Weitere Baustelle: Problem-Projekt Panzer Puma

An dem Pressegespräch mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu Rüstungsthemen am (heutigen) Freitagvormittag konnte ich nicht teilnehmen, weil ich unterwegs war – aber was ich dazu lese, finde ich schon bemerkenswert: Zwar sollte es bei dem Gespräch im Wesentlichen um Folgerungen aus dem EuroHawk-Debakel gehen. Spannender scheint mir aber, was der Minister zum Thema des neuen Schützenpanzers Puma zu sagen hatte, immerhin auch eines der Leuchtturmprojekte der Bundeswehr (auch wenn die ursprünglich geplante Zahl von 405 Exemplaren auf nun 350 reduziert wurde). Wie es allerdings mit der Einführung dieses Gefechtsfahrzeugs in die Truppe aussieht, scheint völlig offen, wie der ARD-Kollege Christian Thiels berichtet:

Heute nun verkündete der jetzige und womöglich auch künftige Verteidigungsminister Thomas de Maizière in Berlin, dass es “keine Grundlage für die Übernahme in die Nutzung” für den “Puma” gebe. weiterlesen

Der General darf in Rente, der Schützenpanzer noch nicht

General Wolf-Dieter Langheld, 2011Langheld im August 2011 bei einer Reise durch Afghanistan (Foto: Sgt. Mallory VanderSchans, U.S. Marine Corps via Wikimedia Commons)

Eine kurze Randbemerkung machte Verteidigungsminister Thomas de Maizière am (gestrigen) Mittwochabend, als er den deutschen Vier-Sterne-General Wolf-Dieter Langheld in Berlin mit einem großen Zapfenstreich in den Ruhestand verabschiedete: Langheld wurde im Juni 1971 Soldat, vor mehr als 41 Jahren, bei den Panzergrenadieren. Ungefähr zeitgleich, seit Mai 1971, erhielten die Panzergrenadiere ihr damals neues Arbeitsgerät, den Schützenpanzer Marder (der natürlich in den vergangenen Jahren verschiedene Upgrades erfahren hat).

Der General, beliebt und berüchtigt auch wegen seiner bisweilen markigen Sprüche, ist am Ende seiner Dienstzeit angekommen. Der Schützenpanzer nach bald 42 Jahren noch nicht – noch ist er im Einsatz in Afghanistan gefragt, noch ist das Nachfolgemodell Puma nicht in der Truppe angekommen. Mir schien, das fand auch der Minister (der selber ungefähr zur gleichen Zeit wie Langheld Soldat wurde und auch auf dem Marder eingesetzt war) nicht besonders lustig.

Vertraglich festgezurrt: 350 Puma-Schützenpanzer

For the record: Geplant und auch dem Verteidigungsausschuss mitgeteilt war es schon länger, jetzt ist es auch vertraglich festgezurrt: Die Bundeswehr kauft statt der ursprünglich geplanten 405 Stück nun noch 350 Schützenpanzer Puma. Die entsprechende Vertragsänderung sei am (gestrigen) Mittwoch unterschrieben worden, teilt das Verteidigungsministerium heute mit.

Was der Bund dadurch spart, war ja auch schon bekannt: 340 Millionen Euro.

Interessant ist auch der Hinweis in der BMVg-Meldung:

Derzeit werden die ersten ausgelieferten Serienfahrzeuge einer intensiven technischen Nachweisführung unterzogen, die mit dem Vertrag um neun Monate verlängert wurde. Im nächsten Jahr soll die Nachweisführung mit der Einsatzprüfung durch den Bedarfsträger abgeschlossen werden.

Alles ein bisschen später als geplant, oder irre ich?

Sparen mit Pumas

Nein, liebe Kollegen von der Financial Times Deutschland (FTD), es ist keine Neuigkeit, dass die Bundeswehr nur noch 350 statt der ursprünglich geplanten 405 neuen Schützenpanzer Puma bekommen soll – das war schon seit dem vergangenen Jahr klar. Interessant ist aber, dass jetzt wohl Klarheit über die finanziellen Auswirkungen herrscht: 55 Schützenpanzer weniger sparen nach FTD-Angaben dem Bund 340 Millionen. Und: im kommenden Jahr sollen nur elf statt wie zuvor geplant 23 Pumas ausgeliefert werden.Darauf konnten sich die Herstellerfirmen Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann ja schon seit einem halben Jahr einstellen – allerdings, so berichtet das Blatt, sähen die Aussichten für eine internationale Vermarktung des Waffensystems nicht so gut aus …

(Archivfoto Krauss-Maffei Wegmann)

(Der Bericht der FTD wird aus bekannten Gründen nicht verlinkt.)

 

Nutzen statt besitzen: 350 Pumas sind genug

Als Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Oktober seine Liste mit den künftigen Bestandszahlen des Großgeräts der Bundeswehr – Flugzeuge, Panzer, Schiffe – vorlegte, gab es heftige Kritik. Sowohl öffentlich (weniger Kampfpanzer als die Schweiz, wo kommen wir da hin) als auch, bisschen verhaltener und weniger öffentlich, aus der Industrie.Vor allem, weil die vorgesehenen Kürzungen Beschaffungsprojekte betreffen, die schon vertraglich vereinbart sind – auch wenn das jeweilige Gerät noch nicht oder nur zum Teil geliefert wurde.

Bei einem Großprojekt, dem Schützenpanzer Puma, scheint der Minister mit der geplanten Verringerung Erfolg zu haben. Statt der eigentlich bestellten 410 der neuen Schützenpanzer soll die Truppe ja nun nur noch 350 bekommen. Und die Industrie (konkret in diesem Fall: Krauss-Mafffei Wegmann und Rheinmetall) , heißt es aus dem Verteidigungsministerium, scheint das zu akzeptieren:

Nach erfolgreichen Gesprächen mit der Industrie hat das BMVg eine Reduzierung der Stückzahlen bei einem Großrüstungsprojekt eingeleitet. Mit dem am 15. Dezember paraphierten Eckpunktepapier haben sich die für den Bau des Schützenpanzers PUMA verantwortliche Landsystemindustrie und das BMVg auf eine mögliche Stückzahlreduzierung verständigt. Zukünftig soll die Bundeswehr anstelle der ursprünglich geplanten 410 nur noch 350 PUMA in der Truppe nutzen.

(Archivfoto Krauss-Maffei Wegmann)
Nun sagt ein solches Eckpunktepapier noch nicht wirklich, was eine solche Vereinbarung am Ende für das Ministerium (und damit den Steuerzahler) bedeutet, wie die Bewertung von Staatssekretär Stéphane Beemelmans deutlich macht: Mit dieser Vereinbarung haben das Bundesministerium der Verteidigung und die Industrie in guter Partnerschaft einen wichtigen Schritt für die Umsteuerung eines der bedeutsamen Hauptwaffensysteme der Bundeswehr gemacht. Nun gilt es, diesen vertraglich umzusetzen.

Auch ein Sprecher von KMW, der die grundsätzliche Einigung in Gesprächen in einer konstruktiven Atmosphäre bestätigt, bleibt an der Stelle vage: Was am Ende dabei herauskomme, sei eine Frage der vertraglichen Details.

Der Grund, der dahinter steht, ist natürlich die finanzielle Lage. weiterlesen