„Besonderes Vorkommnis“ bei UNIFIL – mit merkwürdigem Hintergrund

Im UNIFIL-Einsatz der Deutschen Marine vor dem Libanon hat sich Mitte Februar ein etwas merkwürdiges Ereignis zugetragen, das in einer Meldung über ein Besonderes Vorkommnis mündete – und heute Abend hat die Bundeswehr das auch von sich aus bekannt gemacht:

Am 15. Februar nach 19 Uhr zogen mindestens vier Obermaate einen ihnen vorgesetzten Bootsmann aus seiner Koje auf dem Schnellboot Hermelin im Hafen von Beirut im Libanon. Der Bootsmann wurde mit Tape und einem Spanngurt auf einem Tisch fixiert und anschließend am Bein bemalt.
Die vier Soldaten wurden inzwischen repatriiert. Es laufen Ermittlungen gegen weitere Soldaten, die möglicherweise beteiligt waren. Weitere personelle Maßnahmen werden geprüft.
Der Vorfall wurde am 22. Februar wegen des Verdachts eines tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

Da fehlen noch ein paar Einzelheiten…

Zum einen war es zwar das Boot S73 Hermelin (siehe Foto oben), aber nicht die Hermelin-Stammbesatzung: Im UNIFIL-Einsatz werden die Besatzungen regelmäßig getauscht, während die Boote selbst im Einsatz bleiben. Die Mannschaft stammte vom Schwesterboot Ozelot.

Interessanter ist allerdings der mögliche Hintergrund, zu dem es keine offiziellen Angaben gibt: Der betroffene Bootsmann ist thailändischer Abstammung. Deshalb steht natürlich die Frage an, ob es eine fremdenfeindliche Motivation für die Tat gibt – allerdings habe ich bei meiner Recherche darüber noch keine Klarheit bekommen, und so eindeutig ist es bislang nicht. Und Klarheit ist auch bei dem Detail nötig, dass angeblich einige Soldaten von dem misshandelten Bootsmann Fotos gemacht haben sollen – die aber wiederum, angeblich auf Befehl, gelöscht worden sein sollen.

Nachtrag: Ich hatte bei der Frage nach dem Hintergrund – vielleicht nicht ausreichend – darauf hingewiesen, dass es nicht eindeutig auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund hindeutet. Dazu passt auch eine weitere Information: Zwar haben die Maaten dem Bootsmann – wie es heißt: sinngemäß – aufs Bein gemalt: Hier wohnen die Mongos. Andererseits gibt es – bislang nicht belegte -Hinweise, dass gerade dieser Vorgesetzer seine Untergebenen als Mongos tituliert haben soll. Das klingt dann in der Tat wieder eher nach Code Red.

 (Foto Bundeswehr/Paulsen via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

156 Gedanken zu „„Besonderes Vorkommnis“ bei UNIFIL – mit merkwürdigem Hintergrund

  1. @Ex KaLeu

    Vielleicht weil das mit den falschen ISAF – Zahlen für die meisten nicht mehr soooo brandneu ist? Das war (wenn ich mich Recht erinnere) bereits vor einigen Wochen ein Thema bei den „Unterrichtungen des Parlaments“ durch die Bundeswehr. Auch hierbei kam es zu Fehlern in der Statistik, welche intern bemerkt wurden. Dies wurde soweit ich weiß auch dem BT so mitgeteilt.

  2. @ExKaleu

    Die besten Kommandanten standen schon immer auf der Pier und heute tragen sie auch noch Heeresuniform ;-) Und immer nur Anzugs- und Anredestandardbeiträge auf Reservistenstammtischniveau zu schreiben bei eigentlich echt operativ-politischen Themen wie Pfeffer-Autritt ist eh langweilig, also stürzt man sich auf dieses banale Thema.
    Die spin-doctors in Berlin/Potsdam sind echt gut ;-)

  3. Militärisch gesehen, ist der Vorfall, so bescheuert und unwürdig das Verhalten auf dem Boot war, unwichtig. Für Straftaten gibt es eine funktionierende Justiz.

    Politisch gesehen, dürfte der Wegfall der Kontrollfunktion durch ehemalig wehrpflichtige Aufstocker die Häufigkeit solcher Szenen erhöhen, aber das wussten ja alle vorher.

    Ebenso politisch gesehen, ist das BV ein Desaster, weil die veröffentlichte Meinung das Bundeswehr-Bild einer Skandaltruppe verstärkt, auch wenn heute im Moment die Themen Papst und Italien dominieren. Welcher Politiker stellt sich schon gerne vor eine Truppe, in der es an Anstand und Kameradschaft mangelt, auch wenn der Mangel „nur“ 0,01% betrifft?

