Jetzt auch offiziell: Deutlicher Rückgang der Piraterie vor Somalia

Der jüngste Bericht des International Maritime Bureaus bestätigt einen Trend, der in den vergangenen Monaten erkennbar war: Vor allem vor Somalia nimmt die Piraterie derzeit ab. Über die Lagemeldung gibt es bislang nur Berichte internationaler Medien, den IMB-Bericht selbst bekommt man als Deutscher wohl erst mit gebührender Verzögerung. Deshalb hier aus der Meldung von Associated Press:

Sea piracy worldwide fell to its lowest level since 2008 over the first nine months of this year as navies and shipping companies cracked down on attacks off the coast of Somalia, an international maritime watchdog said Monday.
(…)
The numbers fell because attacks off Somalia’s coast plummeted during that same period, from 199 last year to 70 this year. The bureau said only one Somali attack was reported in the entire third quarter of 2012.

Das ist ein statischer Blick auf das dritte Quartal. Entscheidend wird wohl, ob es die somalischen Piraten mit ihrem Versuch eines Comebacks ernst meinen.

Nachtrag: Über Nacht ist mir jetzt der Bericht in die Mailbox geflattert. Aus der Zusammenfassung:

The number of ships signaling attacks by Somali pirates has fallen this year to its lowest since 2009, a report from the International Chamber of Commerce International Maritime Bureau (IMB) revealed today, but IMB warns seafarers to remain vigilant in the high-risk waters around Somalia, the Gulf of Aden and the Red Sea. Meanwhile, violent attacks and hijackings are spreading in the Gulf of Guinea.
Worldwide this year, pirates have killed at least six crew and taken 448 seafarers hostage. The IMB Piracy Reporting Centre recorded that 125 vessels were boarded, 24 hijacked and 26 fired upon. In addition, 58 attempted attacks were reported.
The drop in Somali piracy has brought global figures for piracy and armed robbery at sea down to 233 incidents this year – the lowest third quarter total since 2008. In the first nine months of 2012, there were
70 Somali attacks compared with 199 for the corresponding period in 2011. And from July to September,just one ship reported an attempted attack by Somali pirates, compared with 36 incidents in the same three months last year.
IMB says policing and interventions by international navies are deterring pirates, along with ships’ employment of Best Management Practice including the use of armed guards and other onboard security measures.
“We welcome the successful robust targeting of Pirate Action Groups by international navies in the high risk waters off Somalia, ensuring these criminals are removed before they can threaten ships,“ said Captain Pottengal Mukundan, Director of IMB, a membership organization that has monitored world piracy since 1991. “It’s good news that hijackings are down, but there can be no room for complacency: these waters are still extremely high-risk and the naval presence must be maintained.”
Hostages still waiting
As of 30 September 2012, suspected Somali pirates were holding 11 vessels for ransom with 167 crew members as hostages onboard. In addition, 21 kidnapped crew members are being held on land. IMB says more than 20 hostages have now been held for over 30 months.

Mali-Marschbefehl von der Kanzlerin?

Aus der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Bundeswehrtagung in Strausberg heute hat sich eine Aussage, nun, ein bisschen verselbständigt:

Freiheitliche demokratische Staaten können nicht akzeptieren, dass der internationale Terrorismus im Norden des Landes ein sicheres Rückzugsgebiet erhält. (…) Wir wissen, dass die Streitkräfte Malis zu schwach sind zu handeln. Sie brauchen Unterstützung.

In etlichen Meldungen wird das so verstanden, als sei damit der Marschbefehl erteilt. Nun gäbe es da zwei bis drei Dinge zu bedenken: Zum einen sagte die Kanzlerin, Deutschland sei bereit zur Beteiligung an einer Unterstützungsmission, wenn die Bedingungen geklärt sind. Zum anderen hatten die EU-Außenminister diese Unterstützung für die Streitkräfte Malis bereits vor einer Woche signalisiert. Und zum dritten warten wir mal ab, wann das Bundeskabinett welche Art von Einsatz dem Bundestag zur Billigung vorlegt…

