Katholische Bischöfe fordern ethische Diskussion über bewaffnete Drohnen

In der deutschen Debatte über die Beschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr haben sich jetzt zwei katholische Bischöfe zu Wort gemeldet, die mit diesem Thema zu tun haben – aber sonst nicht immer einer Meinung sind: Der Vorsitzende der Konferenz Justitia et Pax, Stephan Ackermann, und der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck fordern eine öffentliche Diskussion der ethischen Fragen bei diesen Waffensystemen und dazu eine öffentliche Anhörung im Bundestag. Und auch das interessant: Die beiden Kirchenvertreter räumen ausdrücklich ein, dass bewaffnete unbemannte Flugsysteme auch den Schutz der eigenen Soldaten verbessern können und sollen. Allerdings ziehen auch sie die Parallele zu den umstrittenen gezielten Tötungen, für die US-Drohnen auch außerhalb von Kriegsgebieten eingesetzt werden. Drohnen können keine Gefangenen machen, sagen die Bischöfe. Das stimmt zwar, führt aber in die Irre: Auch Kampfjets, Kampfhubschrauber oder Artilleriegeschütze können keine Gefangenen machen.

Zur Dokumentation die am (heutigen) Dienstag veröffentlichte Erklärung im Wortlaut:

Gemeinsame E R K L Ä R U N G
des Vorsitzenden der Deutschen Kommission Justitia et Pax,  Bischof Dr. Stephan Ackermann, und des Katholischen Militärbischofs,  Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Seitdem die Bundesregierung die Absicht erklärt hat, bewaffnete Drohnen anzuschaffen, reißt die kritische öffentliche Diskussion um diese neue Waffengattung und die damit verbundenen Implikationen nicht ab. Wir begrüßen diese Diskussion, denn in der Tat wirft diese Waffengattung eine Reihe von ernsten ethischen Fragen auf. Diese haben sich zum Teil auch schon bei anderen Waffensystemen gestellt. Sie harren nunmehr aber mit verstärkter Dringlichkeit der Beantwortung. Die ethische Kernfrage lautet: Wie wirkt sich diese neue Waffengattung auf das ethische Ziel der Gewaltminimierung aus? Der berechtigte Verweis auf die Minimierung der Gefährdung für die eigenen Streitkräfte sowie die militärtechnologischen Entwicklungen geben allein keine hinlängliche Antwort auf die im Raum stehenden Fragen. Wir sind uns dabei bewusst, dass der Einsatz von Drohnen das Risiko für die eigenen Soldaten im Rahmen einer vertretbaren Operationsführung verringern kann und dies für die politisch Verantwortlichen gegenüber den Soldaten und ihren Familien ein nicht zu unterschätzendes Argument darstellt. Aber auch aus Verantwortung gegenüber den Soldaten müssen die folgenden fünf Problemkomplexe angesprochen werden:
1. Die Sorge macht sich breit, dass mit der Einführung dieser Waffensysteme die politischen und mentalen Schwellen zur Gewaltanwendung heruntergesetzt werden könnten, gerade weil die eigenen politischen „Kosten“ durch geringere eigene Verluste abnehmen. Es stellen sich die Fragen: Wie hat sich der Einsatz dieser Waffensysteme auf die Streitkräfte ausgewirkt, die bewaffnete Drohnen bereits nutzen? Wie sind die Konsequenzen für deren Militär- und Sicherheitspolitik? Welche Vorkehrungen werden getroffen, um ein eventuelles Absenken der Schwelle zur Gewaltanwendung zu verhindern?
2. Ein ethisch vertretbarer Einsatz bewaffneter Drohnen setzt voraus, dass zwischen Kämpfenden und Unbeteiligten unterschieden werden kann. Dies kann nur mit hinlänglich genauen Informationen gewährleistet werden: Wie können diese Informationsgewinnung und die erforderliche Sorgfalt gesichert werden? Darf man durch den Einsatz von Drohnen das Risiko der eigenen Soldaten verringern, wenn dadurch die Gefahren für unbeteiligte Menschen erhöht werden? Diese Frage stellt sich verschärft bei militärischen Interventionen, die zum Schutz von Zivilbevölkerung unternommen werden.
3. Damit zusammenhängend steht die Frage im Raum, wer unter welchen Bedingungen und aufgrund welcher Kriterien die Entscheidung zur gezielten Tötung von Gegnern trifft. Wie ist zu gewährleisten, dass die Grenze zu extralegalen Hinrichtungen und somit zur faktischen Einführung der Todesstrafe im Falle bewaffneter Auseinandersetzungen nicht überschritten wird? Auch das Leben derer, die bekämpft werden, ist nach Möglichkeit zu schonen. Drohnen können keine Gefangenen machen. Wir wenden uns gegen einen Einsatz von Drohnen als Hinrichtungsinstrumente. Dies gilt umso mehr, als schon heute darüber diskutiert wird, dass Drohnen die Entscheidung zu töten „autonom“ treffen sollen. Die Tötung eines Menschen darf nicht durch einen Mechanismus ausgelöst werden.
4. Welche Vorkehrungen werden getroffen, um der Gefahr eines erneuten Wettrüstens um möglichst umfangreiche militärische Fähigkeiten zu begegnen?
5. Durch die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen können sich die Grenzen des Kampfgebietes leicht auflösen. Hier stellen sich gravierende völkerrechtliche und letztlich auch ethische Probleme, die erst noch debattiert werden müssen.  Wir möchten an dieser Stelle eine Erfahrung des Ost-West-Konflikts in Erinnerung rufen: Es war allzu häufig nicht die strategische Planung, die die Entwicklung, Herstellung und Beschaffung
von Waffen bestimmte, sondern umgekehrt war es die technische Entwicklung, die die Strategie bestimmte – mit gefährlichen Konsequenzen für die Stabilität der Abschreckung. Daher muss heute gefragt werden, in welche übergreifende politische und militärische Strategie mit welchen Zielsetzungen Drohnen eingebunden sind, so dass ihre Beschaffung heute als geboten erscheint? In welcher Weise ist diese Strategie an der Wertoption eines weltweit gerechten Friedens ausgerichtet? Ist berücksichtigt, welche Auswirkungen der Einsatz von Drohnen als Manifestation westlicher Überlegenheit auf die Völker hat, auf deren Territorien sie zum Einsatz kommen sollen?
Wir sehen vor allem die Bundesregierung in der Pflicht, vor der Anschaffung dieser Waffensysteme tragfähige Antworten zu formulieren, überzeugende Vorkehrungen zur Eindämmung der möglichen problematischen Nebenwirkungen zu treffen und diese in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die bisherigen Antworten sind nicht befriedigend.
Leider müssen wir aber auch feststellen, dass die öffentliche Diskussion zunehmend zu einer unsachgemäßen Verhärtung der Positionen neigt. Wir halten daher eine erneute Versachlichung der Debatte für dringend geboten. In diesem Sinne empfehlen wir ein ausführliches öffentliches Hearing im Deutschen Bundestag, bei dem nicht zuletzt die oben genannten Fragestellungen zur Sprache kommen.