  4. Es gibt einen neuen aktuellen Artikel zum Thema auf der Frontpage von SpON (Titel: „Racheritual mit Panzertape“). Nach allem, was ich bis jetzt dazu lesen konnte, hat die Marine richtig gehandelt, sowohl was die Ausschiffung der Verdächtigen und die Übergabe der Sache an die StA als auch was die offensive Kommunikation nach außen betrifft.

    Warum:
    1. Auch wenn der Ausdruck „Hier kommen die Mongos“ an sich vermutlich nicht rassistisch gewesen ist, deutet einiges auf eine fremdenfeindliche Motivation hin, sonst wäre der MAD kaum hinzugezogen worden (vermutlich weiß die Marineführung jetzt mehr als sie nach außen gibt – und hofft dass es weitgehend fernab der Öffentlichkeit geahndet wird). Ob sich der Verdacht nun bestätigt oder nicht: falls es glaubhafte Anhaltspunkte gibt, hat eine sensible Marineführung gar keine andere Wahl als die Soldaten abzuziehen und die Sache zu untersuchen. Gar keine. Rassismus ist ein absolutes No-Go.

    2. In diesem Fall viel, viel wichtiger ist aber: hier wurde offenbar ein Vorgesetzter von Untergebenen massiv gedemütigt. Natürlich weiß jeder Bordfahrer, dass Dienstgrad und formeller Dienstposten vor allem auf Booten hinter menschlichem Auftreten und fachlichem Können zurücktreten. Entscheidend ist halt oft nicht, was jemand auf den Schultern hat – das gilt gerade auch für junge Vorgesetzte. Auch haben solche Ereignisse alle eine Vorgeschichte, d.h. vermutlich war der Bootsmann kein Lämmchen.
    Aber hier ist jede rote Linie überschritten worden: solche Disziplinlosigkeit (tätlicher Angriff auf einen Vorgesetzten) kann kein Militär, das auf sich hält, dulden. Vorliegend haben mit hoher Wahrscheinlichkeit übrigens auch der IWO und/oder der Kommandant in ihrer Dienstaufsicht versagt.

    Auffällig ist übrigens, dass hier gerade die, die in anderen Threads sonst gerne die Strafbarkeit für Beleidigungen à la „Soldaten sind Mörder“ fordern, jetzt plötzlich möchten, dass man fünfe gerade sein lässt und das ganze als Dummejungenstreich abtut. Und natürlich hat das nichts damit zu tun, dass der Bootsmann Asiate ist. Wer’s glaubt.

  5. Speziell, was die Bezeichnung »Mongos« angeht, berichtet der NDR:

    Nach Darstellung aus dem Verteidigungsausschuss im Bundestag handelte es sich offenbar um eine Art Racheakt. Der Bootsmann soll seinen Untergebenen ihre Kojen mit den Worten „Da schlafen die Mongos“ oder „Das ist das Mongolager“ zugewiesen haben. Wegen Platzmangels habe er später jedoch im selben Raum mit den Obermaaten schlafen müssen. Er sei von ihnen aus der Koje gezerrt, mit Tape und Spanngurt an einen Tisch gefesselt und mit Farbe beschmiert worden: „Hier wohnen die Mongos“ sollen sie auf seine Wade geschrieben haben.

  6. @Pinguin, Micha
    Danke!

    Und alle, die das anders sehen: Militär funktioniert nun einmal auf der Grundlage von (auch formaler) Disziplin – Befehl und Gehorsam. Wenn derartige Vorfälle nicht exemplarisch geahndet werden, ist die Bundeswehr auf dem Weg zu einem undiszipliniertem Mob, den man in diversen Bürgerkriegen in Afrika und im Nahen Osten beobachten kann.

  7. Respekt gibt’s leider nicht per Ordre de Mufti sondern der wird erarbeitet und verdient. Gehorsam kann man erzwingen, das führt aber nicht zur erhofften Leistungsbereitschaft, zumindest nicht im vollen Umfang.

    Angesichts der Mehrheitsverhältnisse in dieser Diskussion wird mir langsam klar, warum die Bw so ist, wie sie heute ist. Wenn ich die Jungs, die sich im Fall der Fälle für mich den A… aufreißen lassen sollen, als Mongos tituliere, kommt vielleicht etwas heraus, womit ich nicht gerechnet habe. Und dann zum Chef rennen und jammern, das trägt dann erst recht Respekt ein.

    Diskutierten wir hier nicht unlängst über Auftragstaktik? Deren wichtigstes Standbeine sind vermutlich der Respekt voreinander und das Vertrauen, daß einem Zumutungen eben nur dann zugemutet werden, wenn es nicht anders geht. Die Diskussion hier zeigt genau in die Gegenrichtung. Nachträglich bin ich heilfroh, eine andere Armee und andere Vorgesetzte erlebt zu haben, als sie hier beschworen werden.

