RC N Watch: Wieder ein kombinierter Hinterhalt

Mit einer gewissen Verspätung (der RSS-Feed der Bundeswehrseite hatte die Meldung nicht, und in den Medien taucht sie bislang auch nicht auf) der Hinweis auf einen Anschlag auf Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, der einen mittelschwer Verwundeten zur Folge hatte:

Am 15. September wurde um 16.25 Uhr Ortszeit (13.55 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit) eine deutsche Patrouille circa 38 Kilometer nordöstlich von Kundus mit einer versteckten Sprengstoffladung angegriffen.

In der Folge ist ein geschütztes Fahrzeug von der Fahrbahn abgekommen, ein Soldat wurde mittelschwer verwundet und durch den mitfahrenden beweglichen Arzttrupp (BAT) medizinisch versorgt. Gleichzeitig wurde von circa 10 bis 15 Aufständischen das Feuer aus Handfeuerwaffen eröffnet. Nach Feuererwiderung durch eigene Kräfte wichen die Aufständischen aus. Luftnahunterstützung wurde angefordert und vor Ort zur „Show of Force“ eingesetzt.

Sehr knapp, und die Dramatik der Situation lässt sich nur ahnen. Ich frage mich allerdings: wann gab es zuletzt einen solchen kombinierten Hinterhalt – mit IED-Anschlag, gefolgt von einem Feuerüberfall? An Meldungen daran kann ich mich zumindest für die vergangenen Monate im Bundeswehr-Einsatzbereich nicht erinnern, nur an IED-Attacken. Aber vielleicht liege ich auch falsch.

Nachtrag: eine Aktualisierung der Bundeswehr vom Freitagmorgen.

Blockierte Grenzübergänge im Norden des Kosovo

Im Norden des Kosovo stehen, wie eigentlich schon erwartet, die Zeichen wieder auf Auseinandersetzung. Nach Angaben des Belgrader Senders B92 riegelte die internationale Schutztruppe KFOR am Donnerstag den Grenzübergang Jarinje zwischen Nord-Kosovo und Serbien ab. Auf einem Foto der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug sind deutsche Soldaten zu sehen, die an der Grenze Stacheldraht verlegen. Der zweite der beiden umstrittenen Grenzübergänge, an denen es Ende Juli zu schweren Auseinandersetzungen gekommen war, sei von Serben mit Lastwagen blockiert worden. Eine bereits bestehende Barrikade auf der Brücke im Ort Kosovska Mitrovica, die den mehrheitlich serbisch bewohnten Norden des Kosovo vom Rest des albanischstämmig bewohnten Landes trennt, blockiere weiterhin den Verkehr.

(Mehr Fotos der Bundeswehrsoldaten an der Grenze hier bei Tanjug – so weit auf dem Bild zu erkennen, tragen sie nicht den üblichen Gefechtshelm, sondern Polizeihelme mit Visier, die zur Ausrüstung gegen Gewalttäter, der so genannten Crowd and Riot Control-Ausstattung gehören.)

Ein Wiederaufflammen der Auseinandersetzungen war absehbar gewesen – die NATO-geführte Schutztruppe KFOR hatte im August ein Abkommen ausgehandelt, dass die beiden Grenzübergänge Jarinje und Brnjak bis Mitte September unter KFOR-Kontrolle stellt. Zuvor hatten sich die gewalttätigen Auseinandersetzungen daran entzündet, dass die ethnischen Serben im Norden die faktische Kontrolle der albanischen Kosovo-Regierung über die Grenze und damit eine wirtschaftliche Trennung dieser Serben von Serbien ablehnten. Völkerrechtlich ist diese Grenze ohnehin nicht anerkannt, sie gilt als Administrative Boundary Line (ABL).

Am 16. September morgens will die EU-Rechtsstaatmission EULEX die Kontrolle über die Grenzübergänge von KFOR übernehmen, allerdings in Begleitung von kosovarischen Zöllnern. Was dann passiert, ob Proteste in Gewalt umschlagen, wird die spannende Frage.