Nachtrag: Zu dem Thema in der New York Times

(Foto: Reaper-Drohne der Royal Airforce in Kandahar – Crown Copyright/defenceimagery.mod.uk unter Open Government License)

88 Gedanken zu „Katholische Bischöfe fordern ethische Diskussion über bewaffnete Drohnen

  1. Die Tötung eines Menschen darf nicht durch einen Mechanismus ausgelöst werden.

    Ich versuche die o.g. Aussage mit einer Mine, endphasengelenkter Munition oder einem durchschnittlichen Suchkopf eines Seezielflugkörpers in Einklang zu bringen…

  2. @Hans
    “ In Pakistan herrscht kein (offizieller) Krieg…“

    Das ist korrekt. Es herrscht ein „nicht-internationaler bewaffneter Konflikt“, in dem die Paki-Regierung bzw. das dortige Militär inoffiziell den Amerikanern solche Aktionen erlaubt hat.

    „es sterben zu viele Zivilisten damit es Verhältnismäßig bleibt.“

    Ob die Zahl verhältnismäßig ist oder nicht, hängt völkerrechtlich vom durch die USA definierten militärischen Zweck ab. Offenbar halten die Amerikaner die Zahl der getöteten Unbeteiligten für verhältnismäßig, denn sonst würden sie ihre Aktionen ja nicht durchführen. Man sollte das Humanitäre Völkerrecht nicht überschätzen.

  3. @Stefan H.
    „Die Tötung eines Menschen darf nicht durch einen Mechanismus ausgelöst werden.“

    Habe den Ausspruch der Bischöfe gerade erst gesehen. Ob diese blutigen Laien wohl schoneinmal den Begriff „Escalation of Force“ gehört haben?

  4. Orontes | 05. Februar 2013 – 20:06
    „Man sollte das Humanitäre Völkerrecht nicht überschätzen.“
    Mit dem Satz haben Sie recht.
    In der sicherheitspolitischen, aber auch der friedensbewegten Community werden die Gespräche immer deutlicher mit der Tendenz, dass das HV angepasst werden sollte, da es die Wirklichkeit heutiger Waffen und Konflikte nicht (mehr) abbildet. Somit ist eine Ethikdebatte, wie auch eine Wertedebatte erforderlich, an der sich natürlich auch die Religion beteiligen soll und muss.
    Wenn dann „Drohnen“ für die breite Öffentlichkeit als Auslöser genommen werden, ist das gut so.