    Aber nochmal: Ich war nicht dabei und auch die Reporter von SPON vermutlich nicht, aus dem Kreis der Mitdiskutanten hier war wohl auch keiner zugegen. Also werden wir am Ende nur die öffentlichkeitstaugliche Variante lesen können. Die wirkliche Wahrheit eher nicht.

    @ Heiko Kamann: Danke für den Link. Sehenswert.

    Im Übrigen stelle ich fest, daß wir im Dissens bleiben werden. Annäherung unwahrscheinlich.

  8. Nun, der Bootsmann wird mit Sicherheit Deutscher und kein Fremder sein, wenn er in der BW dient. Die Politiker, insbesondere die Grünen werden nicht müde zu sagen, dass ein Inhaber der deutschen Staatsbürgerschaft Deutscher und kein Ausländer sei. Also kann es sich dabei nicht um Ausländer- bzw. Fremdenfeindlichkeit handeln. Wenn in den USA ein Indianer einen Weißen verprügelt, dann gilt dies auch nicht als Fremdenfeindlichkeit.

  9. Auch die Wahrnehmung was ist ein Vorgesetzter, spielt eine Rolle! Uffze m.P. werden gegenwärtig eher selten von Uffz o.P. als Vorgesetzte gesehen, speziell dann wenn der Vorgesetzte keinen Abstand zu den Untergebenen hält (in der Kommunikation und im Umgang). Der Dienstherr hat die Uffz Ränge derart aufgeweicht, dass man sich wundern muss dass nicht öfters Probleme bekannt werden! Wenn man ständig die angbl Abstammung betont, ist die der eigentliche Rassismus! Er ist deutscher, basta und als deu VG beleidigt man seine Untergebene nicht (außer m.h. TdM)!

  10. elahan | 28. Februar 2013 – 8:28
    Uffze m.P. werden gegenwärtig eher selten von Uffz o.P. als Vorgesetzte gesehen, speziell dann wenn der Vorgesetzte keinen Abstand zu den Untergebenen hält (in der Kommunikation und im Umgang). Der Dienstherr hat die Uffz Ränge derart aufgeweicht, dass man sich wundern muss dass nicht öfters Probleme bekannt werden!

    Genau das ist der kasus knacktus …..

    Wenn die klassische Rolle der Unteroffiziere mit und ohne Portepee nicht mehr gewünscht ist soll man es sagen, dann gehen die einfachen Chargen eben bis zm SF..

    Andererseits muß man sich nicht wundern wen sich dann Stil und Form ebenfallls anpassen.

    Der Vorfall an sich ist ein No-Go, darüber sind wir uns alle einig, über die Behandlung haben wir uns in > 100 Kommentaren ausgetauscht, das Symthom also ausreichend gewürdigt, nur was ist mit der Ursache ;-)

  11. Die Ursache… tja

    Diese Frage stellen sich alle Armeen, wenn die allgemeine Wehrpflicht erst mal abgeschafft ist oder so aufgeweicht, daß sich der als Anwärter interessanteste Teil der Bevölkerung fern halten kann. Was man nicht aus eigener Anschauung kennt, dafür kann man sich nur schwer interessieren.

    Mit etwas Pech bekommt man also nur noch das Personal, das die Armee als letzten Anker vor vor H4 sieht. Immerhin tun diese Leute aus eigenem Antrieb etwas dagegen und das sind nicht die schlechtesten. Trotzdem braucht man auch Führungspersönlichkeiten und da fiel die Auswahl früher bedeutend leichter.

    Teil 2 des Problems ist, daß sich diejenigen, die sich trotz aller Widrigkeiten für den Soldatenberuf entschieden haben, inzwischen in einer tiefen Sinnkrise stecken. Wer einen gangbaren Weg nach draußen findet, der geht eben.

  12. @ Klaubautermann
    Volle Zustimmung, und mit der jederzeitigen Erreichbarkeit wird ein Übriges getan.
    @ All
    Im Zeitalter des Nanomanagementes hat der KDT m.E. das Richtige getan, ermittelt und abgegeben, Ob die zwischenmenschlichen Beziehungen gestimmt haben oder nicht und er das hätte merken müssen- Spekulation von Hafenkapitänen.
    Gleiches gilt im übrigen auch bei Havarien, wer sich dann alles aufschwingt das Verhalten des KDt, und der ist immer der Dumme und bekommt dafür keine „Dummen-/ KDT/ Sanitätsdienst/ Flieger- ….zulage, zu bewerten ist schon lange nicht mehr zu ertragen.
    Im Übrigen kann die Deutsche Marine, seit 1990 nicht mehr Bundesmarine, gar nicht vertuscht haben, weil die Einheit dem EinsFueKdo (mandatierter Einsatz über dessen Sinnhaftigkeit man ebenfalls referieren könnte) unterstellt ist.

