Hallo „Sachsen“, was war mit den Piraten? (Update: Boarding)

Es ist schon ein bisschen schade, dass die Akteure im Kampf gegen die Piraterie vor der Küste Somalias so unterschiedliche Vorstellungen von der öffentlichkeitswirksamen Information über ihre Arbeit haben. Während die EU-Antipirateriemission Atalanta auf ihrer Webseite gerne (nicht nur, aber überwiegend) über gute Taten, neue Schiffe und Treffen ihrer Kommandeure mit örtlichen Würdenträgern berichtet, hält einen die NATO-Mission Ocean Shield unter ihrem derzeitigen niederländischen Commodore Ben Bekkering derweil über aktuelle Ereignisse im Kampf gegen die Piraten auf dem laufenden. Gerne auch via Twitter und Facebook.

Einem Twitter– und Facebook-Eintrag von Ocean Shield entnehme ich, dasss die deutsche Fregatte Sachsen heute gegen Piraten am Horn von Afrika vorgegangen ist:

Good day for counter piracy. EU’s SACHSEN disrupted pirate group, NATO’s ROTTERDAM assisted released MV Orna

Die Sachsen ist derzeit mit mit einem Aufklärungs- und Überwachungsauftrag vor der Somalischen Küste und im südöstlichen Somalischen Becken unterwegs und dabei, so verstehe ich das, einer Piratengruppe in die Quere gekommen.

An einem Samstagabend gibt’s vermutlich dazu weder vom Atalanta-Hauptquartier in Northwood bei London (die habe ich mal angeschrieben) noch von der Bundeswehr was. Aber am morgigen Sonntag werden die doch hoffentlich liefern?

Update: Wenn man bisschen rumfragt, erfährt man was, sogar an einem Samstagabend:

Am heutigen Vormittag ging auf der Sachsen eine Meldung über einen versuchten Piratenangriff im Somalischen Becken ein. Die Fregatte entdeckte daraufhin eine iranische Dhau und nahm mit dem Kapitän über Funk Kontakt auf. Der Kapitän berichtete, er sei von sieben Piraten bedroht und geschlagen worden, außerdem seien Waffen an Bord.

Am frühen Nachmittag wurde die Dhau daraufhin von deutschen Soldaten geboarded, mit Einwilligung des Kapitäns. Auf dem iranischen Schiff fanden sie 20 Iraner und sieben Somalis, also die mutmaßlichen Piraten. Die sieben Somalis wurden festgesetzt und befinden sich an Bord der Sachsen.

Das klingt nach einer interessanten Geschichte – vor allem scheint mir der Hintergrund unklar: haben die sieben mutmaßlichen Piraten dem Boarding tatenlos zugesehen, obwohl sie bewaffnet waren und praktisch 20 Geiseln hatten? Da will man doch noch mehr drüber wissen.

Etwas mehr Klarheit gibt es über den Frachter Orna, der heute freigelassen wurde – nach fast zwei Jahren in der Hand der Piraten. Angeblich wurden 600.000 US-Dollar Lösegeld gezahlt. Aber die Mannschaft kam nicht auf freien Fuß, nach den bisherigen Meldungen. Deshalb bin ich mir nicht ganz sicher, ob es wirklich ein good day for counter piracy war.

Nachtrag: Die Aktion der Sachsen ist jetzt auch auf der Bundeswehr-Webseite eingestellt.

Nachtrag 2: Auch auf der Atalanta-Webseite ist es jetzt zu finden.

RC N Watch: Taliban-Kommandeur bei Kundus festgenommen

Die internationale Afghanistan-Schutztruppe ISAF gibt zwar nicht mehr bekannt, wo in einer Provinz Aktionen gegen Aufständische stattfanden. Da muss man sich dann an die afghanische Polizei halten, und die teilte der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua heute mit:

„Acting on tape off, a unit of special forces of Afghan and NATO-led troops raided Taliban hideout in Ghondi village of Chardara district in the wee hours of today capturing Mullah Abdul Rahman along with one of his bodyguards,“ provincial police spokesman Sayed Sarwar Hussaini told Xinhua.

Chardara (oder Char Darrah, der Schreibweisen sind viele) ist der Distrikt, in dem die Bundeswehr aus dem PRT Kundus heraus die meisten Auseinandersetzungen und Gefechte mit den Insurgents hatte. Ein Distrikt, der im Wortsinne frei gekämpft wurde und irgendwann in die Sicherheitsverantwortung der Afghanen überging. Dass dort ein Anführer der Aufständischen gefasst wird, der als Taliban key commander bezeichnet wird (ich weiß, dazu ließe sich viel sagen – aber das kommt offensichtlich nicht von ISAF, sondern von der afghanischen Polizei), sagt vielleicht auch was über die derzeitige Lage in Char Darrah.

Weniger Geld, mehr Zusammenarbeit in der Rüstung? In Europa kaum

Wenn es um europäische Rüstungszusammenarbeit geht, ist man bei Alexander Weis an der richtigen Adresse. Er war unter anderem Hauptgeschäftsführer der Europäischen Verteidigungsagentur, ist jetzt Unterabteilungsleiter Politik II im Verteidigungsministerium und erinnert daran, dass in den vergangenen fünf Jahren die Verteidigungsetats der Europäer zusammengenommen um etwa zehn Prozent schrumpften – aber das den Willen zur Kooperation in Europa nicht verstärkte.

Was Weis in dieser Woche (am 16. Oktober) vor dem Forum Europäische Sicherheit in Berlin zu dem Thema sagte, lohnt das Nachhören. Deshalb hier sein Impulsvortrag zur Dokumentation:

Weis_BMVg_20121016.mp3