  5. Insgesamt find ich es ja erstaunlich, dass eine mit gesundem Menschenverstand argumentierte Stellungnahme, die insgesamt sowieso eh ziemlich vage gefaßt ist, hier so große Wellen schlägt, bis zur Unterstellung der Verfassungfeindlichkeit. Erstaunlich, dass „Kirche“ bei manchen solche pawlowschen Reflexe auslöst. ;)

    @ Orontes
    Es herrscht ein “nicht-internationaler bewaffneter Konflikt”, in dem die Paki-Regierung bzw. das dortige Militär inoffiziell den Amerikanern solche Aktionen erlaubt hat.

    Was zu belegen wäre. (Auch darf bezweifelt werden, dass Pakistan etwa bei der Ermordung Bin Ladens in irgendeiner Form einbezogen wurde.) Auch stellt sich die Frage, warum der amerikanische Drohnenkrieg in Pakistan ein „nicht-internationaler Konflikt“ sein sollte.

  6. @J.R.: Zitat: Erstaunlich, dass “Kirche” bei manchen solche pawlowschen Reflexe auslöst.

    Wieso erstaunlich? Nach den innerbetrieblichen Friktionen dieser Firma in der letzten Zeit und der Tatsache, daß ebendiese Firma in DE ein eigenes Recht für sich beansprucht und es für höherwertig hält alt staatliches Recht, erstaunt mich das nicht. Staunen darf man höchsten über den Gleichmut, mit dem sich unser Staat das bieten läßt. Für die Zeit nach dem Reichsdeputationshauptschluß mag man das hinnehmen, in die heutige Zeit paßt das nicht. Und noch so einiges anderes nicht.

  7. Offenbar scheint die Kombination aus bewaffnetem UAS und der katholischen Kirche allein schon emotional zu sein.
    Aus meiner Sicht kann und soll sich die Kirche in gesellschaftliche Debatten einbringen – gerade auch wenn es um zentrale Fragen von Leben und Tod geht.

    Jedoch sollte die Kirche – gerade die katholische Kirche – dann auch einen eigenen Standpunkt in die Debatte einbringen und nicht nur ein Hearing (a.k.a. Anhörung) im Bundestag fordern.

    Zudem erwünsche ich mir bei einem Debattenbeitrag mehr Substanz.
    Forderungen nach präziser Aufklärung und der Einwand man könne mit Drohnen keine Gefangenen machen zeugen von einer nur sehr oberflächlichen Durchdringung des Themas.

    Wo war diese Diskussion eigentlich bei der Beschaffung von KEPD 350 Taurus (für knapp 600 Mio. Euro)?

    Man genügt noch nicht einmal den eigenen Ansprüchen:
    „Wir halten daher eine erneute Versachlichung der Debatte für dringend geboten.“

    Diese Erklärung (!?) ist eben gerade kein Beitrag zur Versachlichung, sondern zur Verwirrung. Die Erklärung ist in meinen Augen bereits stark beeinflusst vom Relativismus, den der Hl. Vater zu Recht anprangert.

  8. @J.R.
    „Auch stellt sich die Frage, warum der amerikanische Drohnenkrieg in Pakistan ein “nicht-internationaler Konflikt” sein sollte.“

    Das ist eine bloße Formalie. Der Konflikt ist dadurch „nicht-international“, dass irgendwelche Rechtsberater ihn zu einem Konflikt zwischen militanten Islamisten und pakistanischer Regierung erklärt haben dürften, in dem die USA mit ihren Drohnen die Pakistanis im Rahmen eine inoffiziellen Abkommens „unterstützen“. Die Pakis tun aufgrund der Stimmung im Land natürlich so, als wüssten sie von nichts.
    Letztlich geht es aber nicht um das Völkerrecht, sondern um Macht. Die Amerikaner tun, was sie können, und die Pakis ertragen, was sie müssen (frei nach Thukydides). Allerdings sind die Pakis nicht ganz machtlos, denn sonst würden die Amerikaner dort ganz anders vorgehen, wie sie es nach 9/11 ja zunächst durchaus glaubwürdig angekündigt hatten.

