Ein spanischer Blitz gegen Piraten

Die Piraterie-Situation vor der Küste Somalias, im Golf von Aden und im Indischen Ozean scheint nunmehr seit Monaten relativ ruhig. Das Piracy Reporting Centre in Kuala Lumpur listet in seinem Live Piracy Report zunehmend Vorfälle vor Westafrika auf, aber in jüngster Zeit nichts mehr vor Somalia. Die letzte bekannt gewordene größere Aktion scheint das Vorgehen gegen zwei gekaperte Dhaus gewesen zu sein, bei dem die EU-Antipirateriemission Atalanta (mit der deutschen Fregatte Sachsen) und die NATO-Operation Ocean Shield zusammenarbeiteten.

Nun ist es wohl noch ein bisschen früh, daraus langfristige Schlüsse ziehen zu wollen. Ob die Piraterie am Horn von Afrika wirklich auf Dauer abnimmt, ob die politischen Entwicklungen in Somalia darauf Einfluss haben, ob einfach die internationalen Seestreitkräfte – neben EU und NATO die Combined Maritime Forces, die Chinesen, die Japaner und andere – so erfolgreich sind – das kann vermutlich noch niemand seriös beurteilen.

Interessant ist unterdessen, dass die Spanier jetzt einen Schiffstyp zur Pirateriebekämpfung entsandt haben, der genau dem benötigten Profil zu entsprechen scheint: Die Relámpago, zu deutsch Blitz, ist ein Hochsee-Patrouillenboot (Offshore Patrol Vessel, OPV), das die nötige Kampfkraft für diese Aufgabe mitbringt, auch ein Hubschrauberdeck hat – aber eben nicht ein hochgezüchtetes Kriegsschiff wie eine Fregatte, die für diese Aufgabe schlicht überdimensioniert sind.

Nachtrag (danke für den Leserhinweis!): Infos zu diesem Bootstyp gibt’s bei Wikipedia auch auf deutsch.

Und noch ein Nachtrag ist nötig: Die Diskussion in diesem Thread konzentriert sich zwar auf den Marine(Ausrüstungs)Aspekt, ein Besorgnis erregendes Ereignis aus Somalia sollte aber nicht übersehen werden. Associated Press berichtet über das Schicksal der Besatzung des gekaperten Frachters Orna:

Somali pirates who have been holding a hijacked ship for nearly two years killed a Syrian hostage crew member and wounded another to protest delayed ransom payment, a pirate leader said.
This is believed to be the first time Somali pirates have killed a hostage because of a delay in ransom.

 

41 Gedanken zu „Ein spanischer Blitz gegen Piraten

  1. Dieses ganze (Offshore Patrol Vessel, OPV) Konzept erschließt sich mir nicht. Man baut einen mehrere tausend Tonnen verdrängenden Entwurf, nur um ein paar Piraten in Nusschalen und den unendlichen Weiten des Indischen Oceans dabei zuzusehen, wie sie Frachtschiffe entern. Danach macht man ein betrübtes Gesicht, wirft die mehrere tausend Liter fressenden Maschinen an und trollt sich weiter durch die unendlichen Weiten.

    Die Effizenz fühlt sich subjektiv genauso an, wie die mehr als 10 Jahre Afghanistaneinsatz.

    Wirklich kosteneffektiv lassen sich die Räume wahrscheinlich nur mit bewaffneten Drohnen überwachen/beherrschen – damit wären wir dann wieder beim Thema.

  2. Und dann wäre der Auftrag auch dort wo er hin gehört!

    Denn auch Piraten sind Kriminelle, aber die Diskussion hatten wir an anderer Stelle schon :-)

    „In weiteren Studien (Bortec, Borsec, Bsuav und Sobcah) erforschte Frontex in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Rüstungsunternehmen verschiedene Aspekte des Ausbaus von Grenzschutzmaßnahmen. Dabei hatte Bortec einen Fokus auf die Möglichkeiten einer Vernetzung aller nationalen Uberwachungstechnologien (Radar, Satelliten) zu einer lückenlosen Überwachung von Meeresgrenzen und ist Teil des EUROSUR (European Surveillance System). Borsec beschäftigt sich mit Biogrenzsicherungstechnologien (Biometrie, Identität), Sobcah mit den Überwachungsmöglichkeiten von Küsten und Häfen (Radar, Infrarot) und Bsuav mit dem Einsatz von Drohnen.“

