Fact oder Fiction – ‚Patriot‘ gehackt oder nicht?

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Die Geschichte läuft und läuft und läuft (und wird via E-Mail und Twitter unvermindert an mich herangetragen), deshalb komme ich wohl nicht drumrum, mal drauf einzusteigen: Deutsche Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot sollen möglicherweise beim Einsatz in der Türkei, nahe der syrischen Grenze, gehackt worden sein – das legt ein Bericht des Behördenspiegel nahe. Bundeswehr und Verteidigungsministerium sagen, davon sei ihnen nichts bekannt. Und auch sonst sind keine weiteren Informationen dazu aufgetaucht.

Die komplette Passage dazu aus dem Behördenspiegel, Ausgabe Juli 2015:

Nach Recherchen des Behörden Spiegel sollen auch deutsche “Patriot”-Flugabwehrsysteme, die zum Schutz des NATO-Partners Türkei an der syrischen Grenze stehen, “unerklärliche” Befehle ausgeführt haben. Fremdeingriffe eben!

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Neues Luftverteidigungssystem: Entscheidung für MEADS – mit Rückfalloption

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Die Entscheidung für das erste große Rüstungsprojekt unter der Ägide von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist gefallen: Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll die Bundeswehr ein neues Luftverteidigungssystem bekommen, das auf Basis der bisherigen Entwicklung für das  Medium Extended Air Defense System (MEADS) fertig entwickelt und beschafft werden soll. Die Streitkräfte soll das neue System, Nachfolger des bislang genutzten Pariot-Flugabwehrsystems, rund vier Milliarden Euro kosten. Angesichts der Risiken bei der noch nicht markverfügbaren Technik will das Ministerium mit so genannten quality gates, sozusagen Meilensteinen in der Entwicklung, eine Rückfalloption offen halten: Falls die MEADS-Entwicklung nicht läuft wie geplant, soll auch später ein Umschwenken auf das jetzt unterlegene Konkurrenzprodukt, eine Weiterentwicklung des Patriot-Systems der US-Firma Raytheon, möglich sein.

Den Planungen für das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) liegt die Überlegung zugrunde, mit Lenkflugkörpern einen Bereich von etwa 70 mal 70 Kilometern – zum Beispiel eine Großstadt, einen Flughafen, oder auch ein Feldlager im Auslandseinsatz – gegen möglichst viele Bedrohungen aus der Luft abzusichern. Das neue Verteidigungssystem soll ebenso gegen Flugzeuge und Hubschrauber wie gegen Marschflugkörper und Raketen bis hin zu Mittelstreckenraketen einsetzbar sein. Dafür wird eine 360-Grad-Abdeckung der zugehörigen Radarüberwachung verlangt; außerdem die Einbindung verschiedener Flugkörper zur Abwehr, da gegen vergleichsweise langsame Flugzeuge und Hubschrauber ein einfacherer und damit günstigerer Flugkörper genutzt werden soll.

Ausschlaggebend für die Entscheidung für eine Weiterentwicklung von MEADS, bei dem die deutsche und die italienische Tochter der Firma MBDA sowie die US-Firma Lockheed Martin federführend waren, war offensichtlich die nationale deutsche Hoheit über die Technologie des Systems. weiterlesen

Neues Luftverteidigungssystem: CSU-Abgeordneter bestätigt Entscheidung für MEADS

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Rüstungs-Staatssekretärin Katrin Suder und Generalinspekteur Volker Wieker wollten es eigentlich erst am (morgigen) Dienstag mitteilen, jetzt hat es der CSU-Verteidigungspolitiker Florian Hahn bereits bestätigt: Das neue Taktische Luftverteidigungssystem (TLVS) der Bundeswehr wird auf Basis des von den USA, Deutschland und Italien entwickelten MEADS (Medium Extended Air Defense System) beschafft. Damit hat die US-Firma Raytheon mit der angebotenen neuen Version ihres Patriot-Flugabwehrsystems das Nachsehen.

