Tiefe statt Breite – Der Diskussionsthread

Die Diskussion über meine Rezension des Buches Damit der Staat den Menschen dient von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist, ein bisschen vom eigentlichen Thema wegführend, hier im Blog zu einer Diskussion über (militärische) Führungsstrukturen geworden – bis hin zu der Insider-Frage, ob Crew Ressource Management (CRM) auch beim Heer anwendbar ist… und zu Vorschlägen für dazu passende Fachliteratur.

Um mal beiden Seiten gerecht zu werden – denjenigen, die über das Buch und den Verteidigungsminister reden wollen, und denjenigen, die über die Führungsstrukturen debattieren wollen – mache ich mal diesen Diskussions-Thread auf (und verschiebe die entsprechenden Kommentare unter der Buchbesprechung hierher).

(Foto: Befehlsausgabe der Quick Reaction Force im Camp Marmal, Afghanistan, Januar 2010 – Timo Vogt/Randbild)

104 Gedanken zu „Tiefe statt Breite – Der Diskussionsthread

  1. Hm, kaum mache ich wie gewünscht einen eigenen CRM-Thread auf, kommt das Interesse schlagartig zum Erliegen?

  2. > Gegenfrage: Kann man die Grundrechenarten in der gesamten Mathematik gebrauchen?

    Diese Frage ist schlecht gewählt oder ein Zeichen davon dass der Frager sich nicht in der Mathematik auskennt. Die korrekte Antwort wäre hier: Mathematik ist etwas anderes als Rechnen.

    Beispiel: In einem geschlossenen Ring mit zwei Elementen ist 1+1=0. Eine deartige Aussage ist mit den Grundrechenarten nicht vereinbar.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Ringtheorie

  3. > Hm, kaum mache ich wie gewünscht einen eigenen CRM-Thread auf, kommt das Interesse schlagartig zum Erliegen?

    Das Interesse ist schon da, aber weniger bei den Diskutierenden, sondern bei den Mitlesern über die Art der Diskussion. Sie „stärkt“ das Vertrauen in unsere BW und man ist nach einem Krieg Gott viel dankbarer dass man es trotzdem gut überstanden hat.

    Ich weiß nicht ob es schon mal einem aufgefallen ist. Wenn ich CRM richtig interpretiere, dann geht es darum, dass man feststellt, dass immer wieder Häuser abbrennen weil die Leute einen Feuermelder nicht kennen und es nicht schaffen auf den roten Knopf zu drücken. Und demzufolge macht man Kurse, damit die Leute es lernen.

    In dem Zusammenhang ist es für einen außenstehenden Mitleser schwer nachvollziehbar wenn es heißt „Das brauchen wir beim Heer nicht“. Ist eigentlich allen Beteiligten klar, welche Botschaft da im Hintergrund mitschwingt?

  4. @T.W.

    Wir waren ja auch schon durch, da evtl bemerkt wurde, dass die Streitkräfte CRM schon lange haben es heißt nur anders!

    Denn gesunden Menschenverstand, Inner Führung, Kenntnis um die Grenzen unserer Wahnehmung und Fähigkeiten, Kameradschaft, Vorgesetztenverordung und das Streben nach Höchstleistung, gibt es nicht nur bei der Lw.

    Organisation als Gestaltung der inneren Ordnung für Einsatzbereitschaft und Disziplin, die aber auch die Persönlichkeit des Einzelnen anerkennt.
    Motivation: Aus der Einsicht der Notwendigkeit seiner Aufgabe, Pflichterfüllung, Gehorsam und Disziplin sowie seiner Einbindung in die Truppe und der Übernahme von Verantwortung erfährt der Einzelne Motivation. Die Soldaten sollen aus der Überzeugung heraus handeln, die freiheitliche Grundordnung Deutschlands zu verteidigen. Situative Aufmerksamkeit und eine Fehlerkultur ist das Fundament für eine guten handwerkliche Tätigkeit beim Umgang mit Waffen und Menschen!Persönliches Fehlverhalten in der Luftwaffe, hat nichts mit CRM zu tun, das Gegenteil der Fall! CRM ist kein Führungswerkzeug, sondern der Führungsprozess ist ein Baustein unter vielen innerhalb von CRM.

    CRM can be taught to two-person patrol teams as well as larger tactical teams. In fact, the concepts apply to any team that is working in a highly charged and fast paced environment.

    http://www.officer.com/article/10250060/crew-resource-management

    Nur wer sich auf eine Goldrandlösung fixiert, stellt fest, dass CRM keine 100% Lösung ist, sondern der Weg dahin! Das CRM für fliegene Besatzungen kann nich 1:1 für einen Trupp oder eine Panzerbesatzung übernommen werden aber genau das machte man ja auch nicht mit den Feuerwerkern und dem Personal der mili Flugsicherung! Man muss es auf die Aufgabe und Fähikeiten anpassen!

    http://pingwins.ucoz.de/_ld/0/6_ZDv3_001.pdf

  5. Ich!

    Und ich stütze die These meiner Heereskameraden: Das haben wir schon. Nur in deutsch. Und nur soweit, wie es die kämpfenden Teile des Heeres brauchen.

    Andererseits, ich finde es gut, das CRM gibt. Immer wenn ein Goldfasan oder aufstrebender BSler was von mir will, dann erzähle ich ihm was vom Pferd, ach ähm, von CRM und dann brauche ich das auch nicht mehr machen.

  6. @ Elehan: volle Zustimmung

    Da CRM ja bei der Lw offensichtlich Standard zu sein scheint, drängt sich mir eine Frage auf:

    -Machen das auch die Objektschützer der Lw oder die Lw-Fla, oder die EloKisten oder Versorger?

