RC N Watch: Taliban-Waffenbeschaffer in Baghlan gestellt

Die heutige Meldung von ISAF lässt doch paar Fragen offen:

An Afghan and coalition security force arrested a senior Taliban weapons dealer during an operation in Talah wa Barfak district, Baghlan province, today.
The detained weapons dealer was a senior Taliban leader in the Talah wa Barfak insurgent network and managed the purchase and distribution of rocket-propelled grenades, heavy machine guns and explosive materials to attack Afghan and coalition security forces throughout the region.
At the time of his arrest the Taliban weapons dealer was believed to be acquiring additional firearms and explosives for future insurgent attacks.

Die merkwürdige Formulierung: … was believed to be aquiring additional firearms… Da muss es doch auch jemand gegeben haben, von dem er diese Waffen erwerben wollte. Wo ist der denn in dieser ISAF-Geschichte? Was ist mit den Hintermännern jenseits dieses lokalen Aufständischen?

9 Gedanken zu „RC N Watch: Taliban-Waffenbeschaffer in Baghlan gestellt

  1. Verstehe die Verwirrung jetzt gerade nicht. Waffen gibt es ja nun mal in Afghanistan zuhauf einzukaufen, das ist glaubwuerdig. Und dass es in Tala wa Barfak saisonmaessig schwankend ne groessere Anzahl von „bewaffneten Oppopsitionellen“ gibt, die man noch nicht als ALP vereinnahmt hat, ist ja spaetestens seit dem Angriff unlaengst auf die Kiwis nebenan in Do Abi (als die sich beschwert haben, die Ungarn wuerden zuwenig unternehmen und ueberhaupt) kein Geheimnis. Kein Wunder auch, da ja das Ghorbandtal im Sommer fusslaeufig in nur wenigen Tagesmaerschen erreichbar ist und eben Kahmard gleich nebenan liegt. Umgekehrt sind die Herren Baertigen ja nicht fuer ihren sparsamen Umgang mit Munition bekannt und gerade in dieser Gegend etwas von den ueblichen Nachschubrouten abgeschnitten. Und Munition aus Ghorband ranzuschaffen macht sogar berggewohnten Menschen auch im Sommer keinen Spass – ausser man hat viele, viele Esel (und ist dadurch ein Atomziel fuer die kleinen fliegenden Spielzeuge).

    Dass die Jungs in T&B dann entweder jemanden losschicken, der ihnen was kauft oder sich beim Waffendealer ihres Vertrauens nach ner groesseren Lieferung erkundigen macht doch glatt Sinn – genauso wie dass der dadurch auffaellig wird und ggf. hopps genommen werden kann. Damit ist das doch mal eine der etwas glaubwuerdigeren Nachrichten (okay, „Senior Taleban Leader“ duerfte etwas uebertrieben sein, aber uebersetzt heisst das ja nichts als „jemand, von dem uns der NDS gesagt hat dass er boese ist und der nen recht stattlichen Bart traegt“) aus dem Autismustempel am KAIA Nord…

  2. @T.W.:
    Die Waffen mögen irgendwo her gekommen sein – es scheint aber auch weiterhin eine Nachfrage in Baghlan dafür zu geben – wie turan saheb ja auch plausibel darstellen konnte @ turan saheb: Vielen Dank für die Analyse).

    Daher stellt sich mir eher die Frage, ob wir uns derzeit in falscher Sicherheit wiegen und wiedermal zu passiv sind (entsprechende Hinweise gibt es derzeit ja auch aus Kunduz).
    Die Vorfälle der letzten Wochen zeigten ja, dass die andere Seite gerade in Baghlan noch kann und will.

    Wenn die USA im Norden weiter reduzieren sollten – wer hält dann den Druck aufrecht?
    Ziehen wir dann wiedermal die Handbremse, wenn die ANSF unsere Unterstützung brauchen?