    http://frontex.antira.info/frontex/

  3. Im Artikel des genannten Link von frontex.antira fallt mir ein Absatz auf:

    „Die EU ist kein neu entstehender Nationalstaat klassischer Prägung und vielleicht unterscheidet sie sich auch ganz entschieden von einem Nationalstaat. Dennoch benötigt sie Institutionen wie etwa Grenzschutzbehörden. Dies ist vor allem den nationalen Mitgliedsstaaten geschuldet. Daher wird Frontex nicht neu geschaffen, sondern im Rahmen eines so genannten best practice Verfahrens quasi aus den existierenden Behörden der Mitgliedsstaaten und ihren Praktiken synthetisiert, ein Prozess, der normalerweise unter dem Stichwort Harmonisierung läuft. Dies beinhaltet meistens zum einen ein Operieren auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der Schaffung von nationalen Schnittstellen und einer zunehmenden Zentralisierung. Vor diesem Hintergrund ist der Auftrag Frontex’, die nationalen Grenzschutzmaßnahmen zu koordinieren, zu verstehen.“

    Wäre dies nicht auch ein vernünftiges Verfahren für die militärische Verteidigung der EU?

  4. Zitat:“Wäre dies nicht auch ein vernünftiges Verfahren für die militärische Verteidigung der EU?“

    Nein – da der kleinste Nenner bei einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik stark gegen 0 korreliert (Verteidigung besteht nicht nur aus defensiven Handlungen, sondern kann auch präventive Maßnahmen enhalten)

    Ein gemeinsame Grenzsicherung kann im heutigen Europa nur über multilaterale Verträge zwischen den Nationalstaaten geschehen. Bei der zu erwartenden Abwicklung der EU in ihrer jetzigen Form und deren völlige systemische diffusion, sollte man einen großen Bogen um dieses Konstrukt machen und eine Instititution auf Basis der nationalen Verträge gründen.

  5. @ T. Wiegold

    Ja, das es OT war und ist, ist mir sehr wohl bewusst. Der kleine Zusammenhang den man noch konstruieren könnte, wäre der Produktionsort bei CASA in Spanien.. spansches Schiff. Aber das ist so weit an den Haaren herbei gezogen, dass es schon fast peinlich ist.

    Die Diskussion über den SInn oder Unsinn leicht bewaffneter Patrouillenboote finde ich etwas seltsam, da hier glaube ich vergessen wird, das in anderen Nationen die in Deutschland von der Bundespolizei übernommenen Aufgaben der Hoheitskontrolle in den eigenen Gewässern von den dortigen Mrinestreitkräften erledigt werden.

    Und ich glaube nicht, dass jemand auf die Idee käme der Bundespolizei 2 komplett Bewaffnete Fregatten zu bauen, nur um damit in der Deutschen Bucht Fischer zu kontrollieren. Dafür sind nämlich z.B. die Schiffe der Niederländer gedacht, nämlich zur reinen wahrung der Kontrolle Territorialer Gewässer z.B. in der Karibik (wird gerne Vergessen, das es dort z.B. auch niederländische Territorien gibt, genauer gesagt so genannte besondere Gemeinden der Niederlande).

    Das natürlich jetzt in der Deutschen Marine-Planung irgend jemand auf die Idee gekommen ist auch solche Kisten haben zu wollen, beweißt meiner Meinung nach nur den Trend, die Marine langsam zu einer besseren Küstenpolizei zu degradieren (Keine VLS bei der F125 z.B.) und der langsame Abschied von einer Blue-Water Navy. Aber das ist ja scheinbar politischer Konsens in der „zweiten Berliner Republik“. Wenn es um den Einsatz bewaffneter Streitkräfte geht, gilt der Grundsatz: „Wasch mich, aber mach mich nicht nass!“ Das heißt so lange andere den“High intensity war“ führen können und wollen, reicht es ja wenn man die Bundeswehr immer weiter in Richtung „THW“ reformiert.

