Minister zur Rüstungsindustrie: Wir müssen reden.

Ein wenig kokettierte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am (gestrigen) Dienstagabend natürlich mit seinem Ruf als preußisch-strenger Sachwalter, als er auf dem Parlamentarischen Abend des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie den versammelten Managern gleich zu Beginn erklärte: Wer mich kennt, weiß, ich bin ein seltener Gast bei Parlamentarischen Abenden. Es gibt zu viele Verbände, es gibt zu viele Parlamentarische Abende.

Für den Minister war es natürlich dennoch wichtig, gerade bei der Rüstungsindustrie zu erscheinen. Denn in dem großen Paket Bundeswehrreform steckt als einzelnes, aber massives Problem: Wie können die Streitkräfte mit dem Geld, was sie haben, auch das bekommen, was sie brauchen?

Langfristig plant de Maizière, das hat er schon lange angekündigt, grundsätzliche Reformen in der Beschaffung der oft komplexen, meist teuren und oft genug speziell für die Truppe entwickelten Rüstungsgüter – um künftig nicht, wie es einmal ein früherer Luftwaffen-Inspekteur ausdrückte, das Material später als vereinbart, dafür teurer und weniger leistungsfähig zu bekommen.

(Foto: BDSV/Katja Julia Fischer)

Aber unabhängig von dieser grundsätzlichen Frage drängt den Minister wie das Ministerium und die Bundeswehr die Frage, wie und wo kurzfristig dringender Bedarf der Truppe gedeckt werden kann. Dabei ist, sagte de Maizière, nicht die absolute Summe das Problem: 23 Prozent des Verteidigungshaushaltes seien für Investitionen vorgesehen, und er habe nicht die Absicht, da Kürzungen vorzunehmen. Aber unser zentrales Problem ist die Bindung dieser Mittel.

Jeder der versammelten Manager der Rüstungsindustrie wusste natürlich, was gemeint war: Großprojekte, teilweise vor Jahrzehnten begonnen, die einen erheblichen Teil der Investitionsmittel blockieren. Vertragsbindung heisst das, ob das bestellte Material nun noch gebraucht wird oder nicht – zum Beispiel die letzten Exemplare des Eurofighters, die Tranche 3B.

Deshalb die klare Aufforderung des Ministers an die Branche: Wir müssen reden. Und zwar erst mal unabhängig von bestehenden Verträgen. Es wird beschafft, was erforderlich und finanzierbar ist, und nicht, was man gerne hätte und was angeboten wird. Mit anderen Worten: Vertragsbindung kann kein Totschlagargument mehr sein. Verträge müssen auch geändert oder aufgelöst werden können (auch wenn de Maizière das in diesen Worten nicht sagte). Die frei werdenden Mittel, sicherte der Minister zu, würden dann wieder für Investitionen genutzt. Nicht für andere Zwecke wie Personalkosten.

Ohne eine solche Verständigung, warnte der Chef des Wehrressorts, greife Variante zwei: Wir lassen alles wie es ist, nehmen das Material ab – können es nicht betreiben und nichts mehr bestellen. Oder, noch ein bisschen deutlicher: Wenn Nein, dann bleibt es so, wie es ist. Das ist für beide Seiten unerfreulich.

Zu dem Dialog will de Maizière die Spitzen der Unternehmen recht bald einladen. Ich bin ja gespannt, welche Großprojekte am Ende tatsächlich zur Disposition stehen.

Nachtrag: Im Bundestag hat sich der Minister heute fast wortgleich geäußert, wie Reuters berichtet: Verteidigungsminister will Rüstungsaufträge rückgängig machen

40 Kommentare zu „Minister zur Rüstungsindustrie: Wir müssen reden.“

  • WB   |   07. September 2011 - 17:29

    Ironie an: Wir.müssen.reden.
    Wer entdeckt die Analogie?
    Wem dient die deutsche wehrtechnische Industrie?

  • schleppi   |   07. September 2011 - 17:43

    Was erforderlich ist und was wir brauchen ist nur so gut wie die Menschen, die es benutzen und betreiben müssen und deren Qualifikation. Es ist schon markig, den investiven Anteil zu Lasten der Attraktivität unberührt zu lassen. Darüber hinaus wäre es interessant zu wissen, wer festlegt, was wir brauchen. In der Vergangenheit gingen Beschaffungen schief, ohne dass es Verantwortliche gab. Ich bin daher dafür, am Kopf anzufangen und nicht am Bauch.Und die Industrie kennt eh die zeitliche Bindungsfrist einer Ministeraussage.

  • NMWC   |   07. September 2011 - 19:10

    @WB
    Würden Sie mir einen Gefallen tun und „die deutsche wehrtechnische Industrie“ definieren.

  • Stefan   |   07. September 2011 - 19:30

    @schleppi | 07. September 2011 – 17:43

    Zitat: „Darüber hinaus wäre es interessant zu wissen, wer festlegt, was wir brauchen.“

    Natürlich das Verteidigungsministerium. Wer sonst?

  • WB   |   07. September 2011 - 20:01

    @NMWC
    Beispielsweise zähle ich die Unternehmen, welche Mitglieder im BDSV sind, dazu:
    http://www.bdsv.eu/de/Ueber_uns/Mitglieder.htm

  • Georg   |   07. September 2011 - 20:14

    @Stefan

    So einfach ist es natürlich nicht.
    Bei Beschaffungen über 25 Mio Euro entscheidet der Haushaltsausschuss und damit gewählte Abgeordnete. Die legen bisweilen eine komische Haltung dar,
    z.B. wollten einige Abgeordnete der Sofortbeschaffung des Eagle IV nur zustimmen, wenn die Bundeswehr bereit wäre eine Kaserne imStadtgebiet von München zugunsten der Stadt München aufzugeben.
    Bei einer Entscheidung bezüglich einer Tranche Eurofighter bestand ein norddeutscher Abgeordneter darauf, der Beschaffungsentscheidung nur zuzustimmen, wenn die Bremer Wehrtechniksparte auch einen Auftrag bekommt.
    Also nicht das BMVg entscheidet in letzter Konsequenz, sondern der Haushaltsausschuss. Bisweilen kommt es da aufgrund von lokalen Abgeordeten zu komischen Entscheidungen.
    Letztendlich wird das beschafft, was die gwünschten Arbeitsplätze der deutschen wehrtechnischen Industrie sichert und mit dem abgelieferten Produkt, z.B. der Panzerhaubitze 2000 ohne Klimaanlage, muss die Truppe dann irgendwie klarkommen.

  • Voodoo   |   07. September 2011 - 20:24

    @ Georg

    Das ist eines der Hauptprobleme der jüngeren deutschen Rüstungsgeschichte… irgendwelche Hinterbänkler profilieren sich auf Kosten und zu Lasten wichtiger Entscheidungen…

  • NMWC   |   07. September 2011 - 20:24

    @Georg
    Wir nähern uns der eigentlichen Problematik von Beschaffungsprozessen.
    Kleine Anmerkung am Rande: Wenn die „deutsche wehrtechnische Industrie“ sich auf Ihre Form der „Zuschusterung“als Garant für Aufträge verlassen würde, wären 3/4 der Unternehmen schon lange nicht mehr existent. Die Wertschöpfung und der Erhalt der Arbeitsplätze geschieht im Export. Der ÖAG sichert eher eine Grundlast.

  • Georg   |   07. September 2011 - 20:38

    @ NMWC

    Die wehrtechnische Industrie braucht die Bw jedoch meistens als Erst- und / oder Referenzkunden. Leider ist das Produkt dann am Anfang des Lebenszyklus noch nicht voll entwickelt, praxiserprobt und manchmal auch nicht praxistauglich (Panzerhaubitze 2000, Fregatte 124, Korvette 130, Eurofighter, Tiger, NH-90 usw. ).
    Wenn die Kinderkrankheiten dann durch kostspielige Nachrüstprogramme (retrofit) behoben sind, geht es zum Verdienen an das Exportgeschäft.