Hahn bestätigte die Entscheidung tagesschau.de:

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios hat der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, die Auswahlentscheidung getroffen, ein neues Boden-Luft-Abwehrsystem zu beschaffen. Grundlage für die Beschaffung soll das von der deutsch-italienischen Rüstungsschmiede MBDA und dem US-Unternehmen Lockheed Martin entwickelte System MEADS (Medium Extended Air Defense System) sein.
Der Bundestagsabgeordnete Florian Hahn, außen- und sicherheitspolitischer Sprecher der CSU, bestätigte der ARD den Vorgang.

Dass die Spitze des Ministeriums MEADS gegenüber Patriot den Vorzug gibt, war schon spätestens seit Mitte Mai absehbar. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums wollte dazu am Montagabend keinen Kommentar abgeben.

Details des milliardenteuren Deals dann wohl eher morgen.

(Foto: Ein Testschuss des MEADS-Systems mit einer PAC3-Rakete 2013 in White Sands – Lockheed Martin)

Angeblich Entscheidung über neues Flugabwehrsystem gefallen – auf MEADS-Basis

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Und noch ein feiertäglicher Merkposten: Angeblich, so meldet der Kollege Christoph Hickmann von der Süddeutschen Zeitung (Link aus bekannten Gründen nicht), ist die Entscheidung über das künftige Flugabwehrsystem TLVS (Taktisches Luftverteidigungssystem) der Bundeswehr gefallen. Auf der Basis des gemeinsam von den USA, Deutschland und Italien entwickelten MEADS (Medium Extended Air Defense System), das nach Fertigentwicklung nicht beschafft wurde, soll das neue System unter anderem vom Lenkflugkörper-Systemhaus MBDA gebaut und für die deutschen Streitkräfte beschafft werden:

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung soll der Nachfolger für das Flugabwehrraketen-System Patriot von der Firma MBDA kommen, die das gemeinsam mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin entwickelte System Meads zur Serienreife bringen soll. weiterlesen

Kabinett verlängert Patriot-Einsatz in der Türkei – mit Überzeugungsbrief an Abgeordnete

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Das Bundeskabinett hat am (heutigen) Mittwoch, wie erwartet, den Einsatz deutscher Patriot-Flugabwehrstaffeln im Süden der Türkei verlängert. Das Mandat muss jetzt noch vom Bundestag gebilligt werden. Die Mission, mit der im NATO-Auftrag die Südgrenze des Mitgliedslands Türkei vor möglichen (Raketenangriffen aus dem Nachbarland Syrien geschützt werden soll, wurde bislang gemeinsam von Deutschland, den USA und den Niederlanden bestritten – aus einem einfachen Grund: Nur diese drei Länder verfügen über Patriot-Systeme in der nötigen Konfiguration, mit den neuesten Flugkörpern vom Typ PAC3 gezielt Raketen abzuschießen.

Zwei Dinge sind bei dieser Mandatsverlängerung auffällig: Zum einen hatten die Niederlande bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass sie sich aus dem Einsatz Active Fence Turkey zurückziehen wollen, weil sie das mit ihrem Material und Personal nicht mehr durchhalten. Anstelle der beiden niederländischen Batterien rückt jetzt eine spanische Einheit nach (Foto oben beim Beginn der Verlegung am 29. Dezember) – allerdings verfügen, so mein Kenntnisstand, die Spanier gar nicht über Patriot in der für PAC3 nötigen Konfiguration. Sind also gar nicht auf die Aufgabe als Raketenschutzschild spezialisiert…

Und zum anderen: Für die Verlängerung des Mandats haben Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Anfang der Woche noch mal eigens in einem gemeinsamen Brief an die Bundestagsfraktionen geworben. Nicht zuletzt, um aufkommende Kritik auch in den Koalitionsreihen zu besänftigen. Aus dem Schreiben, das Augen geradeaus! vorliegt, ein paar zentrale Passagen: weiterlesen

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