  6. Nur sind die F125 leider keine OPV, sondern für deutsche Verhältnisse wirklich große Schiffe, die für einen richtigen Seekrieg dann auch immerhin 8 Harpoons für ASuW mitbringen. AAW nur Eigenschutz, ASW findet nicht statt. Man kann zwar Spezialkräfte einschiffen (50 Soldaten), aber ich könnte mir vorstellen, dass die mit einem LHD und dementsprechenden Möglichkeiten, mehr Hubschrauber einzusetzen, glücklicher wären. Und wie man mit einer Fregatte „Evakuierungsoperationen“ sinnvoll durchführen möchte, erschließt sich mir auch noch nicht – das kann doch nur in Improvisation wie beim Somaliaeinsatz enden.
    OPVs mit Hangar für einen Hubschrauber statt der ebenfalls eingeschränkt sinnvollen Korvetten wären genau das Richtige für die Deutsche Marine gewesen. Relativ klein und preiswert und perfekt geeignet für Embargoüberwachung und Anti-Piraterie-Einsätze, wofür heute Fregatten „verbraten“ werden.

  7. Abschied von der Blue Water Navy – war die Deutsche Marine jemals etwas anderes, zumindest nach dem 2. Weltkrieg war sie doch maximal für Nordsee und Ostsee ausgelegt.

  8. Das Problem ist doch, das man selbst mit einem speziellen Entwurf kaum etwas bewegen wird und der strategische Ansatz schon völlig daneben ist.

    Elahan hat absolut recht wenn er darauf hinweist, das Pirateriebekämpfung eigentlich nicht Aufgabe der Marine ist. Es ist eine Angelegenheit der Polizei, die man speziell dafür Ausrüsten müsste. Wie diese Ausrüstung aussehen soll, muss man aus einem sinnvollen strategischen Ansatz ableiten.

    Welcher Schaden angerichtet wird, wenn man eine Marine zu einer Küstenwache macht, kann man gerade an der Flottenplanung der Deutschen Marine beobachten.

    F125 ein 8000 t Pott, der irgendwie ein Zwischending aus Kriegsschiff, OPV und SOF Platform sein will und unter dem Strich absolut gar nichts kann. Eine 127mm OTO Melara kann ich auch in eine F124 einbauen und ob die F125 die fast schon abgelaufenen Harpoon bekommt, steht noch in den Sternen.

    MKS180: Eine Sparausgabe der F125

  9. @Bang50
    Glauben Sie mir. Eine Sparausgabe wird das ganz bestimmt nicht!
    Denn die ganzen Supi-Module werden richtig Geld fressen. Vom FÜWES ganz zu schweigen. Auch das wird wieder eine ganz teure Angelegenheit.
    Die Plattform (Schiff mit Basissystemen) ist da noch der kleinste Faktor.
    Wenn es dabei bleibt, das die sonst so geliebten Bauvorschriften etwas ausser acht gelassen werden, sondern nur eine Klasse (bspw. GL) erfüllt werden muss dann wird etwas eingespart.

    Und die OPV’s sind nunmal gerade unheimlich sexy. Weil verhältnismäßig günstig. Aber halt nur für einen Teilbereich geeignet. Die wirklichen Warfare Areas können die Dinger aber nicht. Anbieter solcher Kisten gibt es viele. Es gibt sogar in Deutschland eine Werft, die sowas kann. Nein, nicht in Hamburg. Gibt auch noch andere.

    P.S.
    Die Holland Klasse wird gerade schon wieder verkauft. Hat sich DAMEN richtig mit Ruhm bekleckert. Etwas als OPV zu verkaufen, was eigentlich eine Korvette ist; wie sonst auch bei DAMEN nach Vertrag dezent teurer werden; und dann Qualtität die nur für 10 Jahre gut ist….

  10. Aber, aber…werter TomTom, Sie wollen doch nicht etwa sagen, das Herr Peters vollkommen daneben liegt? Das ist jetzt aber wirklich hart und unfair….;))

  11. @NMWC – Danke für die Ergänzung ;-)

    Desgin to budget – da glaubt doch selbst der Marine-Inspekteur nicht dran.

    Weniger Schiff für mehr Geld – eine unendliche Geschichte in der BW

  12. @Bang50

    „Nein – da der kleinste Nenner bei einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik stark gegen 0 korreliert“

    Aber es wird wohl der einzige Weg sein um Europa zu verteidigen und wenn wir das können, kann man ja andere Aktivitäten in Angriff nehmen, so wie jetzt geht es in Zukunft nicht.

    Die gemischten Verbände ohne gleiches Dienstrecht und Ausrüstung ist der noch schlechtere Weg.

