Bundeswehr auf Facebook? Das war’s dann wohl.

Da hat die Bundeswehr – von ihrer Karriere-Seite abgesehen – noch nicht mal ’ne eigene Präsenz auf Facebook, da sind solche Dinge für die Bundesregierung – und damit wohl auch für ihre nachgeordneten Dienststellen und Behörden – schon wieder tabu. Aus der Vorabmeldung des Spiegels:

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) fordert ihre Kabinettskollegen zum Facebook- Verzicht auf. „Nach eingehender rechtlicher Prüfung halte ich es für unabdingbar sicherzustellen, dass der Facebook-Button auf regierungsamtlichen Internetseiten in unserer jeweiligen Verantwortung nicht verwendet wird“, heißt es in einem Brief von Aigner, der Ende vergangener Woche an alle Bundesministerien versendet wurde. Auch auf „Fanpages“ für Ministerien solle „angesichts begründeter rechtlicher Zweifel“ verzichtet werden.

Tja. Gibt zwei mögliche Sichtweisen:

Jawoll! Wenn etwas (datenschutz)rechtlich fragwürdig ist, darf auch die Regierung da nicht mitmachen.

oder:

Wenn Millionen vor allem junger Deutscher Facebook als ihren wichtigsten Internet-Tummelplatz und damit auch ihre wichtigste Nachrichtenquelle ansehen – kann die Bundesregierung (einschließlich der Bundeswehr) das einfach übergehen?

Übrigens wieder ein neuer deutscher Sonderweg im Bündnis – die NATO hat da ’ne andere Haltung. Aber andererseits kann man dann vielleicht an geplanten Ausgaben was sparen.

(Gewiss wäre es zu kurz gesprungen, nur den schon lange andauernden Zwist zwischen der Verbraucherschutzministerin und Facebook als Ursache zu sehen.)

Nachtrag: Hui, da geht die Diskussion aber ab, und das am Sonntagnachmittag…

Ich habe vielleicht zwei Dinge nicht deutlich genug gemacht: weiterlesen

Somalia: „Contractor’s paradise“

Es ist eine meiner skurrilsten Erinnerungen an das Mogadischu des Jahres 1993. Im Hotel am K4, dem Verkehrsknotenpunkt, wo sich die meisten internationalen Journalisten versammelt hatten (und an den Abenden, klischee-gerecht, auf der Dachterrasse Gin&Tonic aus dem französischen Container-Marketenderladen am Flughafen tranken), tauchten zwei Amerikaner auf. Sie sahen aus wie Trucker, wie Fernfahrer, und das waren sie auch: Für die Firma Brown&Root hatten sie zwei Lastwagen aus Kenia raufgefahren, bis in die somalische Hauptstadt.

Ein Wunder, das sie durch das im Bürgerkrieg versunkene Land gekommen waren, an den Clans, Milizen und schwer bewaffneten Banden vorbei. Jetzt waren sie auf der Suche nach einem Telefon, um mal bei ihrem Kunden anzurufen, wo sie die Ware abliefern sollten. In Mogadischu gab es damals wie heute kein Telefon (und im Unterschied zu heute noch nicht mal selbstgestrickte Handynetze). Das musste man schon selbst mitbringen – 80 Kilogramm schwer, mit Satellitenschüssel.

Was aus den beiden geworden ist, die man damals wie heute als Contractors bezeichnete – keine Ahnung. Aber vor diesem Hintergrund habe ich mit großem Interesse eine Geschichte gelesen, die der SomaliaReport zusammengestellt hat: Ein Bericht über die internationalen Contractors, die in Mogadischu und Somalia tätig sind. Ein bisschen ein Einblick in die Welt der – nicht nur bewaffneten – Söldner am Beispiel des Horns von Afrika:

Contractor’s Paradise – Part One: Optimists, Mercenaries and Carpetbaggers Descend on Mog

 

Nach 9/11: Zehn Jahre NATO-Bündnisfall

Zum Jahrestag der Anschläge des 11. September bin ich für den NDR der Frage nachgegangen: Was ist eigentlich mit dem NATO-Bündnisfall, der nach diesen Anschlägen ausgerufen wurde?

Die NDR-Sendung Streitkräfte und Strategien zum Anhören hier; das Sendemanuskript kann hier heruntergeladen werden.