Rückblick: Sag’s dem Staatssekretär

Der wichtige Punkt kam für mich als Außenstehenden in dem Moment, als die Diskussion  – ja, Diskussion – ein wenig hitziger wurde. Staatssekretär Stéphane Beemelmans nahm Stellung zu einer vorangegangenen Kritik – und aus der Runde fielen ihm Teilnehmer ins Wort und widersprachen. Eigentlich eine unvorstellbare Situation in einem Gespräch zwischen einem Staatssekretär im Verteidigungsministerium und Bundeswehrsoldaten, kaum denkbar in einer offiziellen Runde. Aber in dem Moment hatte ich den Eindruck, dass das Gespräch zwischen Lesern von Augen geradeaus! und Beemelmans funktionieren könnte – als inoffizielles Gespräch, als Ansage von Meinungen derjenigen, die eher am Empfängerende der Neuausrichtung der Bundeswehr stehen, und dem Spitzenbeamten, der diese Neuausrichtung durch- und umsetzen muss.

Das Gespräch zwischen Beemelmanns und zwölf Lesern, die meisten davon aktive Soldaten, am gestrigen Freitag in Berlin war ein Experiment. Das Angebot war vom Staatssekretär ausgegangen, er wollte sich face to face der teilweise heftigen Kritik an der Reform stellen. Ob es ein Erfolg war, ob es langfristig etwas bringt, kann nicht ich beurteilen – das müssen die Beteiligten schon selber tun. Ich kann auch nicht einschätzen, wie viel von dem, was als Kritik vorgetragen wurde, bei Beemelmans hängen geblieben ist. Mein Eindruck war allerdings, so banal das klingt: gut, dass beide Seiten in einer informellen Umgebung miteinander geredet haben.

Die Leser, die nicht dabei waren, werde ich jetzt enttäuschen müssen: weiterlesen

Kurzer Fakten-Check: Lufthansa und die Kampfdrohnen


Heron-Aufklärungsdrohne der Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz (Foto: Sebastian Wilke/Bundeswehr via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

So so, die Bundeswehr hat Kampfdrohnen, und die Piloten dafür werden bei der Lufthansa ausgebildet… Da diese etwas merkwürdige Geschichte der Zeitung mit den großen Buchstaben von heute  inzwischen auch die Nachrichtenagenturen erreicht hat, scheint ein kurzer Faktencheck angezeigt. (Ohne einen Link zu der Originalmeldung, aus den bekannten Gründen)

• Nein, die Bundeswehr hat bislang keine Kampfdrohnen. Hätte sie gerne, aber über eine Beschaffung ist noch nicht entschieden. Und die von der Bundeswehr in Afghanistan benutzte Heron (Foto oben) ist eine Aufklärungsdrohne ohne jegliche Bewaffnung und nicht, wie Bild in einer Fotounterschrift schreibt, eine Kampfdrohne.

• Das mit der Ausbildung bei der Lufthansa ist so eine Radio-Eriwan-Geschichte. Ich habe mal Leute gefragt, die sich auskennen:

Drohnen ab einer bestimmten Größe – bei der Bundeswehr konkret: die Heron, nicht aber z.B. die Luna – dürfen nur von ausgebildeten Piloten gesteuert werden (deswegen auch der bevorzugte Begriff Remotely Piloted Aircraft). Diese Piloten haben ihre Flugausbildung bei der Bundeswehr gemacht, auf einem der eingeführten Flugzeugmuster, also zum Beispiel Transall oder einem Kampfjet. Und sitzen jetzt, nach einer Heron-Ausbildung im Herstellerland Israel, am Joystick für die unbemannten Aufklärungsflieger.

Nun muss ein jeder Pilot aber, um seine Lizenz zu erhalten, Flugstunden nachweisen – und zwar in einem echten Flugzeug, nicht an der Fernbedienung einer Drohne. Das könnte die Bundeswehr natürlich mit ihren Flugzeugen machen. Allerdings sind schon für die Piloten, die diese Maschinen im Alltag (und im Einsatz) fliegen, die Flugstunden recht knapp – die kosten ja mehr Geld als ein kleiner Zivilflieger. Der Ausweg: Man mietet sozusagen Flugstunden am Lufthansa-Ausbildungszentrum an, und die Drohnen-Piloten absolvieren ihre Flugstunden in einem Ausbildungsflieger der Kranich-Airline, meist einer Cessna Citation.

(Ganz nebenbei: Wie ich höre, achtet die Bundeswehr peinlich darauf, dass da immer ein Fluglehrer der Lufthansa mit im Cockpit sitzt. Nicht weil die Piloten das nicht alleine könnten – sondern wegen eines rechtlichen Tricks: Die Flugstunden zählen zwar für den so genannten Scheinerhalt, qualifizieren aber die Piloten nicht für eine zivile Lizenz auf diesem Flugzeugmuster. Denn mit einer zivilen Lizenz wäre es doch zu einfach, sehr schnell die Uniform auszuziehen und auf einen besser bezahlten Posten bei einer Fluglinie zu wechseln – so habe ich das jedenfalls verstanden.)

Unterm Strich: Die Lufthansa bildet nicht wirklich Drohnen-Piloten der Bundeswehr aus, und schon gar nicht für Kampfdrohnen. Aber das ist vermutlich zu kompliziert.