  13. Leider wäre das sytematische unterdrucken von Staatbürgern in Uniform, mit einem migrationshintergrund gang und gebe. Sowas nennen sie dann alte Schule! Die INNERE FÜHRUNG ist zwar schön und gut, aber die Generation der alten Schule, verinnerlichen es nicht und nehmen es gar nicht ernst. Am schlimmsten ist es wen der Chef nichts unternimmt. Das fängt an beim nachäffen von Akzenten, Gesten, Körperhaltung. Der jenige muss nur den Raum verlassen dann fängt das schon alles an, aber es gibt Tage da sitzt man im Raum und bekommt alles mit. Das lästern und hetzen über Landsleute wie Ärtzte, Taxi Fahrer und Imbissbuden besitzer ist der Höhepunkt, wenn man dabei ist. Das ist einfach beängstigend und Respektlos, man denkt und hofft das sich Geschichte nicht wiederholt.

  14. @Kojak

    Sie haben Recht, solche Fälle gibt es. Nicht immer haben diese einen Fremdenfeinslichen Hintergrund oder etwas mit nichterfolgter Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte zu tun.

    Ohne ihre Schilderungen verharmlosen oder beschönigen zu wollen, aber haben Sie schonmal bemerkt das es (mindestens was das nachmachen des Akzentes angeht) Sachsen, Bayern, Kurpfälzern, Hessen, etc. ähnlich ergeht?

    Manchmal ist das schlicht und ergreifend der mangelnden Senisbilität der handelnden Person, deren Dummheit geschuldet oder einem falsch verstanden Sinn für Humor geschuldet.

  15. @ExKaleu

    Der stellv. Vorsitzende hat auf taz.de (kein Witz) ein sehr aufschlussreiches Interview zum Thema „Rassismus in der Bundeswehr“ gegeben.

    (Link aus bekannten Gründen nicht. @T.W.: Hat die „entschärfte Version der Leistungsschutzrechtes eigentlich Einfluss auf Ihre Link-Policy auf AG?)

    Titel: „Die Bundeswehr ist bunt“

    Kurzusammenfassung:

    Rassismuss/Fremdenfeindlichkeit in der Bw nicht ausgeprägter als in der Gesamtgesellschaft, kein institutioneller/struktureller Rassismus in der Bw-eher das Gegenteil. Insgesamt hat Bw Modellcharakter.

    (Ich hoffe die Zusammenfassung ist okay, ansonsten bitee löschen)

  16. @Interresierter

    „Diese Frage stellen sich alle Armeen, wenn die allgemeine Wehrpflicht erst mal abgeschafft ist oder so aufgeweicht, daß sich der als Anwärter interessanteste Teil der Bevölkerung fern halten kann.“

    Wie ich bereits anmerkte, das Problem hat mit der Abschaffung der Wehrpflicht m.E. weniger zu tun, sonder eher der Entwicklung der letzten 20-25 Jahre….

    Die Veränderungen in der Bundeswehr, die Aufweichung der Stellung des Uffz-Korps durch eine geringere Ausbildung zeigt nun ihre Folgen…

    Und @Les Grossmann das von Ihnen beschriebene „Nanomanagement“ trägt daran eine wesentliche Schuld. Ursachen und Gründe hierfür sind einfach zu lokalisieren. Angefangen beim Feldwebel, der statt dem Unteroffizier die Aufgabe beizubringen es lieber selbst macht, damit er keinen Anschiß von der übergeordneten Führung bekommt wenn etwas nicht gleich auf Anhieb funktioniert, über den ZgFhr der selbiges mit seinen Fw macht bis hin in die höchsten Führungsebene hat sich diese Unsitte eingeführt:

    Das hat auch nichts mit „Innerer Führung“ zu tun, wie Kojak behauptet, es sonderbarerweise gleichzeitig der “ Generation der alten Schule“ ( wen meint er damit ) abspricht, sondern ist das genaue Gegenteil dessens so wie ich Innere Führung gelernt und gelebt habe.

    Soldat zu sein ist kein „Job“ wie jeder andere, Vorgesetzte die ihre Autorität ausschließlich aufgrund der Schlaufen auf der Schulter begründen haben auch zivilberuflich einen schweren Stand.

    Führen durch Vorbild, Ausbildung und Erziehung der anvertrauten Soldaten im Sinne der Inneren Führung sollen, richtig angewendet, genau diese Zustände vermeiden.