  • TomTom   |   07. September 2011 - 20:40

    Ich bin sicherlich der Letzte, der die Zulieferer der Bw in Schutz nimmt.
    Aber:

    Ein großes Problem im Beschaffungsprozess ist die strikte Trennung (durch das GG vorgegeben) der Nutzer (die sich mit der Materie auskennen) zu den Beschaffern (die mit dem Geldbeutel).
    Letztere entscheiden unter völlig anderen Maßgaben als die Besteller / Nutzer, leider oftmals ohne die nötige Fachkenntnis. Geht das Ganze dann noch zu den Haushältern im Bundestag, wird es noch schlimmer.

    Hier muss man ansetzen, zur Not mit einer Änderung des GG.
    Wie oben schon steht: Vom Kopf her stinkt der Fisch.

    Sicherlich liefert die Industrie auch gelegentlich Müll, oftmals liegt der Fehler aber schon in der Forderung, die durch die vielfältigen Instanzen völlig verwaschen wurde.

    Auf beiden Seiten, Militär und BWB, muss es projektbasierte Arbeitsgruppen mit der entsprechenden Stehzeit in diesen Gruppen geben und einer klar geregelten, eindeutigen und für jeden einsichtbaren Verantwortung.

  • Bang50   |   07. September 2011 - 20:42

    Da ist schon eine gehörige Portion Heuchelei dabei. Der Minister mag es ja gut meinen, jedoch scheint ihn sein eigenes Resort über die wirklichen Ursachen der Beschaffungsmisere im dunkeln zu lassen.
    Die totale Inkompetenz der BW in komplexen Beschaffungsprozessen ist der Grund für den jetzigen Zustand.

    Das läuft in der BW etwa so:

    1.General/Admiral will unbedingt ein neues Spielzeug. Dieses Spielzeug muss natürlich als so wichtig und unglaublich toll eingestuft werden damit es genügend priorisiert wird.

    2. Da es so unglaublich tolle Features hat, kommt natürlich keine Kauflösung in Betracht, sondern stets nur eine Neuentwicklung.

    3. Es wird ein Lastenheft geschrieben das vollkommen überzogen ist und ausschließlich Angstdefinierungen enthällt. Der Verfasser möchte ja später nicht die Verantwortung übernehmen wenn etwas nicht erfüllt wird. Damit auch wirklich 1000% Prozentig nichts schief geht, muss das ganze natürlich „Modular“ und „Aufwuchsfähig“ gestaltet sein.

    4. Bei den Managern in den Rüstungsfirmen knallt dieses „Lastenheft“ auf den Tisch. Die vollkommen überzogenen Forderungen lassen die Dollarzeichen in die Augen der Manager erscheinen. Sie wissen das die BW so dermaßen inkompetent in der Aushandlung von Verträgen ist, das man ihnen jede Budgetüberschreitung und Lieferverzögerung aufs Auge drücken kann.

    5.Nach abgeschlossenen Vertrag bekommen die Ingenieure das Pflichtenheft zum erstenmal zu sehen und kippen fast vom Stuhl.

    6.Nach einigen Jahren kommen immer weitere technische Schwierigkeiten zu Vorschein und erste Verzögerungen werden angemeldet.

    7.Irgendwann stehen die ersten Prototypen bei der Bw auf dem Hof. Es wird Pflichtgetreu mit dem Pflichtenheft verglichen. Der Prototyp fällt durch. Ursache ist die über die Jahre fehlende Kommunikation zwischen Entwickler und Truppenversuch.

    8.Nochmal einige Jahre später steht die Vorserie auf dem Hof. Erst jetzt bekommen dijenigen das Teil zum sehen, die später damit auch arbeiten müssen. Alle sind total enttäuscht von der Umsetzung.

    9. Es wird nochmal angepasst oder eben so ausgeliefert.

    ———————————————————————————————————————-

    Das alles ließe sich wunderbar umgehen wenn man einfach auf große Unternehmen schaut, die Erfahrung in der Beschaffung von komplexen Systemen haben z.b Lufthansa.

    Dazu gehört zuerst ein Projektmanager in der BW, bei dem alle Fäden von der ersten Sekunde zusammenlaufen. Sein Kopf rollt, wenn das Projekt auf die schiefe Bahn gerät.
    Es setzen sich alle an einen Tisch: Manager, Generäle, Ingenieure, Soldaten.
    Es wird das Lastenheft ausgearbeitet. Während die ersten Vorentwicklungen laufen, machen die Manager und die BW die Verträge.
    Bei der Entwicklung arbeiten die Ingenieure der Industrie und der BW Hand in Hand. Der Projektmanager hat die Vollmacht bestimmte Kriterien bzw. Forderungen des Pflichtenheftes zu ändern. Der Projektmanager ist für jeden Schritt des Projektes verantwortlich und muss in jeder Phase des Projektes Auskunft geben können über jedes kleine Detail des Projektes und den Fortschritt. In jeder Phase fließen die Anregungen der späteren Bediener mit ein.
    Wenn die ersten Protoypen die Werkshallen verlassen, muss bereits klar sein, das sie die Forderungen der BW erfüllen werden. Die langwierige Nachweisführung in der Truppe enfällt teilweise.

  • NMWC   |   07. September 2011 - 21:00

    @Bang50
    :-)))

    @Georg
    Das mit dem Referenzkunden ist nur teilweise richtig. Nehmen wir mal das Beispiel Schiffbau: Mit den deutschen Projekten, hier Ihr Beispiel F124, brauche ich im Export nicht ansatzweise antreten. Und wer soll denn damit antreten? Die ARGE? Einen Generalunternehmer mit Designrechten gibt es nicht. Sagt Ihnen das Thema Deutsche Bauvorschriften eventuell was? Diese Vorschriften sind ein Beitrag zu den Problemen der Beschaffung: Kostentreiber und Umständlich…
    Aber von diesen heiligen Kühen will man sich im Amtsbereich BWB nicht verabschieden. Mal ganz abgesehen von den anderen Bereichen im Prüfwesen BW die darin mitunter ihre Berechtigung ableiten.

  • Hohenstaufen   |   07. September 2011 - 21:05

    Ein Grundproblem: Man will sicherheitspolitisch auf Augenhöhe mit Franzosen und Engländern sein, will aber weniger als diese Länder für Verteidigungszwecke ausgeben. Dies funktioniert nicht.

  • Georg   |   07. September 2011 - 21:27

    @ Bang 50

    Bei allen Respekt vor ihrer Fachkompetenz beschreiben Sie das Problem hauptsächlich aus der Sicht der betroffenen Rüstungsindustrie.

    Aus Sicht der Truppe schaut dies etwas anders aus.

    1. Die Truppe / das Führungskdo stellt fest, das ein System in die Jahre gekommen ist und mittelfristig Ersatz benötigt wird.

    2. Es wird eine Arbeitsgruppe auf Ämterebene (z.B. LwFüKdo, WaSysKdo Lw, event. BWB) gebildet und die stellt den operationellen Bedarf für eine baldige / zukünftige Fähigkeitslücke fest. Es wird je nach Komplexität des Problems eine „Abschließende Funktionelle Forderung“ event direkt verbunden mit einer „Realisierungsgenehmigung“ erstellt („AF/Reg“). Bei komplexeren Rüstungsvorhaben wird jedoch vor der Realisierungsgenehmigung noch eine Risiko-Minimierungsstudie von der Bw durch die Industrie vorgeschaltet.
    Spätestens jetzt bekommen die Ingenieure der Industrie die Forderungen auf den Tisch. Es ist noch kein Entwicklungsvertrag mit Lastenheft geschrieben worden. Es geht einfach um eine Machbarkeitsstudie.
    Jetzt weiß zwar die Industrie, dass viele Sachen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht machbar sind, die Technologie noch nicht vorhanden ist, aber man möchte sich die Grundlagenentwicklung auch für zivile Produkte von der Bw bezahlen lassen ( entspricht nationaler Industriesubvention ohne Einflussmöglichkeiten von Brüssel). Also wird das Entwicklungs- und Kostenrisiko als handhabbar dargestellt.

