Kleine Augen geradeaus!-Bilanz

Diese Statistik finde ich klasse, und meine Leser können sich vielleicht ebenso drüber freuen wie ich: Der 29. Januar war noch nicht rum, als ich diesen Screenshot machte – aber schon da war das mit fast 30.000 Zugriffen in 24 Stunden einer meiner Leser-stärksten Tage ever. Nicht so schlecht für eine Ein-Mann-Webseite.

Diese erfreulichen Zahlen erinnerten mich daran, dass einige Leser – zu Recht – die versprochene (wirtschaftliche) Bilanz von Augen geradeaus! nachgefragt hatten. Und davor will ich mich keineswegs drücken:

Im vergangenen Jahr sind durch freiwillige Zuwendungen meiner Leser exakt 6.475,24 Euro zusammengekommen: 3.701,10 Euro als direkte Überweisung auf mein Konto, 2.502 Euro über PayPal und noch 272,14 Euro via Flattr.

Dafür ein sehr großes Dankeschön, an alle, die mit ihrem Beitrag meine Form von Journalismus unterstützt haben! Von regelmäßigen monatlichen Daueraufträgen mit einigen Euro bis zu dreistelligen Einzelzuwendungen war alles dabei – und alles hat mir bei der enormen Arbeit geholfen, die in so einem halbwegs aktuellen Nachrichtenblog steckt.

Ich freue mich sehr über die Unterstützung, muss aber auch die Seite des kalkulierenden Freiberuflers erwähnen. Von den fast 6.500 Euro im ganzen Jahr 2012, umgerechnet pro Monat gut 500 Euro, gehen erst mal sieben Prozent Umsatzsteuer ab, zudem die Gebühren für PayPal und Flattr – erst dann habe ich sozusagen die eigentliche Einnahme.

 

 

 

RC N Watch: Die nutzlosen Polizeihauptquartiere im Norden Afghanistans


Das weitgehend fertig gestellte, aber leere Hauptquartier der Afghan Border Police in Imam Sahib bei Kundus (Foto: SIGAR)

Für den Aufbau Afghanistans haben die USA eine Art eigenen Rechnungshof, den Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), der von den USA finanzierte Projekte unter die Lupe nimmt. Diese Behörde hat am (heutigen) Dienstag und in den vergangenen Tagen zwei Berichte veröffentlicht, die auf die Bemühungen um den Aufbau afghanischer Sicherheitskräfte im Norden des Landes (erneut) kein allzu gutes Licht werfen.

Zum Beispiel bei der Konstruktion eines Hauptquartiers für die afghanische Grenzpolizei (Afghan Border Police, ABP) im Distrikt Imam Sahib in der Provinz Kundus, das immerhin 7,3 Millionen US-Dollar gekostet hatte und am 3. September 2012 an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben wurde. Dennoch fanden die Prüfer bei ihrem Besuch nur wenig Leben vor:

 SIGAR’s inspection was limited to two buildings and a portion of a third of the total 12 buildings at the facility because most buildings were locked and on-site personnel did not have keys.  No major construction quality issues were identified at the buildings SIGAR inspected.
Built with a capacity for 175 persons, only about 12 Afghan personnel were on site during SIGAR’s inspection, and they were unaware of plans to move additional staff to the facility.  Construction plans for Afghan forces were aligned to the personnel strength of 352,000, and there were no plans to adjust the building program to varying circumstances.  Most buildings appeared unused and some equipment—specifically, wood-burning stoves near the site’s dining facility—had been dismantled.
The facility also lacks back-up electrical power.  In addition, sustaining the facility will require personnel with appropriate skills to keep the electrical generator; fueling station; water treatment system; and heating, ventilation, and air conditioning systems in working order.  However, there is neither an operation and maintenance contract nor a plan to train Afghan personnel to operate and maintain equipment.  This raises questions about the Afghan government’s ability to sustain the facility.

Auch beim ebenfalls neuen Gebäude für das Hauptquartier der Afghan National Police (ANP) in Kundus, Gesamtkosten über 17 Millionen US-Dollar, sieht es nicht so begeisternd aus, wie SIGAR in einem ebenfalls im Januar veröffentlichten Bericht feststellte:

A collection of 37 structures, the project was approximately 50 percent complete when SIGAR visited the site on November 15, 2012.  Most of the buildings were structurally complete.  No significant construction deficiencies were noted.
Nevertheless, SIGAR’s inspection identified usability and sustainability issues with the facility.  Specifically, a failure of the facility’s only source of power—a single diesel generator with no back-up or connection to the local electrical grid—could lead to significant sewage overflows that threaten the health and safety of the facility and its occupants.  Also, there are no plans for an operation and maintenance contract or to train Afghans to keep complex systems such as sewage treatment and electrical power in good working order.  Therefore, in SIGAR’s view, U.S. investment in this facility may be at risk.

Jetzt frage ich mich gerade, ob der deutsche Bundesrechungshof sich auch mal solche Projekte in Afghanistan angesehen hat. Und wie dessen Berichte aussehen.

