RC N Watch: IED und Hinterhalt bei Kundus

Westlich von Kundus sind ISAF-Soldaten der Bundeswehr und einer anderen Nation in einen kombinierten Hinterhalt aus einer Sprengfalle (Improvised Explosive Device, IED) und Feuerangriffen von Aufständischen geraten. Die Mitteilung der Bundeswehr:

Am 5. Oktober 2012 um 6.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (9 Uhr Ortszeit) wurden ISAF-Kräfte im Rahmen einer Operation durch einen Sprengstoffanschlag rund 17 Kilometer westlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus angegriffen. Dabei wurden drei ISAF-Soldaten verwundet.
Deutsche Kräfte, die zur Sicherung eingesetzt waren, standen im Feuerkampf mit Aufständischen. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurden keine deutschen Soldaten verwundet.

Bislang ist offiziell nicht bekannt, welcher Nationalität die verwundeten Soldaten sind; die Zusammensetzung der ISAF-Truppen in Kundus legt aber die Vermutung nahe, dass es sich um Amerikaner handelt (die Niederlande, de dort Soldaten zur Polizeiausbildung stationiert haben, haben bereits mitgeteilt, dass es sich nicht um ihre Leute handelt).

Der an die Explosion anschließende Feuerkampf macht klar, dass es nicht nur eine Sprengfalle war, sondern dass diese IED dazu dienen sollte, eine Patrouille/einen Konvoi zu stoppen.

Nachtrag: Dazu das Statement der Aufständischen bei einer afghanischen Nachrichtenagentur. Unklar ist, ob das begleitende Foto ein Symbolfoto ist oder den Zwischenfall zeigen soll.

Gespanntes Warten auf die Piraten nach dem Monsun

In allen Meldungen über die Piraterie am Horn von Afrika klingt derzeit (mindestens) vorsichtiger Optimismus an. Ein deutlicher Rückgang der Angriffe somalischer Seeräuber im Vergleich zu den Vorjahren, über den Sommer eine lange Periode ohne jegliche Angriffe und kaum Kapererfolge. Manche vermuten gar, die Piraterie in diesem Seegebiet sei so gut wie besiegt.

Da raten die Fachleute zur Vorsicht. Anfang September hatten bereits die Kommandeure der Antipiraterie-Missionen Atalanta (EU), Ocean Shield (NATO) und CTF151 (Combined Maritime Forces) geraten, nicht zu früh auf Entwarnung zu setzen. Der Atalanta Force Commander, der italienische Konteradmiral Enrico Credendino, hat das jetzt noch mal bekräftigt:

There is no clear evidence that piracy in the Somali basin has been defeated. Furthermore if we consider that the monsoon period is ending and that pirates might come back to sea with renewed energy. My opinion is that there will be no end to Somali piracy until political and social stability ashore in Somalia has been restored.

Die Wetterbedingungen werden wieder günstiger. Es könnte wieder mehr Angriffe geben – auch wenn inzwischen private bewaffnete Schutzteams bei vielen Reedereien zum Standard geworden sind (eine sehr lesenswerte Geschichte dazu ist kürzlich im britischen GQ erschienen). Dagegen scheint die Aufstellung einer Söldnerarmee gegen Piraten gescheitert, wie die New York Times berichtet: Private Army Formed to Fight Somali Pirates Leaves Troubled Legacy (Nachtrag: eine etwas andere Sicht genau dieser Geschichte gibt es bei Foreign Policy: How the U.N. saved the Somali pirates from the brink of extinction.)

Die Deutsche Marine, damit das nicht unerwähnt bleibt, bereitet sich unterdessen weiter auf ihren ersten Einsatz eines Autonomous Vessel Protection Detachments vor. Noch, so höre ich, sind sie nicht mit einem Frachter in Richtung Somalia aufgebrochen.

 

Au ja, „Stories so weit das Auge reicht“

Liebe Anika C.,

wir kennen uns nicht, aber ich lese Sie, jedenfalls das, was Sie auf bundeswehr.de aus dem Kosovo schreiben.

Ich find‘ das ja gut, aber eine Bitte hätte ich schon: Ich teile Ihre Auffassung, dass es im Kosovo Geschichten gibt, so weit das Auge reicht. Nur leider tauchen diese Geschichten nicht oder nur mit brutaler Zeitverzögerung irgendwo auf. Der bislang letzte Beitrag auf der Startseite der KFOR-Webseite bei der NATO ist vom 11. Juli (dieses Jahres, vermute ich), die letzte eingestellte Pressemitteilung vom 4. September mit der Aufforderung zur Akkreditierung für den Change of Command (der auf dieser Webseite dann gar nicht mehr stattfindet), die letzte Aktualisierung der KFOR Placemat vom 10. September. Und seitdem ist Ruhe.

Auf den Bundeswehr-Seiten sieht es mit Ausnahme Ihres Tagebuchs und eines Berichts über das neue ORF-Bataillon nicht viel besser aus.

Deshalb: Schreiben Sie die Stories so weit das Auge reicht. Und schreiben Sie die nicht nur für den gedruckten KFOR Chronicle, den außerhalb des Einsatzgebiets keiner liest. Sondern lassen Sie uns teilhaben an den Geschichten. Vielleicht auch dann, wenn es mal etwas härter zugeht.

Mit besten Grüßen

Thomas Wiegold