Der General darf in Rente, der Schützenpanzer noch nicht

General Wolf-Dieter Langheld, 2011Langheld im August 2011 bei einer Reise durch Afghanistan (Foto: Sgt. Mallory VanderSchans, U.S. Marine Corps via Wikimedia Commons)

Eine kurze Randbemerkung machte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am (gestrigen) Mittwochabend, als er den deutschen Vier-Sterne-General Wolf-Dieter Langheld in Berlin mit einem großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedete: Langheld wurde im Juni 1971 Soldat, vor mehr als 41 Jahren, bei den Panzergrenadieren. Ungefähr zeitgleich, seit Mai 1971, erhielten die Panzergrenadiere ihr damals neues Arbeitsgerät, den Schützenpanzer Marder (der natürlich in den vergangenen Jahren verschiedene Upgrades erfahren hat).

Der General, beliebt und berüchtigt auch wegen seiner bisweilen markigen Sprüche, ist am Ende seiner Dienstzeit angekommen. Der Schützenpanzer nach bald 42 Jahren noch nicht – noch ist er im Einsatz in Afghanistan gefragt, noch ist das Nachfolgemodell Puma nicht in der Truppe angekommen. Mir schien, das fand auch der Minister (der selber ungefähr zur gleichen Zeit wie Langheld Soldat wurde und auch auf dem Marder eingesetzt war) nicht besonders lustig.

Mali: UN-Chef will grünes Licht für Intervention – aber kein Geld

Archivbild von 2007: US-Soldaten mit malischen Truppen bei einer Übung – damals noch in Timbuktu, eine Stadt, die inzwischen unter Kontrolle von Islamisten ist (U.S. Air Force photo by Master Sgt. Ken Bergmann)

Eine mögliche internationale (vorwiegend afrikanische) Militärintervention in Mali, die den Norden des Landes islamistischen Rebellen entreißen soll, kann zwar auf Rückhalt der Vereinten Nationen rechnen – aber womöglich, viel entscheidender, nicht auf finanzielle Unterstützung:

U.N. Secretary-General Ban Ki-moon on Wednesday recommended that the Security Council approve an African Union peace enforcement mission be deployed to combat Islamist extremists in northern Mali, but did not offer financial support from the world body.
(…)
Ban suggested that the funding for the initial military combat operations could be through „voluntary or bilateral contributions“ – which diplomats said meant European Union member states would be asked to cover costs.

meldet Reuters.

Letztendlich entscheidet natürlich der UN-Sicherheitsrat. Allein die Gespräche über mögliche Geldgeber für eine Militärintervention, die vor allem von Truppen der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS getragen werden sollte, dürften allerdings die Entscheidung und Beginn einer solchen Operation noch weiter nach hinten schieben.

Für die Bundeswehr ist die Beteiligung an einer EU-Ausbildungsmission malischer Truppen im Gespräch, keine Beteiligung an dem eigentlichen Einsatz.

Nachtrag: Nach einem Bericht von Al Jazeera hat ein Al-Kaida-Anführer Mali dazu aufgerufen, den Konflikt ohne Hilfe von außen zu lösen und nicht fremde Kreuzritter ins Land zu holen:

 

Land hinter Panzerglas (5)

(Foto © Timo Vogt/randbild)

Der Fotograf Timo Vogt war in den vergangenen Jahren mehrfach mit der Bundeswehr in Afghanistan unterwegs. Im Oktober dieses Jahres erlebte er, wie sich die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte am Hindukusch auswirkt. Seine – notwendigerweise subjektive – Sicht der jüngsten Reportagereise hat er für Augen geradeaus! aufgeschrieben: Ein Blick fast nur noch durch das Panzerglas der geschützten Fahrzeuge, eine Truppe, die mental schon im Abzug zu sein scheint.

Hier der 5. und letzte Teil – zu Teil 1; Teil 2; Teil 3; Teil 4

Als die Sonne wieder aufgeht, fliege ich mit leeren Händen und mit Hilfe der US-Amerikaner zurück ins PRT Kundus, wo ich umsteige und mit nur zwei weiteren Passagieren in einer ansonsten leeren Transall nach MeS „verlegt“ werde.

Wer in MeS auf den Rückflug wartet. Kann die Dinge Revue passieren lassen. Zeit dazu ist genug vorhanden, um über den ISAF-Einsatz und die Medienarbeit der Bundeswehr nachzudenken. Einiges ist mir aufgefallen:

Den afghanischen Sicherheitskräften gegenüber herrscht vor allem an den unteren Enden der Befehlsketten oft offenes Misstrauen. Man scheint sich zivilisatorisch einfach überlegener zu fühlen. Und die Angst vor Insider-Attacken ist spürbar und führt zu einer zur Schau gestellten Ablehnung, unfähig auf die Leute zuzugehen, für die man hier offiziell angetreten ist. Beim Zusammentreffen auf der Straße lässt man sich die Namen der ANA-Kräfte geben und fotografiert sie mehr oder weniger unauffällig für die Armee-Dokumentation. Angst essen Seele auf.

Auch die ungestutzten, langen Vollbärte der deutschen Soldaten im Einsatz sind unterdessen seltener zu sehen und deutliche kürzer geworden. Man merkt, dieses inoffizielle Wiedererkennungszeichen derer, die „Draußen“ sind, wird hier kaum noch gebraucht, denn draußen wird kaum noch agiert. weiterlesen