    3. Es kommt zum Entwicklungsauftrag. Die Industrie bekommt die Grundlagenentwicklung für neue Produkte bezahlt (z.B. volldigitale Steuerung von Hubschraubern , fly by wire, mit dem NH-90, Kohlenstoffverabeitungstechniken im Flugzeugbau bei NH-90 usw., volldigitale Werkzeugmaschinen beim Tornado usw.)

    4. Prototyp siehe oben

    5. Vorserienmodelle, siehe oben

    6. Truppe bewertet Teile als nicht praxistauglich (siehe Komponenten von NH-90), Fußboden, Tragfähigkeit, Beschussfestigkeit, Schnellreperaturmöglichkeiten (Air Battle Damage Repair) usw.

    7. Hoffnungsloser Hickhack zwischen Industrie und Bw beginnt. Die Industrie verliert jeden Tag Geld.

    8. Die Industrie übergeht das BwB und droht der Politik mit Arbeitsplatzabbau (A400M) (politische Erpressung trotz eindeutiger Verträge)

    9. Politik genehmigt die Beschaffung von dem „Edelschrott“ und stellt mühsam zusätzliches Geld für sofortige Nachbesserungsprogramme ( „retrofit“ ) zur Verfügung (siehe Fregatte 124, Korvette 130, Eurofighter usw.).

    10. Die Truppe bringt die neuen Systeme durch enormen Aufwand zur Einsatzreife

    11. Die Industrie exportiert die jetzt funktionierenden Systeme und verdient damit Geld

  • Georg   |   07. September 2011 - 21:41

    @ NMWC

    Die Fregatte 124 war nach der Herstellung nach zivilen deutschen Zulassungsvorschriften nicht geeignet für den internationalen Seeverkehr.

    Ohne Zulassung hätte die ARGE aber nicht ihr Geld bekommen. Also ist sie zugelassen worden mit sofortiger Nachrüstung in der Werft für etliche 100 Mio Euro.

    Das Problem ist eher das seit 10 Jahren eingeführte CPM-Beschaffungswesen.
    Es reicht eben nicht aus der Industrie nur das Lastenheft zu geben und zu sagen wer alles an dem Auftrag noch mitverdienen muss.

    Eine kontinuierliche Begleitung des Projektes während des Entwicklungs- und Baufortschrittes durch Fachleute der Truppe und des BWB (in dem Punkt hat @Bang50 absolut recht) ist absolut notwendig und nicht eine Schlussabnahme nach Parametern, die bereits am Anfang des Projektes unrealistisch waren (die aber die Industrie vertraglich akzeptiert und zugesichert hat).

  • Georg   |   07. September 2011 - 22:07

    @ NMWC

    Es mag sein, dass die Fregatte 124 nicht exportfähig ist, aber spätestens bei den U-Booten der Klasse 212 schaut dies schon ganz anders aus.

  • Voodoo   |   07. September 2011 - 22:33

    Und dieser kleine „Lichtblick“ geht unter im Desaster der K 130, bei dem man aus Kostengründen auf das Qualitätsmanagment seitens des Auftraggebers verzichtet hat (!!!)… Der verantwortliche Staatssekretär lacht übrigens immer noch dümmlich in jede Kamera.

  • Georg   |   07. September 2011 - 22:55

    Off topic

    Heute, 23:10 Uhr im ZDF

    „An einem Tag in Kunduz“

    Dokufiction zum Bombenangriff am 04.09.2009 in der Nähe von Kunduz

    http://www.artikel-presse.de/?p=404886

  • schleppi   |   07. September 2011 - 22:56

    sorry, dass ich erst so spät wieder poste, aber ich musste noch etwas arbeiten. Hab die Beiträge nachgelesen und mich über die vielen sachkundigen Beiträge gefreut. Kennt eigentlich jemand den Unterschied zwischen einem Minister und einem Sanierer?

  • MFG   |   07. September 2011 - 23:15

    Und wenn die F124 zivil nicht zulassbar wäre, ja und? Wen interessiert das denn bitte? Dafür gibt es doch die ganzen Ausnahmeregelungen für die Streitkräfte in den ganzen Gesetzen und zivilen Verordnungen! Aber dann müsste ja jemand in der Bundeswehr für irgendetwas Verantwortung übernehmen und könnte sich nicht absichern.

    Hauptsache, die Bundeswehr hat Millionen für die Minimierung der Radarrückstrahlfläche der F124 ausgegeben und jetzt werden Container für ein Schnellevakuierungssystem auf das Deck geschweißt – Riesenradarreflektoren! Aber nun genügt das Schiff dafür den zivilen Vorschriften, hurra!

  • K.B.   |   08. September 2011 - 0:23

    Eine Ergänzung zum Post von Bang50:

    Der Projektmanager von Seiten der BW wäre ja schön, steht nur leider im Widerspruch mit dem derzeitigen Laufbahnrecht.

    Wenn man einen Oberleutnant nach erfolgreichem Studium und ersten Truppenverwendungen zur Begleitung der Beschaffung eines Systems abkommandiert, wird er dort nicht lange verweilen können.
    Will er noch Hauptmann werden, muss er spätestens nach 3 Jahren weiterziehen – lange bevor das System einsatzbereit auf dem Hof steht.
    Bei den Stabsoffizieren dürfte es wohl nicht anders sein.

    Und somit kann die Bundeswehr allein aus organisatorischen Gründen häufig nur Novizen bereitstellen, denen im Vergleich zu den Ingenieuren aus der Industrie einfach die konkrete Erfahrung mit dem Projekt fehlt.

    Ach so, aber das wird ja selbstverständlich durch die hochkompetenten, für ihre Leistungsfähigkeit und Einsatzfreude geradezu legendären Beamten des BWB locker kompensiert…

  • Bang50   |   08. September 2011 - 1:35

    @Georg – ich werde morgen nochmal etwas dazu schreiben. Möchte nur sagen, das Sie natürlich Recht haben mit ihrer Bewertung das ich aus der Sicht der Industrie geschrieben habe. Möchte auch nochmal die Besonderheit der BW im Vergleich zu anderen Unternehmungen verdeutlichen. Zu den negativen Seiten der Industrie nur noch schnell ein Gedanke vor dem Bett. Die Industrie besteht aus gewinnorientierten Unternehmungen die sich natürlich ihre Grundlagenentwicklung bezahlen lassen, wenn der Auftraggeber sich über den Tisch ziehen lässt. Ergo, der Auftraggeber muss mindestens so viel von der Technik verstehen wie die Industrie damit dies nicht geschieht….dazu morgen mehr.