    Denn nur weil die Führerleiste der Lw (fast ausschließlich) aus Piloten und somit deren Hintergrund/ Ausbildung in deren Führungsstil / Führungskultur einfließt, heißt das nicht das dies die GANZE Lw macht oder das gar in andere TSKs zu übernehmen ist.
    Ich fordere ja auch nicht den EK für alle Lw- oder Marine-OAs, obwohl das sicher auch nicht schaden würde….

    Soldaten/ mil. Führer haben im Gegensatz zu zivilen Piloten eine Kommunikations- / Führungsausbildung. Und weil es das im Zivilen nicht gibt, hat die zivile Wirtschaft sich eine solche „Ausbildung“ geschaffen ( und läßt sich diese nebenbei teuer bezahlen ), eben weil man so Defizite ausgleichen möchte.
    Und CRM ist und bleibt eine zivile „Erfindung“, welche die Bw übernommen hat um zivile Richtlinien zu erfüllen.

    Ich zumindest habe leider noch keinen Vorgesetzten kennengelernt der durch CRM zu einem besseren Führer wurde oder gar seinen Führungsstil angepasst hat.

    Ausbildung ist immer gut, aber welche ist wirklich wichtig und zielführend?

    Die Diskussion ist müßig.

  7. @Wolfgang:

    „Ich weiß nicht ob es schon mal einem aufgefallen ist. Wenn ich CRM richtig interpretiere, dann geht es darum, dass man feststellt, dass immer wieder Häuser abbrennen weil die Leute einen Feuermelder nicht kennen und es nicht schaffen auf den roten Knopf zu drücken. Und demzufolge macht man Kurse, damit die Leute es lernen. “

    Hat mich wirklich zum schmunzeln gebracht. Das Problem der Bundeswehr ist eher, dass die Leute den Brand sehen und gerne den Alarmknopf drücken würden, die Forderung danach auch regelmäßig wiederkehrt, aber man die Leute eher zu einem Seminar über das richtige Verhalten im Brandfall schickt, als endlich Rauch- und Feuermelder zu installieren oder den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen… stattdessen läuft man ein jedes Mal erneut in das offene Messer und fragt sich ganz verwundert, woher es denn gekommen sei.

    Es mag der Truppe an der Höherbesoldeten Einsicht fehlen – aber sicherlich in erster Linie, weil die Führung nicht gewillt ist, diese Einsicht zu teilen. Woran es der Truppe sicherlich nicht fehlt ist Erfahrung – die man aber nicht gewillt ist zu nutzen.

    @Koffer:

    „Weil eine Antwort, die in einer speziellen Situation für die Lw richtig sein mag (das kann ich nicht beurteilen), deswegen bei uns noch lange nicht richtig sein muß!
    Im konkreten Fall sogar schädlich wäre…“

    wenn ich mal nach dieser allgemeinen Beschreibung von CRM gehe:

    „CRM soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass neben dem technischen Verständnis an Bord eines Luftfahrzeugs (Technical Skills) auch die Kommunikation und die Beziehungen zwischen den Angehörigen der Besatzung entscheidend sind, um kritische Situationen zu meistern. Ein wichtiges Element von CRM ist die Nutzung und Weitergabe von allen wichtigen Informationen innerhalb der Besatzung, sowohl zwischen den Piloten als auch im Zusammenspiel zwischen Cockpit- und Kabinenbesatzung.“

    Das Luftfahrzeug generalisiere, die Technical Skills durch handwerkliche Fähigkeiten (IGF et cetera) ersetze und den letzten Satz auf allgemeine Funktionen (Gruppenführer, Gruppe) ummünze… dann hat er für die Bodentruppen die gleiche Relevanz, wie für die Luftwaffe… und als Konzept genausowenig Nährwert, denn dass Kommunikation entscheidend ist, ist wohl auch eine Binse ;)

  8. @rlg
    Soldaten/ mil. Führer haben im Gegensatz zu zivilen Piloten eine Kommunikations-/ Führungsausbildung.

    Über die Qualität und Quantitätdieser Ausbildung ließe sich aber auch diskutieren.
    Ich behaupte das es auf höhe eines 2 tägigen IHK Seminars liegt bezahlt von einer Arge. Zumindest bis zu meiner Schiene aber vielleicht wird auch in Hamburg erst richtig gezaubert.

  9. @Fred

    Ich behaupte das der Fw-Lehrgang oder die OA-Ausbildung deutlich über einem IHK Seminar liegt. Ebenso oder vielmehr gerade die Erfahrungen aus der gesamten mil. Ausbildung als Führer / Unterführer. Falls nicht machen die Streitkräfte oder der Soldat deutlich was falsch…

    Ich weiß nicht ob Sie mal im zivilen Bereich ein Seminar hatten, aber der Hauptfeldwebel stellt sich einfach mal vorne hin und sorgt für Ruhe, teilt eine Arbeitsgliederung ein oder leitet eine Arbeitsgruppe. (Zumindest war das mal so…)
    Wenn das ein Zivilist einfach mal machen soll bringen Sie die meisten schnell an ihre Grenzen.

    Und das Hamburg jemanden wirklich erleuchtet bezweifele ich auch gerne!

  10. Hmmm, als in der Marine aufgewachsener PUO mit über 30 Jahren Dienstzeit, Marineflieger mit einigen tausend Flugstunden, mehrjähriger Erfahrungen in der SKB (EinsFüKdo) und ein paar Tagen Restdienstzeit…

    1. Ist CRM nicht zwingend vorgeschrieben für alle Lfz-Besatzungen der Bw???? Incl. Heeresflieger?

    2. Wenn die Kameraden der anderen TSK/OrgBereiche, die ich in der SKB kennen lernen durfte, typisch für die jeweilige Führungs- und Ausbildungskultur sind….!

