Deutsche Ausstattungshilfe für Mali: Autos, Feldlazarett, Splitterschutzwesten

Soldaten der Malischen Armee (Foto: Französische Armee/EMA)

In der vergangenen Woche hatte es Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell angekündigt: Deutschland werde die Streitkräfte Malis – und gegebenenfalls der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS – auch mit Material unterstützen. Jetzt wird ein wenig klarer, welche Ausstattungshilfe beabsichtigt ist. Sowohl das Verteidigungsministerium als auch das Auswärtige Amt nannten am (heutigen) Montag Details dazu.

An Material wurde oder wird geliefert:

• 50 Splitterschutzwesten und Handsonden für Personenkontrollen, die Außenminister Guido Westerwelle bei seinem Besuch in Bamako im vergangenen Jahr zugesagt hat

• 50 bis 70 Fahrzeuge der Bundeswehr, bereits in Mali

• ein Feldlazarett und Zelte, bereits in Mali

Von Waffen und Munition ist bislang nicht die Rede. Da gilt allerdings wohl, was der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Stefan Paris, heute in der Bundespressekonferenz sagte: Dementsprechend ist das Feld relativ weit offen.

Für die Details, auch zum Thema Luftbetankung, hier der Wortlaut aus der Bundespressekonferenz. Neben Paris antwortet der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Andreas Peschke:

FRAGE: Ich hätte eine Frage an das Verteidigungsministerium. Es gab am Wochenende Meldungen, dass Deutschland die ECOWAS-Truppen nicht mit Waffen, wohl aber mit Stiefeln, Uniformen und Lastwagen unterstützen werde. Mich würde interessieren: Ist das korrekt so? Um welche Anzahl wird es sich mutmaßlich handeln? Ich muss gestehen, dass ich mir das nicht ganz vorstellen kann. Es sind ja Soldaten. Diese tragen ja für gewöhnlich Uniform. Werden neue Uniformen geschneidert? Oder laufen die Soldaten jetzt in Zivilkleidung herum?

Zuletzt: Die Franzosen haben auch um Unterstützung bei der Luftbetankung gebeten. Ist das Thema jetzt erledigt, wo die Amerikaner das übernehmen? Oder prüfen Sie das noch weiterhin?

PARIS: Ich möchte die Gelegenheit nutzen, noch einmal das Geschehen in und um Mali insgesamt darzustellen.

Sie müssen sehen, dass die Entwicklung in Mali ein fortlaufender Prozess ist. Wir begleiten das seit ungefähr zwei Wochen. Sie verfolgen, was in Mali selbst durch die französischen Truppen, aber auch durch die malischen Truppen passiert. Sie verfolgen ebenso, dass Truppen der sogenannten ECOWAS nach Mali gebracht werden, in das Land kommen; unter anderem auch durch Unterstützung durch diese zwei Transall-Flugzeuge, die wir seit geraumer Zeit dort zur Verfügung gestellt haben.

Ich denke, es ist wichtig, das in seiner gesamten Breite und seiner Entwicklung zu sehen. Das ist jetzt nicht ein Geschäft, das sich von Tag zu Tag tragen lässt, sondern letztendlich muss man auf die verschiedenen Aspekte, die das hat, kurz eingehen.

Der erste Aspekt ist die Unterstützung Frankreichs. Sie wissen, dass wir, als wir die Transall verlegt haben, die Franzosen unterstützt haben, indem wir Sanitätsmaterial vornehmlich aus Frankreich dort mit hingeführt haben. Jetzt gibt es eine Bitte der französischen Kollegen, die gegenüber Herrn Minister de Maizière geäußert worden ist, bei der Tankunterstützung zu helfen. Das ist also die Betankung von Militärflugzeugen in der Regel Kampfflugzeugen in der Luft. weiterlesen

RC N Watch: Afghanische Polizisten als Kidnapper festgenommen

Archivbild vom Mai 2010: Deutsche Soldaten bei der Ausbildung afghanischer Polizisten (Foto: ISAF Public Affairs via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

Die Probleme bei der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen sind ohnehin groß. Und dann auch noch das:

 Three police officers are part of a five-member group arrested Sunday night for a recent kidnapping in northern Baghlan province, local officials said.
The Afghan security forces launched an operation in the Rubatak area of Baghlan to rescue a fuel-tanker driver and his colleague kidnapped by the group two days ago, provincial police chief Asadullah Shirzad said. (…)
The police arrested the five kidnappers, three of whom were policemen from Baghlan and neighbouring Samangan province, he added.

berichtet der afghanische Sender TOLO News.

Zum Vertrauen in die afghanischen Sicherheitskräfte dürfte das nur mäßig beitragen. Und es zeigt: Die Aufständischen sind nicht allein das Problem. In manchen Regionen vielleicht noch nicht einmal das größte.

