ich sie, T.W., gerne aus, aber wenn hier Tucholsky ausgepackt wird (zugegeben, getrollt) dann frage ich mich schon, ob das Niveau dieses Kapitels nicht doch beim Hartz 4-TV angekommen ist.

    Edit: ElDuderinho nehme ich natürlich auch aus, weil sehr sachlich vorgetragen! Für mich ist einiges Neues dabei gewesen.

  37. Dieser Diskussion wollen sich aber sehr viele nicht stellen. Denn das würde ein abstrakteres Differenzieren erfordern, Hirnschmalz eben, das tut aber manchem weh. Ich unterstelle BG Klein NICHT, dass er nicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat. Aber dass die Sache nicht so aufbereitet wurde/wird, dass die Lehren gezogen werden, das ist zu kritisieren. Was im übrigen nicht dessen Schuld ist.
    An die ganzen Helden, die den Tod von bis zu 150 Menschen so einfach als deren Schuld betrachten … das ist zu kurz gesprungen. Ein Soldat eines Rechtsstaates muss sich eben an rechststaatlichen Massstäben messen lassen. Wer das nicht will, ist in der falschen Armee.

  38. BausC | 03. April 2013 – 11:51
    Ein Staatssekretär, nicht der Minister, hat die Beförderung ausgesprochen, die der Bundespräsident verfügt hat. (So hat es das BMVg in „aktuell“ veröffentlicht.
    Ihre anderen Sätze möchte ich besser nicht kommentieren.

  39. Dass Herr Klein befördert werden sollte, weiss man seit Wochen oder Monaten. Deshalb führt das wieder Aufwärmen der Diskussion zu nix. Ich lasse mich aber auch nicht gerne von einem scherzkeks in einem öffentlichen blog als Mörder bezeichnen.

  40. Das Disziplinarrecht ist kein Strafrecht, sondern soll Soldaten die gegen Gesetze, Vorschriften verstoßen haben davon abhalten es wieder zu tun und gleichzeitig auf die Kameraden abschreckend wirken, damit diese keine Verstöße begehen.

    Insofern war die Aufarbeitung der Causa Oberst Klein in Deutschland, inklusive der Morddrohungen gegen Oberst Klein abschreckend genug. Es wird mit ziemlicher Sicherheit kein Offizier mehr so einen Luftschlag befehligen.

    @ ElDuderinho

    Da ich entsprechende Detailkenntnisse, wie die Verfügbarkeit von Fernspähern und eigene andere Aufklärungsmitteln nicht habe, kann ich bei ihrer Detailbewertung nicht mithalten.

    Zitat: „Ganz abgesehen von der frage nach der ethischen richtigkeit: für die folgegeneration von offizieren, und für unsere organisation wäre es besser gewesen wenn man das volle systemische versagen (wovon Herr Klein ein bedeutender Baustein ist) aufdeckt“

    Das „systemische Versagen“ der Organisation war nicht die Auswahl der örtlichen Kommandeure, sondern es war die politische Beschwichtigungstaktik über die Art des Konfliktes von VM Jung und GI Schneiderhan und anderen Kommandeuren, Generälen und politschen Beamten.
    Das der damalige Oberst Klein eine echte, unmittelbare Bedrohung für sein Feldlager durch die entführten Tanklaster sah, kann ich nachvollziehen. Das „systemische Versagen“ war die bundesdeutsche öffentliche Verschleierung der Art des Konfliktes, bzw. der Art des Einsatzes der Bw damals in AFG.
    Dies hat sich durch den Luftschlag sofort in der deutschen Öffentlichkeit geändert.

    Übrigens: Interessanter Nickname habe sie da gewählt.

  41. Man sollte sein Augenmerk noch einmal auf die perfide Formulierung von den „bis zu xxx toten Zivilisten“ richten, die durch sämtliche linksliberalen Medien einschließlich Wikipedia geistert. Jack the Ripper tötete bis zu 500 Menschen, in der Geschichte gab es bis zu 17 Weltkriege, und ich verdiene bis zu 1 Milliarde € im Monat. Alles sachlich korrekte Aussagen, die aber ganz klar den Zweck verfolgen, unbedarfte Zeitgenossen im einem ideologisch motivierten Sinne zu beeinflussen.

    Aus dem Bericht der Staatsanwaltschaft geht eindeutig hervor, dass nur etwa 50 Personen in der Umgebung der Ziele gesichert sind. Wieviele von diesen ums Leben kamen, weiß niemand. Nachdem sich in Afghanistan herumgesprochen hatte, dass es vor deutschen Gerichten möglicherweise etwas zu erben geben könnte, meldeten sich natürlich zahlreiche weitere angeblich „Geschädigte“ bei zwielichtigen Anwälten – Anwälten, die sich lukrative Gewinnbeteiligungen (man munkelt von etwa 50% der möglichen Schadensersatzsummen) versprechen.

    Meinen herzlichen Glückwunsch, Herr General Klein! Deutschland braucht mehr Staatsbürger wie Sie!

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