    Das ist harte Arbeit, erfordert Einsatz, manchmal über den Dienstschluß hinaus und ist leider bei einer überwiegenden Mehrheit nicht „In“ und wird nicht mehr praktiziert.

    Wenn ich sehe das z.B. in der Panzertruppe ( aus der ich komme) zwei Hfw in einem Zug sind und man einen davon „Überzeugen“ muß die Stelle des ZgFhr zu besetzen, weil das ja mehr Verantwortung und Arbeit bedeutet,andererseits das gleiche Geld ja stressfreier zu erhalten ist, dann läuft hier was Grundlegend falsch ….

  17. In dem hier diskutierten Vorfall kommt ja auch ein Führungsproblem zum tragen, das ich in einem anderen Faden schon angesprochen habe. In den Einsatzkontingenten haben wir kaum noch über Monate und Jahre gewachsene kleine Kampfgemeinschaften, da treten dann gerade auf einem Schnellboot – dessen Unterkunftsbereich mal für ein ganz anderes Einsatzprofil als das heutige konstruiert war – soziale Spannungen auf, die sich dann leider so unschön entladen können.

  18. …..insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Personal-Regenerationsproblematik auch und gerade im Bereich der deutschen Flotte…….

  19. @StFwdR

    Sie/Du wollten sicher auf @Iltis antworten. Von dem stammt nämlich das Zitat.

    Nichtsdestotrotz stimme ich zu. Das Gefüge Gefreiter bis Hauptfeldwebel („neue Art“) ist durch die geänderten Ausbildungsgänge, der Möglichkeit zur Einstellung mit höherem Dienstgrad, den daraus folgenden Verwerfungen in der Hirarchie und dem schleichenden Qualitätsverlust auf Seiten der Unteroffiziere mit und ohne Portepee durcheinander geraten.

    Anlago dazu die „runterdotierung“ der Verwendung in vielen Bereichen. So ist zum Beispiel im Bereich der Fernmelder ein StFw und ehemaliger Zugführer („damals“) jetzt Truppführer und hat als Zugführer einen jungen, dynamischen Oberleutnant frisch aus dem Studium.

    In den LogBtl der SKB wird künftig der Zugführer ein Hptm sein, sofern ich den Insp SKB kürzlich richtig verstanden habe.

    Es passt einfach nichtmehr… Das Spannungsfeld aus Attraktivität, (damit verbundener) zivilverwertbarer Ausbildung, Truppenerfahrung und -praxis, Erfordernissen in der „modernen“ Budneswehr etc. ist nach meiner Einschätzung durch das Drehen an den „kleinen Schräubchen“ nicht aufzulösen.

    Es bedarf mehr als nur „feldmäßigem justieren“ (um in der Sprache der PzTrp zu bleiben).
    Hier gehört die Soldatenlaufbahnverordnung und die derzeitige Ausbildungsstruktur komplett auf den Prüfstand. Inkl. der Allg. Grundausbildung. Am schlimmsten finde ich das „schmoren im eigenen Saft“ der milit. Führer und Unterführer von Morgen. Da wird die „Betriebsblindheit“ schon anerzogen…

  20. @Interressierter

    Uuups stimmt…
    na ja der jüngste bin ich nicht mehr, da kommt das schon mal vor :-)

    Ich habe mit dem Du keine Problem ….

  21. @StFwdR: Ich bleibe dabei: Die Rekruten, die mit 0 Tagen auf dem Tacho zum ersten Mal durch ein Kasernentor gehen, sind das Rohmaterial, aus dem alles andere gebastelt werden muß, bis zum GI. Wenn da per Parlamentsbeschluß nur noch die (oder zumindest sehr viele) kommen, die draußen kaum bessere Berufschancen sehen, bekommen Sie irgendwann ein Problem.

    Der ganze Beifang, der während seiner GWD- Zeit Spaß an der Aufgabe fand und trotz lukrativerer Verdienstaussichten beim „Bund“ hängen blieb, der kommt heute nicht mal mehr zum Schnuppern vorbei. Ausnahmen bestätigen sicher auch hier die Regel. Da muß ich nur an meine Kameraden denken, die seinerzeit ihren Z-xy unterschrieben haben. Zumindest an den ersten Tagen hat von denen keiner den Gedanken an Weiterverpflichtung gehegt.

  22. @all

    und wenn man jetzt die hier bei Aga o.a. Ursachenforschung – die ja systemische Defizite (nämlich die systemische Überlastung der Truppe wie von Oberst K. angesprochen) aufzeigt – dem ungefragten Dementi aus Potsdam (kein fremdenfeindlicher Hintergrund) gegenüber stellt, dann versteht man vielleicht meinen Begriff „spin doctor“

  23. @Iltis

    dàccord

    gute Vorgesetzte angefangen beim Uffz bis zum GI wachsen nicht auf Bäumen………..

