RC N Watch: Kopf ab in Kundus

Das ist eine der Geschichten aus Afghanistan, die es wohl kaum in die Nachrichten schaffen wird: Ein 15-jähriges Mädchen wurde im nordafghanischen Kundus geköpft, weil es eine Hochzeit verweigerte. Einige wenige Tweets der Kollegen Parwiz Shamal vom afghanischen Sender TOLONews und Bilal Sarwary von der BBC genügen, um das grausame Bild zu zeichnen:

Laut BBC wurden inzwischen zwei Männer wegen der Tat festgenommen.

Kabinett stellt Weichen für den Abzug vom Hindukusch

Am OP North (Foto © Timo Vogt/randbild)

Das Bundeskabinett hat am (heutigen) Mittwoch erwartungsgemäß die Weichen gestellt für die weitere Reduzierung des deutschen militärischen Engagements in Afghanistan und damit für den geplanten Abzug eines Großteils der Truppen vom Hindukusch. Die Ministerrunde billigte das von Außen- und Verteidigungsministerium vorgelegte Mandat, das jetzt zur Beschlussfassung an den Bundestag geht. Kernpunkt: Die Höchstzahl der deutschen Soldaten wird von derzeit 4.900 auf 4.400 zum 1. Februar 2013 verringert und soll bis Ende Februar 2014 auf 3.300 abschmelzen.

Die Zahl 3.300 findet sich allerdings nicht im eigentlichen Mandatstext, sondern in der Begründung:

Als Folge der bisherigen Fortschritte war es mit Mandatsbeginn 2012 erstmals möglich, auch das deutsche militärische Engagement zu reduzieren. Die Personalobergrenze liegt in diesem Mandat bei bis zu 4.400 Soldatinnen und Soldaten. Darüber hinaus ist es das Ziel der Bundesregierung, bis zum Ende des Mandatszeitraums das Kontingent auf bis zu 3.300 Soldatinnen und Soldaten zu reduzieren, so weit die Lage dies erlaubt und ohne dadurch unsere Truppen oder die Nachhaltigkeit des Übergabeprozesses zu gefährden.
Die Personalobergrenze umfasst das zusätzlich in Afghanistan benötigte Personal für Rückbau und Logistik (sogenannte Rückverlegungskräfte) im Zuge der Rückführung von Material und Personal.

Als Kosten für den Einsatz in diesem Mandatszeitrum – 1. Februar 2013 bis 28. Februar 2014 – kalkuliert das Verteidigungsministerium gut 1,07 Milliarden Euro.

In der gleichen Kabinettssitzung befasste sich die Bundesregierung auch mit dem Fortschrittsbericht Afghanistan – den ich hier nicht detailliert widergeben will, aber einen Punkt herausgreifen:

Noch ist die Sicherheitslage in vielen Teilen Afghanistans instabil. Auch wenn die Einsatzbereitschaft der ANSF inzwischen so gut entwickelt ist, dass sie auf Bedrohungslagen in vielen Fällen selbständig und effektiv reagieren können, bleiben die regierungsfeindlichen Kräfte (RFK) weiterhin handlungsfähig. weiterlesen

Land hinter Panzerglas (4)

(Foto © Timo Vogt/randbild)

Der Fotograf Timo Vogt war in den vergangenen Jahren mehrfach mit der Bundeswehr in Afghanistan unterwegs. Im Oktober dieses Jahres erlebte er, wie sich die Übergabe der Verantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte am Hindukusch auswirkt. Seine – notwendigerweise subjektive – Sicht der jüngsten Reportagereise hat er für Augen geradeaus! aufgeschrieben: Ein Blick fast nur noch durch das Panzerglas der geschützten Fahrzeuge, eine Truppe, die mental schon im Abzug zu sein scheint.

Hier Teil 4 – zu Teil 1; Teil 2; Teil 3

Offenbar hatte man in MeS davon Wind bekommen, dass mein Aufenthalt im OP North gestrichen wurde. Plötzlich erhält das PAO die Nachricht, dass wir doch fliegen sollen. Ich möchte von MeS wissen, was mich denn im Observation Point erwartet, denn rumsitzen kann ich schließlich im PRT komfortabler. Details sind, wenig überraschend, nicht zu erfahren. Ich muss den Hörer an meinen Pressefeldwebel im PRT abgeben und folge dem Gespräch nebenstehend, ohne dass ich hören könnte, was MeS zu sagen hat. Doch es hinterlässt bei mir den Eindruck, doch endlich dankbar zu sein, dass man sich für mich einsetzt und ich doch ins OP darf.

Wohlgemerkt, das OP hatte ich bereits vor Wochen auf der Wunschliste, als ich diese Reise in Rücksprache mit der Bundeswehr „vorbereitete“. Ich wollte keinen kleinen Kurztrip kurz vor knapp, sondern für einen längeren Zeitraum ins OP, um fotojournalistisch der Sache gerecht werden zu können.

Unsere Klinkenputzerei im PRT begann nun nach einer Woche endlich Ergebnisse zu zeigen. Doch mit der Entscheidung für das OP war nicht nur die hochspannende Begleitung des Interkulturellen Beraters geschenkt. Gleichzeitig ergab eine Anfrage bei den Amerikanern, dass ich Übermorgen zu einer weiteren RCP ohne deutsche Unterstützung nur mit der US-Army raus könnte, kein Problem. That´s fucking professional, isn´t it? Doch an besagtem Tage soll ich bereits in den OP North fliegen…

Da für den nächsten Tag mit der Bundeswehr nichts zu arrangieren war, versuche ich es nochmal mit der Polizeiausbildung im Lager nebenan. Das erste Mal fiel bekanntlich dem Suicider-LKW-Phantom zum Opfer. Aber es ist Donnerstag, gewissermaßen der afghanische Samstag, bevor Freitag, ihr freier Sonntag ist. Das Programm ist entsprechend dünn geplant. Sonntag bis Mittwoch läuft einfach mehr. Ich denke mir dennoch, die Zeit besser mit wenig Ereignis zu füllen, als gar nichts zu machen.

Acht Wochen dauert die Grundausbildung der afghanischen Polizisten. weiterlesen