2x Korvette (Update: 3x)

Manchmal muss man einfach zwei drei Videofilmchen hintereinander gucken. Zum Beispiel, wenn es um die neuen Korvetten der Deutschen Marine geht. Das erste ist vom 21. Juni, das zweite vom (heutigen) 30. Juni. Auf die für morgen angekündigte Reportage der Bundeswehr bin ich gespannt. Und jetzt gibt es auch die angekündigte Reportage der Bundeswehr.

Und hier die komplette Reportage der Bundeswehr:

Die private Aufrüstung zur See geht weiter

Nun wird es wirklich ein Trend: Nachdem viele Staaten – und auch Reeder – den Einsatz privater bewaffneter Sicherheitsteams gegen somalische Piraten am Horn von Afrika lange abgelehnt haben, kippt die Stimmung. Internationale Organisationen und Reeder akzeptieren nun die privat organisierte Sicherheit, und auch Staaten, die das bislang ablehnten, schwenken um.

Zum morgigen 1. Juli auch die Norweger: Künftig sind auf den Schiffen unter norwegischer Flagge die privaten Waffenträger zulässig, berichten die Zeitung Dagsavisen: 1. juli tillates væpnede, private vaktselskaper på norske skip (die schwierige, aber lesbare Google-Übersetzung hier) und die englischsprachige norwegische Publikation The Foreigner: The Norwegian government has approved ships to carry weapons in efforts to resist piracy

(Um mit einem verbreiteten Vorurteil aufzuräumen: auf Schiffen unter deutscher Flagge, sagen mir Experten, sind bewaffnete private Sicherheitsteams schon möglich. Sie dürfen allerdings keine Kriegswaffen führen – nun höre ich wiederum, dass für einen guten Schützen bei einer zivilen Version bestimmter Waffen das Fehlen der Einstellung Feuerstoss kein Problem ist. Außerdem scheint das Thema mit den deutschen Behörden noch längst nicht ausdiskutiert.)

Ab Montag offiziell: Wir.Dienen.Deutschland

Die neue Kernbotschaft der Bundeswehr (Claim, würden die Werber sagen) wird am kommenden Montag offiziell vorgestellt: Wir.Dienen.Deutschland hatte ja das Verteidigungsministerium schon Mitte Mai als neuen Markenkern propagiert. Am 4. Juli treten die ersten Freiwillig Wehrdienstleistenden an, und heute teilt das Ministerium mit:

Verteidigungsminister begrüßt Freiwillig Wehrdienstleistende

Bundesminister der Verteidigung Thomas de Maizière begrüßt am 4. Juli 2011 in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin die ersten Freiwillig Wehrdienstleistenden. Er gibt damit den Startschuss für den neuen Freiwilligen Wehrdienst, der nach Aussetzen der Wehrpflicht jungen Frauen und Männern offen steht.

Am Montag, dem 4. Juli 2011 werden erstmals ausschließlich Freiwillig Wehrdienstleistende in ganz Deutschland ihren Dienst in den Streitkräften antreten.

Wir. Dienen. Deutschland.

Mit Beginn des Freiwilligen Wehrdienstes wird der Minister die neue Kernbotschaft der Bundeswehr offiziell vorstellen. Die Formel „Wir. Dienen. Deutschland.“ steht für das Selbstverständnis und das Verantwortungsbewusstsein, mit dem die Angehörigen der Bundeswehr ihren Dienst versehen und Deutschland dienen.

(Danke an einen Informanten fürs Logo.)

Anschläge auf Soldaten: Gelöste Radmuttern

In den Kommentaren hat es hier schon eine Rolle gespielt: In den vergangenen Wochen gibt es offensichtlich gezielte Angriffe auf Soldaten in Deutschland. Neben einem bekannt gewordenen Farbanschlag auf das Privathaus eines Reserveoffiziers sind das vor allem Manipulationen an Autos – und zwar offensichtlich an sehr verschiedenen Orten in Deutschland.

Die offizielle Mitteilung des Verteidigungsministeriums dazu:

Seit mehreren Wochen werden vermehrt bundesweite Manipulationen an Dienstkraftfahrzeugen und privaten Kraftfahrzeugen von Angehörigen der Bundeswehr durch Lösen von Radmuttern gemeldet. Ein räumlicher Zusammenhang/Schwerpunkt ist derzeit nicht erkennbar.

Die Angehörigen der Bundeswehr wurden dienstlich frühzeitig über diese besondere Gefahr informiert.

Die Bundeswehr arbeitet bei Verhinderung und Aufklärung dieser Manipulationen, die den Verdacht einer Straftat begründen, mit den zuständigen zivilen Sicherheitsbehörden eng zusammen.

Andere als die bereits bekannten Zahlen können nicht genannt werden.

Kommunikationspanne? Keine deutschen Bomben für Libyen nötig

Wenn das stimmt, was der FAZ-Kollege Stephan Löwenstein aus der heutigen Sitzung des Verteidigungsausschusses berichtet (und ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln, in der heutigen Bundespressekonferenz ist wohl ähnliches mitgeteilt worden), dann läuft gerade irgendwas schief mit der internen Kommuikation im Verteidigungsministerium.

Vorgestern abend hatte das Ministerium noch bestätigt, dass es eine Anfrage der NATO nach deutscher Munition – gemeint waren wohl: Bomben – für den Libyen-Einsatz der Bündnispartner gebe. Und auch die grundsätzliche Bereitschaft, diese Munition zu liefern – Verteidigungsminister Thomas de Maizière sprach in der Süddeutschen Zeitung von bewährtem Bündnisalltag. Der Vorfall erregte vor allem die Abgeordneten der Opposition.

Nun ist klar, dass die zuständige NATO-Agentur schon Anfang Juni – also vor etwa vier Wochen – entschieden hat, das Zeug woanders zu besorgen. Mit anderen Worten: als diese Anfrage in der deutschen Öffentlichkeit bekannt wurde, war sie schon längst erledigt. Ja hätte das nicht jemand dem Minister oder seinen Mitarbeitern sagen können? (Und gleich dazu mitteilen können, dass der Nicht-NATO-Partner Schweden ein bisschen Bordkanonen-Munition bekommen hat?)

Nachtrag: Das Verteidigungsministerium, höre ich, sieht man das anders. Der politische Streit gehe ja nicht darum, ob es eine Lieferung gegeben habe, sondern um die grundsätzliche deutsche Bereitschaft. Und an der habe sich ja nichts geändert, auch wenn die NATO in diesem Fall das Material von den Deutschen nicht haben wollte.

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