    „(Verteidigung besteht nicht nur aus defensiven Handlungen, sondern kann auch präventive Maßnahmen enhalten)“

    Muss aber nicht und mit Artikel 5 und der Reduzierung auf Verteidigung sind wir gut gefahren. Alles was wir im Moment machen muss sich erst noch beweißen und es sieht nicht gut aus.

  13. @Owe:

    Blue Water Navy deswegen, da man ja mal etwas von wegen amphibischer Kräfte und dem Wirken von See aus gefaselt hat. Und das ist nun mal eigentlich Blue Water Navy geschäft (Mit einem LHD und ein paar Fregatten als Verteidigungsschirm mit der Option, Mittels geigneter Effektoren die Truppen an Land zu unterstützen).

    Die Franzosen, Briten, Niederländer etc. können das alle… Nur die „Marine“ kann das nicht, und wird das auch nie können. Die F125er sind da nur ein weiterer Punkt in der reihe der Sinnlosbeschaffungen. Ein 127mm Geschütz und an sonsten nur einen Haufen Blech der sich nicht mal selber verteidigen kann. Man braucht für die 125er eine 124er für AAW und eine 123er für ASW… Also bestellt man am besten noch eine 124er Fregatte dann kann die Marine in Zukunft vier „Geschwader“ zur Bombardierung von minimal verteidigten Stränden abstellen, wenn denn alle Blecheimer zu dem gewählten Zeitpunkt einsatzbereit sind.

    Vielleicht kann man ja die Harpoons noch gegen ein zwei Wasserwerfer eintauschen um die allgemeine Zustimmung für diese überdimensionierten, unterbewaffneten „Killertomaten“ weiter zu verbessern.

    Anti-Piraterie-Einsätze sind meiner Meinung nach Eindeutig Jobs für die Küstenwache. Dabei handelt es sich um kriminelle Organisationen und Straftatsbestände die durch die hierfür Zuständigen Behörden (Polizei) verfolgt werden sollten. Also die Küstenwache der Bundespolizei ordentlich aufbohren und 8 Patrouillenschiffe mit Hubschrauber kaufen, von denen können dan immer zwei Piraten jagen. Dumm nur, dass dann die Piraten alle in Deutschland vor Gericht gestellt werden müssten.

    Aber immerhin wäre der ganze Einsatz wieder das, was er sein sollte. Eine Form der Strafverfolgung und Vereitelung und der Bundestag wäre auch ausen vor, da ja ein Parlamentsmandat für den einsatz der Bundespolizei nicht zwingend notwendig ist (Sollte ich da falsch liegen, lasse ich mich gerne eines anderen belehren).

  14. @Micha
    Kleine Ergänzung:
    Das einzige wovon die Deutsche Marine wirklich mal „gefaselt“ hat ist eine LOGISCHTISCHE Basis See. Eine richtige Basis See können wir mit unserem Ansatz nicht abbilden. Das könnte das USMC.
    Auch wenn man mit der KGV „Basis See“ meinte, so ginge das.
    Nur leider steht auch da nur eine logistische Basis See zur Unterstützung. Basis See an ist aber leider etwas anderes. Hat aber trotzdem ausgereicht, um das von Ihnen genannte „Gefasel“ in den Orbit zu streuen.
    Die Deutsche Marine war nie Blue Water. Und wird es mit der Planung auch niemals werden. Es ist dabei nur einfach zum aus der Haut fahren, das nebenbei fast alle Fähigkeiten die in der Zukunft wirklich in den Littorals oder Confined and Shallow Waters benötigt werden mit Anlauf kaputt gemacht werden.
    Aber was reg ich mich auf….

    @Bang50
    War mir ein Vergnügen!

  15. @TomTom: Die Lösung heißt MISTRAL
    Multi Initative Ship: Troup Carrier, Rotary Wing, Ambulance Unit & Landing Craft, kostet ca. 700 Mio €, kann aber auch St. Petersburg preiswerter gekauft werden. Aber davon hat das BMVg noch keinen Wind bekommen

  16. @Vtg-Amtmann
    Nein, in St. Petersburg wird es nicht preiswerter. Es ist ein Design von DCNS, und somit ein Lizenzbau nur für diesen Fall so zugelassen.