  • Sachlicher   |   08. September 2011 - 8:46

    @ Bang50 | 07. September 2011 – 20:42

    […]Da ist schon eine gehörige Portion Heuchelei dabei. Der Minister mag es ja gut meinen, jedoch scheint ihn sein eigenes Resort über die wirklichen Ursachen der Beschaffungsmisere im dunkeln zu lassen.
    Die totale Inkompetenz der BW in komplexen Beschaffungsprozessen ist der Grund für den jetzigen Zustand.
    ….
    4. Bei den Managern in den Rüstungsfirmen knallt dieses “Lastenheft” auf den Tisch. Die vollkommen überzogenen Forderungen lassen die Dollarzeichen in die Augen der Manager erscheinen. Sie wissen das die BW so dermaßen inkompetent in der Aushandlung von Verträgen ist, das man ihnen jede Budgetüberschreitung und Lieferverzögerung aufs Auge drücken kann. […]

    Sie und Georg beschreiben IMHO nur einen Teil, dieses aber sehr interessant: Danke dafür. Ich versuche einmal mittels der Quellen Strategie und Technik, Bericht des WB und des SPIEGELS etwas als Beobachter zu schreiben und was mich dabei bewegt.

    Stichworte: Rüstungsprojekte mit Airbus und Eurocopter.

    Seinerzeit galt es zu entscheiden, etwas „eigenes“ aufzulegen oder zu kaufen. Und da gab es wieder unterschiedliche Optionen.

    Es sei einmal an das vom seinerzeitigen Minister Rühe angedachten joint venture mit Antonow erinnert. Damals hieß es: langfristig zu speziell um dies langfristig in den Airbus-Konzern einzubinden und die frz. und dt Wirtschaftsminister beeilten sich einer anderen Option gegenüber hinter her zu schicken, dass man auch nicht den Konkurrenten jenseits des Teiches stärken will.

    Damit waren die Optionen Antonow-Projekt und Boing/ Lockhead Martin, die zumindest schoneinmal eine weiterentwicklungsfähige Plattform hatten, Geschichte bevor sie anfingen. Entschieden auf höchster Ebene (Kanzler in diesem Fall) obwohl die Ministerialbürokratie denkenswerte und publikationsreife Optionen auf den Tisch ihres Ministers legten.

    Eurocopter ist sicher ein spezielleres Problem, aber bzgl. der Blackhawks und Chinooks lief es ja nicht so viel anders.

    Zu den „überzogenen Forderungen“: Ich las mal ein Papier in dem schmähte die Rüstungsindustrie die Bw relativ medienwirksam diese hätte „überzogene“ Forderungen. In zwei relativ ungeeigneten Beispielen, wie ich meine:

    1. Beispiel: Das BWB würde die neuen KFZ „tot“ prüfen bzgl. ihrer Fahrtauglichkeit, insbesondere ging es um den DINGO 1 und dessen Weiterentwicklung. Da man den WTD`s vieles vorwerfen kann, aber gewiss nicht, dass sie unwissenschaftlich arbeiten würden, ließen diese das ganze nicht auf sich sitzen. Was war das Resultat, als man nachhakte? Das in AFG zu Versuchszwecken genommene Bodenprofil lies sich nicht beanstanden, Prüfungszyklus korrekt.

    2. Beispiel: Man beklagte bitterlich, dass die Bw auf eine EMP Härtung bestünde. Schließlich wäre der Einsatz von A-Waffen höchst unwahrscheinlich! Und nun frage ich Sie: Braucht man (heute noch) eine A-Waffe um EMP`s zu erzeugen?

    Ich gebe Ihnen beiden etwas Recht, dass auf der einen (Bw-Seite) allzu oft eine eierlegende Wollmilchsau gefordert wird und die Industrie andererseits mitunter vorschnell sagt: klar, bauen wir. Und wenn es dann doch nicht so schnell und so gut geht, dann wird eben Druck über die „Arbeitsmarkt“-situation gemacht. Oder es wird gleich auf den Punkt „Arbeitsplätze“ verwiesen. Otmals auch deshalb kommt es gar nicht dazu, dass die Bw hier irgendwas entscheidet, höchstens inhaltlich mitarbeitet.

    Da kann dann auch ein „guter Vertrag“ nichts helfen wie man bzgl. AIRBUS sah.

    Noch ein Stichwort zu MANTIS: Was kann die Bw dafür, wenn die USA entscheidet: Nein, verfolgen wir nicht länger? Nicht viel meine ich-ebenso ist es nicht ihre Entscheidungsebene zu sagen: entwickeln wir trotzdem weiter und nehmen auch solche Stückzahlen ab, um es a)pro Einzelsystem bezahlbar zu halten und b)versorgbar zu halten: das wäre als Routine doch schon minimal Entcheidungshöhe StS.

    Dann gibt es natürlich noch den Fall, dass Rüstungsgüter für Vorhaben beschafft wurden, aber, sagen wir: relativ beschaffungsgrundfremd eingesetzt werden. Stichwort MUNGO. Ich las über die Klagen der Truppen in AFG mit diesem System-die Kritikpunkte leuchteten mir auch ein, muss ich dazu schreiben.

    Nun, er war aber -wie seinerzeit publiziert- direkter Ausdruck dessen, eine MilEvakOp durchführen zu können bzw. hier konkret: vom Flughafen bzw. Landeplatz zur Botschaft und zurück unter einem fest definiertem Schutz fahren zu können-hier hatte man Erfahrungen aus Albanien relativ schnell umgesetzt (ob der MUNGO bzgl. MilEvakOp geeignet oder nicht, kann ich nicht sagen, das müsste ein Nutzer beantworten bzw. jemand der darüber las).

    In Ermangelung anderer Systeme wurden diese KFZ dann auch routinemäßig eingesetzt in AFG-was sicher bzgl. dem Willen, maximalen Schutz zur Verfügung zu stellen mit „dem, was man hat, weil es auch nichts neues gab erstmal (Wir erinnern uns doch.)“- Rechnung trug und diesbezüglich auch nicht zu kritisieren ist, aber eben nicht mit dem Beschaffungsgrund (und somit der Leistungsbeschreibung und Leistungsfähigkeit) kongruent ging.

    Es gibt dann drei Möglichkeiten, wie oftmals Bewertung vorgenommen wurde: a) wird nachgebessert, dann heißt es: ja, was habt ihr wie denn da wieder beschafft!
    b) wenn nachgefordert wird, also ein geeigneteres System, dann heißt es: Warum habt Ihr denn nichts anderes beschafft? Besonders letzteres, erhielte aber spätestens dann eine gewisse Note, wenn jemand eine Fähigkeit abmeldete.
    c) wird nichts gemacht, dann: gefährdet das Menschenleben unzulässig.

    Kurz: Ich wünsche mir hier mitunter eine andere, klarere Rhetorik seitens der Bw-Führung z.B. gegenüber dem Haushaltsausschuß. Oder anders: Die Forderungen der Kommandeure vor Ort müssen nicht jedesmal kaputt diskutiert werden. Man solle seinem Urteil auch einmal Vertrauen schenken. Er ist ja Fachmann.

    Aber grundsätzlich hat der Minister und haben Sie beide dann eben doch alle irgendwie Recht: Es muss sich auf allen Seiten etwas ändern.

    @ K.B. | 08. September 2011 – 0:23
    […]…Wenn man einen Oberleutnant nach erfolgreichem Studium und ersten Truppenverwendungen zur Begleitung der Beschaffung eines Systems abkommandiert, wird er dort nicht lange verweilen können.
    Will er noch Hauptmann werden, muss er spätestens nach 3 Jahren weiterziehen – lange bevor das System einsatzbereit auf dem Hof steht.
    Bei den Stabsoffizieren dürfte es wohl nicht anders sein.

    Und somit kann die Bundeswehr allein aus organisatorischen Gründen häufig nur Novizen bereitstellen, denen im Vergleich zu den Ingenieuren aus der Industrie einfach die konkrete Erfahrung mit dem Projekt fehlt. […]

    Im Falle des Stabsoffiziers ließe sich das sicher systemisch schneller lösen, durch Stellenbündelung und entsprechende Laufbahn-Perspektiven. Doch auch hier, und viel mehr noch bzgl. des Obeleutnants, der ja „doppelt Novize“ ist: unerfahren im Bereich des Projektmanagements und auch bzgl. der Erfahrungen im aktiven Dienst.