  9. @Memoria

    Zustimmung

    ….allerdings sollte man anerkennen, dass die Bischöfe fast 100 Punkte im populistischen bullshit bingo zum Thema Drohnen erzielt haben..nach meiner persönlichen Auswertung jedenfalls

  10. @klabautermann:

    Ebenfalls Zustimmung.
    Der populistische Tenor stört mich ebenfalls erheblich.
    Sowas ist man ja von den Häretikern (gewohnt, aber nicht von der „una sancta e catholica“.
    Bin versucht hierüber ein Gespräch mit dem örtlichen Pfarrer zu führen – ist aber auch nicht fair.
    Allein schon mit dem Katechismus unterm Arm offenbart sich die Oberflächlichkeit der Argumentation (Flächenbombardement vs. Präzisionsangriff).

  11. @ Memoria
    Forderungen nach präziser Aufklärung und der Einwand man könne mit Drohnen keine Gefangenen machen zeugen von einer nur sehr oberflächlichen Durchdringung des Themas.

    Da wär ich mir gar nicht mal so sicher.

    Der Kern der Argumentation (und der durchaus berechtigten Sorge) ist ja, dass die Drohne als Ersatz für wirksames und/oder verhältnismäßiges militärisches Vorgehen herhalten muss. Die Tendenz Bombs statt Boots on the Ground ist ja spätestens seit der Bombardierung Belgrads durch die Nato 1999 fester Bestandteil der sicherheitspolitischen Realität.
    Und während eine Bombenkampagne mit bemannten Flugzeugen immer noch ein enormer Aufwand ist und wenigstens ein geringes Risiko birgt (siehe Libyen oder jetzt Mali), ist es sowohl politisch als auch infrastrukturell schon leichtsinnig leicht mit Drohnen irgendwas zu bombardieren (siehe Pakistan).
    Und was auf strategischer Ebene gilt läßt sich bei Drohnen eben auch auf taktische Ebene erweitern: Dass man auf solides militärisches Vorgehen verzeichtet, weil die Drohne ja so ein bequemes Rundumpaket aus „Aufklärung“ und „Wirkung“ bietet. Überspitzt formuliert (und ganz analog zum Drohnenkrieg in Pakistan): Man bleibt in der FOB und beschränkt sich auf Drohnen als Wirkmittel. Und jetzt sag irgendwer, der die Bundeswehr in Afghanistan verfolgt hat, dass er sich das bei der Bundeswehr nicht vorstellen kann.

    Hier sind eben Regierung und Bundeswehr gefordert klar Position zu beziehen (wie wenig bindend das letztlich auch sein mag). Wobei das bei der Regierung Merkel (die ja gerne die Bundeswehr in Marsch setzt um alternativlose Handlungsfähigkeit zu demonstrieren) und der Bundeswehr (die ja gerne mit minimalem Einsatz tut als würde sie maximal wirken) kaum zu erwarten ist. Drohnen als aktionistisches Placebo sind dafür glaub viel zu verlockend.

    Nebenbei: An der Stelle macht es auch Sinn, vielleicht mal zu schaun wer da schreibt, nämlich ein Militärbischof. Der hat das zweifelhafte Vergnügen in der Frage zwischen allen Stühlen zu sitzen, der wird sich hüten die Verhältnismäßigkeit in konkrete Zahlen zu packen. Muss man nicht toll finden, aber an der Stelle ist es auch mal nachvollziehbar.

  12. @J.R.:
    Dass der Militärbischof Overbeck hier mitschreibt (es gibt nämlich nur einen) wurde durchaus registriert. Umso mehr verwundern manche Anteile im Text.

    Zur Sache: „Bombs statt Boots on the Ground ist ja spätestens seit der Bombardierung Belgrads durch die Nato 1999 fester Bestandteil der sicherheitspolitischen Realität.“

    Dies ist Thema seit Beginn der Fliegerei oder seit Erfindung der Steinschleuder 2000 Jahre zuvor.

    Spätestens die Luftkriegstheorien von Douhet, Mitchell etc. haben dies vor fast 100 Jahren thematisiert. Dies sind zweifellos wichtige Fragen, aber dies so eng mit UAS zu verknüpfen ist eben nicht sehr überzeugend.

    Aber hierüber kann man ewig Argument und Gegenargument wägen.
    Die kath. Kirche drückt sich seit Monaten jedoch um eine Meinung.