  17. Also dann doch ein „echter“ kompakter SOF-LUH, eine Korvette und auf die hintere Hälfte vom Helideck ein „Zelt“ als Hangar. O:-)

  18. @Amtmann:
    So wie es seit Jahren von den Fachleuten gefordert wird.
    Statt dessen kriegen wir einen dritten EGV, den man als Fregatten-Ersatz verkaufen will, obwohl er dafür überhaupt nicht geeignet ist.
    Es könnte so einfach sein, wenn man einfach mal die Leute entscheiden ließe, die etwas von der Materie verstehen.
    Aber so ein Lokalpolitiker kann sich natürlich in alles einlesen, sieht man ja immer wieder.

  19. @TomTom: Und das Schlimme ist, so ein EGV dürfte unter BAAINBw-Procedure bis zur Indienststellung fast das Gleiche kosten als ein Mistral. Nur das wird nicht bei Invest in EP 14 ausgewiesen, sondern geht im Posten Betrieb unter!

  20. @NMWC

    Ich bitte das böse Wort vom „gefasel“ zu entschuldigen, da kam mir etwas die Galle hoch.

    Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Marine bis 1990 im Rahmen der NATO Planungen für den „Großen Vaterländischen Krieg“ eine klare Brown-Water-Strategie verfolgt hat.

    Auf Grund der Tatsache, dass die bundesdeutsche Wirtschaft stark exportorientiert ist, dachte ich in meiner kleinen Welt, dass die Offenhaltung von Seewegen und die Freiheit der Meere die Kernaufgaben einer deutschen Marinestreitkraft darstellen sollten. Das ist so wie ich das verstanden habe doch eine klare Blue-Water Aufgabenstellung(?!) die vor allem EInheiten verlangt mit denen man eine Gewisse Machtprojektion auf See erreichen kann (z.B. ein Lenkwaffenzerstörer wie die amerikanischen Arleigh-Burks).

    In der Bundesrepublik hingegen baut man etwas, das für den Einsatz in den Littorals oder Confined and Shallow Waters gedacht ist, aber meines erachtens nicht geignet ist. Die Einheiten sind entweder zu groß und teuer (F125) oder haben keinen Hubschrauber (K130) und daher nur einen minimalen Wirkbereich. Gleichzeitig ist die Bedrohung in diesem Bereich durch Flugkörper nicht zu unterschätzen wie die Israelis 2006 erfahren mussten.

    http://www.haaretz.com/news/soldier-killed-3-missing-after-navy-vessel-hit-off-beirut-coast-1.193112

    Daher ist der Einsatz schneller, kleiner Einheiten mit geringer Besatzungsgröße in diesem Bereich angebracht. Die hierfür in Deutschland geplanten Einheiten sind keines von allem und an der Bewaffnung wurde auch noch gespart.

    Ich kann allen beteiligten in Zukunft nur viel Glück wünschen wenn man sich anschaut welche theoretischen Bedrohungen in diesem Umfeld exsistieren ( Seezielflugkörper, Mienen und U-Boote) und welche möglichkeiten die Neubauten der Marine haben, auf diese zu reagieren.

  21. Von der Bewaffnung und der Größe haben die OPV Ähnlichkeit mit der K130. Ein Heli Hangar hat die K130 nicht. Bei der derzeitigen MH Problemen macht das wahrscheinlich auch nicht viel aus.

  22. Und zu der Idee mit den „tollen“ Missionsmodulen sage ich nur: Wieso ist niemand willens nur ein mal von den Erfahrungen anderer zu lernen. Ich meine die US Navy bastelt mit ihren Littoral Combat Ships doch gerade genau solche eierlegenden Wollmilchsäue (sollen Minenjäger, Patroiullenboote, Schnellboote und SOF-Plattformen in einem sein.. man tausche quasi immer das Modul wenn ein anderer „Job“ ansteht). Und was ist das Ergebnis? Es ist viel teurer als gedacht, es dauert viel Länger die Schiffe umzurüsten als geplant, die Modularität ist damit nur eingeschränkt realisierbar, die Umsetzung der einzelnen Aufgaben ist im schnitt schlechter als bei spezialisierten Einheiten (wer auf die Idee gekommen ist ein 30+ Knoten schnellen Koffer zum Minenräumen einzusetzen kann meiner Meinung nach nicht Gesund sein und sollte zum Arzt gehen) und das beste daran ist, dass die Missionsmodule noch nicht Einsatzbereit sind. Es wird noch Jahre dauern bis es so weit ist und die US Navy hat sich still und heimlich vermutlich schon von der Hälfte der geplanten Einheiten getrennt, daher sie werden wohl nie gebaut werden.

