RC N Watch: Keine Taliban mehr in Kundus, sagt der Polizeichef

Es klingt sehr gut, fast schon zu gut: In der Provinz Kundus, sagt der zuständige Polizeichef, gibt es keine Taliban mehr, und die Kontrolle der afghanischen Regierung über die Region wurde massiv gestärkt. Bei einer Pressekonferenz am Sonntag erklärte Abdul Rahman Syedkhili laut einem Bericht von Xinhua, der anhaltende militärische Druck der afghanischen und internationalen Truppen habe dazu geführt, dass die Aufständischen sich entweder ergeben hätten, getötet wurden oder geflüchtet seien. Unter den geflüchteten Aufständischen seien mehr als 30 ausländische Kämpfer gewesen, die in die Nachbarprovinzen Baghlan und Takhar ausgewichen seien.

Der Polizeichef ging sogar noch einen Schritt weiter: Derzeit sind alle früheren Taliban-Hochburgen einschließlich der Bezirke Char Darrah, Imam Sahib, Gor Tepa, Qalai Zal und Dasht-e-Archi sicher, wird er zitiert. Auch wenn die Meldungen über Anschläge und Angriffe in den vergangenen Wochen deutlich nachgelassen haben – so sicher kann es angesichts des gestrigen Anschlags vielleicht doch nicht sein?

5 Gedanken zu „RC N Watch: Keine Taliban mehr in Kundus, sagt der Polizeichef

  1. Interessant wären in dem Zusammenhang die Anstrengungen der USA, den Aufständischen ihren besten Schutz zu nehmen: Ihre Anonymität.

    Die US-Streitkräfte sind in Nordafghanistan anscheinend eifrig dabei, Bewaffnete in ihre biometrische Datenbank aufzunehmen (Polizei, Local Police,…). Und die bessere Personenkenntnis sollte man bei der Rekrutierung von Ortskundigen im Local Police-Programm im Hinterkopf behalten.

    Das ist halt ein Gebiet, auf dem sich all die Jahre seitens der Bundeswehr wenig getan zu haben scheint.

    Innerhalb der Bundeswehr scheint man das teils anders zu sehen (Nachtweis Afghaistanbericht, S. 34: „Man habe volle Kenntnis von den Verflechtungen und Akteueren. Aber man gehe nicht gegen sie vor, nutze nicht die eigenen Möglichkeiten“). Aber bisher ist die Bundeswehr glaub noch jedes Jahr von der Zahl der eingesickerten Kämpfer überrascht worden. Und auch das Ritual des winterlichen Seitenwechsels scheint bisher keine Konsequenzen gehabt zu haben.

  2. Was die Aufnahme in die Datenbank angeht fehlt uns ein Irak-Erlebnis. Eine Datensammlung wie bei KFOR ist bei ISAF nicht durchführbar. Kenntnis über die Verflechtungen ist vorhanden, richtig, nur was bringt mir die Kenntnis eines Namens, wenn die betroffene Person morgen anders aussieht.

  3. Ganz davon ab, dass Namen allein wohl glaub eher wenig bringen. Zum einen wegen den unterschiedlichen Schreibweisen, und dazu kommt dann noch, dass ein Name allein in einem Dorf gleich x-mal vorkommen kann.

    Das Problem ist aber auch ganz praktischer Natur: Deutsche Soldaten haben eigentlich keine Möglichkeit, Verdächtige schnell und unkompliziert zu überprüfen. Laufenlassen oder ins Feldlager mitnehmen, dazwischen gibt es nicht viel. Selbst wenn jemand schon in der Datenbank aufgeführt ist, besteht also eine gute Chance, dass man ihn vor Ort laufen läßt.

    Und auch hier sind wieder Einheimische von unschätzbarem Wert, die die Einwohner kennen und auf Fremde hinweisen können.
    Das ist etwas, was die Bundeswehr schlicht nicht selbst leisten kann, was man aber all die Jahre trotzdem hat unter den Tisch fallen lassen.

    Gerade in Afghanistan bedeutet „die Aufständischen wurden aus der Region vertrieben“ auch immer wieder „die Aufständischen konnten in einer anderen Region einsickern, ohne dass es jemand bemerkt hat“. Und da hab ich jetzt nicht wirklich den Eindruck, dass es da seitens der Bundeswehr ein Konzept gibt – nicht zuletzt, da die Fläche zu gross ist um sie allein abzudecken, und die Zusammenarbeit mit den Afghanen teils immer noch in den Kinderschuhen zu stecken scheint.

    Auch wenn Afghanistan nicht Irak ist, so hat man doch den Eindruck, dass die US-Streitkräfte da Erfahrungen und Konzepte gesammelt haben, die der Bundeswehr noch fehlen.

    Wird interessant zu sehen, ob/wie sich das im Sommer auszahlen wird.

  4. … und wenn ich mir überlege, ich müsste die Prozedur der Ingewahrsamname im Sinne von KFOR bei ISAF durchführen…hüstel…..

Kommentare sind geschlossen.