    Also da halte ich es lieber mit der US-Navy: „Ask the chief“ oder „Chiefs make things happen“ sind mehr als nur Mottos. Ich war froh, zurück in die Marine zu dürfen und wieder das zu sein, was ich bin.
    Wer den Tellerrand so hoch macht, das keine S.. drüber blicken kann, wer mitdenken und Initiative unterbindet oder nur den Herren mit „i.G.“ im Vornamen zugesteht, kann mit CRM wirklich nichts anfangen.

  11. @Fred
    Widerspruch. Die Ausbildung liegt bestimmt nicht auf dem Level IHK 2tages Seminar.
    In den Lehrgängen und Ausbildungsinhalten geht es zunächst einmal um das handwerkliche Rüstzeug. Im täglichen Dienst in Führungsaufgaben kommen viel mehr praktische Aspekte und vor allem Erfahrung! mit dazu. Diese Erfahrungen muss ich pflegen und ausbauen. Und das wie gesagt täglich in verschiedenen Situationen.

    Beschränke ich Führung nur auf messbare Größen, Bewertung von Führungsfähigkeit und Erfahrung anhand von Kennziffern und Kästchenkreuzen à la McNamara, dann brauche ich mich auch nicht zu wundern wenn ich den zivilen Beratergelddruckmaschinen hinterher renne und jeden Trend mitnehmen will. Klingt ja so unglaublich sexy weil Englisch..:)

    Ich sehe es größtenteils wie @Elahan. Die Basis ist da, das Rüstzeug ist vorhanden, also warum das Rad neu erfinden? Das bedeutet nicht dass ich meinen Weg nicht gerne erweitern und festigen kann. Aber das Fundament ist da, Streitkräfte übergreifend. Nur wird das m.E. zu oft vergessen in der Prozesshörigkeit der letzten Zeit.

    Edit:
    Danke @rlg
    Bin nicht so schnell aufm iPhone… Daher sind auch alle Tippfehler inklusive:)))

  12. @RLG

    „-Machen das auch die Objektschützer der Lw oder die Lw-Fla, oder die EloKisten oder Versorger.“

    Feuerwerker, Logistiker, Flugsicherer dort heißt es nur anders z.B. TRM.

    „Ich zumindest habe leider noch keinen Vorgesetzten kennengelernt der durch CRM zu einem besseren Führer wurde oder gar seinen Führungsstil angepasst hat.“

    Geht ja auch nicht, wenn er es auf der Offzschule schon nicht verstanden hat!

    Wer einen Uffzlehrgang der Bw besucht hat und die Lerninhalte lebt und sich diese bewußt macht, wird auf einem Lufthansa CRM Lehrgang erkennen, dass er die Lerninhalte, bis auf Flugunfalluntersuchung, alle schon hatte!

  13. Die 15 CRM-Leitsätze (frei nach Rall/Gaba)
    1. Kenne Deine Einsatzsumgebung.
    2. Sei achtsam und plane voraus.
    3. Unterstützung lieber früher als später anfordern.
    4. Entspreche deiner vorgegebenen Führungsrolle oder sei ein gutes Gruppenmitglied mit Beharrlichkeit.
    5. Verteile die Einsatzbelastung
    6. Mobilisiere alle für den Einsatz notwendigen und verfügbaren Ressourcen (Fähigkeiten, Personen und Material) und mache dir deren Vermögen bewußt.
    7. Kommuniziere sicher und effektiv – sag was Dich bewegt.
    8. Beachte und verwende alle vorhandenen Informationen.
    9. Verhindere und erkenne Fixierungsfehler.
    10. Habe Zweifel und überprüfe genau („double check“, nie etwas annehmen).
    11. Verwende Merkhilfen und schlage nach.
    12. Überprüfe die Situation immer wieder.
    13. Achte auf gute Kameradschaft und Gruppenarbeit – andere unterstützen und sich koordinieren.
    14. Lenke Deine Aufmerksamkeit bewusst.
    15. Setze Prioritäten dynamisch.

    Was ist da fürs Heer nicht zu gebrauchen?

  14. @ Elahan

    „Geht ja auch nicht, wenn er es auf der Offzschule schon nicht verstanden hat!“

    Ich wollte damit eigentlich sagen das gute Vorgesetzte auch schon vor dem CRM gut waren (gibts wirklich…) und die schlechten nicht besser wurden.
    Zusammengefasst:

    „Wer einen Uffzlehrgang der Bw besucht hat und die Lerninhalte lebt und sich diese bewußt macht, wird auf einem Lufthansa CRM Lehrgang erkennen, dass er die Lerninhalte, bis auf Flugunfalluntersuchung, alle schon hatte!“

    Ich denke wir sind da deckungsgleich… =)

  15. @ Elahan

    Es ist nichts dabei, was nicht auch im Heer irgendwo zu gebrauchen wäre (wenn auch nicht immer und überall). Trotzdem klingt das Ganze nach einem recht beliebigen Sammelsurium von mehr oder weniger selbstverständlichen Weisheiten. Solche Aufzählungen von Führungsgrundsätzen gibt es in der Theorie und Praxis zuhauf.

    Die HDv 100/100 sagt da in der Substanz weit mehr aus, und das wesentlich strukturierter. Könnte ja auch mal (in Teilen) von der Lw übernommen werden… ☺

  16. @rlg & nmwc
    Ich kenne genug Offiziere die sie auch nicht ohne weiteres vor andere Menschen stellen sollten. Grobe Quote jeden 2ten, quer durch Heer und Lw über das gesamt Alterspektrum.

