Den Piraten-Überblick behalten – ein neuer Anlauf

Auch wenn einige das für mein etwas schräges Hobby halten (und ich auch schon zu hören bekam, ich würde die Debatte unnötig am Kochen halten): Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Piraterie am Horn von Afrika hier zu Lande mehr Aufmerksamkeit verdient. Weil es Auswirkungen auf die Freiheit von See- und Handelswegen insgesamt und auf die europäische und deutsche Wirtschaft im Besonderen hat.

Deshalb versuche ich vor allem, den Überblick über die Piratenlage zu behalten. Auch wenn das aus verschiedenen, unter anderem technischen Gründen nicht ganz einfach ist – und mein Anlauf Anfang des Jahres, eine immer wieder Übersicht samt Karte ständig aktuell zu halten, praktisch gescheitert ist: Der Zeitaufwand dafür ist ziemlich groß.

Das Problem ist ja, dass es mehrere (offene!) Quellen zu den Piraten-Vorfällen vor Somalia gibt – die aber mit unterschiedlichen Informationen, ja selbst mit unterschiedlichen Koordinaten-Schreibweisen aufwarten, so dass alle Informationen händisch geordnet werden müssen:

– Der Live Piracy Report des International Maritime Bureau gibt die genauen Koordinaten eines Vorfalls an und beschreibt in Kurzfassung, was passiert ist. Nachteil: Die Übersichten sind nur für einen begrenzten Zeitraum auf der Seite abrufbar und müssen anschließend mühsam aus der Live Piracy Map herausgesucht werden; in dem Report werden weder Name noch Nationalität eines angegriffenen Schiffes genannt, und: die Schreibweise der Koordinaten weicht von den anderen Quellen (s.u.) ab. weiterlesen

Grimmige Zahlen: Die britische Verwundeten-Statistik für Afghanistan

Bislang wusste ich nicht, dass es so etwas (öffentlich zugänglich) gibt: Das britische Verteidigungsministerium hat heute eine aktualisierte Statistik zu den Verwundeten im Afghanistan-Einsatz vorgelegt. Wer sich Zahlen und die dahinter stehende grimmige Realität ansehen möchte (Operation Herrick bezieht sich auf den Afghanistan-Einsatz):

Tracking Op HERRICK (Afghanistan) VSI/SI Operational Casualties

Quarterly Op HERRICK and Op TELIC Amputation Statistics

Monthly Op TELIC and Op HERRICK UK Patient Treatment Statistics

UK Armed Forces Mental Health Report – Annual Summary

Besonders bedrückend – und das deckt sich mit den Erfahrungen zum Beispiel der US-Truppen – ist die steigende Zahl der Soldaten, denen Gliedmaßen amputiert werden mussten, in der Regel als Folge eines Anschlags mit IED (Improvised Explosive Devices, Sprengfallen):

  1. During the latest quarter, 1 January 2011 to 31 March 2011, there were 17 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  2. 2010: Over the 12 month period 1 January 2010 to 31 December 2010, there were 79r surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  3. During 2010, 39r UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.
  4. 2009: Over the 12 month period 1 January 2009 to 31 December 2009, there were 55 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  5. During 2009, 26 UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.
  6. 2008: Over the 12 month period 1 January 2008 to 31 December 2008, there were 30 surviving UK Service personnel from Op HERRICK whose injuries included a traumatic or surgical amputation, partial or complete, for either upper or lower limbs.
  7. During 2008, six UK Service personnel were identified as significant multiple amputees.

Die Verwundeten-Zahlen der Bundeswehr dürften, wie auch bei den Gefallenen, deutlich unter denen der britischen Streitkräfte liegen. Diese Statistik würde mich auch interessieren – aber sie scheint nicht öffentlich. Oder habe ich was übersehen?