    http://www.wired.com/dangerroom/2012/01/mines-littoral-combat-ship/
    http://www.wired.com/dangerroom/2008/04/littoral-combat/
    http://www.wired.com/dangerroom/2011/08/future-warship-ran-aground/
    http://www.wired.com/dangerroom/2011/01/navys-new-warship-bargain-death-trap-or-both/

    Und jetzt kommt die „Deutsche Marine“!! MKS 180, denn wir können alles besser und machen das alles selber noch mal, denn erst wenn man selber auf die Nase gefallen ist, merkt man dass die Idee vl. dann doch nicht ganz ausgereift war. Aber hauptsache künstlich ein paar Werftarbeiter beschäftigt und noch mehr sinnbefreite graue Fischerboote gebaut.

  23. @TomTom: Ich hab da noch eine Nachfrage: Meinen Sie etwa „als lesenden Lokalpolitiker“ den zunächst nach ‚MacPom‘ und alsdann nach Sachsen ausgewanderten ehemaligen Pressesprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus sowie späteren Finanz- und Rechtsexperten, welcher nunmehr in Dresden wohnt, seinen Wahlkreis in Meissen hat und Ihnen dienstlich nahesteht?

  24. Ja, so ist das mit Breite vor Tiefe :-))

    Die Bw macht sich entbehrlich, ob da Absicht dahinter steht?

    Ich glaube nicht, denn so viel Strategie traue ich unserer Führung oder besser Haushältern nicht zu!

  25. @Elahan

    Zitat:“Aber es wird wohl der einzige Weg sein um Europa zu verteidigen und wenn wir das können, kann man ja andere Aktivitäten in Angriff nehmen, so wie jetzt geht es in Zukunft nicht.“

    Vor was wollen wir Europa verteidigen?

    -Vor der massenhaften Immigration von Flüchtlingen aus Afrika und dem Nahen Osten?

    Dafür braucht es eine effektive Küstenwache, die mit anderen Nationen auf Basis von multilateralen Verträgen kooperiert. Einen klaren Willen und eine klare Rechtslage in den Nationen.
    (Achtung ketzerische Äußerung) größere Abschiebungskamps auf dem afrikanischen Kontinent inkl. einer gesonderten „auswärts“ Rechtssprechung die es ermöglicht, Piraten in diesen Camps vor ein deutsches Gericht zu stellen und die Haftstrafe dort abzusitzen.

    Von einer EU, die es den europäischen Nationen verbieten möchte, ihre eigenen nationalen Grenzen zu überwachen und der die Rechte afrikanischer Flüchtlinge wichtiger ist, als die Zukunft Europas, sollte man nicht zu viel erwarten wenn es um die „Verteidigung“ von Europa geht.

    – Vor einer militärischen Invasion?

    Dafür gibt es die NATO. Wenn es einzelne Nationen schon selbst nicht schaffen, eine ordentlich Verteidigungspolitik zu fahren und die Armee entsprechend auszurüsten, sollte man keine Wunder von einer Institution erwarten, die sich noch nichteinmal auf ein gemeinsames Ziel einigen kann. Wir haben es hier mit der sozialistischen Verteilungsproblematk zu tun. Diese Problematik lässt sich nicht lösen und führt zuverlässig zum scheitern.

    Zitat:“Die gemischten Verbände ohne gleiches Dienstrecht und Ausrüstung ist der noch schlechtere Weg.“

    Deswegen sollten wir nicht versuchen sie gewaltsam zu mischen. Was an unterschiedlicher (geeigneter) Ausrüstung schlimm sein soll, erschließt sich mir nicht.
    Ein Gedanke: Europa verfügt trotz massiven Kürzungen und vielen ineffektiven Lösungen, zuzsammengerechnet immernoch über genügend Streitkräfte um alles auf dieser Welt, bis auf die Amerikaner, durch den Fleischwolf zu drehen.

    Zitat: „Muss aber nicht und mit Artikel 5 und der Reduzierung auf Verteidigung sind wir gut gefahren. Alles was wir im Moment machen muss sich erst noch beweißen und es sieht nicht gut aus.“

    Okay lasse ich gelten. Das ist ein gemeinsamer Ansatz:“Verteidigung des europäischen Territoriums“ – für diese Aufgabe haben wir jedoch bereits die NATO und noch eine Entscheidungsebene auf europäischer Basis zu etablieren, wäre wirklich kontraproduktiv.