    Und zum Argument Führungsaufgaben im täglichen Dienst, wieviele Offz/UmP haben den noch echte Führungsaufgaben im täglichen Dienstbetrieb.

  17. @KeLaBe

    meine Rede….es geht um das Bewußt machen!

    Und wer glaubt, dass bei der Lw CRM überall im Sinne des Auftrages gelebt wird, kennt die Lw nicht!

    Ja, ich bin mir sicher, dass Lw-Angehörige von einem guten Heerestruppführer lernen können! Man kann immer von Profis lernen unabhängig der Truppengattung, das Problem ist nur wen man als Profi sieht.
    Aber Vorbilder herauszustellen ist leider keine Bw Tugend!

  18. @Fred
    Dann haben sie gewisse Erfahrungen gemacht, die mit meinen und meiner Sichtweise nicht Deckungsgleich sind.
    Aber sie dürfen mich gerne mit meiner Sicht, meinen Erfahrungen und meinen Überzeugungen zum Thema Führung als Relikt bezeichnen. Denn damit ecke ich einfach zu gerne an…im übrigen auch bei meinem Arbeitgeber in der zivilen Wirtschaft…

  19. @ Elahan

    Doch, doch. Vorbilder sind doch die alle ab 8,0! Können doch über das Wasser gehen und machen alles alleine.

  20. Es kommt ja neben Führerausbildung und Führungsmethoden, bzw.-techniken noch das Thema Führungsstrukturen hinzu. Ein französischer DivisiuonsKommandeur kennt z.Bsp. keinen Chef des Stabes + FGG 1-7 Divisionsstab, sondern hat seinen erstaunlich kleinen Kommando Stab bestehend aus seinem Adju plus SpezialStabsoffizieren, mit dem er seine Division direkt führt. Schon ganz lustig zu erleben, wenn ein solcher General das Kommando über ein nach NATO STANAG organisiertes Hauptquartier übernimmt ;-)

  21. Problem ist, dass das HH-Recht, Beamtenrecht, Laufbahnverordnung etc immer den gleichen Wasserkopfeffekt, bzw. Nomenklaturaeffekt erzeugt, egal wie viele Reformen wir noch durchführen und egal welch geniale Führungsmethoden wir uns aneignen….

  22. @Roman:

    „Wie war das? Ach ja: Melden macht frei.“

    Und da wären wir wieder… analog aktueller Beispiele würde die Truppe ja sofort eigenverantwortlich die Schwächen der Führung kompensieren und nach Jahren des Wartens auf die Brandmelder diese eigenverantwortlich dezentral beschaffen – dummerweise sind die Grenzen für diese Späße allerdings so eng bemessen, dass man dabei die Führung wieder involvieren muss und diese das per Dekret untersagt hat…

    Es ist für den Minister sehr einfach zu sagen: „die (militärische) Führung solle loslassen“, wenn es eigentlich die Verwaltung und das BMVg sind, die dieses mit ihren Richtlinien effektiv zu verhindern wissen…. ergo Mentalitätsänderung -> Glashaus/Steine

    Die Truppe bewegt sich sehr oft in rechtlichen Grauzonen um überhaupt noch den Betrieb aufrecht erhalten zu können, eben weil sie ‚eigenverantwortlich‘ Probleme löst… es ist nur regelmäßig sehr dumm, wenn das mal fehlschlägt und man dann sieht, wie die Truppe dafür hingehängt wird… in bestimmen Bereichen der Bundeswehr hatte man das schon so kultiviert, dass die fraglichen Zwischenebenen schon lange seitens der Truppe ob ihrer Daseinsberechtigung in Frage gestellt wurden und genauso, wie man den ‚Sinn‘ dieser Zwischenebenen lange wortreich verteidigt hat, hat man sie bei anderer Gelegenheit kurzerhand gestrichen…

    Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum auch die jüngsten Äußerungen des Ministers zu gewissem Unmut führen…

  23. Ich frage mich, wieso der Begriff „CRM“ solche Beißreflexe schürt? Es geht ja nicht darum, ein artfremdes Konzept mit der Brechstange in den Führungsprozess zu integrieren, sondern bestimmte Aspekte der Prozesse (die in der Regel ohnehin schon angewendet werden) zu verdeutlichen.

    Als Beispiel nehme ich hier mal „Kommunikation“. Kommunikation im Sinne von CRM wäre, „das man miteinander spricht“. Klingt erstmal einfach, aber wo wird das wirklich gelebt? Jeder von uns kann wohl aus dem Dienstalltag von Friktionen berichten, die entstanden, weil zwei Stellen eben NICHT miteinander gesprochen haben. Wo gibt es denn wirklich einen guten Informationsfluß, in der Bundeswehr genau wie „draussen“?

    Man kann durchaus einiges verbessern, man muss das ja nicht CRM nennen.

  24. @Franz S.: Diese „Beißreflexe“ resultieren aus der schlechten Angewohnheit von uns Deutschen, bewährtes aus eigener Produktion über Bord zu werfen, sobald eine tolle neue Management- Methode als englischsprachiger Bestseller auf den Markt kommt.

    CRM ist ja nur ein Beispiel, TQM ein anderes. Da darf das eigene innerbetriebliche Verbesserungsvorschlagswesen plötzlich nicht mehr so heißen, wie bisher, sondern eben anders und englisch und der Big Boss hat damit seine Zielvereinbarung umgesetzt und sich das Weihnachtsgeld verdient. Ob es für die betriebliche Praxis etwas bringt, also eine Erfolgskontrolle findet in der Regel nicht statt.
    An dieser Stelle findet sich oft eine erschreckend weite Lücke zwischen den Ansätzen von „oben“ und der Rezeption „unten“.

