Freigelassene Segler, kämpfende Piraten

Eine Aktion somalischer Piraten, die vor allem in Dänemark viel Betroffenheit ausgelöst hat, ist beendet: Die Besatzung der dänischen Segelyacht Ing – ein Elternpaar, drei Kinder und zwei Crewmitglieder – sind nach einer offiziellen Bestätigung des dänischen Außenministeriums frei gelassen worden. Für die Dänen sollen nach Angaben der BBC drei Millionen US-Dollar Lösegeld gezahlt worden sein, diese Zahl wird natürlich nicht offiziell bestätigt. Die Segelyacht war im Februar vor Somalia gekapert worden.

Auch der Frachter MV Panama mit seiner aus Myanmar stammenden Besatzung soll frei gekommen sein – gegen sieben Millionen US-Dollar. Das Schiff war im Dezember vergangenen Jahres auf dem Weg von Tansania nach Mosambik in die Hand der Piraten gefallen. Damals war es eine der südlichsten Kaperungen, die somalischen Seeräubern angelastet werden. Die Freilassung der Panama ist bislang noch nicht offiziell bestätigt.

Unklar ist, ob ein Bericht über Schießereien an Land, die einige Piraten das Leben gekostet haben, mit Auseinandersetzungen zwischen Seereäuber-Gruppen und möglichem Streit um das lukrative Geschäft zusammenhängen.

Und ebenso unklar ist der Hintergrund von heutigen Meldungen aus Italien, der Bordhubschrauber der italienischen Fregatte Andrea Doria, Flaggschiff der NATO-Anti-Piraterieoperation Ocean Shield, sei beschossen worden, möglicherweise von Piraten. Das soll heute morgen vor dem südsomalischen Hafen Kismayo passiert sein, etwa 400 Seemeilen südlich von Mogadischu. Der Hubschrauber war zwar auf Piraten-Patrouille – aber Kismayo gilt auch als ein wichtiger Hafen für die islamistischen Al-Shabaab-Milizen, die gegen die somalische Übergangsregierung kämpfen. Die NATO hat auf die Anfrage nach diesem Zwischenfall bislang nicht reagiert.

Nachtrag: Zu den Schüssen auf den italienischen Hubschrauber die Mitteilung der italienischen Marine im Original und in der Google-Übersetzung. (Sehr hübsch, wie da aus dem Konteradmiral Gualtiero Mattesi unversehens Walter Mattes wird.)

Nachtrag 2 (Danke für den Leserhinweis): Die Marine von Oman scheint jetzt auch härter gegen Piraten vorzugehen – auch zu Lasten von Seeleuten auf gekaperten Schiffen: Three killed in rescue of hijacked dhow off Oman

Minister zur Rüstungsindustrie: Wir müssen reden.

Ein wenig kokettierte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière am (gestrigen) Dienstagabend natürlich mit seinem Ruf als preußisch-strenger Sachwalter, als er auf dem Parlamentarischen Abend des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie den versammelten Managern gleich zu Beginn erklärte: Wer mich kennt, weiß, ich bin ein seltener Gast bei Parlamentarischen Abenden. Es gibt zu viele Verbände, es gibt zu viele Parlamentarische Abende.

Für den Minister war es natürlich dennoch wichtig, gerade bei der Rüstungsindustrie zu erscheinen. Denn in dem großen Paket Bundeswehrreform steckt als einzelnes, aber massives Problem: Wie können die Streitkräfte mit dem Geld, was sie haben, auch das bekommen, was sie brauchen?

Langfristig plant de Maizière, das hat er schon lange angekündigt, grundsätzliche Reformen in der Beschaffung der oft komplexen, meist teuren und oft genug speziell für die Truppe entwickelten Rüstungsgüter – um künftig nicht, wie es einmal ein früherer Luftwaffen-Inspekteur ausdrückte, das Material später als vereinbart, dafür teurer und weniger leistungsfähig zu bekommen.

(Foto: BDSV/Katja Julia Fischer)

Aber unabhängig von dieser grundsätzlichen Frage drängt den Minister wie das Ministerium und die Bundeswehr die Frage, wie und wo kurzfristig dringender Bedarf der Truppe gedeckt werden kann. Dabei ist, sagte de Maizière, nicht die absolute Summe das Problem: 23 Prozent des Verteidigungshaushaltes seien für Investitionen vorgesehen, und er habe nicht die Absicht, da Kürzungen vorzunehmen. Aber unser zentrales Problem ist die Bindung dieser Mittel.

Jeder der versammelten Manager der Rüstungsindustrie wusste natürlich, was gemeint war: Großprojekte, teilweise vor Jahrzehnten begonnen, die einen erheblichen Teil der Investitionsmittel blockieren. Vertragsbindung heisst das, ob das bestellte Material nun noch gebraucht wird oder nicht – zum Beispiel die letzten Exemplare des Eurofighters, die Tranche 3B.

Deshalb die klare Aufforderung des Ministers an die Branche: Wir müssen reden. weiterlesen

Lesestück: Die Eroberung Tripolis‘

Wie die Rebellen sich auf den Kampf um die libysche Hauptstadt Tripolis vorbereiteten und wie Insider-Informationen den Aufständischen halfen, mit NATO-Unterstützung das Gaddafi-Regime zu stürzen – das schildert ein sehr lesenswerter Hintergrundbericht von Reuters:

The secret plan to take Tripoli

In der Länge wird die Geschichte es nie, wenn überhaupt, in die deutschen Medien schaffen. Also das Original lesen, so lange es online steht…