Dänische Bomber unter NATO-Kommando im Blindflug über Libyen

Interessante Geschichte, die die Kollegen der dänischen Tageszeitung Politiken da ausgegraben haben: Nach einem Bericht des dänischen Luftwaffenkommandos flogen die dänischen Piloten mit ihren F-16 bei der NATO-Kampagne über Libyen recht planlos herum – wie auch die Jagdbomber anderer Nationen. Die NATO habe zu wenig Aufklärungsergebnisse zur Verfügung gehabt, um den Einsatz sinnvoll zu führen:

A Danish Air Force Tactical Command (FTK) report criticises NATO for its inability to direct bombing raids in Libya last year.
According to the confidential report, which Politiken has obtained as part of the Freedom of Information Act, the Air Force operated without trustworthy intelligence on where and how bombing raids should be carried out.
As a result, Denmark and other allies in Operation Unified Protector were forced to limit operations against Col. Gaddafi’s forces, a central NATO source has confirmed.
“NATO’s command structure was not ready to lead an operation such as Operation Unified Protector when the Libyan operation started,” the FTK document says.
(…)
“NATO did not have sufficient access to tactical intelligence to support the operation,” the report says.

Das wirft kein gutes Licht auf die Allianz, wird aber wahrscheinlich dann in Brüssel dazu genutzt, die Notwendigkeit des geplanten Alliance Ground Surveillance Systems (AGS) zu betonen…

(Randbemerkung: Als Journalist bin ich natürlich beeindruckt, was man in Dänemark über eine Anfrage nach dem dortigen Informationsfreiheitsgesetz so in die Hand bekommt.)

 

Versenkt: Das erste Piratenboot seit drei Monaten

Das gespannte Warten auf die Piraten nach dem Monsun scheint langsam zu einem Ende zu kommen: Am (gestrigen) Mittwoch stoppte das Flaggschiff der EU-Antipirateriemission Atalanta, der italienische Hubschrauberträger (und Landungsschiff) San Giusto, ein Boot mutmaßlicher Piraten aus Somalia 180 Seemeilen östlich der (jemenitischen) Insel Sokotra. An Bord des Skiffs, das dem Kriegsschiff in die Quere kam, waren sieben mutmaßliche Piraten, 20 Spritfässer und die für Seeräuber typische Leiter zum Entern von Frachtschiffen. Die Italiener nahmen die Männer fest (was jetzt mit ihnen passiert, teilte EUNAVFOR nicht mit) und zerstörten das Schiff.

Und heute morgen stoppte die NATO-Antipirateriemission Ocean Shield ein weiteres Piratenskiff, ebenfalls mit sieben mutmaßlichen Seeräubern an Bord. Sie wurden an Bord des niederländischen Landungsschiffs Rotterdam, des Flaggschiffes der NATO-Mission, genommen. Die Verdächtigen sollen zuvor versucht haben, vor Somalia den spanischen Fischtrawler Izurdia zu kapern.

Die Piraten versuchen offensichtlich, wieder ins Geschäft zu kommen. weiterlesen

Sag’s dem Staatssekretär

Die Reform, pardon, die Neuausrichtung der Bundeswehr ist hier bei Augen geradeaus! schon vielfach Thema gewesen, vielfach gab es – nicht zuletzt von Betroffenen – Kritik, und vielfach richtete sich die Kritik persönlich gegen einen Mann: Staatssekretär Stéphane Beemelmans. Nicht besonders überraschend, ist er doch der Verantwortliche für Administration und Ausrüstung.

Nun ist es (ob berechtigt oder nicht) relativ einfach, hier in den Kommentaren verhaltene bis heftige und teilweise persönliche Kritik an Beemelmans zu üben. Der Staatssekretär macht deshalb ein Angebot an die Leser von Augen geradeaus!: Er will mit euch reden. Persönlich.

Um das konkret zu machen: Am Freitag, den 9. November, nachmittags von 14 bis 16 Uhr, steht Staatssekretär Stéphane Beemelmanns einem Kreis von Lesern dieses Blogs zum direkten Gespräch zur Verfügung – um über die Neuausrichtung der Bundeswehr zu reden. In Berlin.

Nun können aus praktischen Gründen nicht hundert oder mehr Betroffene und Interessierte dem Mann gegenübersitzen. Das wäre eine Vorlesung und kein Gespräch. Sinnvoll, das habe ich mit dem Ministerium so besprochen, wäre ein Kreis von rund 20 Leuten, die zu dem Thema etwas zu sagen haben oder wissen möchten/müssen.

Ich habe da natürlich die undankbare Aufgabe, aus den – vermutlich – mehr Interessenten diese rund 20 Leute herauszufiltern. Das wird zwangsläufig nicht objektiv sein können, ich kann nur die Kriterien möglichst transparent machen – zum Beispiel wäre eine Runde nur von pensionierten Generalen genau so unsinnig wie ein Kreis nur von SaZ8 der Infanterie, um mal zwei Pole zu nennen. Für meine Auswahl werde ich Prügel bekommen, aber das muss ich wohl in Kauf nehmen.

Also: Wer das Angebot annehmen möchte, wer dem Staatssekretär direkt etwas zu dem Thema Reform sagen möchte, vielleicht auch konkrete Probleme und widersinnige Planungen benennen kann und am 9. November 2012 nach Berlin kommen kann und will, schreibt mir eine E-Mail an

      9nov2012 [et] augengeradeaus punkt net

Bitte mit möglichst nachvollziehbarer Erläuterung, warum der/diejenige kommen und mit Beemelmans sprechen will. Ich bemühe mich dann, so schnell wie möglich die Runde zusammenzustellen – deshalb wäre ich für Rückmeldungen bis zum 26. Oktober spätestens dankbar.

Der genaue Ort in Berlin, an dem das Gespräch dann stattfindet, steht noch nicht ganz fest – ich habe was in Planung, muss aber noch Gespräche führen. Und außerdem erfahren den genauen Ort nur die Teilnehmer. Bisschen OpSec kann ich doch auch.

 

Schluss mit der privaten Unterhose im Einsatz

Dem Bericht der Bundeswehr über die künftige Kampfbekleidung Einsatz/Übung entnehme ich vor allem, dass der Soldat künftig auf seine private Unterhose zu verzichten hat. Gerade im Einsatz:

Das funktioniert aber nur, wenn der Soldat auf private Wäschestücke verzichtet, da sie unter Umständen nicht mit den Materialien des Gesamtsystems harmonieren.

Da bin ich gespannt. Vor allem, ob alle Teile des Gesamtsystems auch recht- und gleichzeitig ausgeliefert werden. Wie war das noch mit der Strickmütze?