  24. Wenn Alle Alles richtig machen würden, bräuchten wir keine Gesetze.
    Solche Fälle werden immer wieder mal vorkommen. Das ist nicht gut aber auch nicht zu ändern. Nun befassen sich Menschen damit die genau damit ihr Geld verdienen und insofern ihren Vorteil aus der Sache ziehen.
    Natürlich ist die neue Unteroffizierlaufbahn ein großer Mist aber solche Vorfälle hat es auch schon mit der alten gegeben.

  25. @StFwdR
    Und Sie werden auch nicht im Hörsaal oder auf der ZAW gemacht. Nach meiner Erfahrungwird man in der Truppe, unter AAnleitung erfahrener dienstälterer Kameraden und durch eigene Erfahrungen/Fehler zum guten Vorgesetzten.

    Dank Smartphone ohne rechtschreibung

  26. @Interressierter

    Jepp

    @BausC

    Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, insofern lässt sich derartiges nie ganz ausschließen.

    Der Versuch die Anzahl der Vorfälle es zu minimieren ist aber nicht strafbar ;-)

  27. Eine Frage treibt mich noch um:

    So wie es derzeit aussieht, hat sich wohl auch der Bootsmann in den Bereich der Dienstpflichtverletzung begeben („Ihr Mongos“). Interessant ware, wenn wir erführen ob auch gegen ihn diesbezüglich ermittelt wird.

    Letzer Beitrag von mir zu diesem Thema (viele werden jetzt sagen Gott sei dank…):

    Wenn Ich als vorgesetzter die Grundsätze der Inneren Führung mit Füßen trete, brauch Ich mich nicht wundern, wenn mir das irgendwann als bumerang um die Ohren fliegt.

  28. Ist im vorliegenden Fall nicht eigentlich der Bootsmann, der ein Deutscher thailändischer Abstammung sein soll, der eigentliche Rassist?

    „Der Bootsmann soll seinen Untergebenen ihre Kojen mit den Worten „Da schlafen die Mongos“ oder „Das ist das Mongolager“ zugewiesen haben. “

    Aber natürlich ist es einfacher, der Bw als solcher einen latenten Rassismus zu unterstellen.

  29. @ Interessierter: Sie kennen doch alle die Sprüche wie: „Gefreiter Xyz, wir spielen gleich Hubschrauber zusammen, ich mache Lärm, Sie rotieren“. Und nu? Auch ein Vergehen? Nach Dienst drüber lachen oder zum Chef gehen und Meldung machen?

    Da schoß mir doch gerade der Spruch durch den Kopf, daß die Bw kein Mädchenpensionat sei. Aber ich verkneif’s mir, sonst mischt in die Diskussion auch noch ein/mehrere Gleichstellungsbeauftragte (r)/(innen) ein.

  30. Da es sich ja a) bei allen Beteiligten um Deutsche handelt
    und b) der Begriff „Mongo“ als abwertender Ausdruck von einer Behinderung ableitet kann der Bootsmann schwerlich des Rassismus bezichtigt werden.
    Entsprechend gilt Ziffer a) natürlich auch für die vier Obermaate.

  31. @DF-Ari

    Rassismus ist also eine Einbahnstraße? Oder wie erklären Sie sich die Rassimusvorwürfe gegen die Bw, die in der Presse aufgrund dieses Vorfalles erhoben wurden?

  32. Es ist schon viel zähneknirschende Geduld nötig, um alle Meinungen hier zu lesen. Das, was auf der Hermelin vorgefallen ist (und zwar im Ergebnis offenbar eine Wehrstraftat in Form eines tätlichen Angriff auf einen Vorgesetzten, aus welchen Gründen auch immer), ist schlimm genug. Es wird ja auch ermittelt, wobei das wohl auch völlig losgelöst von irgendwelchen fremdenfeindlichen Mutmaßungen geschieht. Punkt. Das festzustellen, würde völlig reichen.

    Aber wenn ein nicht unerheblicher Teil der Kommentare das Ganze von vorneherein verharmlost und quasi als blöden, aber dann doch irgendwie entschuldbaren Dumme-Jungen-Streich heruntergespielt, dann schrillen die Alarmglocken. Jede Armee scheitert, in es als nahezu normal empfunden wird, wenn Untergebene zur Selbstjustiz greifen, nur weil sie sich zu Recht oder zu Unrecht falsch behandelt fühlen. (Und @ Iltis: Bei Ihrer obigen Bemerkung zum Mädchenpensionat frage ich mich natürlich schon, ob Sie mal irgendeine Disziplinargewalt in Ihrer aktiven Laufbahn hatten.)