Patriot in der Türkei: Die Deutschen in Kahramanmaras

Die NATO hat am (heutigen) Montag die ersten Videobilder von der Stationierung der deutschen Patriot-Staffeln nahe der türkischen Stadt Kahramanmaras veröffentlicht. Interessant und bislang noch nicht so kommuniziert: Zu der deutschen Einheit gehört ein dänisches Team, das die Satellitenanbindung an die NATO-Kommandostruktur sicher stellen soll.

Mali: Fallschirmjäger nehmen Timbuktu nach Luftlandeoperation

Erst mal macht das Schlagzeilen und wird etliche Leser hier begeistern: Die Wüstenstadt Timbuktu im Norden Malis wurde von französischen und malischen Truppen genommen –  nach einer Luftlandeoperation französischer Fallschirmjäger. Bilder von diesem ersten Fallschirmjäger-Einsatz der Franzosen seit Jahrzehnten gibt es zwar (noch) nicht, aber Bilder vom Flughafen Timbuktu (siehe oben). Die Luftlandetruppen der Fremdenlegion sollten offensichtlich eine Flucht der Rebellen nach Norden verhindern. (Nachtrag: siehe Foto unten)

Bedeutsamer scheint allerdings, dass zumindest der Flughafen dieser bislang von islamistischen Rebellen kontrollierten Stadt ohne einen einzigen Schuss eingenommen wurde: Die Islamisten, so heißt es übereinstimmend in den Berichten, stellen sich – natürlich – nicht den überlegenen französischen Truppen zum Kampf, sondern verschwinden einfach. Allerdings nicht, ohne beträchtlichen Schaden zu hinterlassen: Eine Bibliothek in der Wüstenstadt mit unschätzbaren, teils antiken Manuskripten sollen sie bereits vor einigen Tagen in Brand gesteckt haben.

Was der überraschend schnelle Vormarsch der Franzosen – und in ihrem Gefolge der malischen Truppen – langfristig für die Kontrolle dieses riesigen Gebiets bedeutet, muss vorerst noch offen bleiben: Die wenigen Bevölkerungszentren in dieser Wüstenregion zu nehmen, dürfte deutlich einfacher sein als die Kontrolle darüber zu behalten.

Alle Berichte aus Mali kranken übrigens daran, dass ganz offensichtlich die Franzosen eine sehr strikte Informationskontrolle betreiben. So gibt es – überwiegend frankophone – Journalisten, die mit den Truppen unterwegs sind und auch in der vergangenen Nacht auf dem Flughafen von Timbuktu dabei waren. Andere, so ist zu hören und zu lesen, kommen gar nicht erst in die Gegend.

Nachtrag: Und hier das erste Bild zu den Fallschirmjägern:

La deuxième compagnie du 2e régiment étranger de parachutistes (2e REP) se prépare à embarquer pour sauter sur Tombouctou. (Foto: EMA / armée de Terre)

Und so sieht ein Absprung aus der Drohnenperspektive aus:

Largage de la deuxième compagnie du 2e régiment étranger de parachutistes (2eREP) sur Tombouctou, vu depuis un drone Harfang. (Foto: EMA / armée de l’Air)

Das ganze jetzt auch als Video:

 

So schnell fliegen die Drohnen nicht


Der EuroHawk beim ersten Testflug über Deutschland am 11. Januar 2013 (Foto: EADS)

Während die Debatte über Drohnen, also Unmanned Aerial Systems (UAS) in Deutschland sich auf die Frage konzentriert, ob sie denn bewaffnet sein sollten, dürften, müssten oder nicht, liegen die grundsätzlichen Probleme bei diesen unbemannten Luftfahrzeugen hier zu Lande ganz woanders: Bei den Zulassungsproblemen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Christian Schmidt schrieb dazu dem Grünen-Abgeordneten und Haushälter Tobias Lindner folgende erhellende Antwort auf eine entsprechende Frage (Fragetext kursiv):

Inwiefern gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen, die Beschaffung des Systems Euro Hawk zu stoppen bzw. zeitlich zu verzögern und welche Gründe liegen dafür vor?

Mit dem EURO HAWK Full Scale Demonstrator erfolgt derzeit eine intensive Erprobung, einschließlich der notwendigen Testflüge, um die Entwicklung abzuschließen. Für die Beschaffung von Serienflugzeugen EURO HAWK  wurde noch kein Vertrag abgeschlossen.
Der Prozess der Zulassung des ersten unbemannten Luftfahrzeugs dieser Größenordnung in Europa hat sich als deutlich aufwändiger und zeitintensiver herausgestellt als erwartet. Dies hat zu Verzögerungen geführt, die sich auch auf die Planung zur Beschaffung der Serienluftfahrzeuge ausgewirkt haben.
Eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen zur Serienbeschaffung EURO HAWK  wird derzeit erarbeitet.

Das klingt nicht nach schnell, und es bestätigt eine Einschätzung, die ich schon länger vertrete: Die Hauptprobleme beim Thema Drohnen sind rechtlicher Natur, vor allem die Zulassung im kontrollierten Luftraum über Europa. Das erklärt auch, warum der erste Testflug später stattfand als erwartet. Und diese Probleme dürften schwerer zu lösen sein als die Frage der Bewaffnung.