Nach dem Tod Rabbanis: Nur Verzweiflungstaten der Aufständischen in Afghanistan?

Den tödlichen Anschlag heute in Kabul auf den afghanischen Ex-Präsidenten Burhannudin Rabbani, inzwischen Vorsitzender des Hohen Friedensrates, zu bewerten maße ich mir nicht an.

Allerdings stellt sich auch für den Beobachter von außen die Frage: Bei aller militärischen Unterlegenheit der Taliban und anderer Aufständischen-Gruppen, bei allen berechtigten Hinweisen darauf, dass sie taktisch und operativ keine Erfolge erzielen – sind solche Anschläge, wie der von wenigen Tagen auf die US-Botschaft und das ISAF-Hauptquartier und die Serie der tödlichen Angriffe auf afghanische Führungspersonen wirklich nur als Verzweiflungstaten der Aufständischen zu werten?

Dieses Erklärungsmuster von ISAF und westlichen Staaten scheint mir zunehmend dünn. Denn auf die Wahrnehmung im Land selbst haben diese Attacken eine verheerende Wirkung.

(Und noch eine andere Frage, die auch die deutsche Politik beantworten muss: hat der Tod Rabbanis Auswirkungen auf die Afghanistan-Konferenz Anfang Dezember auf dem Petersberg bei Bonn? Und wenn ja, welche?)

„Da schießt doch einer auf uns!“

Sehr lobenswert: nachdem der Anschlag mit IED und Schüssen auf eine deutsche Patrouille im Distrikt Archi nordöstlich von Kundus am 15. September zunächst nur eine knappe Meldung war, hat bundeswehr.de heute eine ausführlichere Geschichte dazu nachgeschoben: Im Feuerkampf – Feindberührung in der nordafghanischen Wüste

Da wird nicht nur die Dramatik der Situation deutlich (kein MedEvac mit Helikopter möglich…), sondern auch die zunächst etwas widersprüchliche Lagedarstellung geklärt: Erst kam der IED-Anschlag, dann die Schüsse aus dem Hinterhalt (in Meldungen vor allem von ISAF war es umgekehrt geschildert worden).

Kosovo: Die Spannung hält an

Das Verschwinden der Meldungen aus dem Kosovo aus den deutschen Nachrichten bedeutet nicht, dass sich die Lage dort beruhigt hätte, im Gegenteil. Ein Blick auf die Meldungen des (serbischen) Senders B92 zeigt: Die serbische Bevölkerung im Norden des Kosovo hält ihre Barrikaden aufrecht – und die beiden umstrittenen Grenzübergänge zwischen dem Kosovo und Serbien, Jarinje und Brnjak, sind weiterhin blockiert. Nicht von KFOR, die diese Übergänge unverändert kontrolliert, sondern eben von den Kosovo-Serben.

KFOR hat zudem offensichtlich innerhalb des Kosovo-Nordens Checkpoints eingerichtet – die wieder zu neuen Protesten führten. Mit anderen Worten: eine derzeit noch ruhige, aber angespannte Lage. Und offensichtlich stehen deutsche Soldaten weiterhin mitten drin: Auf Fotos der serbischen Agentur Tanjug sind nach wie vor Bundeswehr-Truppen an der Grenze zu sehen.

Update: Am Grenzübergang Brnjak haben die deutschen und französischen KFOR-Soldaten ihre Stacheldrahtsperren abgebaut. Der Übergang bleibt allerdings durch Barrikaden blockiert.

The peacekeeping forces have informed the citizens over KFOR Radio that „customs control has been established at the crossings, and that non-commercial goods is let through at the Jarinje and Brnjak checkpoints, the excise goods is let through at the Merdare crossing, while customs control is also exercised at the checkpoint in southern (Kosovska) Mitrovica.“, reports Tanjug.