    Damit stellt sich Ihr Problem genau so für die Truppenteile dar, die Nutzer werden.

    Alles in allem das natürlich holzschnittartig ist und mitnichten die ja zum Teil auch sehr guten Leistungen der Soldaten wie der Industrie nicht schmälern soll. Genauso wie man auch einmal eine gewisse Gelassenheit entwickeln sollte bzgl. der Rückkopplungen WTD/ Nutzer/ Industrie und an Hand dessen vorgenommener Verbesserungen-deshalb ist ein neues System noch lange keine „Totgeburt“ oder am Nutzer gänlich vorbei entwickelt.

    @ MFG | 07. September 2011 – 23:15
    […] Aber dann müsste ja jemand in der Bundeswehr für irgendetwas Verantwortung übernehmen und könnte sich nicht absichern. […]
    Wenn ich als interessierter Leser die Berichte des WB dazu lese, dann ist das so. Möchte aber „in der Bundeswehr“ hier auf die Ausnahmen erlassen dürfende Ebene angesiedelt wissen. Denn der Schiffskommandant z.B. kann IMHO nicht dazu gezwungen werden hier die Verantwortung zu tragen. Er ist nicht „diese Ebene“, folglich ans Regelwerk gebunden.

  • whiterock   |   08. September 2011 - 9:35

    Eigentlich haben ja alle recht. Die Industrie schimpft auf die Bw, die Bw auf die Industrie.

    Die Industrie ist nicht in der Lage gute Produkte pünktlich zu liefern (ich kenne mich da bei NH90 ein bißchen aus) und gibt das auch noch unverfroren zu: bei den legendären Beladeversuchen des NH90 mit den erbärmlichen Ergebnissen gab ein Industrievertreter doch eindeutig zu verstehen, es sei wichtiger Verträge zu erfüllen als einen brauchbaren Transporthubschrauber zu bauen. (Mittlerweile wurde nachgebessert und der Laderaumboden ist kein Thema mehr, dafür gibt es viele andere Themen)

    Und damit sind wir auch gleich auf der Bw-Seite. Wer macht denn dort solche Verträge ? Die Wege bei der Bw sind einfach zu lang und werden immer länger. Eigentlich gute Ansätze im CPM mit Freiheiten und Flexibilität werden kleinteiligst in Ausführungsbestimmungen nach-geregelt. Weil mit Flexibiltät auch Verantwortung verbunden ist – und die will man möglichst nicht haben.

  • Stein   |   08. September 2011 - 11:01

    Wie hat die Bundeswehr eigentlich bis 1990 die vielen, unbestritten vorbildlichen und teils heute noch im Einsatz befindlichen Waffensysteme und Geräte entwickelt und beschafft? Das waren keine Glücksfälle! Vielleicht sollte man einmal die Entwicklungs- und Beschaffungsmechanismen bis zur Einführung der neuen Beschaffungsphilosphie genauer anschauen und ein paar „alte Leute“ dazu befragen. Fakt ist: Man wusste in Deutschland spätenstens seit Ende des 19ten Jahrhundert sehr genau, wie man hervorragendes Wehrmaterial beschafft. Natürlich gab es dort auch fulminate Fehlbeschaffungen, z. B. aufgrund von Fehldeutungen und -interpretionen der realen und zukünftigen Anforderungen, was sich jedoch bei Wehrmaterial wohl niemals ausschließen lassen wird.
    Wenn man fundamentale Erfahrungen aus welchen Gründen auch immer mit Füßen tritt, muss man sich nicht über das Ergebnis wundern. Das bedeutet letztlich auch, das Rad immer wieder teuer neu erfinden zu müssen.

  • Voodoo   |   08. September 2011 - 12:21

    Tja, damals gab es aber keine bzw. nicht soviele Controller und wie sie sich alle schimpfen, die Alles und Jeden in Frage stellen…

  • Bang50   |   08. September 2011 - 13:07

    So ich versuche nochmal meine Gedanken zu ordnen.

    Phase1: Bedarf wird festgestellt
    ——————————————-
    BW heute: Es wird festgestellt das ein System erneuert bzw. eine Fähigkeitenlücke geschlossen werden soll. Hohe Militärs und Arbeitskreise machen sich Gedanken über die Leistungsanforderungen wie z.b HTH soll den Dingo transportieren können, Fly by Wire besitzen, Netzwerkfähig sein, etc… etc… diese Forderungen sind eigentlich nie getragen von technischem Sachverstand sondern stets von einer militärischen Maximalforderung. Zu diesem Schluß komme ich, da sämtliche BW Entwicklungen fast zuverlässig Goldrandlösungen repräsentieren. Diese Forderungen kommen bei der Industrie auf den Tisch. Ein Team von Ingeneuren versucht sich an deiner Desginstudie. Natürlich muss fast alles neu entwickelt werden da die Forderungen so speziell sind. DIe Manager bekommen eine Studie, bei der von einem hohen Entwicklungsaufwand, Entwicklungsrisiko, hohen Finanzansatz und einem gestreckten Zeithorizont die Rede ist. Der Manager der Firma trifft sich mit den Beamten der BW. In den Verhandlungen merkt er, das die Beamten wenig motiviert sind und Verantwortung stets an eine andere Stelle abschieben (eigentlich will niemand was mit dem Projekt zu tun haben). Nur das Geld geben sie bereitwillig (ist ja nicht das eigene) mit einer Mimik die Verrät:“Hier nehmen sie das Geld und sorgen sie dafür das die Sache läuft, ich will nichts hören von Problemen oder sonst was, eigentlich will ich gar nichts mit dem Projekt zu tun haben.“ Der Manager denkt sich:“Okay wenn es euch nicht interessiert und ihr bereitwillig bezahlt, dann gibts jetzt schöne Powerpointpräsentationen und wir lassen uns unsere Entwicklung bezahlen.“ Die Powerpointpräsentationen gehen in der Truppe um. Die Generäle sind begeistert das sämtliche Forderungen berücksichtigt wurden.
    ——————————————————————————————————————-
    so sollte es sein: In der BW kommt jemand zu der Entscheidung das ein neues System beschafft werden soll (hängt jetzt von der neuen Struktur ab, aber am besten wäre der Faden von der Truppe zum Gi). Der Gi bewertet dieses Projekt auf seine Relevanz und die Kostendeckung (die Weisekommission sah für diese Entscheidungsfindung den CIP Rat vor). Es wird ein Projekt gegründet bei der Beschaffungsagentur.

    Exkurs: Die Beschaffungsagentur war auch ein Vorschlag der Weisekomission.
    1.Vorteil: Man kann einen Projektmanager aus der freien Industrie einstellen, der das Projekt über seine volle Länge begleiten kann ohne noch schnell Karriere machen zu müssen oder eben keine Verantwortung übernehmen zu wollen, wie das bei Soldaten oder Beamten der Fall wäre. Dieser Manager haftet mit seinem Job für das Projekt. Für Projektmanagment braucht man jemanden der verdammt gut ist. Den er muss administrativ und prozessorientiert arbeiten. So jemanden findet man eigentlich nur in der freien Industrie und man muss diese Leute sehr teuer bezahlen.
    2.Vorteil: Eine Agentur mit Angestellten kann wesentlich flexibler reagieren in dem sie Stellen aufbaut (z.b die Abnahme von Tiger Hubschraubern) oder Stellen wieder abbaut wenn ein Projekt beendet ist. Dies führt dazu, das man in der heißen Phase der Entwicklung großes Ingenieurspotential frei setzen kann (was sehr sehr wichtig ist)
    3.Vorteil: Zivile Angestellte verstehen sich ehr als Dienstleister der Truppe als dies bei Beamten der Fall wäre, die sich auf ihre Unkündbarkeit verlassen können.