Das Leben ist kein Ponyhof – die Bundeswehr schon gar nicht

Aus zwei Reden bestand heute im Wesentlichen der öffentliche Teil der diesjährigen Bundeswehrtagung in Strausberg: Aus der von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Vortrag von Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

Beide Reden habe ich hier im Blog zum Nachlesen oder -hören dokumentiert; zu beiden meine spontane Wahrnehmung:

Die Kanzlerin  sagte nichts wirklich Neues, das ist auch in Ordnung – ist die Neuausrichtung der Bundeswehr schon eine Weile auf dem Weg. Sie sagte aber einiges, was ihr offensichtlich aufgeschrieben wurde und ziemlich fremd war. Immerhin betonte sie noch mal, dass die Bundeswehr, die Bundeswehrreform, der Umgang mit den Streitkräften insgesamt nicht nur Aufgabe des Verteidigungsministers, sondern der ganzen Regierung und übrigens auch des ganzen Parlaments sei. Was das konkret bedeutet? Da bin ich noch ein wenig ratlos; vielleicht erschließt sich mir das bei erneutem Nachhören und (später) -lesen.

Die Rede des Verteidigungsministers dagegen hatte die Grundlinie: Die laufende Neuausrichtung der Bundeswehr ist genau richtig, arbeitet alle mit daran, und wer das noch nicht verstanden hat, wird es schon noch verstehen. Sehr hübsch dabei das Zitat mit dem Ponyhof:

Wir sollten bei der Nachwuchsgewinnung und im Auftreten nach außen über den Soldatenberuf Illusionen vermeiden, wir sollten nicht so tun, als könne die Bundeswehr ein Leben wie auf einem Ponyhof bieten. Der Dienst in der Bundeswehr ist hart, unbequem, zuweilen gefährlich.

So richtig wie eine Binse – also warum sagt de Maizière das? Bestimmt nicht, weil er was über die Nachwuchsgewinnung sagen wollte. Sondern vielleicht eher, weil er bei manchen eine solche Ponyhof-Einstellung vermutet?

Das würde zur Grundlinie passen, die auch diese seine Rede prägte: Strengt euch an, dann wird es auch was mit dieser Reform. Und Unzufriedenheiten aus der Truppe werden sich schon auflösen. Zum Beispiel beim bisweilen beklagten Tempo: Ein richtiges Tempo gibt es nicht. Und viele Klagen werden sich  mit der Zeit richten.

Denn, das gab der Minister den versammelten Generalen und führenden Zivilisten am Schluss noch mit auf den Weg: Nicht wir stehen im Mittelpunkt. Sondern unser Auftrag.

(Übrigens klatschten alle am Schluss, wenn auch unterschiedlich lang – das scheint sich inzwischen in der militärischen Kultur etabliert zu haben.)

Bundeswehrtagung: Dokumentation der Merkel-Rede

Zur Dokumentation hier die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel am (heutigen) Montag auf der Bundeswehrtagung 2012 in Strausberg.

Wirklich Überraschendes enthielt diese Rede nicht (obwohl ich mir die Passage zur Unterstützung von Ländern in Krisenregionen und dabei auch zu Rüstungsexporten noch mal genau anhören muss). Aber sie betonte, dass die Bundeswehr und damit die Neuausrichtung eine Aufgabe der ganzen Bundesregierung sei – und nicht nur des Verteidigungsministers.

(Die Tonprobleme am Anfang bitte ich zu entschuldigen; nach ein paar Minuten wird es deutlich besser.)

Merkel_Bundeswehrtagung_20121022     

 

 

Bundeswehrtagung: Dokumentation Rede de Maizière

Auf der Bundeswehrtagung in Strausberg hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière gerade seine Rede begonnen. Da ich bei meinen Lesern ein gewisses Interesse vermute…. stelle ich den veröffentlichten Redetext hier zum Nachlesen ein.

Wie immer bei solchen Redetexten: Es gilt das gesprochene Wort; deshalb sehe ich zu, dass der schriftliche Text mit einer Audio-Datei der Rede später ergänzt wird. die gehaltene Rede als Audio-Datei ergänzt.

TdM_Rede_Bundeswehrtagung_20121022

deMaiziere_Bundeswehrtagung_20121022     

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