Und jetzt die Russen: Kein Abzug aus einem instabilen Afghanistan

Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man das mit einem Schuss Ironie betrachten. Die internationalen Truppen, fordert der russische Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview mit dem afghanischen Sender ToloNews, dürften sich nicht vom Hindukusch zurückziehen, so lange die Situation in Afghanistan instabil sei:

Russia Demands Nato Not Leave Afghanistan Unstable

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Lavrov said the Nato-led mission entered Afghanistan with a mandate to establish a stable government and an adequate defence force, and they should not leave until that job is done.
„We see it from the point of international law. The presence of the international stabilisation force in Afghanistan has been mandated by the UN Security Council. The mandate is clear. They must fulfill this mandate before they leave, and before they leave, they must report to the Security Council that the mandate has been fulfilled,“ Lavrov said during a Moscow-based interview with TOLOnews.

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He said Russia had a right to demand for the mandate to properly implement because of its support of the Nato-led mission in providing transit possibilities through Russian territories.
„I think the Northern Route has become the major supply route for Isaf in Afghanistan – I think two third of deliveries are done by the northern route,“ he said. „We believe this is our contribution to fulfill the mandate which the international forces received from the Security Council and we have the right to demand this mandate, to which we contribute, is implemented before the operation is over.“

Das Interview im Wortlaut (leider Lawrows englische Aussagen weitgehend mit Farsi-Voice over):

Der Schütze von Kandahar: Nichts ist privat

Es ist hier ein wenig Off Topic, dennoch bemerkenswert: Während der Streit zwischen den USA und den Afghanen anhält, ob das Massaker von Kandahar vor einer Woche die Tat eines Einzelnen oder doch, wie die Afghanen behaupten, einer Gruppe von Soldaten war – wird in den USA das Leben des mutmaßlichen Täters im Detail öffentlich diskutiert. Privat scheint da nichts mehr. Und was in Deutschland in dieser Situation den Medien sehr übel genommen würde, ist bei den amerikanischen Kollegen Standard.

Nicht ein Boulevardblatt, ein Tabloid, sondern die angesehene New York Times zum Beispiel greift auf das Blog der Ehefrau des Staff Sergeant zurück (das inzwischen für die Öffentlichkeit gesperrt wurde, aus dem die NYT aber ausführlich zitiert). Und auf Gerichtsakten, die zwei kleinere Fälle von tätlichem Angriff belegen. Der Begriff public records wird in den USA halt deutlich anders ausgelegt. Und viele kleine Details werden noch folgen.

Vorsorglich mal der Hinweis, ehe sich eine Flut von Medienbeschimpfung in die Kommentare ergießt: Nein, das zeigt nicht, dass die amerikanische Presse schlecht mit Soldaten umgeht. Mit jedem anderen mutmaßlichen Täter würde sie genau so verfahren – siehe die öffentliche Vorführung des früheren Chefs des Internationalen Währungsfonds Dominique Strauss-Kahn. Es ist ein grundsätzlich anderer Umgang der Gesellschaft mit dem, was wir als Privatsphäre (und Unschuldsvermutung) ansehen.