Dabei habe die geplante Aktion nur das Ziel, das derzeitige faktische Embargo des Warenverkehrs zwischen Serbien und dem Kosovo zu beenden, sagte NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen am Donnerstag während eines Besuchs in Pristina:

(Direktlink: http://ipad.io/hTX)

Erneuter Schießunfall in Afghanistan – wieder mit der P8

Anderswo hab ich schon mal den Spruch erwähnt: Dreimal ist ein Trend. Deswegen stellt sich langsam die Frage: Was ist mit der Pistole P8, der Dienstwaffe der Bundeswehr in Afghanistan?

Heute meldet bundeswehr.de:

Am 15. September hat sich um 11.57 Uhr Ortszeit (09.27 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit) ein deutscher Soldat im Observation Point North (Distrikt Baghlan–e Jadid) während der Schießausbildung unbeabsichtigt mit seiner Pistole P 8 in den Fuß geschossen.

Am 23. August gab es einen weit schwer wiegenderen Zwischenfall mit dieser Waffe:

Am 23. August um 18.20 Uhr mitteleuropäischer Zeit (20.50 Uhr Ortszeit) wurde innerhalb des Camp Marmal in Masar-i Scharif ein deutscher Soldat durch eine Schussabgabe am Kopf schwer verletzt.

(…)

Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen ist Folgendes festzuhalten: Ein Soldat führte eine Sicherheitsüberprüfung an seiner persönlichen Waffe (Pistole P8) durch. Dabei löste sich ungewollt ein Schuss und verletzte seinen Kameraden.

German Navy P8 Pistol

Archivbild mit P8: Gulf of Oman (May 5, 2004) – A Boarding Team member assigned to the German Frigate FGS Augsburg (F213) provides security for the remainder of his team as they board a local cargo dhow.  U.S. Navy photo by Photographer’s Mate 1st Class Bart Bauer via WikiMedia Commons

Und im Dezember vergangenen Jahres starb ein Soldat im OP North, wiederum war eine P8 die fragliche Waffe, wie die Thüringer Allgemeine unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Gera berichtet: weiterlesen

Kosovo: Noch ist es nur der Krieg der Worte

Zur Lage im Kosovo gibt es nach wie vor nur Dritte-Hand-Quellen und wenig direkte Information. Nun gut, damit muss man leben. Aber was vom russischen UN-Botschafter aus New York berichtet wird, lässt schon ein bisschen aufhorchen:

Speaking about the new conflict between Serbs and Albanians in Kosovo, Churkin revealed that the Kosovo Albanian authority in Pristina has announced plans to take over Serb-populated Northern Kosovo by force while the NATO force in the region – KFOR – and EU representatives deployed there to restore peace seem to be going along with what appears to be a very dangerous plan on the part of the Albanian authorities.

(Der Rest des Artikels ist auch bemerkenswert, aber ein ganz anderes Thema, nämlich die möglichen UN-Truppen für Libyen).

Und noch zur Ergänzung die Situationsbeschreibung der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug von heute morgen. Aus deutscher Sicht nicht uninteressant: German KFOR troops replaced U.S. troops at the Jarinje checkpoint on Wednesday.

Nachtrag: Deutliche Worte heute von Serbiens Präsident Boris Tadic:

“I must here express my grave concern: Unilateral action announced to happen tomorrow concerning an attempt of Priština with EULEX to impose customs control at the administrative line in north Kosovo would seriously endanger peace and stability of the whole region. This solution has not been agreed between Belgrade and Priština and therefore it must be prevented,” Tadić stated.

Nachtrag 2: Nun sollen ab Freitagmorgen EULEX und kosovarische Zöllner die umstrittenen Grenzposten übernehmen: KFOR beendet seine Kontrolle im Nordkosovo. Was das für die tatsächliche Lage bedeutet, werden wir dann morgen sehen. Der NATO-Generalsekretär gab sich heute bei seinem Besuch hart: NATO says ready to act to stop violence in Kosovo