Falsche Gerüchte über den Tod der Übersetzerin

Aus gegebenem Anlass scheint mir der Hinweis nötig: heute kursieren bereits den ganzen Tag Gerüchte, die beim Anschlag in Taloqan schwer verwundete Soldatin sei ihren Verletzungen erlegen (auch hier in den Kommentaren).

Ich habe deshalb gerade eben sowohl im Einsatzführungskommando als auch im Verteidigungsministerium nachgefragt. Bei beiden konnten mir die Sprecher vom Dienst das nicht (rpt nicht) bestätigen.

Ich weiß nicht, wo diese (scheinbaren) Informationen herkommen – aber so lange ich dafür keine verlässliche Quelle kenne, ist da für mich nichts dran.

Das Prinzip Straßenmusik

Nein, unter dieser Überschrift gibt es jetzt nichts Despektierliches zu Bundeswehr, -reformen, -ereignissen ;-)

Sondern einen selbst-reflexiven Blick auf dieses Blog. Aus journalistischer Sicht bin ich mit dem, was sich seit August vergangenen Jahres hier entwickelt hat, mehr als zufrieden – viele sehr interessierte und vor allem fachkundige und nicht zuletzt engagierte Leser haben Augen geradeaus! – wie ich von Außenstehenden höre – zu einer wichtigen Adresse für Informationen aus dem Bereich der Verteidigungspolitik gemacht.

Die Zugriffszahlen sprechen auch für sich: In diesem Monat hatte ich bereits mehr als eine halbe Million Seitenabrufe; am Tag der Rede von Verteidigungsminister Thomas de Maizière waren es rund 30.000, am vergangenen Samstag, nach dem Anschlag in Taloqan, rund 27.000. (Allerdings habe ich gestern mein rechen- und verbindungsintensives Statistik-Programm erst mal abgeschaltet – die Probleme beim Zugriff auf dieses Blog am Samstag, minutenlange Wartezeiten beim Aufruf, habe ich damit hoffentlich erst mal in den Griff bekommen. Leider kann ich deshalb bis auf Weiteres nicht mehr nachverfolgen, wie viel hier gelesen wird.)

Und das bestätigt mich in meiner Ansicht, dass Bloggen wie hier eine gute Möglichkeit des Journalismus ist: Weil es die Instrumente des klassischen Journalismus wie Recherche und redaktionell bearbeitete Weiterverbreitung von Informationen (wo ist der Unterschied, ob eine normale Nachrichten-Webseite Informationen der New York Times aufgreift oder ob ich das tue?) durch das Feedback informierter Leser ergänzt werden kann – und so für alle einen Mehrwert bietet.

Was hat das mit dem Prinzip Straßenmusik zu tun? weiterlesen

Drei gefallene Deutsche auf dem Weg in die Heimat

Die drei deutschen Soldaten, die in der vergangenen Woche in Afghanistan gefallen sind, sind auf ihrem letzten Heimweg: In Anwesenheit von Generalinspekteur Volker Wieker traten die Särge am Montag von Masar-i-Scharif die Reise nach Deutschland an. Auch vier verwundete Soldaten, unter ihnen der deutsche ISAF-Regionalkommandeur Markus Kneip, werden zur weiteren Behandlung und Untersuchung in die Heimat geflogen.

Ehrenspalier zur Verabschiedung der gefallenen Soldaten in Mazar i-Sharif. Die Särge der gefallenen werden in ein Luftfahrzeug der Bundeswehr Typ „Transall“ gebracht. Von rechts im Bild: Brigadegeneral Dirk Backen, der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Volker Wieker und der verletzte Kommandeur Regionalkommando North, Markus Kneip, die den Toten ihren Respekt erweisen. (Foto: Bundeswehr/Andrea Bienert via flickr unter CC-Lizenz)

Die Gefallenen sind ein 33-jähriger Hauptmann aus dem Stab der Division Spezielle Operationen (DSO), der am Mittwoch vergangener Woche bei einem Sprengstoffanschlag im Distrikt Char Darrah nordwestlich von Kundus getötet wurde, ein 43-jähriger Major aus dem Führungsunterstützungsbataillon 282 in Kastallaun und ein 31-jähriger Hauptfeldwebel des Feldjägerbataillons 152 aus Hannover. Die zwei letztgenannten starben bei dem Anschlag am vergangenen Samstag auf den Gouverneurspalast in Taloqan in der Provinz Takhar, bei dem Kneip leicht, seine Übersetzerin schwer verwundet wurden. Insgesamt  beklagt die Bundeswehr nach dem Attentat in Taloqan sechs Verletzte. Die zentrale Trauerfeier für die Gefallenen ist für kommenden Freitag in Hannover geplant.

Auf afghanischer Seite wurde in Taloqan der Polizeichef für Nordafghanistan, General Daoud Daoud, getötet – ihm vor allem hatte offensichtlich der Anschlag gegolten.