  25. @iltis

    So ist es!

    Das andere CRM ist ein gutes Beispiel dafür: Customer-Relationship-Management,
    Macht bei uns jeder erfolgreiche Mittelständler!

    Und die Bw hatte dieses Prinzip schon in ihrer Gründungsphase und es wurde in den 80 er Jahren geopfert!

  26. @Franz S.

    weil Kommunikation zwischen Menschen immer mehr mit Informationsfluß, bzw. information exchange verwechselt wird….

  27. Auch ich möchte mich an diesem Threat beteiligen, eventuell ein wenig mehr Verständnis für CRM/TRM/MRM u.ä. bei den am Blog beteiligten Personen erwirken.
    Vorab einige, hoffentlich verständliche Grundlagen:

    Was verbirgt sich hinter Crew Ressource Management (CRM)?

    CRM ist ein Management System welches alle zur Verfügung stehenden Ressourcen optimal nutzt (Ausrüstung, Verfahren, alle beteiligten Personen) um die Sicherheit und Effektivität zu steigern.

    Wollten wir CRM definieren, müsste die Definition folgendermaßen aussehen:

    „CRM is the effective utilisation of all available resources, e.g. crew members, aeroplane systems and supporting facilities to achieve safe and efficient operation.”
    (A. Richter, New Training Institute, CRM Trainer Seminar, 2001)
    Auf den Punkt gebracht könnte man auch “effektives Arbeiten im Team” oder “Sicherheit durch Effektivitätssteigerung” als Crew Ressource Management bezeichnen.

  28. Geschichte

    Die Wurzeln gehen zurück zu einem NASA Workshop („Resource Management on the flightdeck“) im Jahr 1979. Grund dafür waren Untersuchungen zu Human Factor Unfällen. Dies beruht hauptsächlich auf dem Unfall einer United Airlines Maschine 1978 in Portland (Fahrwerksprobleme, Fuel low nach einer Stunde Circling im Pattern, SA niedrig, schlechte Entscheidungsfindung, schlechte Kommunikation, schlechtes Teamwork und schlechte Leadership, Flame Out der Triebwerke, mehrere Tote in einem vermeidbaren Unfall).
    (Helmreich, University of Texas)

    Bei der Entwicklung spricht man zur Zeit von vier Generationen:

  29. First Generation CRM
    Die erste Generation CRM wurde1981 bei United Airlines unter dem Namen COCKPIT RESOURCE MANAGEMENT eingeführt. Hier ging es vermehrt um die psychologischen Faktoren im fliegerischen Bereich. Viele Piloten taten dies als „Charm School“ ab und fürchteten, dass ihre Persönlichkeit geändert werden sollte.

    Second Generation CRM
    Die zweite Generation CRM wurde 1986 bei Delta Airlines eingeführt. Hier wurden die Fertigkeiten von CRM definiert.

    Third Generation CRM
    In den frühen 90er Jahren charakterisierte man zusätzlich die Eigenschaften des Systems in dem die Besatzung fliegt.
    1993 wird CRM im militärischen Bereich übernommen. Die Royal Air Force (U.K.) musste ein System einführen, welches die zahlreichen Abstürze reduzierte. Dies geschah durch CRM. Auch die US Air Force nutzt CRM, um ihre Besatzungen auszubilden. Die Ausbildung wurde hauptsächlich über die Firma CTI (Crew Training International, Memphis) gesteuert.

    Fourth Generation CRM
    Die vierte Generation, angeregt durch die FAA (Federal Aviation Administration) befasste sich mit Training Requirements für jeden Flugzeugtypen.

    CRM heute
    Derzeit wird versucht, die verschiedenen Kulturen in CRM einzubringen. Jede Kultur ist unterschiedlich und jede Kultur hat ihre Subkulturen. Versuchen wir uns einfach nur einmal vorzustellen, dass eine amerikanische Kopilotin einen arabischen Piloten anweist etwas zu tun, was der Pilot missachtet bzw. übersehen hat.

    Wir finden CRM in allen Bereichen der Fliegerei und darüber hinaus, zivil wie auch militärisch:
    -Piloten
    -Besatzungen allgemein
    -Kabinenpersonal
    -Technik
    -Flugsicherung
    -Einsetzer (im zivilen oft Nichtflieger)
    -USAF/RAF/Schweizer Luftwaffe…
    -Anästhesie
    -Chirurgie

    Wie sieht CRM in der Zukunft aus?

    In der Zukunft wird man sich mit den Kulturen beschäftigen und der Begriff des Crew Resource Management könnte einem Company Resource Management weichen. Dies ist bestimmt ein ehrgeiziger Ansatz, müsste aber jeden Einzelnen in der Company erreichen. Dies stellt sich heute noch utopisch dar. Aber vielleicht ist es ja auch „nur“ ein Error Management, was den Begriff von CRM ersetzt.

  30. WARUM CRM?

    Bei der Betrachtung von der Gesamtheit aller Unfälle macht der Bereich Human Faktor 75% aus . Eine sehr hohe Zahl, die es gilt zu reduzieren.

