ORF-Bataillon erneut ins Kosovo

Erneut wird das von Deutschland und Österreich gestellte Reservebataillon für den Kosovo ausrücken müssen: Der KFOR-Kommandeur (bis zum 7. September noch der deutsche Generalmajor Erhard Drews) hat bei der NATO erneut Verstärkung angefordert:

Der Kommandeur KFOR sieht weiterhin mögliches Potential für eine erneute Lageverschlechterung. Ausgehend von dieser Lageeinschätzung hat der Kommandeur KFOR über die vorgesetzten NATO-Dienststellen den Verbleib des operativen Reservebataillons (Operational Reserve Force – ORF) im Kosovo bis mindestens 15. Dezember 2012 beantragt.
Das gegenwärtig im Einsatz befindliche italienische ORF-Bataillon steht der NATO jedoch nur noch bis September zur Verfügung. Deshalb wurde durch das zuständige NATO-Kommando in Neapel am 22. August der Vorbefehl für den Einsatz des deutsch-österreichischen Reservebataillons erlassen, das sich planmäßig in Bereitschaft befindet.
Absicht ist, das italienische Vorgängerbataillon bis 30. September abzulösen und die Einsatzbereitschaft des deutsch-österreichischen Reservebataillons im Kosovo bis zum 1. Oktober herzustellen.

Nun dürfte es so aussehen, dass die Einheiten, die in den vergangenen Monaten schon mehrfach als Eingreifreserve ins Kosovo ausrücken mussten, erneut gefragt sind (obwohl ich mir gerade nicht sicher bin, ob weiterhin das ABC-Abwehrregiment aus Bruchsal das ORF-Bataillon stellt oder ob da schon ein Wechsel stattgefunden hat?). Auf jeden Fall scheint der Plan der NATO, die KFOR-Truppen im Kosovo stetig zu reduzieren, bis auf Weiteres nicht aufzugehen.

RUDARE, Kosovo – Kosovo Force (KFOR) removed a roadblock on the outskirts of Rudare preventing freedom of movement to the people of Kosovo, June 1, 2012. Two KFOR soldiers were injured by gunfire during the operation after unidentified individuals in a violent crowd opened fire on security forces providing a cordon around roadblock removal efforts. KFOR forces responded in self-defense, using tear gas, rubber bullets and live ammunition. (U.S. Army photo by Sgt. 1st Class Jim Wagner)

Nachtrag: Das Heer sagt jetzt was zur Zusammensetzung des ORF-Bataillons:

Das ABC-Abwehrregiment 750 „Baden“ aus Bruchsal ist im 2. Halbjahr 2012 wiederum Leitverband für das ORF-Bataillon. „Das Personal der 1. Kompanie des ORF-Bataillons ist aus unterschiedlichen Einheiten zusammengesetzt“, so Oberstleutnant Ralf Schipke, Regimentskommandeur und designierter Kommandeur des deutsch-österreichischen ORF-Bataillons. Weiter wird die 2. Kompanie durch die leichte ABC-Abwehrkompanie 120 aus Sonthofen gestellt, die 3. Kompanie kommt vom ABC-Abwehrbataillon 7 aus Höxter, die 4. Kompanie wird von den österreichischen Kräften gestellt. Ergänzt wird das Bataillon mit Feldjägerkräften aus Hannover, Pionieren aus Gera und Sanitätssoldaten aus Kempten.

Peukert, übernehmen Sie!

Es stimmt übrigens, dass wieder ein Bundeswehroffizier in Syrien ist, im Auftrag der Vereinten Nationen. Entsprechende Angaben von Spiegel Online hat das Verteidigungsministerium bestätigt. Der Oberstleutnant ist den Lesern von Augen geradeaus! nicht unbekannt: Im Frühjahr war er schon mal in Syrien. Ebenfalls im Auftrag der UNO, an die er derzeit quasi ausgeliehen ist.

(Die geplante Entsendung eines deutschen Offiziers als UN-Beobachter in Syrien hat sich ja inzwischen erledigt – nachdem der Bundeswehr-Mann wegen Visaproblemen nie hatte einreisen dürfen.)