Der afghanische Sender TOLONews berichtete unterdessen unter Berufung auf den afghanischen Geheimdienst NDS, der Anschlag in Taloqan sei nicht wie vermutet mit Selbstmordattentätern, sondern mit ferngezündeten Sprengladungen durchgeführt worden. Zunächst waren mehrere Suicider vermutet worden, die sich – möglicherweise in afghanischer Uniform – zutritt zu dem streng bewachten Treffen von afghanischen und ISAF-Offiziellen verschafft hätten.

In Abwesenheit von Kneip wird vorübergehend der deutsche Brigadegeneral Dirk Backen das ISAF-Regionalkommando Nord übernehmen und zugleich Kommandeur des deutschen Kontingents. Kneips eigentlicher Stellvertreter, der U.S.-Brigadegeneral Sean P. Mulholland, befindet sich derzeit im Heimaturlaub. Backen nimmt normalerweise im Regionalkommando den Posten des für Sicherheit zuständigen stellvertretenden Stabschefs (DCOS Security) wahr.

Nachwuchswerbung? Auf den Link achten!

Liebe Streitkräftebasis, liebe Nachwuchswerber,

löblich, dass ihr euch auf dem Jugendmagazin schekker der Bundesregierung um Nachwuchswerbung bemüht. Allerdings solltet ihr darauf achten, dass der Kurz-Link in eurem RSS-Feed dann auch tatsächlich zu „Du beim Bund? Super“ führt und nicht, wie gerade passiert, auf eine doch etwas andere Webseite unter http://tinyurl.com/4yxxxzn.

Anschlag in Taloqan mit ferngezündeter Bombe, kein Selbstmordattentat

Der tödliche Anschlag auf den Gouverneurspalast in der nordafghanischen Stadt Taloqan, bei dem am vergangenen Samstag auch zwei deutsche Soldaten ums Leben kamen, wurde mit einer ferngezündeten Bombe verübt. Es war kein Selbstmordanschlag, sagte ein Sprecher des afghanischen Geheimdienstes NDS (National Directorate of Security)  dem afghanischen Sender TOLONews. Das habe eine Untersuchungskommission herausgefunden.

Bislang waren die Bundeswehr und die afghanischen Behörden von mehreren Selbstmordattentätern ausgegangen, die sich – möglicherweise in Polizeiuniform – Zugang zu dem Treffen hochrangiger Vertreter von afghanischen Behörden und ISAF verschafft hätten. Nach NDS-Angaben waren Sprengsätze im Korridor des Gouverneursgebäudes angebracht worden. Bislang sei noch unklar, wie das möglich gewesen sei.

Bei dem Anschlag kam als prominentestes Opfer der Polizeichef für Nordafghanistan, General Daoud Daoud, ums Leben. Der ISAF-Regionalkommandeur Nord, der deutsche Generalmajor Markus Kneip, wurde leicht verletzt. Insgesamt starben bei dem Attentat sechs Menschen. Nach letzten Angaben der Bundeswehr wurden sechs  deutsche Soldaten verwundet, darunter die Übersetzerin des deutschen Generals, die schwere Verletzungen erlitt.

(Eine sehr subjektive Bemerkung dazu: Natürlich ist es auch im Interesse der afghanischen Behörden, dem Eindruck entgegenzutreten, dass die Reihe der afghanischen Sicherheitskräfte von Aufständischen unterwandert sind. Das muss man bei der Einschätzung solcher Ergebnisse im Hinterkopf behalten. Vor allem angesichts neuer Meldungen über Angriffe eines Attentäters in afghanischer Soldatenuniform auf ISAF-Truppen.)

Nachtrag: Auch ISAF und die Bundeswehr gehen nunmehr davon aus, dass es sich um einen Bombenanschlag und nicht um Selbstmordattentäter handelte:

Aus afghanischen Sicherheitskreisen wurde verlautbart, dass es sich bei dem Anschlag in Talokan nicht um einen Selbstmordanschlag gehandelt habe, sondern um eine fern gezündete Bombe. Dieses Bild deckt sich mit ersten Erkenntnissen, die am Ort des Anschlages durch Fachpersonal von ISAFdurchgeführt wurden.

Nach ersten, vorläufigen Untersuchungen ist nun davon auszugehen, dass es sich mit größter Wahrscheinlichkeit nicht um einen Selbstmordattentäter handelte, sondern um eine fern gezündete, hochexplosive Sprengstoffladung, die mit „Kugellagerkugeln“ versetzt und an einer Mauer im Gebäude „platziert“ war.

Die Brände im Gebäude sind wahrscheinlich durch die Explosion in einem hinter der Mauer liegenden Lagerraum entstanden.

Weiterhin liegen Hinweise vor, dass der regional zuständige Kommandeur der Afghan National Police (ANP), Generalmajor Daud, Ziel dieses Anschlages gewesen sein soll.

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