    Das Ziel von Crew Resource Management war und ist es, diese Säule zu verringern. Seit der Einführung von CRM ist die Säule schon auf 67% (ebenda) gefallen. Ein Indiz, dass die Ausbildung helfen kann, effizienter und sicherer zu werden.
    Für die Ausbildung hat man Fertigkeiten („skills“) definiert. Diese Fertigkeiten heißen „Non Technical Skills“. Und darin liegt auch das „Objective“ von CRM:

    „The Objective of CRM is to enhance the communication and management skills of the flight crew members concerned. The emphasis is placed on the non technical aspects of the flight crew performance.” (ebenda)

  31. NON TECHNICAL SKILLS (u.a. A. Richter, New Training Institute, CRM Trainer Seminar)

    Die Fertigkeiten sind in vier große Bereiche unterteilt, Kooperation, Leadership and Managerial Skills, Stiuational Awareness und Decision Making. Diese Fertigkeiten kann man folgendermaßen kurz beschreiben:

    Kooperation -fördert den Aufbau des Teams
    -berücksichtigt andere
    -unterstützt andere
    -löst Konflikte nach der Maxime „Was ist Richtig“ und nicht „Wer hat Recht“

    Leadership -vertritt sein Position
    and -zeigt Initiative
    Managerial -motiviert andere
    Skills -wendet Procedures an
    -bezieht andere in die Planung mit ein
    -informiert andere über Absichten und Ziele
    -setzt Prioritäten

    Situational -sammelt alle verfügbaren Informationen
    Awareness -überwacht und teilt Veränderungen anderen mit
    -plant vorrausschauend

    Decison -analysiert gemeinsam mit der Crew die Situation
    Making -benennt und erarbeitet Handlungsalternativen
    -wägt Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen ab
    -überprüft das Ergebnis der Entscheidung

    In all diesen Fertigkeiten gibt es ein übergeordnetes Werkzeug, welches in allen Fertigkeiten steckt – Kommunikation und man könnte die Fertigkeiten gesamt vielleicht unter Professionalität oder „Airmanship“ zusammenfassen.

    Die hier aufgezählten Fertigkeiten sind Bestandteil der CRM Seminare und werden dort eingehender behandelt.

  32. CRM – EIN ALLHEILMITTEL?

    CRM ist und wird niemals alle Fehler eliminieren können. In einem extremen und komplizierten Umfeld wie dem der Fliegerei kann CRM keine absolute Absicherung im Sinne der Sicherheit sein. Fehler sind das unabdingbare Resultat der natürlichen Limitationen des menschlichen Körpers in einem komplexen System. CRM ist ein Werkzeug welchen wir nutzen können, um mit Fehlern umzugehen.
    Wichtig dabei ist, dass CRM aus der inneren Überzeugung kommen muss. Es kann nicht befohlen werden. Dieser Prozess braucht Zeit, teilweise dauert er Jahre.

    Ich stimme allen am Blog beteiligten Personen zu, die hier die Innere Führung der Bw mit ins Boot geholt haben.

  33. Zum Schluss bleibt noch die Beantwortung der Frage „Was ist CRM?“

    Um dies deutlicher darzustellen, klären wir erst einmal, was man unter CRM nicht verstehen sollte :

    CRM is not
    – a quick fix that can be implemented over night
    – a training program administered to only a few specialized or fix-it cases
    – a system that occurs independent of other ongoing training activities
    – a psychological assessment or personality profile
    – a system where crews are given a specific prescription of how to work with others on the flight deck (in the cockpit)
    – Another form of individually centered crew training
    – A passive lecture style classroom course
    – An attempt by management to dictate cockpit behaviour

    Im Gegensatz dazu die Darstellung dessen, was CRM bedeutet.

    CRM is
    – a comprehensive system for improving crew performance
    – a process addressing the entire crew and other related staff
    – a system that can be extended to all forms of air crew training
    – a concentration on crew member attitudes and behaviours and their impact on safety
    – an opportunity for individuals to examine their behaviour and make individual decisions on how to improve cockpit teamwork
    – a utilisation of the crew as the unit of training
    – active participation training that focuses on safety improvement
    – is self-convincing
    (A. Richter, New Training Institute, CRM Trainer Seminar, 2001)

  34. Hoffe Herr Wiegold, sie haben nichts dagegen wenn mal gelacht wird. ;-)
    Stichwort „Denglisch“

    Special high intensity training

    In order to assure the highest level of quality work and productivity from employees it will be our policy to keep all employees well trained through our program of
    special high intensity training (s.h.i.t.).
    We are trying to give our employees more s.h.i.t. than anyone else.If you feel that you are not receiving your fair share of s.h.i.t. on the job, please see your manager. You will immedeately be placed on the top of the s.h.i.t. list and they are especially skilled at seeing that you get all the s.h.i.t. you can handle.
    Employees who don´t take their s.h.i.t., will be placed in departmental employees evaluation program special high intensity training (d.e.e.p.s.h.i.t.).
    Those who fail to take d.e.e.p.s.h.i.t. seriously will have to go to the employee attitude training (e.a.t.s.h.i.t.).
    Since our managers took s.h.i.t. before they were promoted, they don´t have to do s.h.i.t. anymore and are full of s.h.i.t. already. If you are full of s.h.i.t. you may be interested in other job trainings.
    In this case we will add your name to our basic understanding lecture list special high intensity training (b.u.l.l.s.h.i.t.).
    If you have any other questions please feel free and direct them to our head of training special high intensity training (h.o.t.s.h.i.t.).

    (signed)
    Boss in general special high intensity training (B.i.g.s.h.i.t.)