  26. @Micha
    Nee, nee, dat mit dem Gefasel war schon in Ordnung so…;)
    Auf der Hohen See (Blue Water) gibt es keine „relevanten“ Bedrohungen. Die Sea Lines of Communication (SLOCs), die Passagen, die Häfen und und und liegen aber alle in den Littorals/Confined and Shallow Waters.
    Also muss ich dort wirken können. Dort muss ich wirken können. Gegen die Bedrohungen die Sie gerade aufgezeigt haben.
    (aber bitte, schreib Minen ohne e, sonst kriegt der Sperri so spät auf den Abend noch nen Ausraster..;) )
    Und genau diese Fähigkeiten werden gerade aktiv zerstört. Da sind wir uns einig.
    Und diese Fähigkeiten sind alles „traditioneller“ Art, sie haben kein Stück an Aktualität verloren. Egal wieviel Piraten sich noch am Horizont zeigen.

    ASW, ASuW, AAW, MW, EW. Das ist es was ich als Marine beherrschen muss. Nichts anderes. Denn wenn ich diese Sachen beherrsche, dann ist der ganze andere derzeitige Modekram ein Kinderspiel. Weil Patrol and Surveillance, Wirken von See, Aufklärung sind alles Bestandteile dieser Bereiche. Man muss es nur machen.
    Bin etwas abgedriftet….sorry

    Nachtrag an Micha
    Die Berichte von Kevin O’Rourke sind bezüglich des LCS auch immer ganz großes Kino. Der gute Mann schreibt für den Congressional Research Service. Mal hier nachschauen: https://opencrs.com/document/RL33741/2012-04-06/
    Lohnt sich. Alleine die Verteuerungen der Plattform sind schon der Kracher. Habe mich vor kurzem damit mal etwas beschäftigen dürfen…

  27. Ich hab‘ Probleme, zugegeben, wenn jetzt die Migrationsströme da reingerührt werden. Das Problem ist nicht eines, das militärisch zu lösen wäre. Ich behaupte, selbst dann nicht, wenn man „Grenzsicherung“ aufbaut, gegen die die innerdeutsche Grenze ein Spielplatz war. Aber das würde den Rahmen und die Thematik dieses Blogs sprengen – deshalb wäre ich dankbar, wenn wir das außen vor lassen könnten.

  28. @Amtmann:
    Um den von Ihnen beschrieben Herren ging es mir weniger, eher um Haushälterin und vermeintliche „Verteidiungsexperten“, die zwar vom Volk bestimmt sind und (zu Recht) über die Bw entscheiden, dieses aber oftmals ohne Sachverstand tun.
    Und der große Vorwurf muss hier an das BMVg und die gesamte militärische Spitze gehen, die es seit Jahren nicht verstehen, die teils extrem komplexen Zusammenhänge angemessen zu erläutern und auf eine auftragsgerechte (so man den Auftrag denn mal definieren könnte) Ausstattung zu drängen.

  29. Oo.. ich versinek vor Scham im Fußboden…. Mienen mit e…Autsch! Ich oute mich mal:

    habe als 24er und Fwdler beim 3.MSG in Olpenitz Dienst geschoben auf der M1099, und muss ehrlich zugeben dasss ich von der Enwticklung bei den Minensuchgeschwadern überrascht bin. Meine Dienstzeit ist noch keine 10 Jahre her und alles was damals galt, scheint inzwischen nicht mehr zu stimmen.

    Die ganze Klasse 333 soll auf dem Schrott landen, habe ich auf jeden fall so gelesen. Dafür hat man aus der Schrottweil (Rottweil), die zu meiner Zeit als dekorativer Hulk Olposibirsk verschönert hat, das Ausbildungsschiff der Minentaucher gemacht. Damals waren die 333er die Arbeitspferde der Minensuchgeschwader, und wir verrückten Mannschafter sind teilweise freiwillig von einer Einheit zur nächsten gewechselt, um die Personallücken auf den Einheiten, für die jetzt SNCMG genannten , NATO-Verbände zu stopfen.

    Die 352er mit ihren ulkigen Seehunden, die bei mehr als 2 Meter Wellengang nicht mehr verlegen durften, sollten entweder umgerüstet oder abgeschafft werden, hieß es damals. Und die 332er sollten anstelle des offenen 40mm Bofors Geschützes das MLG bekommen.