  13. Sicher können bewaffnete Drohnen den Schutz unserer Soldaten verbessern. Aber eben nur weil vorhandene bemannte Luftfahrzeuge dafür bisher nicht eingesetzt wurden. Ich bin grundsätzlich für die Anschaffung bewaffneter Drohnen durch Deutschland. Nur die Begründung dafür finde ich recht seltsam. Mir fehlt eine nachvollziehbar ehrliche Begründung für den geplanten Kauf. Den Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan kann man auch z. B. mit vorhandenen leicht bewaffneten Hubschraubern aus der Luft sichern, ohne dafür viele Millionen auszugeben.
    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Bundesarchiv_B_145_Bild-F073468-0003%2C_Hubschrauber_BO-105.jpg

  14. @ iltis | 05. Februar 2013 – 20:54
    Wieso erstaunlich? Nach den innerbetrieblichen Friktionen dieser Firma in der letzten Zeit und der Tatsache, daß ebendiese Firma in DE ein eigenes Recht für sich beansprucht und es für höherwertig hält alt staatliches Recht, erstaunt mich das nicht. Staunen darf man höchsten über den Gleichmut, mit dem sich unser Staat das bieten läßt.
    1. Weder beanspruchen noch besitzen die Kirchen in Deutschland eigenes weltliches Recht.
    2. Die Kirchen in Deutschland sind eine Glaubensgemeinschaft mit einer nicht unerheblichen Anzahl an Menschen. Was Sie daran die Möglichkeit negieren lässt, dass ein Vertreter dieser Glaubensgemeinschaft(en) sich äußert, erschließt sich nicht.
    3. Dass Sie es als verwunderlich empfinden, dass ein demokratischer Rechtsstaat die Meinungsäußerung eines legitimen Vertreters eines gesellschaftlich anerkannten Players der Mesoebene nicht verbietet und sich auch nicht verbittet, sollte für Sie Anlass zum Nachdenken geben.
    4. Ob, warum und wie ein Christ „sein Recht“ für „höherwertig“ hält ohne dabei Freiheit, Demokratie in und für die Bundesrepublik abzulehnen und die Bindung an weltliches Recht für geboten hält, lässt sich mE nicht mit dem abwertende Begriff „Firma“ diskutieren.

    @Voodoo | 05. Februar 2013 – 11:51

    Wir praktizieren in Deutschland die Trennung von Staat und Kirche bzw. wir haben gemäß GG keine Staatskirche. Ich frage mich deshalb so langsam ernsthaft, warum die Kirche sich in Belange einmischt, in denen sie nichts zu suchen hat?
    Ihre Polemik ist nicht ernst zu nehmen. Jeder in Deutschland darf sich an Debatten beteiligen.

    Nur um die Diskussion von fachlich/sachlich auf emotional/moralisch herunterzuziehen?
    Was heißt hier „nur“ für Sie? Nun neige ich wahrlich nicht zu emotionalen Ausbrüchen.Aber warum darf dieses Thema nicht auf dieser Ebene dikutiert werden? Ich sehe genügend Sachargumente, um die skizzierten Sorgen und Nöte zu entkräften und Drohnen als morlisch unbedenklich zu kategorisieren. Dazu muss ich aber niemanden aus persönlicher Abneigung heraus verbieten, offensichtlich Ihr Begehr, auf dieser Ebene Diskussionsbeiträge abzugeben.

    @ Memoria | 05. Februar 2013 – 21:03
    Offenbar scheint die Kombination aus bewaffnetem UAS und der katholischen Kirche allein schon emotional zu sein.
    So ist es. Sachliche Analysen liest man in Ihrem skizzierten Zusammenhang meist nur noch selten.

    Die Aussage mag von wenig intellektueller Brillianz sein, klabautermann mag in seiner persönlichen Auswertung diese Beiträge als „bulshit bingo“ bezeichnen, was nicht weit weg von meiner Bewertung liegt, aber sie darf geäußert werden.

    Ich schrieb es hier bereits und ich bleibe dabei: wir bekommen mit einer Drohne -egal welcher Art- nichts, was es nicht schon gäbe. Wir bekämen auch weder eine neue Leichtigkeit des Kriegsseins und auch keine neue moralische Qualität, geschweige denn eine Herabsetzung der Hemmschwelle zum Begehen von Kriegsverbrechen. Da können Herr van Aken, Herr Nouripour noch so lange wie sie wollen propagieren und agitieren, da können die Bischöfe Stephan Ackermann und Franz-Josef Overbeck gern weiter „in Sorge sein“.

    @ klabautermann | 05. Februar 2013 – 18:47
    ja ja, wir brauchen eine Enquette Kommission über bewaffnete Drohnen…..damit diese Progrom-gefährdeten Staatsalimente-Empfänger sich wieder profilieren können als oberste okzidentale Moralin-Instanz.
    Machen wir uns nichts vor. Niemals würden Sie wortgleich gegen Muslime und Juden rhetorisieren. Genau das lässt Ihre Aussage als wirr und inhaltsleer dastehen. Mit Verlaub.