    Probleme verschwinden nicht dadurch, dass man sie verdrängt. Verdrängung scheint mir jedoch immer mehr die Devise zu sein. Irgendwie durchwursteln bis Ende 2014. Kann klappen – oder in den nächsten 2 Jahren böse enden.

  3. @Memoria
    „Wenn die USA im Norden weiter reduzieren sollten – wer hält dann den Druck aufrecht?
    Ziehen wir dann wiedermal die Handbremse, wenn die ANSF unsere Unterstützung brauchen?“

    Da sich die deutsche Diskussion seit ca. Frühjahr 2009, als die Bundeswehr im Norden Afghanistans nach Jahren des nach Außen hin schöngelogenen Versagens vor einem Scherbenhaufen stand und wichtige Aufgaben an die Amerikaner abgeben musste, nicht wesentlich weiterentwickelt hat, dürfte die Situation parallel zum Rückzug der Amerikaner wieder zu dem zurückkehren, was dort 2009 los war. Man wird dann von deutscher Seite vermutlich die Amerikaner dafür verantwortlich machen, die angeblich die bis 2009 von der Bundeswehr erreichten Erfolge durch ihre Methoden zunichte gemacht hätten.

  4. Beim Blick in die „Morgenlage“ des IJC vom 20.09.12 fällt auf, dass im Norden derzeit einige Zugriffe stattfinden:

    KABUL, Afghanistan (Sept. 20, 2012) — Afghan and coalition forces today confirmed the death of Qari Yahya, an Islamic Movement of Uzbekistan leader, during an operation in Qal-al-ye Zal district, Kunduz province, Tuesday.

    As the security force approached Qari Yahya’s location, he and another IMU leader maneuvered from the compound and displayed hostile intent toward the Afghan and coalition troops. The security force positively identified the insurgent threat and engaged. Qari Yahya was killed and the other IMU leader was arrested without injury. No civilians were harmed during the operation.

    Qari Yahya was directly responsible for facilitating and conducting improvised explosive device attacks throughout Kunduz, in addition to maintaining communication and logistic ties with senior IMU and Taliban leaders.

    The security force also detained a few other insurgents as a result of this operation.

    In other International Security Assistance Force news throughout Afghanistan:

    North

    An Afghan and coalition security force killed two armed insurgents during an operation to arrest a senior Taliban leader in Balkh district, Balkh province, today. As the security force approached the Taliban leader’s suspected location, two armed insurgents maneuvered toward the Afghan and coalition troops and displayed hostile intent. The security force positively identified the lethal threat and engaged, killing both armed insurgents. No civilians were harmed during the operation. The security force also detained one suspected insurgent and seized multiple firearms and grenades as a result of the operation.

    http://www.isaf.nato.int/article/isaf-releases/isaf-joint-command-morning-operational-update-sept.-20.html

    Wie auch bei der logistischen Vorbereitung der „Rückverlegung“ scheint „aggressive housekeeping“ die Absicht der übergeordneten Führung zu sein – wobei ich mit Führung nicht das RC-N meine.

  5. „(okay, “Senior Taleban Leader” duerfte etwas uebertrieben sein, aber uebersetzt heisst das ja nichts als “jemand, von dem uns der NDS gesagt hat dass er boese ist und der nen recht stattlichen Bart traegt”)“

    Genial.

  6. „Coalition Forces“ ist immer drollig.

    Ob die Bundeswehr ISAF untersagt deutsche Beteiligung bei solchen raids zu erwähnen? Oder ist die TF47 an solchen Dingen sowieso nicht beteiligt?

  7. Der Waffen/Munitionsbedarf ist mir schon klar. Wenn der senior taleban leader gerade dabei war, die zu beschaffen, wie es die Formulierung impliziert, müsste doch auch ein Lieferant dabei gewesen sein? Darauf wollte ich hinaus.

    Was die Meldungen aus dem RC North angeht: In der Tat, da könnte man ziemlich oft drauf verweisen. Müsste ich vielleicht öfter machen.

Kommentare sind geschlossen.