Vor Libyen jetzt auch Krieg zur See

Was in Libyen passiert, scheint für die Deutschen nicht ganz so interessant, wir sind ja nicht mit der NATO dabei. Mich schreckt allerdings eine Meldung auf, die ich bis jetzt nur beim britischen Soldatensender BFBS finde: Vor Misrata gibt es jetzt auch Krieg zur See zwischen Gaddafi-Truppen und NATO-Kriegsschiffen?

British destroyer forced to defend itself after being targeted by Libyan rockets

(Übrigens fragt man sich nach dem forced to defend itself, wenn man sich noch mal die Schlagzeile der Sun vom 3. Mai anguckt: Navy Destroyer to bombard Mad Dog.)

Nachtrag: Kanadier und Franzosen waren auch beteiligt, sagt die NATO.

Und, on the record: Auswärtiges Amt richtet deutsches Verbindungsbüro in Bengasi ein.

Mehr Geld, mehr Heimatschutz, mehr Stochern im Nebel

Ein wenig macht es den Eindruck, als lichte sich der Nebel und die Konturen der künftigen Bundeswehr seien schon klar erkennbar: Doch mehr Geld – bzw. weniger Einsparungen – durch Auslagerung der Auslandseinsätze in einen anderen Etat; Vorrang für die Landesverteidigung gegenüber Auslandseinsätzen, Streitkräfte mit 170.000 Zeit- und Berufssoldaten, die durch 5.000 bis vielleicht dann doch 1o.000 oder gar 15.000 Freiwillige ergänzt werden.

Das Problem: alle diese Nachrichten kann man derzeit eigentlich nur im Konjunktiv schreiben. Auch der FAZ-Kollege Stephan Löwenstein formuliert ja in seinem heutigen Bericht recht vorsichtig,  die Südwest-Presse ist ebenfalls ein wenig zurückhaltend. Denn was bislang bekannt ist oder bekannt zu sein scheint, kommt nach meinen bisherigen Beobachtungen und Recherchen kaum aus dem Umkreis von Verteidigungsminister Thomas de Maizière selbst. Sondern aus Gesprächen mit Verteidigungspolitikern der Fraktionen – die vom Minister oder einem Staatssekretär gebrieft wurden.

Allerdings: Bei diesen Unterrichtungen, so hörte ich eine Klage aus einer Fraktion, trugen die Herren aus der Ministeriumsspitze mündlich vor. Papiere gab’s nicht, weder die neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien (die ja die Grundlage sein müssten für den Vorrang von Landesverteidigung und Heimatschutz gegenüber Auslandseinsätzen) noch gar ein Zahlenwerk. Damit ist derzeit jede Information eine vom Empfänger geprägte…

Ich lasse mich gerne korrigieren – aber bislang, so scheint mir, gibt es Teil-Wahrnehmungen und Interpretationen. Das ist sicherlich von de Maizière so gewollt, bevor er am Mittwoch kommender Woche zum großen Rundumschlag ausholt. Und dann mag es natürlich so kommen, wie in diesen Tagen kolportiert wird. Vielleicht aber auch nicht.

Ach, ein neuer ISAF-Sprecher

Kurze Frage: Welche deutschen Dienstposten in der Afghanistan-Schutztruppe ISAF haben die größte Außenwahrnehmung und damit den höchsten Öffentlichkeitswert? Na klar, der jeweilige Kommandeur des Regionalkommandos Nord und der Sprecher (im Generalsrang) von ISAF-Chef David Petraeus.

Was auch der Grund ist, warum Generalmajor Markus Kneip und Brigadegeneral Josef Blotz als einzige Deutsche in der Leadership-Übersicht auf der ISAF-Webseite erscheinen. (Der stellvertretende Stabsschef Stabilität, Generalmajor Richard Roßmanith, hat zwar einen wichtigen Posten im Gefüge der Schutztruppe – taucht aber gegenüber der Öffentlichkeit nicht auf.)

In Deutschland selbst scheint man allerdings den Posten des Sprechers des ISAF-Kommandeurs nicht für so öffentlichkeitsrelevant zu halten. Der Nachfolger von Blotz im ISAF-Hauptquartier, Brigadegeneral Carsten Jacobson, wird zwar auf der Webseite des Heeres gewürdigt – aber die Nachricht ist da, dass er sein Amt als Stabschef im Heeresführungskommando aufgibt. Dass die Bundeswehr erneut den Posten in Kabul besetzt, ist eher ein Nebensatz.

Auch ich bin erst durch den Hinweis des Bendler-Blogs darauf aufmerksam geworden. Dann zeigen wir doch wenigstens mal den Neuen, der künftig sicherlich öfter in deutschen Medien auftauchen dürfte.

(Foto: Deutsches Heer/Dana Kazda)

Hemmungslose Eigen-Promotion

Kaum ist der Wiegold für den Grimme Online Award nominiert, dreht er durch und promotet jetzt auch noch seine Fan-Artikel….

Jawoll. Aber nur, weil Spreadshirt, wo ich zum Selbstkostenpreis Augen Geradeaus!-T-Shirts anbiete, gerade eine kleine Werbeaktion laufen hat: 4 T-Shirts kaufen, 5 bekommen. Das wär‘ doch mal was… Der Gutscheincode dafür ist MAI2011, und die Aktion läuft vom 17. bis 31. Mai.

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RC N Watch: Angriff in der „Blue Box“

Es scheint nur Chronistenpflicht, den Angriff mit Raketen auf den Flugplatz von Masar-i-Scharif in Nordafghanistan am Mittwoch zu vermelden: vermutlich zwei Raketen, Einschläge in der Nähe des Towers, keine Personenschäden.

Bei nährer Betrachtung ist das ziemlich beunruhigend. Weil der Flugplatz, der wichtigste Nachschub- und Umschlagpunkt der NATO in Nordafghanistan, in einem bewachten und abgesicherten Gebiet liegt: in der Blue Box, dem definierten Areal rund um den Flugplatz, sollte eigentlich keine Aktion von Aufständischen gegen die ISAF-Truppen möglich sein. Denn auch wenn die Bundeswehr ihre Soldaten ausschließlich mit Transall und Hubschraubern mit Selbstschutzeinrichtung nach Masar fliegt: Die Landebahn wird von immer mehr zivilen Flugzeugen genutzt – und von den Antonov-Frachtfliegern, die im Auftrag der ISAF Nachschub nach Afghanistan schaffen. Und auch keine Einrichtungen zur Abwehr von Raketenangriffen haben.

Und ich kann mich nicht erinnern, wann der Flugplatz und/oder das direkt daran anschließende Camp Marmal der ISAF, die größte deutsche Garnison außerhalb Deutschlands, zuletzt direkt mit Raketen angegriffen wurden. Zusammen mit dem fatalen Angriff auf das UN-Gelände in Masar-i-Scharif am 1. April führt das für mich zu der Frage: Wie sicher ist die sicher geglaubte Stadt und die Provinz Balkh eigentlich?

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