Der Taloqan-Anschlag: Noch mehr Ungereimtheiten

Bei dem tödlichen Bombenanschlag am vergangenen Samstag in der nordafghanischen Stadt Taloqan in der Provinz Takhar sind zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben gekommen. Für die Lage in Afghanistan allerdings entscheidend:  der Tod des afghanischen Generals Daoud Daoud, Polizeichef von Nordafghanistan.

Deswegen ist interessant, was der BBC-Producer Bilal Sarwary aus Kabul gerade auf seinem Twitter-Account aus Quellen des afghanischen Geheimdienstes NDS (National Directorate of Security) mitteilt:

NDS sources in Takhar say, After the explosion, Gen. Daud tried to return fire. But he was already shot in the head, chest &leg

Meeting was planned inside the PRT but it than took place at the governors office.NDS didnt know about the meeting in advance

ANA was responsible for security inside the governors office. Gen. Daud was alive for five minutes, Sec officials Takhar

Bedeutsam ist vor allem die Aussage der Geheimdienstquellen, das hochrangige Treffen sei zunächst im PAT (Provincial Advisory Team, hier offensichtlich gleichgesetzt mit einem PRT, Provincial Reconstruction Team) geplant gewesen – dann aber verlegt worden. Wenn das zutrifft, hatten die Attentäter keineswegs lange Zeit, den Anschlag vorzubereiten. Was einen noch besorgter über die Sicherheitslage und die Infiltration der Sicherheitskräfte macht. Andererseits: ob die NDS-Angaben zutreffen, lässt sich vorerst nicht überprüfen.

Biometrische Überprüfung im ISAF-Einsatz

Nun hat zwar auch die Bundeswehr gestern eingeräumt, dass der tödliche Anschlag in Taloqan vergangenen Samstag vermutlich nicht von Selbstmordattentätern in afghanischer Uniform, sondern mit einer ferngezündeten Bombe verübt wurde. Dennoch hat Verteidigungsminister Thomas de Maizière Recht, wenn er auch biometrische Erfassung – neben der herkömmlichen Überprüfung – für die in deutschen Camps in Afghanistan beschäftigten Afghanen vorsehen will. Im NDR-Interview gestern, darauf verweist die Bundeswehr, sprach sich der Minister dafür aus, dass Ortskräfte, die in von Deutschen geführten Lagern agieren, biometrisch überprüft werden…. Das muss jetzt schnell zu einem Ende geführt werden. (Das ganze Interview der Kollegin Anja Günther hier.)

Klingt gut. Aber, die Fachleute können mir vielleicht helfen: erinnere ich mich richtig, dass für die Bundeswehr-Camps eine solche biometrische Erfassung aufgrund der deutschen Datenschutzgesetze ausfällt? Obwohl sie eigentlich schon mal geplant war?

Archivbild, August 2008: afghanische Arbeiter im Camp Marmal in Masar-i-Scharif

Nachtrag: Jetzt haben mich ein paar Erläuterungen dazu erreicht.

Aus der Praxis (danke für diese Leser-Erklärung): Das BAT-System (Biometric Automated Toolset) ist originär amerikanisch, obwohl NATO-weit eingesetzt, und die Amerikaner haben absolute Hoheit über die Daten. weiterlesen

Journalisten, Militär & Geheimdienst

Es ist nur ein wenig off topic: In Pakistan ist der Kollege Saleem Shahzad verwschwunden. Vielleicht, weil er etwas zu intensiv über das Militär – und Verbindungen zu bestimmten Gruppen – berichtet hat: A Pakistani Journalist Vanishes: Is the I.S.I. Involved?

Nachtrag: Die Leiche des Journalisten ist offensichtlich gefunden worden. Mit Spuren von Folterungen. Was das bedeutet: hier.