Kosovo: Die Reserve bleibt (vorerst) zu Hause

Ein Update, damit es in dem Eintrag von heute morgen nicht untergeht: Die Lage im Kosovo hat sich beruhigt, wenn auch nicht entspannt. Weiterhin kontrolliert die Kosovo Force (KFOR) der NATO die umstrittenen Grenzübergänge. (Allerdings sind kaum, wie Spiegel Online meldet, Panzer an der Grenze aufgefahren, zumal KFOR gar nicht mehr über Panzer verfügt, höchstens über gepanzerte Mannschaftstransporter – oder habe ich da was übersehen?).

Die Reserve für KFOR, das Operational Reserve Forces (ORF) Bataillon, wird deshalb auch vorerst nicht aktiviert, wie das KFOR-Hauptquartier in Pristina am Abend mitteilte. Damit müssen sich die mehr als 500 deutschen Soldaten, vor allem aus dem Raketenartilleriebataillon 132 aus Sondershausen, jetzt nicht auf den Marschbefehl auf den Balkan einstellen.

17 Gedanken zu „Kosovo: Die Reserve bleibt (vorerst) zu Hause

  1. Das erinnert an ein Zitat von Guttenberg:
    „Die flexible Reserve kann nur unter strengen Vorraussetzungen eingesetzt werden“ :)

  2. Die Aktivierung des ORF-Btl wurde offenbar abgelehnt oder erst gar nicht beantragt.
    Die jeweilige Begründung bzw. Ausrede wäre interessant.
    Wenn man denkt es geht nicht mehr peinlicher…

  3. Andererseits, was hätte diese Reserve denn bewirken können?
    Für riot control an zwei Grenzübergängen sind offensichtlich genug Kräfte vor Ort.
    Und wenn SHTF eintritt, nützen die Artilleristen und ihre österreichischen Kameraden auch nichts mehr.

  4. Was hat das denn mit „Artilleristen“ zu tun?

    Mehr Manpower kann in solchen Lagen nicht schaden. Es zeigt aber mal wieder, daß solche Dinge wie ORF, NRF oder EU-Battlegroup reine Alibiveranstaltungen sind!

  5. Zu @ JCR: Da zeigt sich einmal mehr, dass die Begrifflichkeiten und die dahinter steckenden Fähigkeiten nicht beherrscht werden.

    Das ORF-Btl wird halbjährlich in DEU routierend aufgestellt. Die Soldaten, gleich ob Artilleristen, Flugabwehr oder ABC-Soldaten, werden 12 Monate lang speziell auf die Fähigkeiten CRC (Crowd and Riot Controll, CheckPoints, Objehtschutz etc.) ausgebildet und ausgerüstet. Das ist mehr als ausreichend, egal an welchem Waffensystem man im Grundbetrieb dient.
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    Man kann den Einsatz in der jetzigen Situation mindestens zwei Seiten zu Rate ziehen: Einerseits ist das politische Signal, für 150 Demonstranten gleich die operative Reserve zum Einsatz zu bringen, bedenkenswert, zumal man fieberhaft am Übergang von Gate 2 nach Gate 3, also einer weiteren Truppenreduzierung im Kosovo arbeitet.
    Andererseits hat die NATO eine vortreffliche Chance verstreichen lassen, gerade in Bezug auf Truppenreduzierungen auf dem Balkan zu zeigen, wenn es kracht sind wir binnen 7 Tagen mit der Reserve vor Ort und greifen gezielt und zeitlich begrenzt ein.
    So oder so eine schwierige Entscheidung für die verantwortlichen Truppenführer (oder Militärpolitiker).

  6. Die Aktivierung ORF Btl wurde sehr sicher ernsthaft erwogen. Man hat sich entschieden, es nicht einzusetzen und bewahrt sich somit eine flexible Reaktionsmöglichkeit. Meiner Meinung nach die richtige Entscheidung im Hinblick auf die aktuelle Lageentwicklung.

  7. @ Rübezahl:
    Wie ernsthaft dies erwogen wurde und von welcher Ebene es abgelehnt wurde wäre ja gerade interessant zu wissen. Hat COMKFOR beantragt und JFC Naples hat es abgelehnt? Und selbst wenn, dann muß dies nicht sachgerecht und zweckmäßig sein.
    Welche flexible Reaktionsmöglichkeit duch die Nichtaktivierung betsteht verstehe ich auch nicht.

    Ich kann Zwergnase nur beipflichten:

    Es wäre das richtige Signal jetzt die Reaktionsfähigkeit zu zeigen.
    Für genau diese Lagen ist die ORF da und mit Blick auf die nächste Phase der Deterrent Pressence wäre es umso wichtiger zu zeigen was man kann.

  8. Voellig vernuenftige Entscheidung, die ORF jetzt nicht zu zuenden, denn das haette Belgrad politisch in die Argumentationslinie gepasst, dass KFOR (NATO) einseitig Partei fuer den Kosovo ergreift.

  9. Interessantes Detail: Der Autor des SPON-Artikels, Erich Rathfelder, hat eine Email-Adresse der taz hinterlegt :)

  10. @Hannes

    Nicht erstaunlich, wenn man weiß, dass Rathfelder freier Journalist ist und seit mehr als zehn Jahren vom Balkan vor allem für die taz berichtet.

  11. Beim Entenfüttern am Bonner Rheinufer hört man, dass es im NAC ordentlich Ärger gegeben haben soll. Das politische Signal sei das falsche, wenn die Reseve jetzt eingesetzt würde.
    Kann man nur noch hoffen, das es ab Samstag, nach der Sondersitzung in Belgrad, nicht weiter kracht; denn dann hätte NATOs 4 Tage Reaktionszeit verloren. Schon jetzt sind mit den fixed tasks (PrDSS) die Kräfte der KFOR fast am Ende ihrer durchhaltefähigen Möglichkeiten.
    Alles in allem eine schwierige Situation für den COMKFOR.

  12. Für uns Laien hier: PrDSS? (Würde ich wahrscheinlich irgendwo finden, aber vielleicht können Sie das selbst kurz erklären…)

  13. Das müsste „Property with Designated Special Status“ sein und damit die mil. Sicherheitsbereiche, die man sich an Bein gebunden hat, richtig?

  14. @ T. Wiegold
    Ich weiß, dass Rathfelder ein Freier ist, ich war nur erstaunt, dass SPON die Adresse akzeptiert hat und nicht Angst hat, dass der Eindruck entsteht, man würde Material von der taz übernehmen.

  15. @Zwergnase:

    Hörte man beim Entenfüttern auch wer im NAC Ärger gemacht hat?
    Ich tippe mal DEU und FRA – aus jeweils anderen Beweggründen.
    Entscheidungsfindung mal wieder à la“weil nicht sein kann, was nicht sein darf“.

    Das Signal ist halt immer irgendwie gerade das falsche, wenn es darum geht konsequent zu sein…

  16. PrDSS: Hier geht es um die religiösen Schutzgüter der serbischen Minderheiten im Kosovo, die zum Teil noch immer von NATOs bewacht werden.

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