  15. Orontes („Die Äußerung der Kirche ist wieder einmal von fachlicher Unkenntnis in militärischen und strategischen Fragen gekennzeichnet. Vielleicht sollte diese Organisation sich stärker Gedanken über unethisches Verhalten ihrer eigenen Funktionäre machen, bevor sie sich in Diskussionen einbringt, von denen sie so wenig versteht.“) und JCR („Ethik ist nicht anderes als eine Ersatzbeschäftigung für Kirchen in einer Zeit, in der Menschen nicht mehr religiös sind.“), Sie sind m.E. viel dichter an der Wahrheit, als Ihnen bewußt sein dürfte: Die katholischen Obermohren sind auf Gedeih und Verderb auf solche Modediskussionen angewiesen, um einen seit Jahren bekannten, höchst peinlichen Befund zu vertuschen: Wenn die Gepurpurten es mit ihrer christlichen Dogmatik so ernst meinten, wie es etwa dieser durchgeknallte Kirchen-Comedian Meissner aus Köln vortäuscht, dann müssten sie zuerst einmal zwei Drittel des Kirchenvolks sofort rausschmeißen. Immer wieder gut bestätigtes Ergebnis: Zwei Drittel aller Katholiken glauben nicht an die Auferstehung, sind also (das Glaubensbekenntnis haben wir wohl alle mal gelernt) zweifelsfrei auch keine Christen. Diese theologisch nicht wegzudiskutierende aber pekuniär teure Konsequenz wollen die Bischöfe natürlich nicht ziehen. Also brauchen sie ordentlich Theater im Vordergrund, etwa über Frauenordination, das Abendmahl für Geschiedene und Gläubige anderer Konfessionen p.p. und was sonst noch so an Tonnenmärchen gibt um die Tatsache zu verdecken, dass vor allem die katholische Kirche in ihren Kernbereichen zu einem annähernd religionsfreien Trachtenverein mit an Größenwahn grenzenden politischen Ansprüchen degenieriert ist.
    Bevor jemand fragt: Bei den Protestanten ist es etwas besser, dort ist die Ungläubigen-Quote ebenso stabil nur halb so hoch (30%). Bei dieser Firma geht es sich leichter, es bleiben eher nur die, die es ernst meinen. Wirklich konsequent im Sinne des harten Kern der christlichen Theologie ist nur der Pietkong (d.h. die evangelikalen Freikirchen), die nicht mit sich spaßen lassen und ein klares „entweder – oder“ fordern, wie es selbst die angeblich so glaubensstrengen Bischöfe nie wagen würden.

  16. @sachlicher

    Übertreibung macht anschaulich. Die seit vielen Monaten in der deutsch-medial-manipulierten Öffentlichkeit anhängige Drohnendebatte ist imho eine smoke-screen Debatte, auf die alle möglichen ‚Exponenten‘ aufsatteln, bzw. -steigen.
    Kennen Sie die 13 Regeln der Dakota zum reiten von toten Pferden ?

    Meine Uhr zeigt 2013, mein jesuitischer Philosophie- Lehrer (Speyer) hat mir schon vor 44 Jahren den Unterschied zwischen Handlungs-und Verantwortungsethik eingebläut.

    An der katholisch-theologischen Morallehre wird diese und die morgige Welt sich wertemäßig nie und nimmer nicht orientieren…..

  17. Etwas mehr Aufrichtigkeit täte der Debatte gut. Das gilt insbesondere für die, die den Eindruck erwecken, wir bräuchten bewaffnete Drohnen, weil die so durch die Gegend fliegen, aufklären und wenn sie auf einen Bösewicht treffen, den gleich bekämpfen können (z.B. Festnehmen?). Mit diesem Stammtischgeschwätz kann man auch den Geschützturm für jeden Tanklastzug fordern.
    Wenn die Bundeswehr bewaffnete Drohnen beschaffen möchte, weil sie gezielt Gegner vernichten will, ohne eigenes Personal in unmittelbare Gefahr zu bringen, so mag sie es argumentieren. Und wenn dann Politiker bereit sind, das Risiko von Kollateralschäden zu tragen, so wird es eine Beschaffung geben.
    Die Kommentatoren, die so leichthin kirchliche Moral und Ethik vom Tisch wischen, sollten einmal mit Soldaten sprechen, die töten mussten. PTBS ist keine Zivilisationskrankheit, sondern in vielen Fällen Ausdruck des Konfliktes zwischen Pflicht und Moral. Gewissen ist nicht angeboren.

