RC N Watch: USA erklären Kommandeur des Haqqani-Netzwerks für Nordafghanistan zum „globalen Terroristen“

Die Bedeutung dieser Nachricht geht zwar weit über den Norden Afghanistans hinaus, ist aber auch für das Gebiet des Regionalkommandos Nord interessant:

The Secretary of State has designated Haqqani Network chief of suicide operations Qari Zakir (also known as Abdul Rauf) as a Specially Designated Global Terrorist under Executive Order (E.O.) 13224, which targets terrorists and those providing support to terrorists or acts of terrorism.
(…)
Qari Zakir is the chief of suicide operations for the Haqqani Network and the operational commander in Kabul, Takhar, Kunduz, and Baghlan Provinces, Afghanistan. Zakir is responsible for the Haqqani Network’s training program, which includes instruction in small arms, heavy weapons, and basic improvised explosive device (IED) construction.

heißt es in einer Erklärung des US-Außenministeriums.

Eine Übersicht über das Vorgehen der USA gegen das Haqqani-Netzwerk gibt es beim Long War Journal.

 

So gut sind die Afghanen


Commandos with the Afghan National Army’s 3rd Commando Kandak board a MH-47 Chinook helicopter leaving a remote village in Khakrez district, Kandahar province, Afghanistan, March 19, 2011.  (U.S. Army Photo by Staff Sgt. William H. Newman via ISAFmedia/flickr unter CC-BY-Lizenz)

An die Übergabe in Verantwortung und den Plan, dass bis Ende 2014 die Afghanen in der Lage sein sollen, selbst für ihre Sicherheit zu sorgen, haben wir uns ja schon gewöhnt. Auch an die Fragezeichen, ob das wirklich so klappen kann.

In diesen Tagen fällt mir allerdings auf, dass – organisiert oder nicht – die Meldungen zunehmen, wie gut die Afghanen inzwischen sind. Vor allem was die Afghanische Nationalarmee (ANA) angeht. Ich kann dass nicht wirklich beurteilen und will das nicht wirklich infrage stellen. Aber wenn ich solche Berichte in afghanischen Medien sehe, frage ich mich, was Realität und was Wunsch ist:

Afghan defense officials announced that no civilians were killed or injured since Afghan special forces took over night time military operations from the NATO-led coalition security forces.
This comes as civilians casualties during night time operations where civilians were killed following airstrikes was one of the major issues between NATO and Afghan government.
(…)
Commander of the Afghan special forces said, “We are conducting night time operations in a way where Afghan special forces are knocking the doors where suspected insurgents are hiding and call on the house residents to come out of the house and female Afghan special are taking in part in operations where required to inspect the women. The operations have become totally under the control of the Afghan forces and there has been no civilians casualties so far.”

Die Nachricht dahinter ist schon klar: Während die (ISAF-)Ausländer, vor allem die USA, wenig Rücksicht auf die afghanische Bevölkerung genommen haben, vor allem bei den umstrittenen Night Raids, nehmen die afghanischen Sicherheitskräfte eben diese Rücksicht. Und, im Grunde genommen, sind die afghanischen Special Forces nicht nur so gut wie die ISAF, sondern eigentlich besser. Bis auf die eingeschränkten Lufttransportkapazitäten.

Ich hätte gerne eine verlässliche Statistik, die das belegt – aber die werde ich wohl kaum bekommen.

Aber das alles gut wird mit der afghanischen Armee, weiß ja auch die Bundeswehr, wie aus dem heutigen Bericht über die Aufgabe des Außenpostens Hazrat-e Sultan hervorgeht. Der wird geschlossen nicht etwa, weil die Deutschen – wie andere ISAF-Nationen – mit der Truppenverringerung beginnen wollen, sondern weil dieser Außenposten für die Ausbildung und das Mentoring der afghanischen Armee einfach nicht mehr gebraucht wird: Das afghanische Infanteriekandak ist dank hervorragender Ausbildung und Mentoring nunmehr selbstständig in der Lage, seine Aufträge zu erfüllen.

Endspurt: Sag’s dem Staatssekretär

Die Vorbereitungen für das Gespräch mit Staatssekretär Stéphane Beemelmans gehen in die letzte Runde: Inzwischen habe ich allen, die per E-Mail ihr Interesse an dem Gespräch am kommenden Freitag, dem 9. November, bekundet haben, eine Mail dazu geschickt – wer sich bei mir gemeldet hatte, aber keine Antwort bekommen hat, möge bitte noch mal auf mich zukommen…

Da mich auch Fragen von Lesern erreichen, die nicht beim Gespräch dabei sind/ dabei sein können oder wollen, ob es eine Aufzeichnung oder ähnliches geben wird, kurz ein paar Sätze dazu:

Ich bin nur Facilitator (merkwürdiges Wort, taucht immer in ISAF-Berichten auf, da aber in schlechtem Kontext) eines Gesprächs zwischen dem Staatssekretär und Leuten vor allem aus der Truppe (paar auch aus dem zivilen Bereich). Das Gespräch wird, wenn es Sinn haben soll, in einer vertraulichen Atmosphäre ablaufen – deshalb gibt es keinen Mitschnitt, und ich habe auch etlichen Journalistenkollegen abgesagt, die gerne zugehört hätten.

Damit auch für die vielen anderen Interessierten etwas dabei herauskommt, werde ich hinterher eine Zusammenfassung mit Schilderung der diskutierten Fragen und Probleme schreiben – aber ohne persönliche Zuordnung, ohne Zitate etc. Ich hoffe, das ist nachvollziehbar.

Ohnehin: Es ist ein Experiment. Und ich bin gespannt, wie das läuft.

RC N Watch: Sieben Tonnen Sprengstoff bei Kundus sichergestellt

Sieben Tonnen Explosive Devices sind eine Menge Material für zahlreiche Sprengfallen (auch wenn, ich gebe es zu, das nicht zwingend sieben Tonnen Sprengstoff entspricht). Diese Menge haben die Afghanen in der Provinz Kundus im Distrikt Aliabad sichergestellt, der direkt südlich an die Stadt Kundus angrenzt, Richtung Baghlan. Von TOLO News:

Afghan security forces seized seven tonnes of explosive devices in northern Kunduz province on Sunday night, local officials said.
Five men, all Pakistani nationals, were arrested in connection with the cache.
The devices were placed in 138 cement packages and were being transported in a Pakistani truck in the province for insurgents, said the 303 Pamir Police Zone in northern Afghanistan spokesman Lal Mohammad Ahmadzai.

Preisfrage: Was sagt das über die Sicherheitslage in der Provinz? Gut, weil die Lieferung abgefangen wurde? Schlecht, weil überhaupt eine solche Menge Bombenmaterial da unterwegs ist?

Lesetipp: Krieger_innen


(Foto: Israeli Defence Forces via flickr)

Das Thema Frauen und Militär hat hier im Blog bisweilen schon hohe Wellen geschlagen und zu nicht immer sachlichen Diskussionen geführt… Trotzdem halte ich es für wichtig, auf die vergangene Woche erschienene neue Ausgabe des Adlas-Magazins für Sicherheitspolitik hinzuweisen: Das Heft (also das elektronische Magazin, wie sagt man da am besten?) befasst sich ausführlich mit Frauen als Soldaten, ihrer Rolle im Militär, dem Umgang verschiedener Staaten damit…

Das Magazin lässt sich hier herunterladen.