    Der Projektmanager nimmt seine Arbeit auf. Er versammelt sein Team aus Ingenieuren und Soldaten der Truppe. Die Ingenieure arbeiten eine Konzeptstudie aus und die Soldaten kommentieren die Fortschritte auf Grundlage der militärischen Relevanz. z.b :“Muss der HTH wirklich einen Dingo transportieren können?“, „Der HTH sollte robust sein und einfach zu reparien sein im Feld“ etc…
    Diese Phase kann ich nicht stark genug betonen!! Bevor der Auftraggeber überhaupt mit dem Auftragnehmer spricht, muss der Auftraggeber das Produkt schon in seinen Gedanken entwickelt haben. Genau an diesem Punkt sehe ich die Ursache des Übels in der BW!! Genau hier hat die BW in den letzten Jahren Kapazitäten abgebaut und die Reaktionen haben nicht auf sich warten lassen!! Genau hier entscheidet sich, ob man später von der Industrie über den Tisch gezogen wird. Genau hier entscheidet sich ob man eine praxistaugliche Lösung forciert oder Edelschrott produzuiert. In diesem Prozess müssen beide Seiten voneinander lernen. Die Ingenieur was den Soldaten wichtig ist und die Soldaten müssen von den Ingenieuren lernen was sich technisch nur schwer realisieren lässt und deswegen kaum Sinn macht.

    Erst wenn man sich selbst absolut darüber im klaren ist was man ganz genau will, reitet man bei der Industrie vor. Der Projektmanager und sein Team nehmen auch hier die Vertragsverhandlungen war. Die Industrie erhällt den Entwicklungsvertrag, dessen Fortschritt in jeder Phase von Projektteam begleitet wird.

    Wenn das alles so abbläuft, kann es eigentlich nicht mehr dazu kommen, das einem nach 20 Jahren Entwicklung auffällt das jetzt plötzlich die Kabel durchscheuern. Der UHT Tiger ist in dieser Hinsicht ein hervorragendes Negativbeispiel.
    Ein Projekt bei dem sich niemand Verantwortlich fühlt frei nach dem Motto:“ Ups der Kalte Krieg ist ja schon seit 20 jahren aus, haben wir noch gar nicht gemerkt“. Aber das Geld in strömen fließt. Bei allem Verständniss, aber das ist die Verantwortungsdiffusion in der BW, von der die Weisekommission gesprochen hatte. Diesem Projekt hat jegliche administrative Steurung gefehlt. Das die Industrie ihre Spielchen spielt, wenn sie es mit so viel Blödheit zu tun hat, ist selbstverständlich. Würde ich als Chef von einem Konzern auch machen wenn mein Kunde keine Ahnung hat was er eigentlich will, aber bereit ist alles zu bezahlen.

  • Stein   |   08. September 2011 - 15:04

    @Bang50:
    „In den Verhandlungen merkt er, das die Beamten wenig motiviert sind und Verantwortung stets an eine andere Stelle abschieben (eigentlich will niemand was mit dem Projekt zu tun haben). Nur das Geld geben sie bereitwillig (ist ja nicht das eigene) mit einer Mimik die Verrät:”Hier nehmen sie das Geld und sorgen sie dafür das die Sache läuft, ich will nichts hören von Problemen oder sonst was, eigentlich will ich gar nichts mit dem Projekt zu tun haben.”

    Von der üblichen, nicht hilfreichen Diffamierung von „Beamten“, die in Wirklichkeit auch gern mal tarifliche Arbeitnehmer im öffentl. Dienst sein können, einmal ganz abgesehen:
    Komisch, dass es auch frühere Rüstungsingenieure und -Techniker (!) zivile Beamte, Angestellte oder im Kriegsfalle uniformierte Beamte gewesen sind, die sehr erfolgreiche Entwicklungen und Beschaffungen unter schwierigsten Bedingungen, oft im harten Streit aller Beteiligten miteinander um die beste Lösung, durchgezogen haben. Lesen entsprechender Fachliteratur hilft auch hier weiter.

    Den Kern des Problems treffen Sie mit dieser Behauptung sicher nicht!

    Zu 1. Vorteil, 2. Vorteil, 3. Vorteil:
    Eine Handvoll supertoller, natürlich nicht-bundeswehrangehöriger Agenturmanager soll also heute Zitat: „Hubschrauberabnahme“ und morgen vielleicht neue U-Boote projektieren und ihr „Ingenieurpotential“ en gros und en détail mal eben umpolen? Das ist Heim-PC-Simulatorniveau, Marke „Rüstungsmanager 2011“, tut mir leid.

    Bei dem, was Sie weiter darunter schreiben, haben Sie in Teilen schon eher meine unmaßgebliche Zustimmung.

  • Ulenspiegel   |   08. September 2011 - 16:17

    @Stein

    Auch wenn ich Ihre Kritik an Bang50 zum größten Teil nachvollziehen kann, so stellt sich mir die Frage, wie das m.E. grundsätzliche Problem – das Betatesting findet beim Kunden auf Kosten des Kunden statt – bei Rüstungsgüterbeschaffung vermieden werden kann.

    Ein Weg wäre bei vielen Projekten, von Anfang an nur auf dem Markt vorhandene Technologie zu verwenden. Allerdings muss dann R/D, um Zuwachs an wenig massentauglicher Technologie zu erhalten, breiter gefördert und verwaltet werden, Problem wird nur evtl. verschoben.

  • Bang50   |   08. September 2011 - 16:47

    @Stein

    Es tut mir Leid wenn ich von jemanden die Gefühle verletzt habe.

    Ich schaue mir die Rüstungsbeschaffungen der BW von außen an und muss zu dem Schluß kommen das an keiner Stelle jemand die Verantwortung übernehmen möchte für das was da schief läuft.

    Tiger…wie kann es sein das nach zig Prototypen unerwartete Verkabelungsprobleme auftreten? Wer ist dafür Verantwortlich?
    Wie kann es sein das keinerlei Anpassungen in den letzten Jahren erfolgten? Wer lenkt das Projekt?

    K130…wir stellen fest das es schwere Schiffbauliche Mängel gibt, nachdem bei dem Kahn die Getriebe auseinander gefolgen sind. Wer hat das Projekt kontrolliert? Warum fällt das jetzt erst auf nachdem was bei dem Schiff kaputt gegangen ist?

    Diese Liste kann ich bei belieben weiterführen.

    So….alles was ich sehe sind schwere Versäumnisse in der administrativen Kontrolle des Projektes. Das können Sie nicht klein reden oder weg reden. Es ist Fakt.
    Also hat die BW eben nicht die Strukturen die eine zuverlässige Steuerung von Entwicklungsprojekten zulassen.
    Wenn sich im System niemand finden lässt der für irgendwas Verantwortlich ist (die BW fällt ja bei den Schreckensmeldungen jedesmal aus den Wolken) dann nennt man das Verwantwortungsdiffusion. Das impliziert das bestimmte Leute die Verantwortung eben nicht haben wollten. sorry

    Auf einen Angestellten kann ich mehr Druck aufbauen wenn er Angst um seinen Job hat als auf einen Beamten. Oder ist das nicht so?

    Jemanden dem ich die Verantwortung für ein Projekt übergebe, kann sich später nicht darauf berufen von nichts gewusst zu haben (In diesem Fall hat er seinen Job nicht richtig gemacht und fliegt raus). Ist das nicht so?

    Ist es nicht die Wahrheit, dass das BWB große Probleme hat gutes, qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl zu organisieren?
    Beamtenstatus ist eben nicht für jeden attraktiv sondern in erster Linie die Bezahlung. Ganz besonders wenn man noch etwas anderes vor hat als bei der BW zu versauern.

