Krieg in Mali: Vorstoß auf Gao, Timbuktu als nächstes Ziel

Soldaten aus dem Tschad, mit französischer Hilfe auf dem Weg an die Front (Foto: Französische Luftwaffe/EMA)

Ungeachtet der nach wie vor diffusen Nachrichtenlage mache ich mal einen Thread zum Thema Krieg in Mali (jenseits der Diskussion über deutsche Unterstützung) auf – so wird das leichter möglich, die aktuellen Entwicklungen zu sammeln, auch in den Kommentaren. (Entsprechende Kommentare aus dem anderen Thread verschiebe ich hierher.)

Die französischen Truppen setzen offensichtlich ihren Vorstoß auf die von den islamistischen Rebellen kontrollierten Gebiete Nord-Malis fort – am Boden. Aus der Luft hatten sie ja von Anfang an Ziele im Norden angegriffen. Inzwischen sind französische Truppen recht nah an die Stadt Gao herangekommen, wie unter anderem Reuters meldet:

French special forces were in action on Saturday at the Islamist rebel-held stronghold of Gao in northeast Mali, confronting „harassment“ from rebel fighters, a French officer in Mali said on Saturday.

Der Flughafen und die Niger-Brücke bei Gao sind bereits unter französischer Kontrolle:

France’s Defence Minister Jean-Yves Le Drian announced the seizure of the airport and bridge at Gao, the largest town in Mali’s Saharan north which was occupied last year by a coalition of Islamist groups including al Qaeda’s North African wing AQIM.
France’s defense ministry initially gave few details of the operation at Gao, but there were unconfirmed reports from Malian sources that it involved French paratroops. (…)
The speed of the French action at Gao suggested French and Malian government troops intended to drive aggressively into the north of Mali in the next few days against other Islamist rebel-held towns, such as Timbuktu and Kidal.

Die offizielle französische Mitteilung zum Stand der Dinge – erst mal im Original, darunter die Google-Übersetzung:

Bilan du 24 janvier 18h au 26 janvier 12h
Au cours des dernières 36 heures, les forces engagées dans l’opération Serval ainsi que plusieurs unités maliennes ont conduit des opérations aéroterrestres qui ont permis de s’emparer de l’aéroport et du pont de Gao et de détruire plusieurs groupes terroristes. weiterlesen

RC N Watch: Schwerer Sprengstoffanschlag in Kundus – Keine ISAF-Soldaten betroffen

In der nordafghanischen Provinzhauptstadt Kundus hat es am (heutigen) Samstag einen schweren Bombenanschlag gegeben: Erste Meldungen sprechen von bis zu 20 Toten und mindestens eben so vielen Verletzten. Die Details sind noch nicht klar, offensichtlich waren aber afghanische Sicherheitskräfte Ziel des Anschlags.

According to reports the incident took place after suicide bomber targeted provincial security chief.
In the meantime a spokesman for the Afghan police in northern Afghanistan Lal Mohammad Ahmadzai said at least ten people including counter-terrorism chief for Kunduz province have been killed.
Mr. Ahmadzai further added at least twenty others have also been wounded following the blast.

heißt es bei der afghanischen Nachrichtenagentur Khaama Press.

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr waren keine ISAF-Soldaten von dem Anschlag betroffen. Die Bundeswehr stellt nach wie vor den Großteil der ISAF-Truppen in Kundus.

Nachtrag: Bereits am (gestrigen) Sonntag wurden fünf angebliche Hintermänner des Anschlags festgenommen.

Niederländische Patriot-Batterie in der Türkei einsatzbereit

Letzte Überprüfung der niederländischen Patriot-Feuereinheiten in Adana am 25. Januar (Foto: NATO)

Die erste der sechs Patriot-Flugabwehrbatterien, die von der NATO in der Türkei stationiert wurden, hat am (heutigen) 26. Januar Einsatzbereitschaft gemeldet: Wie zuvor angekündigt, nahm eine niederländische Einheit nahe der südtürkischen Stadt Adana den Betrieb auf. Sie sei mit Einsatzbereitschaft der NATO-Kommandokette unterstellt worden, teilte das Bündnis mit.

Insgesamt hatte die Allianz auf Wunsch der Türkei sechs Patriot-Feuereinheiten entsandt – zwei aus Deutschland, zwei aus den Niederlanden und zwei aus den USA. Diese drei Länder verfügen als einzige NATO-Mitglieder über die modernste Version des Flugabwehrsystems, das auch zur Abwehr von Raketen geeignet ist. Die Türkei befürchtet solche Angriffe aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien.

Während beide niederländische Batterien auf dem Luftwaffenstützpunkt Inçirlik nahe Adana stationiert werden, gehen die deutschen Staffeln bei Kahramanmaras und die US-Batterien bei Gaziantep in Stellung.

Ausbildungshilfe für Mali: Taktik allein reicht nicht

Archivbild vom Mai 2010: Soldaten aus Mali und dem Senegal beim Training mit U.S. Special Forces (Foto: Staff Sgt. Michael R. Noggle, Special Operations Task Force-103 Public Affairs, via Flickr unter CC-BY-Lizenz)

Während sich die Europäische Union mit Hochdruck auf ihre geplante Ausbildungsmission in Mali vorbereitet (wo ist eigentlich das von Verteidigungsminister Thomas de Maizière am vergangenen Wochenende angekündigte baldige Bundestagsmandat?), haben die USA auf ein paar Lehren aus ihrer Ausbildungsmission in Mali gezogen. Die US-Truppen hatten jahrelang malische Truppen trainiert, sowohl im Land selbst als auch in den USA. Dabei hätten sie sich aber zu sehr auf Taktik und Technik konzentriert und Dinge wie ethische Grundlagen und soldatische Werte zu kurz kommen lassen.

Der Kommandeur des U.S. Africa Command, General Carter Ham, in dieser Woche bei einem Vortrag:

From a purely military standpoint, Ham said, U.S. forces focused Malian training almost exclusively on tactical and technical matters such as operating equipment, improving tactical effectiveness and aerial re-supply to remote bases.
“All of which is very, very good,” he said. “We didn’t spend, probably, the requisite time focusing on values, ethics and military ethos.”
“When you put on the uniform of your nation, then you accept the responsibility to defend and protect that nation, to abide by the legitimate civilian authority that has been established,” Ham said.
Additionally, he said, military members should act lawfully and see themselves as servants to the people of their nation.
“We didn’t … [train] that to the degree that we needed to, I think,” Ham said. “I believe that we focused exclusively on tactical and technical [aspects]. So we’ve learned from that.”

Das natürlich vor dem Hintergrund, dass malischen Soldaten im Windschatten der französischen Intervention willkürliche Hinrichtungen und andere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden.

Das macht die Aufgabe der EU-Trainer, darunter nach den Planungen auch deutsche Soldaten, nicht gerade einfacher. Vor allem nicht schneller.

Neben der reinen Ausbildungshilfe für die malischen Truppen soll es übrigens, das ist in der zurückliegenden Woche auch ein bisschen untergegangen, deutsche Ausstattungshilfe für afrikanische Streitkräfte geben. weiterlesen