Nicht repräsentativ: Die Hälfte der Afghanen fürchtet einen Bürgerkrieg

Die Umfrage, die der afghanische Fernsehsender TOLO News in diesem Monat veranstaltet hat, ist bei weitem nicht repräsentativ. Über drei Wochen haben gerade mal 1.000 Leute auf die Frage geantwortet: Was glauben Sie, wird nach 2014 passieren, wenn die fremden Truppen aus Afghanistan abziehen? Dass es so wenige Antworten gab, hat natürlich mit der Art der Umfrage zu tun: Online, im Internet. In einem Land wie Afghanistan mit seiner Analphabetenrate, gar nicht zu reden von der Internet-Durchdringung der Gesellschaft, ist das natürlich nicht mit einer westlichen Industriegesellschaft zu vergleichen.

Aber gerade dass die Umfrage nicht repräsentativ ist, macht die Antworten so bedeutsam. Denn geantwortet haben vermutlich nur die Eliten, diejenigen, die natürlich lesen können, aber vor allem auch Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss haben. Also, verkürzt gesagt, diejenigen, auf die es für die Zukunft Afghanistans ankommen dürfte.

Und vor dem Hintergrund ist das Ergebnis erschreckend: Eine Verschlechterung der Sicherheitssituation bis hin zum Bürgerkrieg befürchtet ziemlich genau die Hälfte. Ein weiteres Viertel meint, dass sich nicht viel ändern werde – und die Sicherheitslage ein Problem bleibe. Noch nicht einmal ein Viertel erwartet, dass sich alles zum Besseren wenden wird.

(Screenshot: tolonews.com)

4 Gedanken zu „Nicht repräsentativ: Die Hälfte der Afghanen fürchtet einen Bürgerkrieg

  1. Schöne neue Welt…einfach nur traurig das man nach über zehn Jahren sich irgendwan auf CNN oder sonst wo anschauen darf wie das Land vor die Hunde geht…

  2. Und wieder wird der Eindruck erweckt nach 2014 seien keine ausländischen Soldaten mehr im Land.
    Dieses Kommunikationsdesaster will man im Westen noch nicht einmal anerkennen. Gefangen in den eigenen Parolen vom Abzug der Kampftruppen bis 2014.
    Abzug aus Afghanistan ist mein Unwort des Jahres.

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