Wie einst die Sowjets

Zwei sehr lesenswerte Berichte von US-Kollegen in diesen Tagen, die angesichts des geplanten Abzugs der internationalen Truppen vom Hindukusch den – naheliegenden? – Vergleich mit dem Abzug der Sowjetunion vom Hindukusch ziehen:

The regime, sustained by a flow of food and ammunition from the Soviet Union, held firm. The Afghan Army fought well, routing the mujahideen in a decisive battle for the city of Jalalabad. But in late 1991 the Soviet Union fell apart, leaving Najibullah and his fellow-Communists to fend for themselves. With their supplies running out, soldiers began to desert the Afghan Army.

erinnert Dexter Filkins in seinem (Warnung: sehr langen) Stück  im New Yorker: After America – Will Civil War hit Afghanistan when the U.S. leaves? 

(Dieser Artikel ist gerade für Deutsche interessant zu lesen – wegen der Schilderung der aktuellen Situation rund um Kundus …)

Und für  TIME hat sich John Wendle auf die Suche nach ehemaligen russischen Soldaten in Afghanistan gemacht: Hidden in Afghanistan: Soviet Veterans of a Previous War Compare and Tremble

After the Soviets left, he says, “the Afghan National Army was completely destroyed, but now we have an army and police. However, those people get their salary from America. If America leaves, they will also be destroyed. There will be nothing of them left. There will be nothing here to control them and pay them.”

Ich bin sicher: Wir werden in nächster Zeit noch viel über den Abzug der sowjetischen Truppen aus Afghanistan lesen. Und viele Vergleiche.

Schmidt und der LUH

Für die Bundeswehr ist ja das Thema Light Utility Helicopter (LUH) eines der derzeit nicht so strahlenden (und hier schon mehrfach ausführlich diskutiert worden). Ich hätt‘ ja gern gewusst, was der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Christian Schmidt, so sagte (und dachte), als er sich heute auf der Farnborough International Airshow in einen solchen LUH der U.S.Army setzte. In das Model LUH72-A. Geliefert von Eurocopter.

 

(Foto: EADS via twitter)

Unfall in Kundus – Bundeswehr nicht beteiligt

Eigentlich wäre das aus deutscher Sicht keine Meldung: In Kundus in Nordafghanistan gab es am (heutigen) Dienstag einen Unfall, an dem ein Fahrzeug der ISAF-Truppen beteiligt war – allerdings kein deutsches. Der Unfallhergang ist offensichtlich noch nicht klar, vermutlich wurde dabei ein Kind verletzt, heißt es vom ISAF-Regionalkommando Nord.

Warum ich das dennoch aufgreife? Weil der (iranische) Sender Press TV meldet:

An Afghan child has been killed and two others wounded as a German tank runs over them in Afghanistan’s northern Kunduz province, Press TV reports.

Daran scheint auf jeden Fall nicht zu stimmen, dass es ein getötetes Kind gibt und dass es ein deutsches Fahrzeug war. Mal sehen, ob es später noch mehr Details gibt.

 

Gegen unpopuläre Kriege: McChrystal für die Wehrpflicht

Was könnte man tun, damit ein Militäreinsatz die ganze Nation repräsentiert? Der ehemalige ISAF-Kommandeur und US-General Stanley McChrystal hätte da einen Vorschlag: die Wehrpflicht wieder einführen. Gesagt hat er das schon vor ein paar Wochen, jetzt bekommt es etwas mehr Aufmerksamkeit:

“I think if a nation goes to war, every town, every city needs to be at risk. You make that decision and everybody has skin in the game.”

Vermutlich ist das in den USA genau so unpopulär wie hier zu Lande. Und die Repräsentanz in der Bevölkerung, die McChrystal sich wünscht, hat die Wehrpflicht auch im Vietnam-Krieg nicht unbedingt gebracht.