    Zum Glück ist Augengeradeaus nicht repräsentativ für militärische Führer der Bundeswehr. Aber: Wenn ein Außenstehender das alles liest, muss er doch fast zwangsläufig (wenngleich fälschlicherweise) vermuten, Vorfälle wie diese seien in der Truppe keine Einzelfälle, sondern an der Tagesordnung. Und das dann auch noch im Einsatz! So viel auch zum Thema „Anerkennung“ in der Gesellschaft. Eine echte Steilvorlage für Bw-Kritiker.

  33. @KeLaBe

    Ich stimme Ihnen zu 100% zu.
    However, wieso hat Potsdam dieses BV in dieser Diktion zu diesem Zeitpunkt öffentlich gemacht?
    MWn gibt es dafür keinen formal-juritischen Grund !
    Ergo ?

  34. @ klabauterrmann

    Da kann ich nur spekulieren. Vermutlich, um in einem denkbaren Worst Case noch Schlimmeres (Vorwurf einer bewussten Vertuschung) zu verhindern. Will ich aber nicht weiter kommentieren.

  35. @klabautermann

    Bloßes Absicherungsdenken. Wären die Beteiligten „Biodeutsche“ gewesen, hätte dieser Vorfall niemals das Licht der Öffentlichkeit erlangt.

  36. @KeLaBe

    d’accord

    @ll

    es gibt in diesem Lande viele Familien, die auf dem Wege der Adoption aus der ganzen Welt Familienangehörige im engeren und weiteren Familienkreis haben….bitte auch darüber ma reflektieren, wie bei solchen Familien (in denen es nicht wenige Soldaten gibt) der eine oder endere hier gemachte Kommentar ankommt.

  37. @ Prediger
    Nein Rassimus ist kleine Enbahnstraße. Mir erschließt sich nur nicht wie der Bootsmann rassistisch gehandelt haben kann/soll? Weil er „weiße“ Soldaten despektierlich bezeichnet haben soll (Mongos) oder durch die Bezeichnung als „Mongo“ an sich?

  38. @Prediger

    der von Ihnen benutzte Begriff, den ich nicht wiederholen werde, diskreditiert Sie in meinen Augen final.

  39. @KeLaBe

    Sie haben im ersten Absatz vollkommen Recht, das Kind ist nun öffentlich in den Brunnen gefallen und es folgt der „geregelte Gang“.

    Unabhängig davon steht für mich und wohl auch einige anderen Diskutanten hier, die Frage nach dem „Warumund wie konnte es soweit kommen“ im Vordergrund.

    Auch ich sehe es so, das bei einem rechtzeitigen korrigierenden Eingreifen (Stichwort : ERZIEHUNG) der übergeordneten Führung auf dem Boot dieser Vorfall vermieden hätte werden können.

    Über das Verhalten nach dem Vorfall kann man streiten, jedoch ist es in unserer medialen Welt so, das die Abgabe nach „oben“ der einzig gangbare Weg ist derartiges Verhalten zu „würdigen“.

    Was sich hier schleichend zeigt, ist die Inflation der Dienstgrade, denn vergleichbare Vorgänge hat es auch schon früher gegeben, nur das eben keine Dienstgrade daran beteiligt waren, sondern es sich innerhalb der Mannschaften abspielte.
    Hier hat eine unsensible Führung eben keine Chance korrigierend einzugreifen.

    Und, auch wenn es politisch unkorrekt ist, der Spruch mit dem Mädchenpensionat ist nicht so weit hergeholt.

    Der Beruf des Soldaten ist nun mal ein besonderer, kein anderer Beruf verlangt in dieser Offenheit die körperliche Unversehrtheit und im Extremfall Leib und Leben für einen Auftrag hinzugeben.
    Der „Friedensdienst“ wie ich ihn kenne, sowie 08/15 Kasernendienst ist dagegen Pipifax, das muste unsere Armee durch die Einsätze bitter lernen.

    Und auch wenn es „oben“ nicht so gerne gehört wird, wenn ich junge Menschern ausbilden und erziehen soll, sie dabei an ihre Leistungsgrenzen und darüber hinaus führe, dann geht das manchmal nur rauh aber herzlich.

    Insofern klaffen hier Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander…..

    Aber letztendlich ist das eine (absehbare ) Folge der vergangenen Entwicklung.
    Leider kenne ich viele aktive Kameraden die ob dieser Entwicklung resigniert haben und nunmehr 08/15 Dienst schieben, den „alten Zeiten“ nachtrauernd.

    ich kann nur hoffen das sich diese Entwicklung baldmöglichst umkehrt, denn sonst richtet sie mehr Schaden an als die „Reformen“ in Ihrer Gesamtheit.

    ich empfehle in diesem Zusammenhang die Berichte in der aktuellen Loyal über H Bohnert und Hfw Hecht zu lesen.

