Die USA, Libyen und die Rebellen

Heute abend kommt Reuters mit einer Exklusivgeschichte: Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe schon seit ein paar Wochen grundsätzlich verdeckte Operationen  zur Unterstützung der libyschen Rebellen gebilligt. Was das im Detail heisst, scheint nch nicht so ganz klar. Aber die Debatte über mögliche Waffenlieferungen an die Aufständischen in Libyen bekommt damit eine leicht andere Perspektive.

Odyssey Dawn [Image 2 of 3]

MEDITERRANEAN SEA, March 19, 2011: The Arleigh Burke-class guided-missile destroyer USS Stout launches a Tomahawk missile in support of Operation Odyssey Dawn. This was one of approximately 110 cruise missiles fired from U.S. and British ships and submarines that targeted about 20 radar and anti-aircraft sites along Libya’s Mediterranean coast. (U.S. Navy photo by Petty Officer 3rd Class Jeramy Spivey)

Eine etwas veränderte Perspektive bekommt auch die gestrige Anhörung des US-Admirals – und NATO-Oberbefehlshabers! – James Stavridis vor dem Armed Services Committee des US-Senats (ich hatte gestern schon kurz darauf hingewiesen). Zur Dokumentation und zum Nachlesen Auszüge aus dieser Anhörung:

ADM. STAVRIDIS: In Libya, for example — and I think you mentioned in your opening statement — today there are roughly 40 ships operating in general support of that operation.
Only about 12 of those are U.S. ships. So that addition of resources I think is first and very primary.
Secondly, you get the exchange of ideas. When we have — both in Afghanistan and in Libya today,
where we have 28 NATO nations and Arab nations coming together, you have different views of
looking at things. And that can, at times, create friction. But I would argue over time it creates better
ideas, because no one of us is as smart as all of us, thinking and working together.
And then thirdly, I would say access. To do an operation like Libya or Afghanistan requires
overcoming the tyranny of distance and geography. And we do that best with allies, because not
everywhere is international airspace, and not everywhere are the high seas. So those would be three
things I would say off the top of my head. weiterlesen

De Maizière auf dem Balkan

For the record: Verteidigungsminister Thomas de Mazière ist recht kurz nach seiner Afghanistan-Reise zu einem Truppenbesuch auf den Balkan gereist (das war schon vergangene Woche geplant, wurde aber wegen des eiligen AWACS-Mandats im Bundestag verschoben). Dass diese Reise weit weniger Aufmerksamkeit erfährt als sein Trip an den Hindukusch, zeigt die wahrgenommene Normalität – und das absehbare Ende – des Kosovo-Einsatzes.

(Foto: Bundeswehr/PIZ Prizren)

Die Niederländer kommen im Sommer nach Kundus

In den vergangenen Tagen hatte es ein wenig Verwirrung um den niederländischen Plan gegeben, eine Polizei-Ausbildungsmission in Kundus zu starten. Im Parlament in Den Haag war darüber debattiert worden, dass die Niederländer eine längere Ausbildung für die afghanischen Polizisten wollen, mit ein paar zusätzlichen Lehrinhalten.

Das Problem scheint jetzt ausgeräumt – und in diesem Sommer sollen die ersten niederländischen Polizisten in Kundus, praktisch im deutschen Polizei-Ausbildungszentrum, ihre Arbeit starten. Die Details – und warum es doch jetzt schon losgeht – erläutert die Kollegin Bette Dam von Radio Nederlands: Dutch Kunduz mission to start in summer after all

Ach so, und die Niederländer wären nicht die Niederländer, wenn sie nicht auch für eine schlagkräftige Absicherung ihrer Leute sorgen würden: ein paar F-16-Kampfjets verlegen sie gleich mit nach Masar-i-Scharif. Allerdings gilt für sie der nationale caveat, dass sie nur in Notfällen zur Unterstützung eingesetzt werden, nicht als reguläres Close Air Support-Element. (Ich will’s ja eigentlich nicht sagen, tue das aber trotzdem: die Nation, die immer stolz darauf ist, drittgrößter Truppensteller in Afghanistan zu sein, hat in den bald zehn Jahren des Einsatzes nie eigene Kampfflugzeuge für diesen Zweck am Hindukusch stationiert.)

NH90-MedEvac ab 2012

Da mich mehrere Leser auf den Bericht über die Heeresübung Bold Dragon aufmerksam machen –

Mit der Übung „Bold Dragon“ bereitet sich das Regiment aus Faßberg auf seinen Einsatz in Afghanistan vor. Ab Mitte 2012 übernehmen die Heeresflieger dort die medizinische Evakuierung aus der Luft (Forward Air MedEvac). Geplant ist in Afghanistan der Einsatz mit dem Typ Nato-Helikopter 90 (NH 90).

verweise ich gerne auf diesen Eintrag: Vorrang für den NH90-Rettungshubschrauber. Es scheint sich also alles so zu bestätigen. Und ich nehme an, auch meine damalige Vermutung hat nach wie vor Bestand: Entscheidend für das Drängen des Heeres, diesen neuen Hubschrauber für den Einsatz zu bekommen, dürfte allerdings etwas anderes sein: wenn die USA im kommenden Jahr aus innenpolitischen Gründen mit einer Truppenreduzierung in Afghanistan beginnen, werden sie das nicht im umkämpften Süden des Landes tun – sondern möglicherweise am ehesten im weniger kritischen Norden. Und die Deutschen dann vielleicht ohne die MedEvac-Helis zurücklassen.

20100906_ILUe_Nord-022

Bei der Informationslehrübung Nord des Heeres Anfang September 2010 flog der NH90 nur als Pseudo-MedEvac-Hubschrauber, wie unter anderem das ans Fenster geklebte Rote Kreuz belegte.