  18. Wieder und wieder eiert alles um die Kernfrage. Sowohl technische als auch ethische Fragen werden rauf und runter dekliniert. Um warum? Weil sie es können, sehr geschätze Mitblogger. Alles was der Soldat im Krieg in die Hände nimmt, ist todbringend. Letztlich sogar ein Kugelschreiber der die Unterschrift unter einen Befehl setzt. Es ist der Auftrag eines jeden Soldaten, selbst wenn man sich auf dem höchsten Stand der ethischen Evolutionsstufe wähnt. Insofern kann man mit einer Diskussion über Drohnen die Erfordernis von Soldaten ganz in Frage stellen. Eine Binse, dass dies in Deutschland besonders ausgeprägt ist. Warum stellen wir uns dieser Diskussion nicht? Wollen wir Soldaten und was wollen wir mit ihnen? Habe aber auch gelernt, dass man damit keine Wahlkämpfe gewinnt. Dafür reicht offensichtlich die persönliche Betroffenheit, der Masse der Deutschen, nicht aus. Könnte es sein das es auch dran liegt, dass wir Soldaten bisher einen guten Job gemacht haben?

  19. @Schleppi

    Zustimmung, nur in diesem Thread geht es um die Fragen ethische Dimension!

    Außer Stefan H haben hier wenige sachliche Gründe für die Beschaffung von RPA vorgetragen!

    RPA haben einen Vorteil…….es sitzt kein Pilot drin.
    RPA haben einen Nachteil….es sitzt kein Pilot drin.

    Alles andere ergibt sich aus der konkreten Einsatzsituation und resultiert aus den oben genannten Vor- und Nachteilen.

    http://augengeradeaus.net/2012/04/militar-einsatz-im-inneren-drohnen-bewegungsprofile-durchsuchungen/#comments

    Wie ist denn die ethische Frage bei Optional Piloted Aircrafts (Pegasus Da 42,Schweiz) zu beantworten?
    Evtl. Immer auf den Einsatz bezogen? Man sollte nicht über die Plattform die Fragen beantworten, sondern über den Einsatz! Alles was hier angesprochen wird, gilt für alle fern- oder autonomgesteuerte Plattformen, zu Land, Wasser, Luft und Weltall. Doch auch dies wurde schon oft gesagt!

  20. P.S.: Etwas O.T. Aber in Mali fehlen Drohnen für Aufklärungsmissionen. Bei CAS gibt es, außer das Fehl von Tankern, kein Mangel!

  21. Genau da liegt doch der Hase im Pfeffer!

    Die ->> CIA <<- hat…

    Wir reden hier in Deutschland aber über die militärische Nutzung von Drohnen durch die Bundeswehr! Komischerweise kommt als Argument dagegen aber mehr oder weniger schnell immer die geheimdienstliche Nutzung im Nahen und Mittleren Osten durch die USA. Wo bleibt denn dabei die Sachlichkeit?

    In Deutschland hat keine Stelle oder Organisation auch nur annähernd soviel Frei- oder Spielraum wie die CIA – wovor haben wir also Angst und wo liegen da unsere moralischen Bedenken? Nochmal, wir sprechen hier über bewaffnete Drohnen für die Streitkräfte, die diversen Kontrollmechanismen unterliegen (übrigens genauso unser Auslandsgeheimdienst), eine geplante, "missbräuchliche" Nutzung für die befürchteten gezielten Tötungen durch "andere Stellen" dürfte also wohl kaum unbemerkt / unbestraft bleiben.

  22. @Voodoo

    ach, deshalb beschweren sich die Abgeordneten ja ständig über das Fehlen von Infos über die Einsätze der KSK.

    Sie haben recht, wenn die Lw die Einsätze fliegen soll! Doch das macht wenig Sinn, was nicht bedeutet, dass man es 2020+ erst mal so machen wird! Doch die Entwicklung bei der Beschaffung von Heeres RAP geht in eine andere Richtung1

  23. @ Voodoo

    Die Frage eines vermutlichen Umgangs in Deutschland mit einer eigenen bewaffneten Drohne sehe ich genau so wie Sie. Da gibt es keinen Anlass für eine Unterstellung, sie könnte unkontrolliert, völkerrechtswidrig oder unethisch eingesetzt werden. So weit, so gut.