  35. Brauchen wir eine Begründung für CRM in der Bundeswehr?
    Bereits im Jahr 2002 wurde in einem Artikel der Bw- Zeitschrift „Flugsicherheit“ wie folgt argumentiert:

    Nein, wir brauchen keine Begründung für die Implementierung eines
    CRM in die Bundeswehr!
    Schließlich verlangen die JOINT AVIATION REQUIREMENTS / OPERATIONS
    (JAR/OPS) der JOINT AVIATION AUTHORITY (JAA), dass jeder Teilnehmer
    am europäischen Luftverkehr ein CRM-Training nach bestimmten Regeln
    zu absolvieren hat. Das gilt für den gewerblichen und den privaten
    Bereich gleichermaßen, unabhängig davon, ob es sich um „Fläche“ oder
    „Hub“ handelt. Diese europäische luftrechtlicheVerordnung ist im Jahre
    1999 mit einigen Übergangsfristen in verbindliches deutsches Luftrecht umgewandelt
    worden. Dadurch wurde sie Bedingung und Voraussetzung für
    eine rechtmäßige Teilnahme am Luftverkehr über deutschem Territorium.
    Kritiker einer Implementierung führten bisweilen an, dass der Bereich
    Bundeswehr von den Auswirkungen dieser Gesetzgebung ausgenommen
    sei, weil JAR/OPS lediglich, jedoch ausdrücklich den Bereich der zivilen
    Fliegerei abdecke und sich die militärische Fliegerei dem nicht unterzuordnen
    brauche.
    Für diesen Personenkreis brauchen wir also noch weitere Begründungen
    für eine strukturierte Implementierung eines CRM Bw; das folgend Geschriebene
    soll auch dafür einen Beitrag leisten.
    Unabhängig von dieser immer noch vereinzelt geäußerten Kritik, verfolgt
    nun der fliegerische Bereich der Bundeswehr das Konzept der „Selbstbindung“.
    Dies bedeutet, das sich die Bundeswehr diesen Forderungen aus
    der Erkenntnis heraus stellt, dass CRM einen Beitrag zur Erhöhung der
    Sicherheit und der Effizienzsteigerung leisten kann.

    Ich denke diese, bereits vor 11 Jahren, verfassten Zeilen sprechen für sich!
    Aller negativen Kritik zum Trotz.

  36. Ich glaube, das alte Spiel „Bullshit- Bingo“ ist hinlänglich bekannt. Mann es in jeder normalen Besprechung – oh sorry – meeting – bis zum Erbrechen spielen, die Wörter dazu gehen einem nie aus.

  37. Danke GNY45!

    Wohltuende Sachebene und Information in einer von Einigen vom Hören/Sagen geführten Diskussion. Interessanterweise ist es nach ihren Postings sehr still geworden….
    Motto: Komm´ mir bloß nicht mit Fakten.
    Ich melde mich damit aus diesem Funkkreis für immer ab und verbleibe bis zum nächsten CRM-Seminar.

    Mit freundlichen Grüßen

    „der, der sich nicht mit Mathematik auskennt.“ LOL

  38. @CRM-Moderator
    Sollten Sie wirklich Moderator (lat.: Mäßigender, Leiter, Lenker) sein, dann sehe ich gewisse Grundqualifikationen bei Ihnen eher nicht vorhanden.
    Nur weil Sie hier ein wenig Gegenwind bekommen, bringen Sie das Thema mit Ihrer eingeschnappten Reaktion auch nicht weiter. Dies ist eines Moderators nicht wirklich würdig.
    Stattdessen hätte ich von Ihnen, anstatt von selbst nur in den Raum gestellten Allgemeinplätzen (die ja bei vielen Beratern immer wieder zu finden sind) ein paar schlüssige und nachvollziehbare Diskussionsinhalte erwartet, in denen Sie aufzeigen welche Vorteile denn auch andere Teile wie Marine und Heer von Ihrem propagierten CRM haben könnten.
    Oder welche Begrifflichkeiten des CRM Sie, mit den in der Bundeswehr bereits genutzten Möglichkeiten und Prinzipien komplementär betrachten. Oder welche Kommunikationsprobleme es bei der Vermittlung gibt. Wie so häufig im Bereich des Beraterwesens eine von oben aufgestülpte Massnahme, in der nurn Teilelemente mitgenommen werden, die Gesamtheit der Truppe aber nicht in den Prozess mit aufgenommen wird.

    Siehe dazu bspw.:
    iltis | 12. März 2013 – 12:45
    klabautermann | 12. März 2013 – 13:21
    GNY45.. | 12. März 2013 – 13:36

    Dies haben Sie dann elegant @GNY45.. (dafür Danke an GNY45..!! ) überlassen. Erwartet hätte ich sowas von Ihnen, wenn Sie sich schon mit diesem selbsterwählten Titel hier schmücken.

  39. Zunächst mal meinen Dank an @GNY45 für all seine Kommentare.
    Company Resource Management ist übrigens auch nicht neu in der BW, die Marine hat das zBsp als Kompetenzmanagement bezeichnet. Egal wie ich solche Führungsmethoden nenne, wenn der Boss es nicht selbst praktiziert, dann wirds nix mit der Belegschaft. Insofern hat CRM in der BW flächendeckend nur eine Chance falls TdM es praktiziert….fat chance ;-)
    Zum Thema Kultur: cultural diagnostics und cultural shaping als Teil von CRM findet schon statt in Ansätzen….auch hier gilt: wenn der Boss etc.

  40. Nach dem Lesen eines Großteils der Kommentare, möchte ich auch meine Erfahrungen mit CRM bzw. mit dem Maintenance Ressoure Management-System (MRM) zum Besten geben. Bei den Lfz-Technikern wird CRM als Maintenance Ressource Management (MRM) bezeichnet und dies wird in der gesamten Luftwaffe, bei den Heeresfliegern und bei den Marinefliegern angewendet.

