Reinschiff gegen das Atom

Das ist eines der Bilddokumente dieser Tage: Reinschiff auf dem US-Flugzeugträger Ronald Reagan vor der Küste Japans – um mögliche Radioaktivität wegzuwaschen…

PACIFIC OCEAN (March 23, 2011) Air Department Sailors scrub down the flight deck of the aircraft carrier USS Ronald Reagan (CVN 76) during a countermeasure wash down. Ronald Reagan is off the coast of Japan providing humanitarian assistance as directed in support of Operation Tomodachi. (U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 3rd Class Alexander Tidd/Released)

Niederländische Medaille für den Retter der „Taipan“

Der Name des Kapitäns zur See Hans Lodder ist in Deutschland nicht so bekannt – ziemlich zu Unrecht: Am 5. April vergangenen Jahres organisierte der niederländische Marineoffizier  als Kommandant der Fregatte Tromp die Befreiung des deutschen Frachters Taipan aus der Hand somalischer Piraten. (Das ist das Schiff, für dessen Kaperung derzeit die mutmaßlichen Täter in Hamburg vor Gericht stehen.)

Für seine Verdienste bei der Bekämpfung der Piraterie hat Lodder heute die niederländische De Ruytermedaille erhalten. (Auf englisch der Bericht des niederländischen Radios hier.)

Über die Befreiungsaktion hat Lodder ausführlich in einem Beitrag für die Zeitschrift Marineforum berichtet (der Artikel selbst steht leider nicht online). Eines der entscheidenden Details: Der Ort der Kaperung lag außerhalb des damaligen Mandatsgebiets der EU-Antipiraterieoperation Atalanta, unter deren Kommando die Tromp stand – und der Kommandant setzte durch, dass die Fregatte zur Rettung des deutschen Frachters vorübergehend aus dem EU-Kommando herausgenommen und nationalem Kommando unterstellt wurde.

Archivbild des niederländischen Verteidigungsministeriums: Lodder an Bord der Tromp – mit einem Besen, der (als Reverenz an den niederländischen Admiral Maarten Tromp im 17. Jahrhundert) symbolisiert, dass die See von Gegnern gesäubert wurde.

Facebook fürs Krisenmanagement

Kurz mal auf der Meta-Ebene: Dass Twitter zum Benachrichtigungs-Werkzeug für Institutionen in Krisensituationen wird (und auch zum Sprachrohr von Widerstandsbewegungen), hat sich in den vergangenen Jahren schon gezeigt. Jetzt zeichnet sich ein neuer Trend ab: Facebook-Seiten ergänzen (oder ersetzen) die offiziellen Webseiten, wenn es darum geht, schnell Informationen öffentlich zu machen.

Jüngstes Beispiel: seit heute hat das Büro des japanischen Ministerpräsidenten eine englischsprachige Facebook-Seite, nachdem schon vor Tagen ein englischsprachiger Twitter-Account eingerichtet wurde. Und die Internationale Atomenergiebehörde nutzt schon seit Beginn der Fukushima-Krise zunehmend ihre Facebook-Seite, weil ihr übliches Alert Blog unter dem Ansturm zusammengebrochen war.

Interessanter Stoff für diejenigen, die sich mit Krisenkommunikation befassen. Und interessant für die Rolle von Facebook in der vernetzten Welt.

Die AWACS-Entscheidung – nur vorgezogen

Wie erwartet hat heute das Bundeskabinett den Einsatz deutscher Soldaten in den AWACS-Aufklärungsflugzeugen der NATO über Afghanistan beschlossen. Das Mandat wird jetzt ganz schnell in erster Lesung im Bundestag beraten und soll noch in dieser Woche abschließend vom Parlament gebilligt werden.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière hat das heute morgen im Deutschlandfunk alles erklärt: Es ist ein politisches Zeichen unserer Bündnissolidarität, auch vor dem Hintergrund der Ereignisse in Libyen.

Und dann setzte der Minister noch eins drauf: Ein Mandat für die deutsche Beteiligung an den AWACS-Flügen hätte es doch später in diesem Jahr sowieso gegeben.

Die NATO ist außerordentlich dankbar und begrüßt sehr, dass wir im gleichen Zug nun unser Engagement in Afghanistan verstärken durch die Luftaufklärung mit AWACS. Wir hätten diese Entscheidung im Mai und Juni ohnehin treffen müssen.

Das hatte das Verteidigungsministerium wohl auch im Januar so verstanden, als in der NATO die Rede davon war, nach 90 Tagen mal zu bewerten, ob die AWACS-Einsätze durchhaltefähig sind, ohne deutsche Besatzungsmitglieder. Position des Auswärtigen Amtes war das, wenn ich die nicht völlig falsch verstanden habe, nie.

Die vier schwimmenden Einheiten der Deutschen Marine sind ja nun, wie gestern abend schon bekannt wurde, aus dem NATO-Kommando herausgenommen worden: Nachdem das Bündnis beschlossen hatte, aktiv das Waffenembargo gegen Libyen durchzusetzen, hat Deutschland beschlossen, daran nicht teilzunehmen (obwohl natürlich der Beschluss der Allianz mit deutscher Zustimmung gefallen sein muss, sonst wäre er ja nicht zu Stande gekommen). Die Fregatte Hamburg, ohnehin auf dem Rückweg von ihrem Anti-Piraterie-Einsatz am Horn von Afrika, fährt weiter Heimatkurs Wilhelmshaven. Die Fregatte Lübeck, das Minenjagdboot Datteln und das Flotttendienstboot (ein nett umschreibender Begriff für ein mit Aufkärungselektronik vollgestopftes Schiff) Oker sind nun nationalem Kommando unterstellt und machen jetzt erst mal ihre geplanten Hafenaufenthalte im Mittelmeer. Über den weiteren Kurs dieser drei Schiffe ist nach Angaben des Ministeriums noch nicht entschieden.

Nachtrag: Zum Blick aus dem verbündeten Ausland hier ein Eindruck.