    Gut, jetzt werden also die 333er verschrottet, die 352er umgebaut und die 332er ausgedünnt und umgebaut. Dabei ist die Zahl der Aufgaben mit UNIFIL, den zwei ständigen Minenjagdverbänden der NATO, Ausbildungsfahrten, Touristenfahrten und anderem für den (inzwischen) Aussenstehenden nicht kleiner geworden. Nur damals war es schon knapp, sowohl beim Material als auch beim Personal. Ich wundere mich etwas wie man jetzt mit weniger mehr machen will, und gleichzeitig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern möchte (Achtung Ironie).

    Vermutlich ist einfach die Funktion Minesweaping/hunting nicht mehr politisch gewünscht.

  30. * Ich komme mir vor, wie ein alter Mann, der vom Krieg erzählt, und bin nicht ansatzweise 30 …..

  31. @Bang50

    Ich stimme ihnen zu in der Beschreibung der Gegenwart, ABER unser zukünftiger Gegner (wer auch immer es sein wird) wird gerade unsere Schwächen nutzen!

  32. @ T.Wiegold – Zustimmung. Die Problematik von zunehmenden Immigrationsströmen wird keine „Grenzsicherung“ lösen. Das haben wir am Beispiel der Mauer gesehen.

    Ich habe darauf Bezug genommen, da hier Frontex erwähnt wurde, dessen Tätigkeit in diesem Bereich liegt.

    Eine letzte Anmerkung sei mir hier noch erlaubt. Ich denke das spätestens wenn sich Flüchtlingsströme mit organisierter Kriminalität (z.b Schleuserbanden) vermischen, stehen wir vor einem großen Problem, wenn das Militär aktiv werden soll.
    Deswegen wäre es sinnvoll, rechtzeitig die Polizei für diese Aufgaben heranzuziehen und eine entsprechende Rechtssicherheit zu schaffen.
    Das ist im Sinne der Bürger und der Flüchtlinge.

  33. @TomTom: Zitat: „Und der große Vorwurf muss hier an das BMVg und die gesamte militärische Spitze gehen, die es seit Jahren nicht verstehen, die teils extrem komplexen Zusammenhänge angemessen zu erläutern und auf eine auftragsgerechte (so man den Auftrag denn mal definieren könnte) Ausstattung zu drängen.“

    Sie haben sehr klug und sehr diplomatisch geantwortet.

    Leicht o.T. und ohne mich komplett zu “outen“, die Zeiten eines Helmut Schmidt und auch eines „Soldatenvaters Schorsch“ sowie deren klaren Ansagen sind leider Historie. Georg Leber hat sich als ehemaliger Unteroffizier und Flugzeugwart auf Das besonnen, was er gelernt hat und hat dieses dann als Minister ausgebaut. Dies wurde auch quer durch alle Fraktionen und die Masse der Soldaten seinerzeit anerkannt. Das schätzte schon mein Onkel Fritz, welcher „Schorsch“ als Soldat persönlich kannte und auch mein Großvater Fritz sowie wiederum viele seiner Kameraden in dem „Generals a.D. Nest FDS“, auch wenn nicht unbedingt Wähler von „Helmut´s und Schorsch’s“ Partei.

    Leber hätte sich der Karriere und der Politik willens nie an einer Doktorarbeit versucht, aber eigentlich den Dr.hc. einer BW-Uni schon zu Lebzeiten verdient und für würdig erwiesen.

    Was ich damit sagen will und das ist absolut ‚topic’: Es gibt Amtsauthorität, es gibt auch Personalauthorität, und letztere kann man auch durch Bildung untermauern. Und dann gibt es noch eine dritte Variante, die mit intellektueller und akademischer Bildung absolut nichts zu tun hat, die heißt Identifikation, Truppennähe und Herzensbildung! Und eine solche vermisse ich bei „Jet’is, Radfahrern, Winzern und Burgherren samt Zwischen-Intermezzos bis hin zu unserem jetzigen Verteidungsminister komplett.

  34. @all

    Aus Sicherheitsgründen muss ich die Kommentare zu diesem Thread jetzt mal schließen: Seit heute Nacht gab es nur zu diesem Thread an die 100 Spam-Kommentare; da scheint eine Attacke im Gange. Ich bitte um Verständnis.

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