    Zu den fachlichen Qualifizierungen eines Projektmanagers. Dieser muss primär ein gutes Verständniss davon haben wie die Prozesse in einer Entwicklung (später Fertigung) ablaufen. Er muss grundlegende Richtungsentscheidungen treffen, er muss verstehen wie die Industrie tickt. Dafür brauche ich jemanden aus der Industrie und nicht den BW Strukturen.
    Er ist nicht die Person welche am CAD Rechner sitzt und Entwürfe macht. Er ist nicht derjenige der am Tiger die Endabnahme macht.
    Bitte dividieren sie dies auseinander.

    Die BW hat und hatte früher herausragende Fachleute. Aber diese hat sie in den letzten Jahren massiv abgebaut oder die Strukturen sind so diffus geworden das sie keine Wirkung mehr entfallten können. Das ist übrigens auch meine zentraler Kritikpunkt!
    Also tun wir den guten Leuten doch einen Gefallen, indem wir sie aus diesem Sumpf rausholen und in ein System integrieren in dem sie wieder Wirkung entfallten können weil die Strukturen ganz klar sind und sie wieder wesentlich mehr Ermessungsspielraum haben. Ein System in dem sie leistungsgerecht bezahlt werden und in dem auffällt wenn jemand keine Leistung bringt.

    ———————————————————————————————————————-
    Da Sie mir ja vorhalten das diese Leute sich bewährt haben, müsste man doch danach fragen warum sie es jetzt nicht mehr tun? Ich als Aussenstehender kann nur Mutmaßen.

    Da Sie mir vorhalten ich sollte mich durch lesen bilden, tue ich Ihnen den Gefallen. Lassen sie uns über die Entwicklung des Leopard 2 sprechen.

    Die BW wollte einen neuen Kampfpanzer der Feuerkraft, Schutz und Mobilität gut vereinte. So das wars inetwa…mehr Vorgaben gab es eigentlich nicht.

    Die Fachleute der BW und der Industrie begaben sich auf einen langen Weg. Sie wussten das sie einen neuen Kampfpanzer konstruieren wollten nachdem KPz70 an der Technik scheiterte. Ansonsten hatte man keine genauen Vorstellungen. Man begann zu probieren und Prototypen zu bauen. Man baute neue Prototypen und probierte weiter. Nach dem Jom-Kippur-Krieg bekam der Panzerschutz ein höhere Priorität. Man baute wieder neue Prototypen. So ging es weit über 10 Jahre vor sich hin, ohne das man auch eine Idee gehabt hätte wie er am Ende aussehen soll. Man probierte einfach und verfeinerte daraufhin. Irgendwann war man der Meinung einen sehr guten Kompromiss gefunden zu haben nach dieser langen Suche und focierte die Serienfertigung. Während dieser ganzen Zeit hatten alle an diesem Projekt beteiligten fast Narrenfreiheit in ihren Entscheidungen. Das ist was sich heute geändert hat.

    So und jetzt vergleichen sie die Geschichte mit meinem Vorschlag. Sie werden leicht herausfinden, das ich im Prinzip nichts anderes vor habe. Für mich ist die Vorentwicklung in der Truppe bei der ständig an die realen Bedürfnisse angepasst wird, das Maß der Dinge. Bevor man überhaupt an Serienfertigung denkt, hat man das Teil eigentlich schon in Gedanken fertig entwickelt und erprobt.

    Da inzwischen einige Jahre vergangen sind, und die Projekte technisch komplexer geworden sind und auch mehr Subunternehmer bedient werden müssen, braucht man eben inzwischen jemanden der die Übersicht behält damit der „Selbsfindungsprozess“ nicht aus dem Ruder läuft, eben den Projektmanager.

    —————————————————————————————————————–

    p.s was ich hier predige, basiert auf meinen Erfahrungen als Angestellter eines mittelständischen Unternehmenes in der Abteilung des Prüfmittelbaues.

    Wir haben z.t sehr komplexe Spezialmaschinen (meist Einzelanfertigungen) gebaut für andere Abteilungen der Firma.
    Auch hier haben wir immer die gleichen Erfahrungen gemacht:

    Abteilung X wünscht sich eine Maschine die am besten alles kann und für jedes Produkt der Firma geeignet ist. Gedanken über die technische Realisierung hat man sich nicht gemacht, da der Mensch eben Denkfaul ist.
    Man kommt mit dem ersten Pflichtheft an, bei dem die Auftraggeber erst mal vom Stuhl kippt weil es viel zu teuer ist.
    Erst jetzt setzt man sich wirklich zusammen und redet darüber:“ Braucht ihr wirklich 3m/s Positionierungsgeschwindigkeit?“, „öhm na ja…“ , „Wenn wir um die Hälfte reduzieren kommt uns das für das Modul4 mal billiger“, „ach na gut eigentlich gar nicht so wichtig“

    usw….

    in der Entwicklung kommt es dann oft zu neuen Problemen da manche Systeme die vom Hersteller versprochenen Leistungen nicht bringen. Man muss sich wieder zusammensetzen:“Braucht ihr diese Messgenauigkeit?“,“Ja die brauchen wir unbedingt für die und die neuen Produkte“ ,“ Okay da gibt es eine Lösung von Ti welche jede Maschine etwas 10.000 Euro teurer macht“, „okay wir denken darüber nach“…….etwas später:“Also eigentlich brauchen wir nur eine Maschine mit der hohen Messgenauigkeit für die neuen Produkte, die anderen 3 werden die anderen produkte bedienen:“

    (Der letzte Absatz verdeutlicht wie Zeit und Budget überschritten werden kann)

    mit der Zeit hatte es in unserem Betrieb einige Umgestaltungen gegeben.

    Plötzlich wurde von den Auftraggebern verlangt das sie sich sehr genau mit den Anforderungen für neue Maschinen befassen mussten. Siehe da, vieles war plötzlich gar nicht mehr so wichtig wie am Anfang propagiert:“ Ach, diese teuren Vorrichtungen können wir eigentlich bleiben lassen“ etc.. etc…

    Desto besser die Vorarbeit war, desto zügiger und problemloser ging die eigentliche Entwicklung/Fertigung von statten. Dann war auch noch jemand da, wo die Verantwortung für die Projekte übernahm als direkter Ansprechpartner. Von dem man dann zu hören bekam:“ Herr XX bitte machen sie die Verkablung des Moduls 12.13 diese Woche fertig, das hat Priorität. Denn nächste Woche kommen die anderen Teile und wir können mit den ersten Probeläufen beginnen“

    Hat alles wunderbar funktioniert….ist wirklich kein Hexenwerk.

  • klabautermann   |   08. September 2011 - 17:45

    K.O.P.F………nennt man das ;-)

  • K.B.   |   08. September 2011 - 18:19

    @Stein:

    „Lesen entsprechender Fachliteratur hilft auch hier weiter.“

    Können Sie ein paar Leseempfehlungen aussprechen?

  • Stein   |   08. September 2011 - 18:20

    @Bang50:

    Die erfolgreiche Entwicklung und Beschaffung von Wehrmaterial ist eine komplexe „Wissenschaft“ für sich, aber grundsätzlich kein Hexenwerk – sehe ich auch so. Innerhalb der Bundeswehr weiß man das aus der Historie heraus ganz sicher ebenfalls, auch wenn es sich „nur“ um beamtete oder uniformierte Techniker und Ingenieure handelt. Dieser Status hat übrigens handfeste Gründe, genau so wie es in anderen hoheitlichen Bereichen Beamte geben muss. Von der Güte dieses wie auch immer beschafften Materials hängen nämlich Gesundheit und Leben der vom Staat entsendeten eigenen Soldaten in äussersten Situationen ihres Daseins, im Krieg, ab.

