Der Piratenkönig geht in den Ruhestand

MV-Faina-CrewDie Mannschaft des ukrainischen Frachters Faina in der Hand somalischer Piraten (U.S. Navy Photo by Petty Officer 2nd Class Jason R. Zalasky via Wikimedia Commons)

Die Nachricht klingt zu schön, als dass ich sie hier übergehen könnte: Der somalische Piratenführer Mohamed Abdi Hassan, Spitzname Afweyneh für Große Klappe, hat sich aus dem Geschäft verabschiedet. Wie es sich für einen Geschäftsmann gehört, erklärte er seinen Ausstieg aus dem Gewerbe vor Journalisten in der somalischen Stadt Adado, berichten AFP und die BBC.

Der Piratenkönig, wie er inzwischen in zahlreichen Medien genannt wird, war offensichtlich für die Entführung des ukrainischen Frachters Faina im Oktober 2008 verantwortlich – die vor allem deswegen Aufsehen erregte, weil das Schiff russische Kampfpanzer und andere Waffen geladen hatte.  Allerdings führte das auch dazu, dass die Faina von der U.S. Navy sorgfältig unter Kontrolle gehalten wurde, damit die Ladung nicht unbemerkt verschwinden konnte. Mohamed Abdi Hassan organisierte zudem die Kaperung der Sirius Star, des ersten Supertankers, der den somalischen Piraten in die Hände fiel.

Angeblich will der Super-Pirat auch einige Kollegen zur Aufgabe bewegen: das Geschäft rentiere sich nicht mehr. In der Tat haben im vergangenen Jahr die anhaltenden Patrouillen von Kriegsschiffen, aber vor allem die zunehmende Beschäftigung bewaffneter Sicherheitsteams auf Frachtern und Tankern die Erfolgaussichten der Seeräuber drastisch verringert – sogar der Nachruf auf das Gewerbe vor der somalischen Küste wurde schon geschrieben. Erledigt ist diese Gefahr aber weiterhin nicht, wie der erste Kaperversuch dieses Jahres am vergangenen Wochenende bewies.

 

Klartext von Rühe im Ruhestand

Dass der CDU-Politiker Volker Rühe für seine bisweilen harschen öffentlichen Äußerungen bekannt war, nicht zuletzt als Verteidigungsminister, ist schon eine Weile her. Wenn er aber mal öffentlich auftritt und zum Thema Verteidigungs- und Sicherheitspolitik redet, dann langt er auch hin – wie am (heutigen) Donnerstag beim Frankfurter Allgemeine Forum zum Thema Die deutsche Sicherheitspolitik in der öffentlichen Diskussion in Berlin.

Die transatlantische Sicherheitsgemeinschaft ist Rühes Lieblingsthema, und natürlich kam die prominent vor – als deren Folge aber auch die Frage an die Europäer, was die (militärisch) zu leisten gewillt und überhaupt noch imstande sind. Und dann natürlich auch die Überlegung: Wozu braucht man rein nationale Streitkräfte? Hinterher, in der Diskussion nach seiner Rede, spitzte der Ex-Verteidigungsminister das noch ein wenig zu: Wozu brauchen wir a little bit of everything, ein bisschen was von allem? Fast hätte man glauben können, er meine damit ein Credo der aktuellen Bundeswehrreform: Breite vor Tiefe.

Die Rede von Rühe, zum Anhören:

 

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