    Das Ziel von MRM ist nicht den allgemeinen Führungsprozess zu ersetzen, es soll auch nicht irgendwelche anderen Vorschriften übersteuern, es soll schlicht und einfach die Anzahl von Flugunfällen und Flugzwischenfällen aufgrund von Fehlern bei der Wartung, Instandsetzung von Flugzeugen minimieren.
    Wie soll dies erreicht werden ?
    Man hat alle in der Lfz-Technik arbeitende Personen vom Kommandeur Technische Gruppe bis zum einfachen Lfz-Mechaniker die Prinzipien von MRM beigebracht, bzw den Personenkreis sensibilisiert um Fehlerquellen im Vorfeld eines möglichen Unfalles zu erkennen und im weiteren Verlauf die Ereigniskette, die zu einem Unfall führt, zu unterbrechen.
    Der Mensch und nicht die Technik ist die Schwachstelle bei der Wartung und Instandsetzung von Flugzeugen. Da dem so ist, muss man beim Menschen ansetzen und nicht so sehr bei der Technik um etwas zu verbessern. Da ich hier nicht MRM komplett darstellen kann, möchte ich nur einge Aspekte herausstellen.
    Zunächst hat man in der Ursachenforschung von Flugzeugunfällen 12 Hauptursachen für vorkommende Fehler entdeckt.

    Das sogenannte „Dreckige Dutzend“, als da wären

    1. Mangelhafte Kommunikation
    (Wahr ist nicht was A gesagt hat, sondern was B verstanden hat)

    2. Mangelhafte Teamarbeit (Toll Ein Anderer Machts)

    3. Stress (allgemein und im Speziellen)

    4. Ermüdung, Erschöpfung der Mechaniker
    (Arbeiten der Mechaniker nach 24 Std Anreise mit der Transall bis ins Einsatzgebiet)

    5. Normen (innerbetriebliche, oftmals ungeschriebene Normen)
    („Stell Dich nicht so an, du „Jungfuchs“, das haben wir schon immer so gemacht“)

    6. Druck (von oben, damit der Klarstand an Lfz erreicht wird)

    7. Mangelhafte Durchsetzungsfähigkeit
    (eines untergeordneten Mechanikers bei einem Verstoss gegen Verfahrens- und Instandsetzungsrichtlinien)

    8. Ablenkung („es ist alles wichtiger als der eigentliche orginäre Auftrag“)

    9. Mangel an Hilfsmittel
    („Stell dich nicht so an, MacGyver repariert Flugzeuge auch mit dem Taschenmesser“)

    10. Selbstgefälligkeit
    („Ich bin der Größte, ich weiß alles, mir braucht keiner was erzählen“)

    11. Mangelhaftes Wissen
    („Ich habe zwar diese Tätigkeit noch nie gemacht, aber irgenwie werden wir das Getriebe schon austauschen können“)

    12. Mangelhafte Aufmerksamkeit (mangelnde Situation Awareness)
    („Was interessiert mich rechts und links, ich mach mein Ding, ansonsten können mich alle“, es sind nach dem Zusammenbau 3 Schrauben übrig geblieben, na und ?)

    Bei MRM hat man schlicht und einfach die Erfahrung gemacht, dass überall da, wo Menschen arbeiten Fehler passieren. Man hat jetzt 2 Möglichkeiten. Man sucht einen „Schuldigen“ oder die „Ursache“ für den aufgetretenen Fehler. Die Bw neigt dazu einen Schuldigen zu suchen und sich dann entspannt zurück zulegen und zu sagen damit ist die Sache erledigt. Mit Sicherheit passiert der gleiche Fehler in einer ähnlichen Situation wieder. Besser ist es man sucht die „Ursache“ des Fehlers, vor allen Dingen bei Ereignissen, dies nicht bis zur Katasprophe geführt haben um sie beim nächsten Mal im Vorfeld zu verhindern. Dies wird allgemeinen unter einem „lernenden System“ verstanden. Man erreicht dies aber nur, wenn man Strafen und persönliche Diskriminierung vermeidet, wenn immer möglich.

    Meine persönliche Meinung ist, die individuellen Angehörigen der Bw sind sehr wohl ein „lernendes System“, aber übergeordnete Handlungsweisen verhindern, dass daraus allgemeine Erkenntnisse, z.B. bei der Neuausrichtung der Bw gezogen werden.

    Eine Organisation, die das Wissen und die Kompentenz ihrer eigenen Angehörigen bewusst ignoriert, ist zum Untergang verurteilt.

  41. @Georg

    klingt vernünftig und ist nicht erst MRM oder CRM der Fall. Aber vielleicht muss einfach auch mal alter Wein in neuen Schläuchen angeboten werden, damit man sich wieder daran erinnert. Aber was für mich immer ein bisschen mitklingt ist der Versuch, nach einem Vorfall, für alle Zeiten einen Unfall auszuschließen. Also nun macht mal alle ordentlich CRM oder MRM und dann wird das nie wieder passieren. Letztlich kann man auch wieder, genau so, den Schuldigen festnageln. Da hat eben einer unter Stress arbeiten müssen oder das Team war nicht gut aufgestellt etc. Wir neigen dazu, für das letzte Prozent Sicherheit, unverhältnismäßig viel aufzuwenden. Natürlich kann man immer sagen, für ein Menschenleben ist nichts zu teuer. Wenn das die Lösung ist, hätten wir in allen gesellschaftlichen Bereichen einen Lähmungszustand erreicht. Denn besser ich mache nichts denn dann komme ich mit dem Leben davon. Beispiele hinken immer aber wer schon mal eine Brandschutzbegehung mitgemacht hat weiß wovon ich Rede. Keine Fliese unter der Kaffeemaschine und ich setze täglich mein Leben auf’s Spiel. Auf die Fliegerei übertragen kann man feststellen, dass gefährlichste am Fliegen ist der Weg zum Flugzeug.

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