    Aber es gilt bekanntlich das „Primat der Politik“: Ihre Kritik müssten Sie also an die richten, welche die grundsätzlichen Vorgaben machen (z. B. Privatisierung) , die Richtlinien des Handelns aufstellen und die dafür zur Verfügung stehenden Ressourcen bestimmen: Die Regierung, den Gesetzgeber, die Politik!

  • NMWC   |   08. September 2011 - 19:15

    Es dreht sich doch um das eine Thema: Zusammenarbeit!
    Deswegen haben Prozesse wie von Bang50 beschrieben funktioniert. Ebenfalls bei den anderen Beschaffungsprojekten bis zum Tage X. Wann der kam kann ich nicht genau sagen. Aber mittlerweile ist es doch so, dass jeder jeden vorführen will. Das hat m.E. derzeit Priorität. Ich bleibe dabei mal bei meinem Erfahrungshorizont Marine und Werften. Das BWB PA See versucht die Werften vorzuführen, die Werften das BWB und dann die Mitglieder der ARGE sich gegenseitig. Und das soll funktionieren? Auf einer gewissen Ebene ist niemandem mehr an einer wirklichen Lösung von Problemen gelegen. Nur noch Theater.
    Bezüglich der Expertise und der Verantwortlichkeiten muss ich @Bang50 zustimmen. Bsp. BWB PA See. Die Zahl der qualifizierten Techniker A15 und höher ist mitunter gering bis gar nicht mehr vorhanden. Aber dafür die Zahl der Juristen, Verwaltungsbeamten und Controller. Da trägt auch der 2Jahreswechsel im Amtsbereich massiv bei. Ein guter Freund aus dem Amtsbereich hat dazu mal gesagt: „Wir betreiben aktiv Wissens- und Erfahrungsvernichtung. Unblaublich…“
    Dies ist natürlich nur nein kleiner Baustein. Aber er trägt massiv zum Zustand bei. Der Rest verdichtet sich für micht aber auf den oberen Teil dieses Beitrags: Zusammenarbeit!!!!!

  • klabautermann   |   08. September 2011 - 19:26

    @NMWC

    Als der erste und einzige AL WEM kann ich Ihnen versichern, dass das verlorene Ko-Operations-KH nicht mehr re-engineer-bar ist……Sts Dr. St. sei Dank

  • NMWC   |   08. September 2011 - 19:53

    @klabautermann
    Weiss ich doch…manchmal lasse ich mich halt zur Sendereihe „Utopie“ hinreissen..;-)

  • BausC   |   09. September 2011 - 10:48

    Ein Problem ist sicherlich auch, dass im BWB, der Abteilung Haushalt, der Rü und in den militärischen Organisationsbereichen, keine Dummköpfe sitzen. Leider haben diese klugen Menschen auch sehr kreative Möglichkeiten, sich auf höchstem Niveau Steine in den Weg zu legen. Auch wenn sich das nach Ironie anhört, so ist es von mir leider gar nicht so gemeint.
    Es muss klar ausgedünnt werden. Aber was viel wichtiger ist, dass die über Jahrzehnte überflüssig gesammelten Verfahren wieder abgeschnitten werden. Jeder weiß hier wie schwer uns das fällt.
    Also klare Verantwortlichkeiten zuteilen, bedeutet aber auch Macht und Geld zubilligen. Heist z.B. das ministerielle Konsensprinzip abschaffen. Am Ende muss einer stehen der sagt wie es gemacht wird. Und das kann nicht immer der Minister sein, denn dann können wir uns den Bereich darunter sparen.

  • Ex-Soldat   |   09. September 2011 - 11:45

    Gespräche des Ministers mit der deutschen Industrie sind für den beabsichtigten Zweck nicht hinrechend. Die freizusetzenden Mittel sind in internationalen Projekten gebunden. Somit wären internationale Übereinkünfte nötig, um dass angestrebte Ziel zu erreichen. Dies ist ungleich komplizierter und wird aller Voraussicht nach nicht in der eigentlich erforderlichen Kurzfristigkeit gelingen, wenn überhaupt. Dennoch ist die Kernaussage korrekt. In der derzeitigen dramatischen Situation wären auch kleinere Teilerfolge etwas, das (im Kleinen) der Bundeswehr und damit der Truppe helfen könnte.
    All das ist natürlich nicht neu und es bleibt der fade Nachgeschmack, dass jetzige Minister noch nicht viel zustande gebracht hat als die überflüssige fachliche Demontage seines Vorgängers.

  • RLG   |   10. September 2011 - 10:40

    Ich mus in vielen Bereichen hier zustimmen, jedoch kommt mir ein Aspekt zu kurz:
    Die Bundeswehr beschafft viele konkrete Produkte nicht aus militärischer Notwendigkeit oder weil diese im Vergleich besser/günstiger/verlässlicher sind, sondern einzig und allein um eine gewisse Firma oder einen politischen Partner zu unterstützen. Das bessere/günstigere/sinnvollere Produkt bleibt auf der Strecke!
    Dafür gibt es genügend Beispiele: HERON, WABEP, F125, TIGER oder der zukünftige HTH!

    Beispiel HTH: Begründung gem. GenHFlg: Wir wollen einen DINGO als Innenlast transportieren. Warum? Weil wir mit Aussenlast nicht so manövrierfähig sind und somit nicht so tief fliegen können… (ohne Worte…)
    Inoffizielle Begründung: Bei möglicher Aussenlast gäbe es ja schon genug Produkte (Chinook, CH-53K..) und dann könnte man der Firma Eurocopter nicht wieder Milliarden zur Verfügung stellen um etwas zu entwicklen was man in einer Stückzahl von ca. 20, max. 40 beschaffen könnte!
    Schon fast lustig ist der prognostizierte Preis des HTH: Man weiß noch nicht genau ob er ein Tandem wird (ala Riesenchinook) oder konventionell (ala Riesen-CH), aber der Hubscharuber „wird“ ca. 100Mio/Stück kosten. Was sollte der A400M ursprünglich kosten? Da war doch was… Und das Beste: die Entwicklungskosten, aber das ist ein anderes Thema…

    Das mag jetzt zynisch klingen, aber das ist insgesamt eine Verschwendung von Geld, aber wie sagte das mal ein Oberst aus dem BMVg: Was wir nicht dürfen, ist eine europäische Firma (EADS/Airbus) zu unterstützen/subventionieren um konkurenzfähig gegen eine amerikanische Firma (Boeing)zu bleiben, uns kann aber niemand verbieten für ein Produkt das mehrfache seines Wertes zu bezahlen…

    In diesem Sinne: Ja, wir müssen reden, aber wo wollen wir anfangen…

  • Echo   |   11. September 2011 - 18:52

    @ Thomas Wiegold

    Tja, um welche Großprojekte, die schon „bestellt“ sind, mag es gehen?
    Das ist doch ganz einfach, um die finanziell „dicken Fische“, die noch dazu als Projekt nicht „ganz so gut laufen“ und in diesem Blog auch schon des Öfteren genannt wurden: Eurofighter Tranche 3b, A400M, NH90, TIGER und PUMA.

    Und darüber hinaus natürlich noch eine Stückzahlreduzierung bei einigen großen Projekten, die bisher noch gar nicht unter Vertrag genommen worden sind, z. B. den Flugkörper METEOR für den Eurofighter, Präzisionsabwurfbomben oder dem zukünftigen Marinehubschrauber. Und last but not least werden bestimmt auch einige in der Nutzung befindlichen großen Waffensysteme wie der Kampfpanzer Leopard 2 oder die Panzerhaubitze 2000 reduziert.