 

Fürs Lagebild: Deutsche Patriot-Staffeln in der Türkei einsatzbereit

Damit es auf dem Lagebild aufscheint und auch im Archiv wiederzufinden ist: Wie die Bundeswehr heute nachmittag mitteilte, haben die beiden deutschen Patriot-Staffeln  in der türkischen Stadt Kahramanmaras am (gestrigen) 28. Januar um 1720 MEZ ihre Einsatzbereitschaft gemeldet:

Kahramanmaras, 29.01.2013, Einstellzeit: 16.05 Uhr.
Seit dem 28. Januar, 17.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit, hat das deutsche Einsatzkontingent Active Fence Turkey die Einsatzbereitschaft mit zwei Waffensystemen Patriot in der Türkei hergestellt.
Derzeit sind 303 deutsche Soldatinnen und Soldaten in Kahramanmaras eingesetzt. Der Einsatz des Waffensystems Patriot als deutscher Beitrag zur Verstärkung der integrierten NATO-Luftverteidigung in der Türkei liegt damit im Zeitrahmen der Terminvorgabe der NATO.

 

Die überlastete Truppe


Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (Archivbild 2011: Thomas Trutschel/photothek.net – mein Foto von heute fand ich technisch dann doch zu grauenhaft.
)

Wenn der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, bei der Vorstellung seines Jahresberichts lakonisch feststelle Insbesondere die Dienst- und Einsatzbelastung hat vielfach die Grenzen der Belastbarkeit erreicht, überrascht das die meisten Leser hier vermutlich wenig. Auch die Gründe, die Königshaus am (heutigen) Dienstag vor der Bundespressekonferenz nannte, sind weder neu noch überraschend: Mehr Einsätze in dichterer Folge für bestimmte Einheiten, für viele Soldaten zunehmend Pendlerfahrten nach Standortschließungen und Stationierungsentscheidungen, Ungewissheit über die eigene berufliche Perspektive, unverändert oder sogar zunehmend die fehlende Vereinbarkeit von Familie und Dienst.

Erwartungen, dass die Bundeswehr durch die Neuausrichtung leistungsstärker und effizienter wird, bestätigten sich im Berichtsjahr nicht, im Gegenteil, hielt Königshaus Minister wie Ministerium und Bundeswehrführung vor. Und auch bei der Ausrüstung von der Nachtsichtbrille bis zum Hubschrauber, ein Dauerbrenner in der Kritik des Wehrbeauftragten, sieht er nach wie vor gravierende Defizite: Auch bei der Ausrüstung, insbesondere mit Großgerät, gibt es trotz aller Verbesserungen, die anzuerkennen sind, immer noch erhebliche Lücken. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass der Dienstherr mit einer Struktur und Ausrüstung plant, die er sich unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht leisten kann.

Das ist eine ätzende Kritik an Verteidigungsminister Thomas de Maizière und seiner Bundeswehrreform. Dass daran der Bundestag mit seiner Haushaltsplanung Schuld sei, der der Truppe zu wenig Geld zubillige, will der frühere FDP-Abgeordnete Königshaus nicht gelten lassen: Die Parlamentarier könnten nur das auch beschließen, was Ministerium und Bundeswehr verlangten – was nicht nachgefragt werde, werde auch nicht genehmigt.

In dem Bericht lassen sich viele einzelne Kritikpunkte und Beispiele finden; hier liste ich sie mal nicht auf und empfehle den Jahresbericht zur Lektüre – über Details wird sicherlich noch ausführlicher zu reden sein.

Die gesamte Pressekonferenz des Wehrbeauftragten zum Nachhören:

Wehrbeauftragter_PK_20130129     

Keine Frauen beim KSK – dafür sorgt die Bundeswehr schon selbst

Archivbild 2009: Soldaten des Kommandos Spezialkräfte sichern die Hubschrauberlandezone. (Foto: Bundeswehr/PIZ Heer via Flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Sie sind die geheime Einheit der Bundeswehr: Das Kommando Spezialkräfte (KSK) aus Calw steht weltweit für die schwierigsten Einsätze bereit. Geiseln befreien, hinter den feindlichen Linien Informationen sammeln, Terroristen jagen. Nur einen Mangel hat Deutschlands Spezialtruppe: Ihr fehlen die Frauen!

Seit Jahren bemüht sich die Truppe immer wieder, Frauen für bestimmte Einsatzmöglichkeiten zu gewinnen. Gar nicht so einfach – denn sie müssen wie ihre männlichen Kameraden Anforderung an Psyche und Fitness erfüllen, Stärke und Ausdauer beweisen. Bislang fand sich, so schien es, keine Frau, die diesen Anforderungen genügte.

Jetzt kommt heraus: Doch, es gab solche Soldatinnen – doch die Bundeswehr verhinderte intern, dass sie beim KSK anfangen durften! Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, in seinem Jahresbericht (liegt Augen geradeaus! vor): Eine Soldatin aus einem Batallion für elektronische Kampfführung bewarb sich bei den Spezialkräften, absolvierte mit Erfolg ein halbes Jahr lang das körperliche und psychische Auswahlverfahren.

Erst danach erklärte die Streitkräftebasis (ist für Unterstützungstruppen zuständig), die Soldatin dürfe nicht wechseln: Sie sei in einer Mangel-Ausbildungs- und Verwendungsreihe eingesetzt, werde auf ihrem bisherigen Dienstposten gebraucht und sei unabkömmlich.

Ein besonders gravierender Fall von Vertrauensverlust, sagt der Wehrbeauftragte. Jetzt will Vizeadmiral Manfred Nielson, Chef der Streitkräftebasis (Werbeslogan: Ich war’s!), noch mal mit der enttäuschten Soldatin reden.