Erst mal keine Hubschrauber fürs KSK

Das Thema leichter Mehrzweckhubschrauber zur Verbringung von Spezialkräften ist hier im Blog schon in ziemlicher Länge diskutiert worden (unter anderem hier und hier), deshalb an dieser Stelle nur der Hinweis auf eine Geschichte von Spiegel Online*: Verspätung von KSK-Helikoptern – Elitekämpfer am Boden. Der Inhalt dürfte die Leser von Augen geradeaus! nicht wirklich überraschen.

Es gab ja mal die Bo105 in der Swooper-Variante, die für die Spezialkräfte gebastelt wurde. Aber diese Maschinen sind/werden ausgephast. (Übrigens, die Fundstelle muss ich noch mal suchen, ist in offiziellen Aussagen des BMVg von einer möglichen Bo105-Abgabe an Pakistan die Rede. Die basteln sich bestimmt daraus dann auch so was.)

 

Bo105 in der „Swooper“-Variante für Spezialkräfte, aufgenommen bei der Informationslehrübung Süd 2008

(* Abweichend von der hier geübten Praxis, Webseiten deutscher Printmedien angesichts der Forderung nach einem Leistungsschutzrecht nicht zu verlinken, werden Artikel von Spiegel Online verlinkt, weil die Redaktion bislang erklärt hat, ein solches Leistungsschutzrecht nicht wahrnehmen zu wollen.)

Nachtrag: Inzwischen habe ich auch ein Schreiben des BMVg an einen Abgeordneten (und ich vermute, es ist eines der Papiere, die bei SpOn zitiert sind) von Anfang Juli. Die wesentlichen Aussagen:

Die Integrierte Arbeitsgruppe Fähigkeitsanalyse (IAGFA) hat am 6. März 2012 die Fähigkeitslücke zur „Verbringung von Spezialkräften bei Nacht und unter Bedrohung“ anerkannt. Für die Schließung der Fähigkeitslücke wurde ein Bedarf an 15 Hubschraubern festgestellt. Derzeit werden die funktionalen Forderungen einschließlich der Missionsprofile erarbeitet, um die Grundlage für eine Bewertung der in Frage kommenden Hubschrauber zu setzen. Sodann erfolgt eine umfassende Marktsichtung. weiterlesen

Zwei neue deutsche Viersterner in der NATO

Dienstposten für Vier-Sterne-Generale hat die Bundeswehr recht wenig – genau genommen drei: den Generalinspekteur, den Chef des Stabes im NATO-Hauptquartier SHAPE und den Kommandeur des NATO Joint Forces Command in Brunssum. Mit der heutigen Mitteilung des Verteidigungsministeriums zur Besetzung von Spitzenstellen ist erst mal klar, wie sich das in den nächsten Jahren schütteln wird:

Generalleutnant Werner FREERS, Inspekteur des Heeres, Koblenz, wird zur Vorbereitung auf seine künftige Verwendung als Chief of Staff, SHAPE/BEL, zum Standortkommando, Berlin, versetzt.
Sein Nachfolger wird Generalleutnant Bruno KASDORF, Stellvertreter des Inspekteurs des Heeres.

Freers wird den Luftwaffengeneral Manfred Lange ablösen, der Anfang kommenden Jahres in den Ruhestand geht. Was noch nicht in der Mitteilung steht: Damit dürfte klar sein, wer Nachfolger von General Wolf Langheld wird, der Ende dieses Jahres aus seinem Amt als Kommandeur Joint Forces Command Brunssum ausscheidet – nämlich Generalleutnant Hans-Lothar Domröse, derzeit Deutscher Militärischer Vertreter bei NATO und EU in Brüssel.

Der Posten in Brunssum wird übrigens künftig zu einem Rotationsdienstposten, also nicht mehr ständig von einem Deutschen besetzt: Auf Domröse wird dann ein Italiener folgen. Dafür bekommen die Deutschen einen Viersterner im Allied Command Transformation in Norfolk/Virgina, im Wechsel mit den Franzosen.

(Nebenbemerkung: Mit Generalinspekteur Volker Wieker und den beiden künftigen neuen Viersternern sind dann alle drei Generalsposten der Bundeswehr beim Heer… Und noch der Hinweis: mir ist schon klar, dass es auch einen vierten Viersterner geben kann – wenn ein Deutscher Vorsitzender des NATO-Militärausschusses wird. Aber das ist im Moment nicht aktuell.)