Vormerken: Fotos von Anja Niedringhaus in Berlin

Es ist noch eine Weile hin bis zum September, aber in den Kalender schreiben kann man es sich schon mal: Die deutsche (Kriegs)Fotografin Anja Niedringhaus, die für die Nachrichtenagenur Associated Press arbeitet, stellt eine Auswahl ihrer Fotos aus. In Berlin, ab dem 10. September (Vernissage ist am 9. September).

(Trost-Hinweis für die, die nicht in Berlin sind: Es wird auch ein Buch mit Bildern geben, das zur Ausstellung erscheint.)

Anja Niedringhaus hat hier im Blog schon mehrfach eine Rolle gespielt, und einige Leser haben sie in Afghanistan persönlich kennengelernt. Mit ihren Assignments auf dem Balkan, im Irak-Krieg, am Hindukusch und in Libyen dürfte sie mehr Einsatzerfahrung haben als (fast?) jeder deusche Soldat…

(Foto © Associated Press/Anja Niedringhaus, via c/o Berlin)

Die Ankündigung der Gallerie c/o Berlin: weiterlesen

Mehr Auslandseinsätze oder nicht? (mit Nachtrag)

Das Interview von Verteidigungsminister Thomas de Maizière im aktuellen Focus habe ich leider noch nicht im Wortlaut vorliegen erst nachträglich im Wortlaut zu sehen bekommen (siehe Nachtrag).  Aber irgendwie stolpere ich über die Formulierung in der Nachrichtenfassung bei Focus Online

„Ein Einsatz mit internationalem Mandat muss immer ein Sonderfall sein. Und zwar nicht nur für Deutschland“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) dem FOCUS. Es sei „nicht normal, dass in einem Land fremde Truppen stehen“, gab er zu bedenken. „Es ist nicht normal, dass man Frieden in einem Land nur schaffen kann durch Eingreifen von außen.“

wenn ich mich an die Rede des Ministers im Mai erinnere:

Militärische Einsätze ziehen weitreichende politische Folgen nach sich. In jedem Einzelfall ist eine klare Antwort auf die Frage notwendig, inwieweit die unmittelbaren oder sonst außenpolitischen Interessen Deutschlands den Einsatz erfordern und rechtfertigen und welche Folgen ein Nicht-Einsatz hat.

Deutschland wird in Zukunft von den Vereinten Nationen mehr als bisher um den Einsatz von Soldaten auch dann gebeten werden, wenn keine unmittelbaren Interessen Deutschlands erkennbar sind. Für andere demokratische Nationen ist so etwas längst als Teil internationaler Verantwortung selbstverständlich. Wohlstand erfordert Verantwortung. Das gilt auch für die deutsche Sicherheitspolitik. Ich werbe dafür, dass wir auch unter diesem Gesichtspunkt die Anfragen nach Einsätzen bewerten.

Mache ich da einen logischen Fehler, wenn ich da Ansätze eines Widerspruchs sehe?

(Ganz nebenbei, liebe Kollegen von bundeswehr.de: Es wäre hilfreich, wenn ihr die Links zu Minister-Reden nicht nachträglich verändern würdet. Das würde das Auffinden doch erleichtern.)

Nachtrag: Im Wortlaut des Interviews liest es sich deutlich differenzierter:

Ein Einsatz mit internationalem Mandat muss immer ein Sonderfall sein. Und zwar nicht nur für Deutschland. Es ist nicht normal, dass in einem Land fremde Truppen stehen. Es ist nicht normal, dass man Frieden in einem Land nur schaffen kann durch Eingreifen von außen. Aber unter Berufung auf unsere Geschichte im 20. Jahrhundert, von Hitlers Nationalsozialismus über Auschwitz zum geteilten Deutschland, Verantwortung abzulehnen, die andere, auch kleinere Demokratien selbstverständlich übernehmen – diese Ausrede haben wir nicht mehr.

Nüchtern abzuwägen sind vielfältige andere Gründe für oder gegen einen Einsatz. Was fordert die Bündnispflicht? Wie gut können wir das, reichen unsere Kräfte aus, haben wir geeignetes Material? Ist ein Einsatz, den die Vereinten Nationen (UN) planen, politisch und militärisch sinnvoll? Sind Deutsche im Einsatzland erwünscht? Aber allein zu sagen, wir haben dort keine deutschen Interessen, reicht nicht aus. Wenn das die Norweger, Polen, Neuseeländer, Japaner, Inder, Australier, Schweden sagen würden, gäbe es keine UN. Das geht nicht.