    Leider ist damit das Problem nicht gelöst. Der Einsatz militärischer Mittel hat auch eine psychologische Dimension (das war/ist z.B. bei der Abschreckung nicht anders). Versetzen Sie sich einmal in die Bevölkerung, auf deren Territorium Drohnen ihre Ziele finden. Sie wird, um es gelinde auszudrücken, wohl kaum begeistert sein – egal auf wessen Seite sie steht. Diese Bevölkerung kann auch kaum unterscheiden, wer nun genau Tausende Km entfernt am Monitor sitzt und die Waffe ins Ziel lenkt. Woher soll sie wissen, ob der CIA, die US Armed Forces oder ein anderer der Auslöser ist. Verdächtig ist vielmehr jeder, der eine solche Drohne in seinem Arsenal hat. Damit werden wir, ob wir es wollen oder verdienen oder nicht, automatisch ins gleiche Boot gesetzt und unter Verdacht gestellt. Ob das für uns nachteilig ist, darüber kann man streiten. Unsere Reputation, die vielleicht auch sicherheitspolitisch eine nicht unwichtige Rolle spielt, wird jedenfalls kaum gestärkt.

    Ich will damit nur ausdrücken, wie wichtig eine eingehende Beurteilung der Lage auch aus der Sicht Dritter (um nicht zu sagen: eine Beurteilung der Feindlage) ist, wenn man einen solchen bedeutsamen Schritt in der eigenen Bewaffnung geht. Das Standing des Westens in der islamischen Welt bedarf zweifelsfrei einer Verbesserung, dies gerade auch im Sinne unserer eigenen sicherheitspolitischen Interessen (wie wollen wir den Terrorismus eindämmen, wenn „der Westen“ weiterhin – berechtigt oder unberechtigt – so verhasst ist wie derzeit?). Man muss sich also gut überlegen, was man mit der Beschaffungsentscheidung für eine bewaffnete Drohne anrichtet, und das gegen die eigene Wirkungsverbesserung abwägen. Und man muss gut überlegen, ob man durch militärische Mittel die Wirkung anderer sicherheitspolitischer Instrumente konterkariert.

    Diese Abwägung aller Argumente, von denen ich nur eines von mehreren genannt habe, vermisse ich immer noch. Ich persönlich halte also eine abschließende Drohnenentscheidung, die eben nicht nur militärische Relevanz besitzt, für noch nicht reif. Vor allem vermisse ich vor dem Hintergrund der übergreifenden Bedeutung immer noch eine klare Stellungnahme des Außenministers und/oder der Kanzlerin.

  24. Anti-Terror-Berater des US-Präsidenten Brennan muss zunächst dem Senat Rede und Antwort stehen und das gerät zu einer Debatte über Drohnen. Senat befragt Brennan zum Thema Drohnen und Waterboarding. Auch in den USA ist die RPA Einsatzpraxis nicht ohne Widerspruch!

    http://www.cnbc.com/id/100444007

  25. @Elahan

    Keineswegs. Dort wird die Debatte aus gutem Grund noch sehr viel leidenschaftlicher und kontroverser geführt. Das merken wir in der deutschen Öffentlichkeit erst jetzt so richtig.

    Irgendwie glaube ich daher gar nicht so recht, dass Minister und InspLw die bewaffnete Drohne wirklich wollen. Das Timing für diesen Vorstoß ist einfach zu ungünstig. Und so blöd können sie doch gar nicht sein, um nicht zu wissen, welche Diskussion mit der Besetzung des neuen CIA-Direktors aufbricht.

  26. @KeLaBe

    Die amerikanische Praxis des Einsatzes bewaffneter Drohnen in verschiedenen Staaten bestimmt die deutsche Debatte um die Frage, ob deutsche Streitkräfte bewaffnete Drohnen brauchen.

    Der Bundesminister der Verteidigung gab unlängst auf sieben Fragen dazu sieben Antworten. Die Bundesregierung wird Ende Februar 2013 die Große Anfrage der SPD Bundestagsfraktion beantwortet haben.

    Bis zu den Beratungen in den Ausschüsses des Deutschen Bundestages über dieses Rüstungsbeschaffungsvorhaben liegt also noch Zeit und es bleibt zu vermuten, dass der innenpolitische Streit in den USA (Kongress) eskaliert.

    Dann sehen wir mal, wie die noch spärliche deutsche Debatte ausgehen wird.

  27. @ J. König

    Ja, das kann man vermuten.

    TdM hat die 7 Fragen nach Art und Form übrigens so gestellt, dass er sie auch locker beantworten kann. Bei der Debatte zur BwReform war das ähnlich. Nicht schlecht, aber durchschaubar.

  28. @ Memoria

    Welche zentralen Argumente bemüht denn Chauvistre, oder muss ich mir jetzt die taz kaufen?

    Das Interview in SpOn halte auch ich für relativ dünn. Ich weiß auch nicht, ob man die ethische Problematik, wenn man sie so sehen möchte, allein bei den Soldaten festmachen muss. Das klingt so, als seien die (auftraggebenden) Politiker von vornherein über alle Zweifel erhaben. Siehe dazu auch die US-Praxis beim Drohneneinsatz.

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