Feuer auf europäische Kriegsschiffe vor Somalia? Nicht so schnell…

Ehe sich das festsetzt, schnell ein Hinweis: Bei n-tv (und vermutlich bald auch bei anderen) sehe ich eine (Agentur?)Story, dass von der somalischen Küste aus angeblich Kriegsschiffe der EU-Antipirateriemission Atalanta beschossen wurden. Auch wenn es nach etwas unseriösen Überschrift Miliz beschiesst Atalanta-Schiffe dann etwas vorsichtiger heißt, es sei unklar, auf welche Schiffe gefeuert wurde…

Nun, da hilft ein Blick auf Medien, die eine Originalquelle fragen:

Kenyan military spokesman Cyrus Oguna told VOA the warships opened fire after being attacked by al-Shabab fighters on shore. Oguna said this is the first time Kenya’s military has engaged in combat in Kismayo. Al-Shabab fired on the vessels with 106-millimeter recoilless rifles.

berichtet die Voice of America.

Wenn das kenianische Militär den Schusswechsel bestätigt, muss man kaum noch drauf verweisen, das es zunächst keine Bestätigung von Atalanta gegeben habe… Also, Kollegen: es waren kenianische Kriegsschiffe, und dann ist es nicht so nett, entgegen der Quellenlage – auf deutsch: wider besseres Wissen – über Schüsse auf europäische Kriegsschiffe zu spekulieren. Das finden zum Beispiel Angehörige der Besatzungsmitglieder der Fregatte Bremen bestimmt nicht lustig.

Der nächste Leopard-Kunde: Indonesien?

Bereits seit dem vergangenen Jahr ist bekannt, dass die indonesische Armee gerne deutsche Leopard-Kampfpanzer kaufen möchte. Erste Gespräche mit den Niederlanden, die ihre Panzer verkaufen wollen, führten offenbar nicht zum gewünschten Ergebnis – jetzt soll, so berichtet Zeit Online, Jakarta in Berlin nachgefragt haben. Allerdings gebe es bislang nur eine mündliche Anfrage, die vom Anfang dieses Jahres stammt.

Zeit Online beruft sich auf eine schriftliche Frage des Linken-Abgeordneten Jan van Aken – der Text der Bundestagsdrucksache 17/9615 Schriftliche Frage/Schriftliche Antwort zu: Gespräche mit der indonesischen Regierung über den Kauf von Leopard-2-Panzern aus Überschussbeständen der Bundeswehr ist bislang noch nicht online. Die Frage ist natürlich, ob Indonesien nach dieser mündlichen Anfrage weiter aktiv bleibt.

Obama und die Todesliste

Getwittert hatte ich es schon, aber da es jetzt die deutschen Medien erreicht, auch hier der Link auf das verdammt lesenswerte Stück der New York Times im Original:

Secret ‘Kill List’ Proves a Test of Obama’s Principles and Will

Kurz gefasst: Wie der US-Präsident über die Todesliste mit den Zielen von Drohnenangriffen entscheidet.

Nachtrag: Thematisch dazu passend, sollte man sich wohl anschauen (falls es auch via Internet zugänglich ist): PBS Frontline: Al Qaeda in Yemen

De Maizière wirbt (erneut) für Akzeptanz „zusätzlicher Verpflichtungen“

Die Aussage von Verteidigungsminister Thomas de Maizière ist nicht neu, aber um so bemerkenswerter ist, wie er sie regelmäßig wiederholt. Seine Kernthese: Deutschlands Verantwortung bedeutet auch mehr Verpflichtung hat er jetzt erneut in einem Gastbeitrag für Deutschlands Agenda, das Blog der Atlantischen Initiative, in den Mittelpunkt gerückt – unter der Überschrift Weniger Vergangenheit, mehr Verantwortung:

Erst mit der Wiedervereinigung hat Deutschland seine volle Souveränität erlangt. Wir sind gleichberechtigt, aber auch gleichverpflichtet. Nicht mehr unsere Vergangenheit bestimmt zuvorderst unser Handeln, sondern unsere aktuelle Verantwortung. Wir werden uns darauf einzustellen haben, dass unser Beitrag künftig stärker als heute gefragt sein wird, dass wir zusätzliche Verpflichtungen übernehmen müssen. Das kann zur Folge haben, dass auch der Einsatz unserer Streitkräfte gefragt ist, auch wenn unsere unmittelbaren nationalen Sicherheitsinteressen auf den ersten Blick nicht berührt sein mögen. Nicht überall und jederzeit, aber prinzipiell.

… aber prinzipiell. Die Frage, die einen da natürlich umtreibt: Wann zieht diese Ansicht? Wie nah steht die Bundeswehr vor ihrem nächsten Einsatz?

Was fehlt bei der Bundeswehrreform: Möblierungsgerät, Buchedekor

Bisweilen ist es doch erstaunlich, woran es bei der Reform der Bundeswehr mangelt. Ich hatte immer vermutet, an Stellen. Oder Ausrüstung. Alles falsch. Aus einem Schreiben des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums (BwDLZ) Köln von vergangener Woche:

Mit o.a. Verfügung vom 24.05.2012 hat die Wehrbereichsverwaltung West mitgeteilt, dass der durch die Umstrukturierung der Bundeswehr große Bedarf an Möblierungsgerät in Buche Dekor nicht gedeckt werden kann. Im gesamten Wehrbereich sind Anforderungen von ca. 2.000 Büroausstattungen erstellt worden. Hiervon entfallen auf den Bereich des BwDLZ Köln fast 400 Büroausstattungen.
Da der enorme Bedarf so kurzfristig nicht mit Möblierungsgerät im Programm Buchedekor gedeckt werden kann, ist ab sofort altes, farbiges Gerät nicht mehr auszusondern. Vielmehr ist dieses weiterhin zu verwenden, selbst wenn es durch langjährigen Gebrauch unansehnlich geworden ist.

Dieser Mangel dürfte bundesweit aufgetreten sein. Und wenn rund 2.000 Büroausstattungen allein bei der Wehrbereichsverwaltung West fehlen, mag ich mir nicht ausmalen, wie groß das Fehl bei allen Dienststellen der Bundeswehr sein dürfte. Leute, das geht doch nicht. Kein anständiges Büro, kein vernünftiger Umbau der Bundeswehr. Oder, kurz gesagt: Ohne Buchedekor keine anständige Reform.