Die Sache mit den Kanonen und den Spatzen

Im Arabischen Meer haben Kriegsschiffe – wieder einmal – die Kaperung eines Handelsschiffes durch somalische Piraten verhindert. Die Falcon Trader II, unter der Flagge der Philippinen, wurde zwar von den Seeräubern geentert, doch zum einen zog sich die Besatzung in den Sicherheitsraum zurück. Und zum anderen waren sehr schnell bewaffnete Hubschrauber über dem Schiff.

Die Details sind bei der U.S. Navy nachzulesen. Und da ist es nicht so erstaunlich, dass die Piraten aufgegeben haben: Wenn man einen Flugzeugträger und einen Lenkwaffenzerstörer gegen sich hat, macht man als somalischer Pirat besser schnell die Biege. Ein U.S.-Flugzeugträger gegen Kalaschnikows und Panzerfäuste: Das ist etwa wie mit den berühmten Kanonen, die auf Spatzen schießen…

Best practice: Briefing zu Odyssey Dawn

So sollte das sein: Ein ausführliches Briefing zu einer Operation, das hinterher als Abschrift zur Verfügung steht, auch noch mit den gezeigten Slides online. Könnte als best practice doch mal Schule machen.

Bundestag beschließt deutsche Beteiligung an AWACS über Afghanistan

So, die lange Geschichte des Einsatzes von NATO-AWACS über Afghanistan und der deutschen Beteiligung daran ist um eine Facette reicher: Der Bundestag hat heute, nur drei Tage nach dem entsprechenden Kabinettsbeschluss, dem Einsatz deutscher Soldaten in diesen Überwachungsflugzeugen am Hindukusch zugestimmt. Mit großer Mehrheit – 407 Abgeordnete stimmten zu, 113 waren dagegen.

(Archivbild 2007: Bundeswehr/Andrea Bienert unter CC-Lizenz)

Wir erinnern uns: im Januar gab es noch kein Mandat für diesen Einsatz, obwohl der Bundestag eine solche Mission 2009 schon mal gebilligt hatte. Warum das so ist…. und was die Lage in Libyen, aus der sich Deutschland militärisch raushält, damit zu tun hat: Das hatten Außenminister Guido Westerwelle und Verteidigungsminister Thomas de Maizière schon am Mittwoch vor dem Parlament zu erklären versucht. weiterlesen

Libyen: Die NATO organisiert die Koalition der Willigen

Die NATO hat in der vergangenen Nacht beschlossen, die Verantwortung für die Durchsetzung der Flutverbotszone über Libyen zu übernehmen. Natürlich auch mit deutscher Zustimmung – sonst wäre der Beschluss der Bündnispartner ja nicht zu Stande gekommen. (Dass Deutschland sich daran nicht beteiligt, ebenso wenig an der Durchsetzung des Waffenembargos gegen Libyen zur See, ist ja eine ganz andere Frage, auch wenn ich noch nicht ganz verstanden habe, warum im UN-Sicherheitsrat eine Zustimmung die Verpflichtung zur Teilnahme bedeutet hätte, in der NATO dagegen nicht…)

Die Erklärung des NATO-Generalsekretärs aus der vergangenen Nacht:

Die Militäraktion gegen Libyen soll aber offensichtlich keine geschlossene Veranstaltung der Allianz sein, sondern – nach dem Vorbild von ISAF, hieß es gestern aus französischen Kreisen – auch anderen Partnern offen stehen. Zum Beispiel den Vereinigten Arabischen Emiraten. Sozusagen eine Koalition der Willigen, organisiert von der NATO.

Die Los Angeles Times berichtet unterdessen, dass die Aufständischen in Libyen sich eng mit den Allierten über mögliche Ziele abstimmen.

Und die Briten haben vergangene Nacht mit ihren Tornados gepanzerte Fahrzeuge der libyschen Armee angegriffen.

Noch von gestern abend: Sudan erlaubt die Nutzung seines Luftraums für Aktionen in Libyen.

Für Fotos von der Seite der libyschen Aufständischen sorgt übrigens die hier im Blog schon öfters erwähnte AP-Fotografin Anja Niedringhaus.

Nachtrag: Deutschland hält sich Teilnahme an Waffenembargo offen, meldet dpa.

Neuer Anlauf für Bundeswehr-Strukturreform

Das Vorgehen ist unüblich, aber interessant: Das Bundesministerium der Verteidigung hat – allerdings ganz gut versteckt – auf seiner Webseite eine Weisung des Ministers Thomas de Maizière zum Download bereitgestellt: Die Weisung de Maizières vom 22. März, wie jetzt die Strukturreform der Bundeswehr angegangen werden soll. (Wahrnehmbar wurde das heute morgen durch  einen Hinweis im Twitter-Stream der Bundeswehr.)

Kernaussage: Es gibt einen neuen Lenkungsausschuss für die Strukturreform unter Leitung des (neuen) Staatssekretärs Stéphane Beemelmans, der bis Ende März einen durch den Planungsstab erarbeiteten, auf den Einzelplan 14 abgestimmten sicherheitspolitischen Rahmen für die Strukturreform vorlegen soll. Bis Anfang Mai soll dann ein Entwurf der Eckpunkte eines Gesamtskonzepts zur Strukturreform vorliegen. Und es wird ein Arbeitsstab Strukturreform eingerichtet (sozusagen der Neustart nach dem Arbeitsstab Umbau der Bundeswehr des entlassenen Staatssekretärs Walther Otremba), der sich die Reform vornimmt.

Die Details muss man sich anschauen – aber schon ein erster Blick zeigt: Alles auf Anfang (wenn auch die bereits begonnenen Arbeiten als Grundlage herangezogen werden sollen).