Yankees werden die neuen Scheichs

Ölquellen nördlich von Bakersfield im US-Bundesstaat Kalifornien (Foto: Flicker-User Tommy Ironic unter CC-BY-NC-Lizenz)

Der am (heutigen) 12. November veröffentlichte World Energy Outlook (WEO) der Internationalen Energie-Agentur enthält eine knallige Nachricht: Innerhalb der nächsten fünf Jahre könnten die USA ihren Energiebedarf fast vollständig autark decken und zu einem Gas- und Ölexporteur werden. In den Worten der IEA:

The WEO finds that the extraordinary growth in oil and natural gas output in the United States will mean a sea-change in global energy flows. In the New Policies Scenario, the WEO’s central scenario, the United States becomes a net exporter of natural gas by 2020 and is almost self-sufficient in energy, in net terms, by 2035. North America emerges as a net oil exporter, accelerating the switch in direction of international oil trade, with almost 90% of Middle Eastern oil exports being drawn to Asia by 2035. Links between regional gas markets will strengthen as liquefied natural gas trade becomes more flexible and contract terms evolve. While regional dynamics change, global energy demand will push ever higher, growing by more than one-third to 2035. China, India and the Middle East account for 60% of the growth; demand barely rises in the OECD, but there is a pronounced shift towards gas and renewables.

Das hat natürlich energie- wie umweltpolitisch bislang ungeahnte Auswirkungen. Aber, aller Voraussicht nach, auch sicherheitspolitische Folgen. Wie die Kollegen von Reuters zusammenfassen:

This could have significant geopolitical implications, if Washington feels its strategic interests are no longer as embedded in the Middle East and other volatile oil producing regions.
Analysts ask whether an energy independent United States would still be prepared to safeguard major trade routes around the world, such as the Strait of Hormuz in the Middle East.

Die Diskussion steht noch ganz am Anfang. Die Studie muss man sich sicherlich im Detail anschauen (eine englische Zusammenfassung gibt es hier), aber die sicherheitspolitischen Fragen werden auf die Europäer und damit auch auf Deutschland zurollen. (Heute keine tiefergehenden Überlegungen dazu, ich wollte es vor allem mal auf die Agenda setzen.)

Konfrontasi: Was ist mit den Leos für Indonesien?


Indonesische Soldaten auf Java (Foto: Flickr-User ccdoh1 unter CC-BY-NC-ND-Lizenz)

Die Geschichte ist doch nach wie vor merkwürdig. Die Indonesier sagen unverändert, sie hätten Leopard-Kampfpanzer und Marder-Schützenpanzer in Deutschland bestellt, bei der Firma Rheinmetall. Zuletzt der Verteidigungsminister, vergangene Woche bei einer Rüstungsmesse in Jakarta:

German tank producer, Rheinmetall, displayed Leopard 2 main battle tanks (MBT) and a Marder infantry fighting vehicle (IFV), which Indonesia has ordered 100 units worth US$280 million in an effort to upgrade its obsolete military equipment.
“The procurement is still in progress, but at least now we can see this Leopard MBT and Marder medium tank. By having these vehicles, we will have a complete series of tanks, ranging from light to heavy ones,” said Defense Minister Purnomo Yusgiantoro at the expo venue.

In anderen Quellen ist sogar davon die Rede, die ersten dieser Gefechtsfahrzeuge würden noch in diesem Jahr geliefert.

Das kontrastiert mit der Aussage der Bundesregierung, es gebe bislang keine Anfrage für eine Genehmigung zum Export dieser Kriegsgüter. Der Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums, Stefan Rouenhoff, heute vor der Bundespressekonferenz:

Ich kann ergänzen, dass derzeit kein Antrag auf Ausfuhr von Leopard-Panzern zum Verbleib in Indonesien vorliegt. … Mit solchen Fragen können Sie sich direkt an das Unternehmen wenden. Wir gehen allerdings davon aus, dass das Unternehmen konstruktiv mit den Behörden dann auch zusammenarbeiten wird.

Nachtrag:Ich bin dem Rat des Wirtschaftsministeriums gefolgt und habe mich direkt an das Unternehmen gewendet. Die Firma Rheinmetall sagt mir, vergangene Woche sei ein Memorandum of Understanding (MoU) mit den Indonesiern unterzeichnet worden, mehr könne man dazu nicht sagen.

Wenn man allerdings weiß, dass es von einer solchen gemeinsamen Absichtserklärung bis zu einem endgültigen Vertrag eine Weile dauern kann… sieht man die Aussagen Indonesiens, noch in diesem Jahr kämen die ersten Panzer, vielleicht als etwas optimistisch an.

Erster Minister-Direktflug nach Afghanistan

Der Airbus A310 der Flugbereitschaft – die Maschine mit dem taktischen Kennzeichen 10+21 trug früher den Namen Konrad Adenauer, den sie inzwischen an den neueren Airbus A340 abgeben musste (Archivbild 2007: Thomas Imo/photothek.net)

Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist heute in Masar-i-Scharif zu einem der – wie üblich nicht angekündigten – Truppenbesuche in Afghanistan angekommen. Das offensichtlich Neue an diesem Besuch: Erstmals seit Beginn des deutschen Afghanistan-Einsatz flog ein Airbus der Flugbereitschaft einen afghanischen Flughafen direkt an – der übliche Zwischenhalt in Termes/Usbekistan und der Umstieg in eine Transall der Luftwaffe mit ihrer Schutzausrüstung gegen möglichen Raketenbeschuss entfiel.

Der Minister ist mit dem – älteren – VIP-Airbus vom Typ A310 unterwegs, insofern ist es auch nicht, wie ich zunächst spontan vermutet hatte, einer der neuen Airbusse vom Typ A340 oder A319, für die eine solche Raketenabwehranlage vorgesehen (und vielleicht sogar schon eingebaut) ist. Damit ist die Entscheidung, direkt MeS anzufliegen, tatsächlich ein Indikator für eine verbesserte Sicherheitslage (auch wenn man bei einem Blick auf das Rollfeld dort oft genug feststellt, dass die Deutschen so ziemlich die einzigen sind, die in den vergangenen Jahren diesen Sicherheitsaufwand betrieben haben…)

Für den geplanten Besuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul griff de Maizière allerdings dann doch wieder auf eine der Transall-Maschinen mit ihren Chaffs und Flares zurück.

Ist damit Nordafghanistan inzwischen sicherer als Malis Hauptstadt Bamako, wo Außenminister Guido Westerwelle neulich mit einer geschützten Transall hinflog? Die Entscheidung de Maizières für diesen Direktflug ist bislang ein Einzelfall. Interessant wird es zu sehen, ob und wann mal ein A310-Truppentransporter Afghanistan direkt anfliegt.

Übrigens… : So fasst die Voice of America den Ministerbesuch zusammen.