Der Krieg in Mali ändert sein Gesicht

Abgezeichnet hat es sich schon seit einigen Tagen, seit heute ist es recht offensichtlich: Der von den Franzosen und anderen westafrikanischen Staaten geführte Krieg zur Bekämpfung islamistischer Rebellen im Norden Malis ändert sein Gesicht. Nach Wochen der schnellen Vorstöße der Franzosen, Luftlandeoperationen und – so weit bekannt – relativ problemloser Einnahme strategisch wichtiger Städte scheint es jetzt in die Phase der Insurgency überzugehen.

In der vergangenen Nacht gab es den nunmehr zweiten Selbstmordanschlag auf einen Posten der malischen Armee bei Gao:

Malian troops shot at a suicide bomber who then blew up at a checkpoint at the northern city of Gao late on Saturday, the second attempted suicide attack on the same location in two days, a Malian military source and a witness said on Sunday.

Der Journalist Peter Tinti twittert aus Gao:

Mali military official at site confirms one Malian soldier injured by Kamikaze. Bomber was accompanied by a dozen fighters who opened fire.

Zugleich bereiten sich die Franzosen und die mit ihnen verbündeten afrikanischen Truppen darauf vor, die islamistischen Rebellen in einem unzulänglichen unzugänglichen Wüstengebiet aufzuspüren, wie die New York Times (und für sie der oben erwähnte Kollege Tinti) berichtet:

Just as Al Qaeda once sought refuge in the mountains of Tora Bora, the Islamist militants now on the run in Mali are hiding out in their own forbidding landscape, a rugged, rocky expanse in northeastern Mali that has become a symbol of the continued challenges facing the international effort to stabilize the Sahara.
Expelling the Islamist militants from Timbuktu and other northern Malian towns, as the French did swiftly last month, may have been the easy part of retaking Mali, say military officials, analysts and local fighters. Attention is now being focused on one of Africa’s harshest and least-known mountain ranges, the Adrar des Ifoghas.

Um es mit den Worten von Verteidigungsminister Thomas de Maizière in einem Interview des Berliner Tagesspiegels (Link aus bekannten Gründen nicht) zu sagen: Niemand kann heute sagen, ob der Einsatz in Mali ein, zwei oder drei Jahre dauern wird und welche Anforderungen die Lage in zwei Jahren stellt.

Nachtrag: Jetzt gibt es Auseinandersetzungen in Gao:

BBC: Heavy gunfire in northern Mali town of Gao

AP: AP reporter @klarsonafrica reports MUJAO has penetrated downtown Gao. Trading fire w Mali soldiers. Reporters / residents take cover

weitere Updates:

AP: Islamists Attack Malian Troops in Gao

Black-robed Islamic extremists armed with AK-47 automatic rifles penetrated the most populous city in northern Mali on Sunday, engaging the Malian army in combat in a surprise attack two weeks after French and Malian troops ousted the jihadists.
The attack in Gao shows the Islamic fighters, many of them well armed and with combat experience, are determined and daring and it foreshadows a protracted campaign by France and other nations to restore government control in this vast Saharan nation in northwest Africa.

(Foto: Französische Armee/EMA/ECPA-D)

Ein neuer Chef für ISAF

Der Abzugs-Kommandeur hat übernommen: Joseph Dunford, General der U.S. Marines, übernahm am (heutigen) Sonntag das Kommando über die ISAF-Mission in Afghanistan von John Allen, ebenfalls Marines-General, der neuer Oberbefehlshaber der NATO in Brüssel wird. Der deutsche General Lothar Domröse, Befehlshaber des Allied Joint Command Brunssum, übergab bei der Zeremonie in Kabul  die Truppenfahne von Allen an Dunford.

Aus der ISAF-Mitteilung:

„Today is not about change, it’s about continuity,“ said Gen. Dunford, addressing the audience on his vision for Afghanistan and the coalition. „I’ll endeavor to continue the momentum of the campaign and support the people of Afghanistan as they seize the opportunity for a brighter future.“

Sein Vorgänger Allen hatte in den vergangenen Tagen den positiven Wandel in Afghanistan in den 19 Monaten seines Kommandos betont – unter anderem hob Allen hervor, die Afghanen seien zunehmend in der Lage, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen:

Ähnlich positiv äußerte sich Allen auch in einem Interview der BBC.

Dunford muss jetzt die Reduzierung der internationalen Truppen am Hindukusch organisieren – und bislang ist ja noch nicht klar, wie viele US-Soldaten nach Auslaufen der ISAF-Mission in Afghanistan bleiben werden. Deren Zahl dürfte auch maßgeblich mit bestimmen, wie stark die anderen Verbündeten, nicht zuletzt Deutschland, militärisch dort engagiert bleiben werden.

(Foto: Domröse übergibt die Truppenfahne an Dunford – ISAF Media via Flickr unter CC-BY-Lizenz. Das andere Foto mit Domröse und Allen habe ich in einen neuen Thread verschoben)