RC N Watch: Deutscher Kommandeur erwartet 2014 keine zunehmende Gewalt

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Der deutsche ISAF-Kommandeur in Nordafghanistan, Generalleutnant Generalmajor Jörg Vollmer (Foto oben beim Besuch der Verteidigungsministerin in Masar-i-Scharif) erwartet für 2014 keine zunehmende Gewalt der Aufständischen am Hindukusch. Aus einem Interview Vollmers mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa):

Ich gehe davon aus, dass sich das in etwa auf dem Niveau bewegt wie 2013 auch. Mehr wird es auf keinen Fall sein. Dazu ist der Gegner nicht mehr in der Lage.

Allerdings rechnet der Kommandeur des Regionalkommandos Nord unverändert mit Anschlägen der Taliban und anderer Gruppen: weiterlesen

Vor zwölf Jahren begann der Krieg des Westens in Afghanistan

US Special Forces on horseback, Afghanistan, 2001

Dieser Jahrestag ist in Deutschland, ein bisschen merkwürdig, völlig untergegangen. Während das Ende der Bundeswehr-Stationierung in Kundus nach zehn Jahren  am vergangenen Wochenende zu vielen Berichten führte, nahm den eigentlich wichtigen Jahrestag hierzulande kaum jemand zur Kenntnis: Vor genau zwölf Jahren, am 7. Oktober 2001, begannen die USA – und schnell auch mit ihnen verbündete Staaten – den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan.

Das alles ist so lange her, und ich vermute, auch einige meiner (jüngeren) Leser haben an diese Zeit nur vage Erinnerungen. Zum Nachlesen empfehle ich die Zusammenfassung bei Wikipedia: War in Afghanistan (2001 – present)

(Foto: U.S. special forces troops ride horseback as they work with members of the Northern Alliance in Afghanistan during Operation Enduring Freedom on Nov. 12, 2001 – DoD photo via Wikimedia Commons)

 

RC N Watch: Tödlicher Wahlkampfauftakt im Norden Afghanistans

Die Vorbereitungen für die Wahlen in Afghanistan im April 2014, bei denen es vor allem um die Nachfolge des jeztigen Präsidenten Hamid Karzai gehen wird, haben erst Anfang dieser Woche richtig begonnen – und sind schon von Gewalt überschattet: Der Vorsitzende der Unabhängigen Wahlkommission in der Nord-Provinz Kundus, Amanullah Aman, wurde am (heutigen) Mittwoch von Attentätern auf einem Motorrad erschossen.

Unknown gunmen assassinated independent election commission (IEC) chief for northern Kunduz province of Afghanistan, local officials confirmed.
Provincial security chief Gen. Ibadullah Talwar said the incident took place early Wednesday morning in northern Kunduz city after unknown gunmen riding motorcyle opened fire on Eng. Amanullah Aman.
Mr. Talwar further added that Kunduz IEC chief died of his wounds after he was taken to hospital.

berichtet das afghanische Online-Portal Khaama Press, ebenso auch Associated Press.

Inzwischen haben, so heißt es beim afghanischen Sender ToloNews, die Taliban die Verantwortung für diesen Anschlag übernommen.

Einen Überblick über die politische Ausgangslage zu Beginn des Wahlkampfs gibt es beim Afghanistan Analysts Network.

Nachtrag: Mehr Details und Hintergrund bei Reuters.

(Foto: Wahl in Afghanistan 2010 – UNAMA)

 

 

Dokumentation: Taliban kündigen “Frühjahrsoffensive” an

Praktisch in jedem Jahr kündigen die Taliban in Afghanistan eine Frühjahrsoffensive an, die aus Sicht der Aufständischen den Beginn der fighting season, der Kampfsaison, markiert. In diesem Jahr kam die Ankündigung am 27. April, die Offensive, so heißt es in der Erklärung, solle am 28. April, also am heutigen Sonntag, beginnen. Das Datum ist bewusst gewählt: Am 28. April 1992 wurde die kommunistische Regierung in Kabul gestürzt – daran wollen die Taliban anknüpfen.

Analysten und Taliban-Watcher werden aus den Worten der Erklärung und Vergleichen zu früheren Ankündigungen sicherlich einiges herauslesen können. Auffällig ist – erneut – die Bedeutung, die Insider-Attacken im Kampf gegen die ausländischen Streitkräfte zugemessen wird.

Die Ankündigung findet sich (bislang) auch im Internet; da aber immer wieder solche Accounts suspendiert werden, nachfolgend der Wortlaut als Dokumentation. Für eine gewisse Authentizität spricht, dass die gleichlautende Erklärung über zwei Twitter-Accounts verbreitetet wurde (hier und hier), die als Sprachrohr der Taliban gelten.

Der – um die religiösen Eingangsfloskeln gekürzte – Wortlaut, wie er sich hier und hier im Internet findet:

The Afghan Mujahid nation, in defense of their religion and country, has occupied the trenches of Jihad and resistance for the past eleven years against the invading crusaders and their spineless backers. During this lengthy period, with the Grace of Allah Almighty, the Jihadi determination and patience has only increased in perseverance by the day and, with the divine help of Allah Almighty, has handed the worlds disbelief a memorable defeat in every field. The enemy, with all its military might, has been overwhelmed and finally forced to flee from their military bases.
وماالنصر الا من عند الله العزیزالحکیم. (And there is no victory except from Allah, the All-Mighty, the All-Wise.)
So that the remaining regions of the country are cleansed from the rule of disbelief and replaced with Shariah based and an independent government, in accordance with the Jihadi aspirations of the believing nation, the Islamic Emirate, as in the past, entitles current years monumental spring operation by the name of Islamic history’s victorious General ‘Khalid bin Waleed R.A’. weiterlesen

Jenseits von Karzai: Die Opposition redet mit den Taliban

Als Merkposten eine Exklusivmeldung von Associated Press, die es noch nicht in die deutschen Medien geschafft hat: Die – politische – Opposition des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai hat Gespräche mit den Aufständischen aufgenommen. Neben den Taliban soll auch die Gruppierung um Gulbuddin Hekmatyar, in den Augen des Westens ein Terrorist, an den Gesprächen mit dem Ziel einer Friedenslösung am Hindukusch beteiligt sein:

Afghan opposition parties, frustrated with the government’s lack of progress in making peace with the Taliban, have opened their own channel for negotiations with militant groups in hopes of putting their imprint on a deal to end 11 years of war.
Taliban and opposition leaders confirmed to The Associated Press for the first time that the parties opposed to President Hamid Karzai are talking to the Taliban as well as the group headed by U.S.-declared terrorist Gulbuddin Hekmatyar.
They are trying to find a political resolution to the Afghan war ahead of two key events in 2014 — the presidential race that will determine Karzai’s successor and the final stage of withdrawal of international combat troops from the country.

Dass diese Suche nach einer Konsenslösung für Afghanistan hinter dem Rücken von Karzai läuft, ist klar. Interessant wäre zu wissen, ob sie auch hinter dem Rücken der USA und der anderen westlichen Staaten passiert.

Nachtrag: Offiziell wird der Bericht dementiert, wie mir Thomas Ruttig vom Afghanistan Analysts Network (AAN) mitteilt.

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