Kampf gegen Korruption: Schlechte Noten auch für deutsche Rüstungsfirmen

Der britische Verband der internationalen Anti-Korruptionsorganisation Transparency International hat sich mal der Korruptionsbekämpfung in der Verteidigungsindustrie angenommen – und kommt dabei zu schlechten Noten vor allem für asiatische und einige amerikanische Firmen, aber auch für deutsche Unternehmen. Zwei Drittel der größten Rüstungsfirmen weltweit würden nicht offenlegen, was sie gegen Bestechlichkeit und Bestechung unternehmen, kritisiert Transparency International UK in einem heute vorgelegten Bericht: Defence Companies Fail Anti-Corruption Test

Der ausführliche Bericht ist hier zu finden; die untersuchten Unternehmen hat die Organisation mit Schulnoten von A bis F (entspricht der deutschen Benotung von 1 bis 6) bedacht. Dabei spielten öffentliche Informationen, aber auch die Beteiligung der Unternehmen selbst eine Rolle – allerdings haben schon mit 2 benotete Unternehmen die Mitwirkung verweigert. Die Note 1 gab es nur für ein einziges Unternehmen, die amerikanische Fluor Corporation.

Deutsche Unternehmen gibt es wenige in der Liste (obwohl Deutschland, nach Finanzvolumen, derzeit der drittgrößte Rüstungsexporteur weltweit ist). Ein Überblick über die erfassen deutschen oder wesentlich auf dem deutschen Markt tätigen Unternehmen:

Note 2: Thales

Note 3: EADS, Thyssen Krupp AG

Note 4: Diehl Stiftung &Co. KG, MBDA, MTU Aero Engines, Tognum

Note 5: Rheinmetall AG

Note 6: Krauss-Maffei Wegmann

 

Joachim Witts neues Video: Schändende Bundeswehrsoldaten

Vom Musiker Joachim Witt hatte ich seit Ewigkeiten nichts gehört (auch wenn mir natürlich seit Hit Der goldene Reiter ein Begriff war). Jetzt hat er nicht nur ein neues Album heraus-, sondern sich auch ins Gerede gebracht: Das offizielle Video zu seinem neuen Album Gloria enthält den Balkan-Kriegen nachempfundene Vergewaltigungsszenen – die eindeutig erkennbar Bundeswehrsoldaten in verbrecherischer Aktion zeigen (mit Hoheitsabzeichen an der Flecktarn-Uniform):

Nun kann man darüber streiten, ob das Video die Verrohung des Krieges zeigen soll und das generisch für Soldaten gilt – oder ob bewusst recht detailgetreu deutsche Soldaten dargestellt wurden. Merkwürdig ist es allemal, und der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat zur öffentlichen Reaktion aufgerufen:

Als ehrverletzend wertet der Deutsche BundeswehrVerband das Musik-Video zum Lied „Gloria“ von Joachim Witt. „Bei aller künstlerischen Gestaltungsfreiheit: Das Video verunglimpft deutsche Soldaten in geschmackloser Weise“, sagt Bundesvorsitzender Oberst Ulrich Kirsch.
Der Verbandschef fragt, warum Joachim Witt die Verrohung im Krieg – darum geht es wohl – nicht zeigen konnte, ohne explizit Bundeswehrsoldaten als Frauenschänder und Mörder darzustellen. „Ausgerechnet diejenigen, die seit Jahren ihren Kopf für dieses Land hinhalten und etwa auf dem Balkan solche Szenarien verhindert haben, werden hier mit brutalen Gewaltverbrechern gleichgestellt“, so Kirsch. Damit bewege sich Witt in Darstellungsformen, die die Betroffenen jenseits des künstlerischen Anspruchs zu Recht als verletzend empfänden.
„Ich kann nur dazu raten, den Unmut gegenüber Witt in dessen Facebook-Auftritt deutlich zu machen. Er möchte ja den offenen Dialog. Den sollte er dann auch bekommen“, rief Kirsch zum Diskurs mit dem Künstler auf.

Kirschs Aufruf scheint Wirkung zu zeigen, wenn man auf die Facebook-Seite des Musikers schaut. Auch auf Youtube gibt es entsprechende Kommentare zum Video. Das sieht nach einem Shitstorm aus.

(Disclosure: Mich hatten Leser bereits vor drei Wochen auf dieses Video hingewiesen – ich hatte das Thema bislang bewusst nicht aufgegriffen, um nicht Publicity dafür zu liefern. Mit der öffentlichen Mitteilung des Bundeswehrverbandes hat sich das ja erledigt.)

Türkei und Syrien – auf dem Weg zum heißen Krieg? (2)

Die – bislang noch geringfügigen – militärischen Auseinandersetzungen an der türkisch-syrischen Grenze gehen weiter: Den zweiten Tag in Folge beschoss die Türkei mit Artillerie Stellungen in Syrien als Vergeltung für einen Raketenangriff Syriens über die Grenze. Die NATO hatte sich bei einer Sondersitzung des Nordatlantischen Rats gestern Abend sehr besorgt gezeigt; die Aufrufe zur Besonnenheit kommen im Minutentakt.

Derweil berät das türkische Parlament hinter verschlossenen Türen über eine Ermächtigung, die der Regierung den Einsatz des Militärs in größerem Stil erlauben würde. Die türkische Zeitung Hürriyet hat den Wortlaut der Erklärung, über die abgestimmt werden soll, die entscheidende Passage im Wortlaut:

„This situation has reached a stage that poses serious threats and risks to our national security. Therefore, the need has developed to act rapidly and to take the necessary precautions against additional risks and threats that may be directed against our country. Within this framework, on the condition that the extent, amount, and time will be appreciated and determined by the government, I submit according to Article 92 of the Constitution a one-year-long permission to make the necessary arrangements for sending the Turkish Armed Forces to foreign countries and having it [TSK] mandated, according to the principle causes that will be designated by the government.”

Weiteres nach Entwicklung.

Nachtrag: Das Parlament hat diesen Antrag gebilligt.