Nachlese: Der Angriff in Kabul

Zur lang andauernden Attacke in der afghanischen Hauptstadt Kabul am 13. September, die sich bis in den 14. September hinzog, gibt es jetzt beim NATO Channel eine Nachlese:

Und zur Ergänzung: Die Los Angeles Times berichtet über die Stimmung in Kabul.

RC N Watch: Chef der Ortspolizei in Kundus erschossen

Der Chef der örtlichen Polizei (Afghan Local Police, ALP) in Kundus ist am Samstagabend erschossen worden, vermutlich von Taliban. Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet heute:

Unknown armed men gunned down a local police commander and his son in Kunduz province, 250 km north of capital city Kabul, Saturday night, police said Sunday.

„Unidentified armed men opened fire on Abdul Khaliq, the commander of local police in Kunduz city, the capital of Kunduz province, last night, killing him along with his son,“ police spokesman in Kunduz city Sayed Sarwar Hussaini told Xinhua.

Auch die Bundeswehr sagt Nein

Das Verteidigungsministerium hat heute die Zahl der Freiwillig Wehrdienstleistenden zum nächsten Einberufungstermin 4. Oktober bekannt gegeben: 4.400 junge Männer und 142 Frauen treten ihren Dienst an, mit einer durchschnittlichen Verpflichtungszeit von 15 Monaten.

Nun ist es, sagt das Ministerium, noch zu früh, nach den bislang erst zwei Einberufungsterminen nach Abschaffung der Wehrpflicht (3.459 kamen Anfang Juli) eine Bilanz über die Attraktivität dieses bis zu 23 Monate dauernden Freiwilligen Wehrdienstes zu ziehen. Zwei Dinge fallen allerdings auf den ersten Blick auf:

Zum einen: 142 Frauen unter den insgesamt 4.542 Neuanfängern – das sind, wenn ich richtig gerechnet habe, gerade mal knapp über drei Prozent. Nicht besonders viel.

Zum anderen: Von den 3.459, die im Juli den Dienst angetreten haben, haben 780 bereits den Dienst beendet. Die meisten (143) aus privaten Gründen (was immer das im Einzelfall bedeutet; die Systematik legt nahe, dass damit nicht andere Vorstellungen von der Bundeswehr gemeint sind, das ist eine separate Rubrik). Aber auch 135 Soldaten wurden von der Bundeswehr wieder nach Hause geschickt. Das heißt: auch die Streitkräfte werden wählerischer.

Noch mehr Bundeswehr auf Piratenjagd

An diesem Wochenende verstärkt die Deutsche Marine ihr Engagement gegen Piraterie am Horn von Afrika: Ein Seefernaufklärer Orion P-3C wird zusätzlich zu den Fregatten Bayern und Köln von Djibouti aus die Seegebiete nach verdächtigen Mutterschiffen der Seeräuber absuchen – den Golf von Aden, das riesige Somali-Becken und vermutlich auch das Rote Meer, wo in jüngster Zeit zunehmend Piratenangriffe gemeldet wurden. Das Vorkommando der Marineflieger ist schon seit einer Woche in Ostafrika.

Ein Grund für die starke deutsche Präsenz ist sicherlich, dass die Bundeswehr derzeit das Force Command der EU-Antipirateriemission Atalanta innehat. Und dennoch: nach meiner Erinnerung (die falsch sein kann) waren noch nie mehrere Fregatten und ein Maritime Patrol Aircraft gleichzeitig in der Antipirateriemission eingesetzt. (Es gab schon eine ähnlich starke Präsenz zu früheren Zeiten; allerdings bedingt dadurch, dass ein Schiff gegen Piraten und ein weiteres in der Operation Enduring Freedom zur Terrorismusbekämpfung eingesetzt war.)

(Nachtrag: I stand corrected. Ein Leser hat mich darauf hingewiesen, dass es schon mal sogar drei Fregatten und einen Seefernaufklärer der Deutschen Marine bei Atalanta gab. Nachzulesen bei Augen geradeaus! vom 21. April 2009.)

Vielleicht fällt dann nicht so auf, dass die Deutsche Marine derzeit keinen Tanker stellen kann.

Archivbild: Orion P-3C im März 2010 in Djibouti (Foto: Bundeswehr/PIZ Einsatzführungskommando via flickr unter CC-Lizenz)