  40. @klabautermann

    „der von Ihnen benutzte Begriff, den ich nicht wiederholen werde, diskreditiert Sie in meinen Augen final.“

    Sie meinen den in Anführungszeichen gesetzen Begriff?

    „Anführungszeichen können außerdem verwendet werden, um Wörter, Wortgruppen und Teile eines Textes oder Wortes hervorzuheben, zu denen man Stellung nehmen möchte, über die man eine Aussage machen will oder von deren Verwendung man sich – etwa ironisch oder durch die Unterlegung eines anderen Sinns – distanzieren möchte.“
    Quelle: Wikipedia

    Wie belieben?

  41. @Prediger

    ich fürchte, dass meine in Vietnam geborene Nichte und Neffe Ihre Anführungszeichen nicht als Ironisierung akzeptieren werden, denn Ironie ist bei diesem Thema nicht so ganz ,,,,sagen wir mal: angebracht.

  42. Was für ein Thema, da komm ich ja kaum mit dem Lesen hinterher.

    @Iltis
    „Nach Dienst drüber lachen oder zum Chef gehen und Meldung machen?“ Kommt natürlich auf das Verhältnis der beiden Parteien an. Als z.B. Untergebener in der Ausbildung würde ich grundsätzlich Meldung machen! Macht ja bekanntlich frei. Denn ein DVorg, der Kenntnis erlangt hat die Pflicht zu ermitteln. Unser Soldatenrecht ist da ziemlich einzigartig.

    Übrigens finde finde ich Sprüche/Witze/Aktionen aus der untersten Schublade überhaupt nicht zum Lachen. Mit solchem Vorgesetztenverhalten würden wir bei der (ohnehin schon schwierigen) Nachwuchswerbung scheitern.
    Untergebene wollen erst genommen und respektiert und nicht verarscht werden.

    @StFwdR, KeLaBe, klabautermann
    Danke, für Kommentare mit inhaltlichem Wert.

    Noch kurz zu der Frage warum dieses BV öffentlich gemacht wurde:
    Das haben wir gestern Abend zufällig mit einem Medienvertreter diskutiert. Es gab wohl Zeichen, dass die Presse den Vorfall mitbekommt/bekommen hat. Da hat man aus Potsdam besser den ersten Schritt getan. Gut so.

  43. @ StFwdR

    Teilweise stimme ich Ihnen sehr wohl zu.

    Sie haben völlig Recht, wenn Sie danach fragen, warum es zu diesem Vorfall überhaupt kommen konnte. Das richtet sich auf die konkrete Führung vor Ort (auch hier liegt der Verdacht des Versagens nahe), aber auch auf generelle „Verschleißerscheinungen“ im hierarchischen System der Bw – und zwar von oben nach unten und umgekehrt. Über all das muss man sich intensiv Gedanken machen. Allzu vieles stimmt nicht mehr im inneren Gefüge (wobei auch früher nicht alles Gold war, was glänzt – das ist aber keine Entschuldigung).

    Trotzdem geht es hier um eine dunkelrote Linie, die ganz offenbar überquert wurde (falls die Meldungen stimmen). Angriffe gegen Vorgesetzte haben überhaupt nichts mit einem harten, aber gerechten Ton zu tun oder mit „rauh aber herzlich“. So etwas darf unter keinen Umständen einreißen. Es wäre das Ende der Armee. Das mit dem Mädchen-Pensionat unterschreibe ich mit Blick auf Ausbildung und Erziehung hundertprozentig, aber nicht im diesem Fall.

    Alles Weitere sollten wir dem Staatsanwalt überlassen. Wir haben ja auch nur bruchstückhafte Informationen.

  44. @ExKaleu

    roger……however, wie man den Schritt gemacht hat war nicht gerade …..ääääh weitsichtig ;-)
    If U can read my lips

  45. @klabautermann

    Wie so oft kann ich Ihnen nicht folgen. Nochmals: Ein in Anführungszeichen gesetzter Begriff diskriminiert mich in Ihren Augen?

    „Der Begriff Biodeutscher wurde von Personen mit Migrationshintergrund erstmalig in Verkéhr gebracht (Czem Özdemir)“

  46. @ klabautermann

    Scheibchenweise mit Informationen rausrücken zu müssen (und die Presse ist da manchmal verdammt hartnäckig) macht auch nicht gerade Spaß, sondern schürt nur Verdacht. Es gab da vor gar nicht langer Zeit hochrangige Vorbilder …

    PS: Was heißt R AR? (Bin nicht so gebildet wie MarineOffz …)

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